Wuppertaler SV: Manuel Bölstler mit sofortiger Wirkung freigestellt – MSPW – Media Sportservice - Media Sportservice West
WSV feuert Bölstler – Hutwelker übernimmt
Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Von Jörn Koldehoff Wie der Verein am Samstagmittag in einer Pressekonferenz bekanntgab, gebe es aber entsprechende Angebote. Man hoffe, den Vorgang am Wochenende abwickeln zu können.

Nach Angaben des Clubs fehlen bis Mai weitere 100.000 Euro, zusätzliche 150.000 Euo hoffe man wie jedes Jahr umwandeln zu können. Die Einnahmen aus der Crowdfunding-Aktion und den Einsparungen im Personalbereich seien bereits enthalen.

Der WSV hat sich derweil von Sportdirektor Manuel Bölstler mit sofortiger Wirkung getrennt. Nach Rundschau-Informationen handelt es sich um eine fristlose Kündigung. Ob Bölstlers Vertrag bis 2020 oder 2022 läuft, würden wohl die Gerichte klären, so Eichner.

Bölstlers Posten übernimmt bis zum Saisonenede zunächst Karsten Hutwelker auf ehrenamtlicher Basis. Trainer Adrian Alipour, dessen Vertrag bis 2020 läuft, soll zumindest bis zum Saisonende bleiben. Bölstler wollte sich auf Rundschau-Nachfrage inhaltlich nicht äußern. Er hat die Angelegenheit seinem Anwalt Horst Kletke übergeben.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Wenige Minuten später fuhr er vom Hof – ganz offenbar vom Hof gejagt.

Über Gründe, die ihm für die Trennung genannt wurde, genauso wie die Frage ob es eine Kündigung, eine Freistellung oder eine Trennung im beiderseitigen Einvernehmen sei, wollte sich Bölstler ebensowenig wie der Vorstand äußern. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte er nur: Ich habe die Angelegenheit an meinen Anwalt Horst Klettke übergeben. Klettke gilt in Sportlerkreisen als renommierter Anwalt, hatte auch schon in Sachen WSV zu tun gehabt.

Wie das Kapitel Bölstler letztlich zu Ende geht, scheint also noch offen, sicher ist, dass es für den WSV ein schillerndes und einschneidendes war. Kritik gegen ihn war in den vergangenen Jahren immer wieder hochgekommen, allerdings auch Anerkennung für zumindest zeitweisen sportlichen Erfolg.

Die jetzige Trennung kam für ihn in der Geschwindigkeit wohl überraschend. Am vergangenen Samstag hatte er noch sehr engagiert an der Seitenlinie das 1:0 des Regionalliga-Teams in Aachen begleitet, am Donnerstag auch die Spieltagspressekonferenz zur inzwischen abgesagten Partie gegen Dortmund besucht.

Bölstler, der von 2006 bis 2008 schon einmal Spieler des WSV gewesen war, war wieder im Jahr 2015 zum WSV geholt worden, zunächst noch als Spieler und als Sportdirektor. Das war damals noch als berufsbildende Maßnahme für die der WSV Zuschüsse erhielt. Ab der Regionalliga wurde er vom WSV aber gut bezahlt – zu gut wie manche meinten. Sein Jahresgehalt soll nach WZ-Informationen bei 100 000 Euro gelegen, also mehr als zehn Prozent des Etats der Regionalliga-Mannschaft.

Mit dem früheren Trainer Stefan Vollmerhausen schien er zunächst ein unzertrennliches Duo zu bilden, unter beiden gelang der Aufstieg in die Regionalliga. Danach wollte der damalige Vorstandssprecher Alexander Eichner Bölstlers Vertrag eigentlich nicht verlängern, was nach internen Widerständen dann aber doch geschah. Im Oktober 2016 legte dann Eichner sein Amt nieder.

Nach Platz elf im ersten Regionalliga-Jahr galt Bölstler dann als Vater des Konzepts WSV 2020, das den WSV bis 2020 durch jährliche Etatsteigerungen reif für den Drittligaaufstieg machen sollte. In diesem Zuge übernahm er ab Februar 2017 auch Vorstandsverantwortung, galt als Sportvorstand und hauptamtlicher Sportdirektor nun als der starke Mann im Verein. Einhergehend damit waren zahlreiche personelle Wechsel in der Winter- und Sommerpause. Seine Kontakte in die Spielerberaterszene gelten als exzellent, wobei er offenbar besonders gern mit der Agentur seines Ex-WSV-Kollegen Michael Stuckmann zusammenarbeitet, der mehrere WSV-Spieler unter Vertrag hat. Diese Nähe wurde Bölstler von Kritikern immer wieder vorgeworfen.

Im Winter 2017/18 entzweite sich Bölstler dann mit Stefan Vollmerhausen, setzte den A-Jugend-Trainer Christian Britscho ein, unter dem die Mannschaft am Saisonende Dritter wurde. Im Sommer nochmals namhaft verstärkt, standen nach sechs Spieltagen nur sieben Punkte auf dem Konto des WSV. Die Balance im Team, dass auf einigen Positionen überbesetzt schien, stimmte offenbar nicht. Bölstler entließ Britscho und holte Adrian Alipour vom ASC Dortmund, der bis zum Winter einen Punkteschnitt von 1,64 pro Spiel holte, den WSV aber auch nicht näher an die Spitze heranführen konnte.

Kritik, dass er trotz sich abzeichnender finanzielle Probleme weiter in den Kader investiert habe, beantwortete Bölstler stets damit, dass er den ihm zugestanden Sportetat eingehalten habe. Alexander Eichner verglich die damalige Vereinsführung mit einer Flugzeugbesatzung, die zum Höhenflug angesetzt habe, dann in den Blindflug übergegangen sein und dann die Augen davor verschlossen habe, dass mit sich längst im Kamikazeflug befindet.

In diesem Winter folgte dann der große Knall mit Rettungsaktion und der Freigabe für etliche Spieler, die den Verein dann auch verließen, um ihn finanziell zu entlasten. Vor gut zwei Wochen war Bölstler zusammen mit seinem Vorstandskollegen Lothar Stücker und dem Verwaltungsratsvorsitzenden Thomas Lenz als Vorstand zurückgetreten. Sie hatten sich gegenüber dem Verwaltungsrat mit ihrer Empfehlung, sich wegen angeblicher Verfehlungen von Vorstandsfrau Maria Nitzsche zu trennen, nicht durchsetzen können. Unter dem neuen kommissarischen Vorstand sank dann auch Bölstlers Stern als Sportdirektor.

Als Spieler hatte der inzwischen 35 Jahre alte gebürtige Tübinger viele Stationen: VfB Stuttgart II (2001/02), Cambuur Leeuwarden (2002/05), Darmstadt 98 (2005/06), Wuppertaler SV (2006/08), Rot Weiss Ahlen (2008/09), Rot-Weiß Erfurt (2009/10), Arminia Bielefeld (2010/11), Hapoel Kfar Saba (2011/12), Karlsruher SC (2012713), FC Gütersloh (2013/14), Westfalia Herne (2014/15), WSV.

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