Wolfsburg: 100 Millionen Euro für Platz 16 - kicker
BVB zahlt doppelt so viel an Berater wie Bayern – Wolfsburg mit höchstem Verlust
Der VfL Wolfsburg in der Saison 2017/2018. Im Jahr nach der Relegationsrettung gegen Eintracht Braunschweig wiederholte sich die sportliche Talfahrt. Wieder ging es als Tabellen-16. in die Relegation, diesmal gelang gegen Holstein Kiel der Verbleib in der Bundesliga. Nun gab die DFL die die Finanzkennzahlen der Klubs aus dieser Spielzeit bekannt – und die Niedersachsen geben auch finanziell kein gutes Bild ab. Der VfL machte einen Verlust von fast 20 Millionen Euro.

“DFL-Klubs bekennen sich zu mehr finanzieller Transparenz” verkündete die DFL im Dezember 2018. Bei der Mitgliederversammlung stimmte die Mehrheit der Vereine für die Offenlegung wesentlicher Finanzkennzahlen wie den Personalaufwand, Spielerberaterhonorare, letztlich Gewinne und Verluste.

Dieser Vertrag sieht aber auch vor, dass die VfL-Fußball-GmbH erzielte Gewinne an VW abführen muss. So wie nach der Saison 2015/16, als Spieler wie Kevin De Bruyne für knapp 80 Mio zu Manchester City, Ivan Perisic für knapp 18 Mio zu Inter Mailand und das Erreichen des Viertelfinales in der Champions League für einen bereinigten Gewinn von knapp 70 Mio Euro sorgten. Der VfL Wolfsburg wird aktuell mit geschätzt 80 Mio Euro pro Saison von VW unterstützt. In den Jahren zuvor war das Investment des Automobil-Konzerns noch höher.

Finanzkennzahlen aus 2017/18: Wolfsburgs Kader verdiente 100 Mio

Der VfL Wolfsburg, der seit 2011 keine Bilanzen mehr veröffentlicht und bei der Abstimmung dagegen votierte, steht bei der Bekanntmachung am heutigen Mittwoch nicht gut da – mit einem Minus von 19,7 Millionen Euro erwirtschafteten die Niedersachsen im Geschäftsjahr 2017/2018 ligaweit den größten Verlust, allein der Wolfsburger Personalaufwand betrug fast 128 Millionen Euro. Das wurde nur vom FC Bayern mit 315 Millionen Euro und Borussia Dortmund mit rund 187 Millionen Euro getoppt.

“Uns ist bewusst, dass diese Zahl nicht gering ist und nicht einhergegangen ist mit dem sportlichen Erfolg”, konstatiert VfL-Geschäftsführer Dr. Tim Schumacher. “Wir hatten einen Kader, der für einen Relegationsplatz zu teuer war.”

Von den 128 Millionen Euro flossen rund 100 Millionen Euro in den Bereich des Profikaders. Sprich: Der VfL zahlte wie ein Champions-League-Teilnehmer, spielte aber wie ein Absteiger. Aufwand und Ertrag standen in einem krassen Missverhältnis. Ein schlechtes Zeugnis für den damaligen Sportdirektor Olaf Rebbe und auch dessen Vorgänger Klaus Allofs, der im Dezember 2016 freigestellt wurde.

Vorteil für den VfL: Aufgrund des seit Sommer 2011 bestehenden “Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages”, der zwischen der Fußball-GmbH und dem Volkswagen-Konzern geschlossen wurde, gleicht der Eigner sämtliche Verluste des Tochterunternehmens aus. Gleichzeitig muss der VfL jedoch auch jegliche Gewinne – in der Saison 2015/2016 etwa erwirtschaftete der Klub im Jahr des De-Bruyne-Verkaufs und des Einzugs ins Champions-League-Viertelfinale ein Plus von rund 70 Millionen Euro – an VW abführen.

Nach Steuern machte der VfL in der Spielzeit 2017/18 19,71 Mio Verlust und war damit Liga-Primus. Über den am 13. Juli 2011 geschlossenen und vorerst bis 2021 gültigen ‚‚Beherrschungs-und Gewinnabführungsvertrag mit Mutterkonzern Volkswagen wurde das erwirtschaftete Minus durch den Autobauer ausgeglichen.

„Wir müssen ein Gehaltsgefüge haben, das dem sportlichen Erfolg entspricht. Wir haben den einen oder anderen Spieler, der zu internationalen Bedingungen verpflichtet worden ist, aber vielleicht aktuell sportlich keine Rolle spielt.“VfL-Geschäftsführer Dr. Tim Schumacher

Das krasse Missverhältnis beim VfL zwischen den Investitionen und dem sportlichen Erfolg hat zumindest offiziell zu einem Umdenken geführt. “Uns war bewusst, dass wir uns auch wirtschaftlich konsolidieren müssen”, sagt Schumacher. “Wir müssen ein Gehaltsgefüge haben, das dem sportlichen Erfolg entspricht. Wir haben den einen oder anderen Spieler, der zu internationalen Bedingungen verpflichtet worden ist, aber vielleicht aktuell sportlich keine Rolle spielt.”

Fazit: Aufwand erstklassig, Ertrag beinahe zweitklassig– und das zwei Mal in Folge. ‚‚Uns ist bewusst, dass diese Zahl nicht gering ist und nicht einhergegangen ist mit dem sportlichen Erfolg, gibt Wolfsburgs Finanz-Geschäftsführer Dr. Tim Schumacher offen und ehrlich zu.

An Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer liegt es nun, ein Gleichgewicht zwischen Erfolg und finanziellem Einsatz hinzubekommen. “Wir sind dabei, den Kader zu optimieren”, erklärt Schumacher. “Diese Konsolidierung dauert sicher zwei, drei Spielzeiten.”

Schon im Winter wurde deutlich, dass Boss Schmadtke den Weg der wirtschaftlichen Unvernunft verlässt. Als es darum ging, womöglich einen Ersatz für den verletzten Daniel Ginczek verpflichten zu wollen, sagte er: “Wir haben eine Wirtschaftlichkeit zu berücksichtigen.” Und auch jetzt betont er gegenüber dem kicker: “Wir werden unseren Weg fortsetzen. Es gibt bei uns wirtschaftliche Grundsätze und Rahmenbedingungen.”

In diesem Bereich bewegt sich der Geschäftsführer des VfL. Jedoch sind ihm zum Teil die Hände gebunden, auch in der gerade abgelaufenen Spielzeit wird der VfL wieder ein dickes Minus gemacht haben. Denn: Spieler wie zum Beispiel Paul-Georges Ntep, der sportlich keine Minute zum Einsatz kam und nicht transferiert werden konnte, werden weiterhin fürstlich bezahlt.

Gut: Der VfL versuchte gar nicht erst, die Zahlen schön zu reden. Schumacher: Wir hatten einen Kader, der für einen Relegationsplatz zu teuer war! Und zu teuer ist – nicht ohne Grund haben Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten begrenzt sind. Was auch daran liegt, dass teure Spieler in Wolfsburg unter Vertrag waren oder sind (wie etwa Jeffrey Bruma oder PG Ntep), die sportlich unter den Erwartungen blieben. Schumacher: “Wir haben den einen oder anderen Spieler, der zu internationalen Bedingungen verpflichtet worden ist, aber vielleicht aktuell sportlich keine Rolle spielt. Wir sind dabei, den Kader zu optimieren.”

Und auch die Spielerberater haben in der Saison 17/18 gut verdient in Wolfsburg. 21,6 Millionen Euro gingen in die Taschen der Vermittler, auch hier liegt der VfL im Ligavergleich weit vorne. Konkret: Nur Borussia Dortmund (40,9 Millionen Euro), Bayer Leverkusen (22,7 Millionen Euro) und der FC Bayern (22,4 Millionen Euro) zahlten mehr. Geschäftsführer Schumacher: “Die Zahlungen an Berater sind generell insgesamt zu hoch.” Während jedoch München Meister wurde, Leverkusen als Fünfter in die Europa League und der BVB als Tabellenvierter in die Champions League einzogen, spielte Wolfsburg erneut in der Relegation.

Hauptgrund für die 19,7 Millionen Euro Miesen sind Personalkosten von 127,9 Millionen (genau: 127.873.000) Euro – das ist Platz drei in der Liga hinter Bayern (315 Millionen) und Dortmund (186,7). In dieser Summe stecken zwar alle Angestellten, vom Platzwart über die Sekretärin bis zur U23 und dem Frauenteam, aber die Bundesliga-Profis (und ihre Trainer und ihr Staff) machen mit rund 100 Millionen den mit Abstand größten Teil aus – und das für eine Mannschaft, die 2018 die Bundesliga auf Rang 16 beendet hat. Uns ist bewusst, dass diese Zahl nicht gering ist”, so VfL-Finanzgeschäftsführer Dr. Tim Schumacher, “und nicht einhergegangen ist mit dem sportlichen Erfolg.

Müssen sich die Niedersachsen, die nun in die Europa League eingezogen sind, angesichts der schlechten Bilanz Sorgen machen in Bezug auf das Financial Fairplay (FFP) machen? Schumacher: “Wir gehen davon aus, dass es keine Schwierigkeiten geben wird.”

Zum ersten Mal legte die DFL jetzt Bilanzzahlen der Klubs aus der 1. und der 2. Liga öffentlich vor. Dass diese Zahlen nicht mehr unter Verschluss bleiben, haben die Klubs in einer Abstimmung selbst entschieden – gegen den Willen des VfL Wolfsburg und anderer Klubs übrigens, die sich dem Mehrheitsvotum beugen mussten. Die jetzt veröffentlichten Zahlen beziehen sich nicht auf die abgelaufene Saison, sondern auf die Spielzeit 2017/18, die für den VfL mit der Relegation gegen Kiel geendet hatte. Unterm Strich erwirtschaftete der Wolfsburger Fußball-Bundesligist in der betreffenden Saison ein sattes Minus von fast 20 Millionen Euro.

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Zu den Kosten, die unter “Abschreibungen” und “Sonstige betriebliche Aufwendungen” verbucht werden, gehören im übrigen auch die Ausgaben für Spielerberater- und vermittler. Hier liegt der VfL mit 21,6 Millionen Euro an vierter Stelle der Liga – nur Dortmund (40,9 Millionen), Leverkusen (22,7) und der FC Bayern (22,4) gaben mehr aus – wobei Leverkusen nicht nach der Saison, sondern nach dem Kalenderjahr (in diesem Fall 2018) abrechnet. Schumacher: “Die Zahlungen an Berater sind generell insgesamt zu hoch.”

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Gemessen an seinem sportlichen Erfolg hat der VfL Wolfsburg in der Vergangenheit viel zu viel Geld ausgegeben. Diese wenig überraschende Erkenntnis wird durch Bilanz-Zahlen untermauert, die die DFL am Mittwoch veröffentlicht hat.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat am Mittwoch erstmals die Finanzkennzahlen für das Jahr 2018 von allen 36 Klubs aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga veröffentlicht. Dabei sind einige erstaunliche Werte herausgekommen.

Community I Alle Vereinsforen zur Bundesliga Jetzt mitreden! Der VfL Wolfsburg hatte demnach beim Ergebnis nach Steuern mit 19,7 Millionen Euro den höchsten Verlust und zudem die dritthöchsten Personalkosten aller Bundesligisten, belegte aber dennoch nur Rang 16. „Uns ist bewusst, dass diese Zahl nicht gering ist und nicht einhergegangen ist mit dem sportlichen Erfolg. Wir hatten einen Kader, der für einen Relegationsplatz zu teuer war“, sagte VfL-Finanzgeschäftsführer Tim Schumacher am Mittwoch.

Aufgelistet wurden die Zahlen bei manchen Vereinen im Kalenderjahr 2018 und bei anderen Klubs – wie bei Wolfsburg – für die Saison 2017/2018, weil die abgelaufene Spielzeit (bis 30. Juni) offiziell noch nicht beendet ist.

Community II Alle Vereinsforen zur 2. Bundesliga Jetzt mitdiskutieren! Auffällig ist auch: Borussia Dortmund hat laut der Veröffentlichung 40,9 Mio. Euro an Spielerberater ausgezahlt – eine höhere Summe als Ligarivale SC Freiburg beim kompletten Personalaufwand und fast das Doppelte der Aufwendungen für Berater beim ärgsten Konkurrenten aus München, wo der FC Bayern 22,4 Mio. Euro investierte. Auch Bayer 04 Leverkusen (22,7 Mio. Euro) und Wolfsburg (21,6 Mio. Euro) zahlten kräftig an Spielerberater. Zum Vergleich: Liverpool gab für Spieleragenten insgesamt 48 Mio. Euro aus.

Die deutschen Klubs hatten sich im Dezember mit einer Zweidrittelmehrheit dafür ausgesprochen, diese Zahlen künftig von allen Profivereinen publik zu machen und damit für mehr Transparenz zu sorgen. Von den 18 Bundesligisten der kommenden Saison hatten beim Ergebnis vor Steuern 14 Klubs ein positives Ergebnis.