Die Elbe ist flach geworden – stellenweise sehr flach. In der Nähe des Fähranlegers in Bleckede (Landkreis Lüneburg) legt der Fluss inzwischen einen sogenannten Hungerstein frei. “Geht dieser Stein unter, wird das Leben wieder bunter”, lautet die Inschrift. Wahrscheinlicher allerdings ist, dass der Stein in den kommenden Tagen noch weiter aus dem Wasser ragen wird. Denn nennenswerte Regenfälle seien erst einmal nicht angekündigt, sagte Andre Brück vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Neu Darchau NDR 1 Niedersachsen. Der Wasserstand wird also voraussichtlich noch weiter sinken. Dabei lag er am Freitagmorgen schon nur noch bei 71 Zentimetern – und damit lediglich vier Zentimeter über dem historischen Tiefstand von 67 Zentimetern, der im Jahr 1947 gemessen wurde.

Durch die anhaltende Dürre ist der Wasserstand der Elbe so weit abgefallen, dass die meisten Fähren nicht mehr fahren. In Neu Darchau nähert sich der Pegel dem historischen Tiefstand.

Hungersteine sind Felsen im Flussbett, die Menschen während früherer Dürreperioden mit Inschriften oder Jahreszahlen versehen haben. Die Inschriften sind zum Teil einige Jahrhunderte alt. Nach Ansicht von Historikern bürgerte sich der Name Hungerstein ein, weil die von der Schifffahrt lebenden Menschen früher bei Niedrigwasser keine Einkünfte hatten. In der Elbe gibt es Dutzende solcher Hungersteine.

Der durchschnittliche Wasserstand liegt in Neu Darchau nach Angaben des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bei fast drei Metern. Ein Niedrigwasser im Sommer sei an sich nicht ungewöhnlich, sagte ein NLWKN-Sprecher. Die derzeitige Situation sei allerdings bemerkenswert. Wichtig sei aber vor allem, wie viel Wasser pro Sekunde eine bestimmte Stelle am Fluss passiert. Die Abflusswerte seien von den bekannten niedrigsten Niveaus noch deutlich entfernt und die Sauerstoffsituation im Fluss noch in Ordnung, so der Sprecher. Seit Mitte Juli werden die chemischen und biologischen Auswirkungen des Niedrigwassers anhand von Messungen eingeschätzt.

Für die Elb-Anwohner im Landkreis Lüneburg, vor allem diejenigen auf der linken Elb-Seite, wird die Situation allerdings immer schwieriger. Schon seit knapp vier Wochen fährt die Fähre “Tanja” zwischen Darchau und Neu Darchau nicht mehr. Sollte der Pegel der Elbe weiter sinken, müsste bald auch die Fähre “Amt Neuhaus” in Bleckede den Betrieb einstellen – und sie ist für die Anwohner in Amt Neuhaus zurzeit die einzige Möglichkeit, um schnell über die Elbe zu kommen.

Eine andere Möglichkeit wäre nur noch ein Umweg über die Brücke in Lauenburg. Allerdings staut es sich nach Angaben der Gemeinde dort im Berufsverkehr. Es dauere bis zu zwei Stunden, um von Amt Neuhaus über die Elbe zu kommen. Auch die weiter südlich gelegene Brücke bei Dömitz bedeutet eine deutliche Verlängerung der Fahrzeiten. Eine Brücke bei Neu Darchau über die Elbe ist seit Langem im Gespräch. Doch scheiterte das Vorhaben bislang an den Kosten.

Der Wasserstand der Elbe ist historisch niedrig. Viele Fähren mussten den Betrieb einstellen. Die “Amt Neuhaus” bei Bleckede kann aber noch fahren. Die Frage ist, wie lange noch? Video (01:28 min)

Wenn die “Amt Neuhaus” nicht mehr fahren könnte, wäre dies ein historisches Ereignis. Seitdem die Fähre in Bleckede den Betrieb nach der Grenzöffnung der DDR wieder aufgenommen hat, musste sie noch nie wegen Niedrigwassers den Betrieb einstellen. Die Gemeinde Amt Neuhaus liegt nordöstlich von Bleckede auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe und gehörte bis 1993 zu Mecklenburg-Vorpommern.

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Nur noch 48 Zentimeter beträgt der Pegelstand in der Elbe in Magdeburg an der Strombrücke. So niedrig stand dort das Wasser seit mehr als 80 Jahren nicht mehr.

Die Elbe hat in Magdeburg ihren historischen Tiefststand erreicht. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) beträgt der Pegelstand an der Strombrücke am späten Donnerstagvormittag 48 Zentimeter. Damit steht das Elbewasser genau so tief wie 1934.

Auch in den kommenden Tagen verharrt der Elbpegel auf niedrigem Niveau. Der niedrige Wasserstand beeinträchtigt seit Wochen die Schifffahrt in Sachsen-Anhalt. Frachtschiffe weichen auf andere Routen aus. Die Weiße Flotte hat den Betrieb ihrer Ausflugsschiffe zumindest im Stadtgebiet Magdeburg eingestellt. Ab Freitag fährt auch die Elbfähre Arneburg nicht mehr.

Schaulustige sollten sich nicht von der elektronischen Anzeige am Elbufer irritieren lassen, die zuletzt noch mehr angezeigt hatte, sagte ein Sprecher des WSA MDR SACHSEN-ANHALT. Sie sei träge programmiert und springe nicht für jeden Zentimeter hin und her.Für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt bedeutet der Stand erstmal nicht viel, denn das Amt misst rund um die Uhr alle 15 Minuten den Wasserstand. Aus allen Daten wird der Mittelwert gebildet. Die Messsysteme müssen kontrolliert, die Daten auf ihre Plausibilität geprüft werden. Nur wenn danach ein Wert von 48 Zentimetern steht, wäre für die Behörden das Allzeittief von 1934 wieder erreicht.

Landwirte, Gärtner und Förster leiden unter dem ausbleibenden Regen in Sachsen-Anhalt. Die heißen Temperaturen lassen Felder austrocknen. Die Ernteausfälle sind teils gravierend. Auch die Waldbrandgefahr ist extrem hoch.

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Schon sehr traurig mit anzusehen was in diesem Jahr passiert. Die Flüsse trocknen aus, in Seen sterben die Fische, Landwirte stehen vor dem Ruin, Wälder brennen. Wenn die Dürre so weiter geht, wird bestimmt auch noch das Trinkwasser irgendwann knapp.Dann haben die Menschen ein riesen Problem und niemand kann uns Helfen.

Was war denn 1934, bei einem noch deutlich natürlicherem Flusslauf und viel weniger Industrie für diesen Tiefstand verantwortlich?

Abgesehen davon das das es eine Katastrophe wäre wenn die Elbe Austrocknet, wäre es aber doch mal Interessant zu sehen wie die Elbe ohne Wasser aussieht.