Hausexplosion in Wuppertal: Haft für 20-fachen Mordversuch - WDR Nachrichten
Wuppertal: Hauseinsturz nach Explosion – fast acht Jahre Haft für Täter
Video starten, abbrechen mit Escape Hausexplosion: Staatsanwalt ermittelt wegen Mordversuchs | Lokalzeit Bergisches Land | 25.06.2018 | 02:31 Min. | Verfügbar bis 25.06.2019 | WDR

Die Staatsanwaltschaft hatte zehneinhalb Jahre Haft gefordert. Die Richter kamen dem am Montag (11.03.2019) nicht nach. Sie verurteilten den Angeklagten zu sieben Jahren und zehn Monaten für zwanzigfachen Mordversuch und schwere Brandstiftung. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft und mit über 50 sehr haftempfindlich. Seine Schuld sei groß, sagte der Vorsitzende Richter: Es war reines Glück, dass das nicht schlimmer endete. Eine Frau mit drei Kindern musste springen, retten, was zu retten ist. Das zu therapieren braucht viel Zeit.

Er setzte sich auf die Couch und schlief ein. N. auf Nachfragen in der Verhandlung: Ich schätze so zwei, drei Stunden. Nach dem Aufwachen wollte ich mir eine selbst gedrehte Zigarette anzünden. Es gab einen Mordswumms. Ich sah fast gar nichts, alles war voll Staub. Holz war auf mich gekracht. Von draußen rief einer, guck dir an, was du angerichtet hast. Zwei haben mich raus gezogen, danach weiß ich nichts mehr. Ich kam auf der Pritsche im Krankenwagen noch mal kurz zu mir. Dann erst im Krankenhaus wieder.

Mieter jagte Haus in die Luft! Knapp acht Jahre Haft

Liebeskummer sei sein Motiv gewesen, so betonte es der geständige und rechtskräftig verurteilte Angeklagte im Prozess mehrfach. Seine Frau habe ihn verlassen und wollte nicht mehr zurück. Also drehte er das Gas in seiner Wohnung auf – mit 2,25 Promille im Blut. Die angezündete Zigarette führte zur Beinahe-Katastrophe.

Audio starten, abbrechen mit Escape Hausexplosion: "Wir wussten, dass wir ganz schnell rausmussten" WDR 2 | 25.06.2018 | 03:31 Min.

Er sieht sich nicht als versuchten Mörder, sondern als verzweifelte Person, so das Gericht. Die Verzweiflung sei aber ganz auf Seiten seiner Mitbewohner gewesen. Gottseidank war der hintere Ausgang des Hauses frei. Mehrere Bewohner flüchteten barfuß über eine Fernwärmeleitung, die über die angrenzende Wupper führte.

Wuppertal – Für die verheerende Gas-Explosion und den Einsturz eines Wohnhauses in Wuppertal hat das Landgericht Mieter Volker N. (54) wegen 20-fachen Mordversuchs schuldig gesprochen. Urteil: sieben Jahre und zehn Monate Haft!

Der Angeklagte muss seinen Mitmietern – mehrere waren Nebenkläger im Prozess – Schadenersatz zahlen. Eine Entscheidung ohne Wert: Der Mann ist nach eigenen Angaben vollkommen mittellos.

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Für die verheerende Gasexplosion und den Einsturz eines Wohnhauses in Wuppertal hat das Gericht einen Mieter des Hauses wegen 20-fachen versuchten Mordes schuldig gesprochen. Das Landgericht verhängte am Montag sieben Jahre und zehn Monate Haft gegen den 54-Jährigen.

Im Juni zerstörte ein Mann (54) mit einer Gasexplosion ein Haus in Wuppertal. Jetzt beginnt gegen ihn der Prozess.

Der Mieter hatte gestanden, in suizidaler Absicht die Gasleitung in seiner Wohnung geöffnet und sich eine Zigarette angezündet zu haben. Durch die Explosion war das Haus eingestürzt. Es ging ihm um etwas mit Knalleffekt, den letzten großen Auftritt, mit einer gewissen Theatralik – die ist ihm ohnehin eigen, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Einer der Bewohner war durch die Wucht der Detonation am 24. Juni vergangenen Jahres auf die Straße geschleudert worden. Er schwebte in Lebensgefahr und ist seither ein Pflegefall. Stunden später war das Mehrfamilienhaus eingestürzt. Etwa 30 Menschen, darunter auch kleine Kinder und Jugendliche, hatten in der Nacht ihr Zuhause verloren.

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Nach der Explosion hätten kriegsähnliche Zustände in der Straße geherrscht, sagte der Richter. Hausbewohner seien barfuß über ein Rohr über die Wupper balanciert, um sich aus dem brennenden Haus zu retten. 200 Einsatzkräfte waren im Großeinsatz. Der Verurteilte habe neben einem jahrzehntelangen Alkoholismus auch mehrere Suizidversuche hinter sich und sei psychisch labil gewesen.