Leere Tankstellen in NRW!
Plötzlich kein Sprit mehr:Deutsche Tankstellen laufen leer
Der niedrige Pegelstand des Rheins sorgt für Lieferengpässe – erste Tankstellen sitzen auf dem Trockenen. Obwohl der Rohölpreis sinkt, werden Benzin und Diesel immer teurer.

Es ist schon eher ungewöhnlich, dass man in Deutschland an einer Tankstelle keinen Sprit mehr bekommt. Genau das ist nun aber mehrfach passiert. Schuld ist der fehlende Regen – und dann gibt es noch ein paar andere Faktoren.

Die Fahrt zur Tankstelle wird in diesen Tagen für viele Autofahrer zum Ärgernis – nicht nur wegen der hohen Spritpreise. Denn einzelne Tankstellen mussten den Verkauf von Benzin oder Diesel zeitweise sogar ganz einstellen, weil ihnen der Sprit ausgegangen war, wie Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT) in Bonn, sagte. Meist bekomme die Tankstelle aber nach einigen Stunden oder am nächsten Tag Nachschub.

Andreas Schüttert wartet am Dienstagnachmittag geduldig auf seinen Lieferanten. Für 15 Uhr hat er sich angekündigt und soll neuen Sprit bringen. Den Zapfhahn für Benzin musste der Tankstellenwart schon sperren. Außer Betrieb steht auf dem Zettel, den der Betreiber der SB-Station an der Sandstraße dort angebracht hat. So wie in der vergangenen Woche, als er den Diesel-Zapfhahn schließen musste.

Welche Tankstelle es treffe, sei nicht vorhersehbar. "Das ist wie bei einem Gewitter. Da weiß man auch nicht, wo der Blitz einschlägt", sagte Zieger.

Auch Leonie Büchmann kennt das Problem. Die Inhaberin der Aral-Tankstelle an der Horster Straße saß zuletzt des öfteren auf dem Trockenen. Die vergangene Woche war eine Katastrophe. Am Montagmorgen kam dann zwar endlich eine lang ersehnte Lieferung, aber: Das reicht nicht, ich schätze der Sprit reicht nun etwa für die nächsten zweieinhalb Tage.

Grund für die Lieferengpässe sei vor allem der niedrige Rheinpegel, sagte ein Sprecher des Tankstellen-Branchenführers Aral in Bochum. "In den Tanklagern entlang des Rheins kommt nicht genug Treibstoff an, weil die Tankschiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin und Diesel transportieren können." Die Transportkapazität der Schiffe sei nur zu einem Teil durch Lastwagen zu ersetzen.

Lokales Höhere Preise durch gestiegene Frachtkosten Die Lieferschwierigkeiten sind auch Grund für die derzeitig hohen Sprit-Preise, sagt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Zentralverbandes des Tankstellengewerbes. Grund sind die gestiegenen Frachtkosten. Ein Tankwagen kann deutlich weniger transportieren als ein Schiff.

Der Reformationstag und Allerheiligen in der vergangenen Woche hätten die Situation zusätzlich erschwert, weil Feiertagsfahrverbote für Lastwagen gegolten hätten, sagte der Sprecher weiter. Aral arbeite mit Hochdruck an der Lösung der Logistik-Probleme.

Gladbeck.   Betreiber müssen wegen des niedrigen Rheinpegels Zapfhähne sperren, da Spritvorräte aufgebraucht sind. EinigeTankstellen in Gladebeck sind betroffen.

Auch das Tankverhalten der Autofahrer spielt nach Angaben von BFT-Geschäftsführer Zieger eine Rolle beim Spritmangel. "Sie tanken aus Furcht vor einem leeren Tank früher als üblich." Dadurch würden auch die Tanks der Tankstellen schneller leer. "Das löst dann oft einen Dominoeffekt aus", sagte Zieger. "Wer an der ersten Tankstelle kein Benzin bekommt, fährt zu nächsten weiter. Und die kann dann auch leerlaufen."

Beschwerden von Kunden über die hohen Preise gab es bislang nicht, sagt Leonie Büchmann von der Aral-Tankstelle.

Der Mineralölwirtschaftsverband nennt einen weiteren Grund für die Versorgungslücken: die Explosion in einer Raffinerie im bayerischen Vohburg an der Donau im September. Der dortige Produktionsausfall verschärfe die Situation in Süddeutschland, sagte ein Sprecher. Die Freigabe von Kraftstoff aus der deutschen Erdölreserve habe zu keiner durchgreifenden Verbesserung der Lage geführt. Der Erdölbewirtschaftungsverband hatte unter anderem 150.000 Tonnen Dieselkraftstoff aus den Reserven angeboten. In Deutschland werden pro Monat etwa 3 Millionen Tonnen Diesel abgesetzt.

Eine durchgreifende Entspannung bei der Versorgung der Tankstellen mit Benzin und Diesel werde es nur bei steigenden Wasserständen geben. Vorher sei auch wegen der derzeit deutlich höheren Transportkosten kaum mit einem Rückgang der Preise zu rechnen.