Zehn Jahre Meisterschaft: Starker Film über den Titel des VfL Wolfsburg - Sportbuzzer
Felix Magath: “Keiner will mehr Meister werden”
Auf den Tag genau zehn Jahre nach der Meisterschaft des VfL Wolfsburg hatte ein außergewöhnlicher Film im Wolfsburger Delphin-Kino Premiere – Produzent Chris Krüger hat dafür einen Schatz aus den VfL-Archiven gehoben.

Mit seinem Fan-Film “#20 – DER Stress lohnt sich” hatte Chris Krüger 2017 für Begeisterung gesorgt, im vergangenen Jahr legte er “Die Titeljagd der VfL-Frauen” nach – und jetzt ist sein dritter Streich fertig: Anlässlich des Titeljubiläums des VfL Wolfsburg feierte 10 Jahre Deutscher Meister – Der Film am Donnerstag im Delphin-Kino Premiere, 350 geladene Fans und Gäste waren dabei – darunter mit Josué, André Lenz und Alexander Madlung auch drei Spieler aus der Meistermannschaft von 2009.

Gut 3.000 Minuten dauert eine Saison in der Fußball-Bundesliga für jedes Team. Viel Zeit für Wendungen, Höhepunkte und Enttäuschungen. Doch manchmal verdichtet sich die Spielzeit in wenigen Sekunden. So am 4. April 2009 in Wolfsburg: VfL-Stürmer Grafite schnappt sich den Ball, umkurvt erst die Bayern-Verteidiger Christian Lell und Andreas Ottl, dann Keeper Michael Rensing und mit aller Chuzpe schießt er ihn per Hacke ins Tor. “Noch heute spricht man mich überall auf das Tor an, egal ob in Asien, Südamerika, zu Hause in Brasilien immer, und erst recht, wenn ich nach Deutschland komme”, erinnert sich Grafite zehn Jahre später.

Magath: Wir werden es nie vergessen

Der besondere Clou: Krüger verarbeitete in seinem Film Archivmaterial, das fast zehn Jahre lang in den VfL-Archiven geschlummert hatte. Ein paar Monate nach dem Titelgewinn hatte der Klub nämlich auf Anregung des damaligen Pressechefs Gerd Voss Interviews mit vielen Meisterspielern gefilmt, unter anderem mit Marcel Schäfer, Zvjezdan Misimovic und Diego Benaglio. Ein Schatz voller Anekdoten und Erinnerungen, jetzt erstmals öffentlich zu sehen. Per Videobotschaft hatte sich vor dem Film Meistertrainer Felix Magath zu Wort gemeldet und versprach “einen überragenden Film”. Und das ist er wirklich geworden.

Zehn Jahren Meisterschaft: Hier gibt es das große SPORTBUZZER-SPECIAL zum Titel-Jubiläum des VfL Wolfsburg

Der Treffer ist der Schlusspunkt eines spektakulären 5:1-Erfolgs der Wolfsburger gegen Bayern München. Jeder im Stadion spürt, dass in diesem Moment eine Wachablösung stattfindet. Magath treibt die Demütigung seines Ex-Vereins auf die Spitze, indem er in der letzten Minute noch den Torwart auswechselt. Die “Wölfe” ziehen am Titelverteidiger vorbei und übernehmen am 26. Spieltag erstmals die Tabellenführung. “Da hatte ich die Überzeugung, dass wir es schaffen können”, so Stürmer Edin Dzeko. Am 23. Mai feiert Wolfsburg die Meisterschaft, nach einem 5:1 gegen Werder Bremen am letzten Spieltag.

Dazu machte sich Krüger zweimal auf den Weg nach Italien, filmte tolle O-Töne von Andrea Barzagli in Turin und Edin Dzeko in Rom. “Ein tolles Erlebnis, wir sind wie Familienmitglieder empfangen worden”, schilderte Krüger, “Edin hat hinterher sogar gefragt, ob er beim Tragen der Lampen helfen soll. Zu den Top-Anekdoten in dem starken Film gehört der verschossene Elfmeter von Dzeko in der Meistersaison, als er an Hannovers Feldspieler Jan Rosenthal scheiterte. Am selben Abend, so Dzeko, sei er privat in Hannover unterwegs gewesen – und traf dort ausgerechnet Rosenthal: “Wir haben beide sehr gelacht…”

Wolfsburgs Meisterschaft ist das letzte Hurra des alten Helden-Fußballs, der – vereinfacht gesagt – darauf basiert, dass die besten Einzelspieler es aufgrund ihrer Qualität schon irgendwie richten werden. Der VfL hat in dieser Saison die höchste Qualität, das Team spielt sich in einen wahren Rausch und gewinnt in der Rückrunde 14 von 17 Partien. Auch als wenige Wochen vor Saisonende bekannt wird, dass Magath zu Schalke 04 wechseln wird, gibt es keinen Spannungsabfall, im Gegenteil: “Die Mannschaft ist danach zusammengerückt und hat sich gesagt: jetzt erst recht”, betont der Meistercoach.

Außerdem wurden in Wolfsburg Szenen mit Schäfer und Grafite gedreht, zudem kommen Vertreter aus dem Team hinter dem Team ausführlich zu Wort – und es gibt viele Spielszenen und viele emotionale Bilder vom größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Ab Freitag (10 Uhr) ist der 60-minütige Film in der VfL-Fußball-Welt zu sehen – im Rahmen der Sonderausstellung zum zehnjährigen Titel-Jubiläum, die noch bis zum Jahresende läuft. “Der Film”, so Madlung nach der Premiere im Delphin, “macht das Ganze noch einmal zu einer ganz besonderen Erinnerung.”

Auch die Bayern ziehen die Konsequenzen aus der Demütigung 2009 und verstehen, dass ein starker Trainer sowie ein langfristig angelegtes Konzept die Zukunft sind. Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2010 ohne Michael Ballack, den größten Helden des Helden-Fußballs, öffnet schließlich auch vielen Skeptikern die Augen, dass eine neue Zeit angebrochen ist, was sich auch in der Meisterliste manifestiert. Seit dem Wolfsburger Triumph haben zweimal Dortmund und achtmal der FC Bayern (zuletzt sieben Jahre in Folge) den Titel gewonnen.

An diesem Donnerstag auf den Tag genau vor zehn Jahren feierte der VfL Wolfsburg den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte. Durch ein 5:1 gegen den SV Werder Bremen sicherte sich die Mannschaft von Trainer Felix Magath die deutsche Meisterschaft. Der VfL erinnert mit einer Dokumentation an diesen historischen Tag – am Donnerstag feierte sie Premiere.

Für den Coach ist der Titel eine Riesengenugtuung. Schließlich war er gut zweieinhalb Jahre zuvor nach zwei Doubles unehrenhaft bei den Bayern entlassen worden. Magath geht als Meister zu Schalke 04 und führt den Club ein Jahr später auf Rang zwei. Seine Methoden fallen jedoch mehr und mehr aus der Zeit, der Spitzenfußball in Deutschland entwickelt sich rasant weiter. Jürgen Klopp formt Borussia Dortmund von einem Fast-Absteiger nahe der Pleite zur aufregendsten Mannschaft der Bundesliga.

Eine Reise in die Vergangenheit. Zehn Jahre zurück, der 23. Mai 2009. Der VfL Wolfsburg wird deutscher Meister, die Schale landet in der Autostadt. Und wurde an diesem Donnerstag für eine Stunde zurückgeholt zu den Niedersachsen. “10 Jahre Deutscher Meister”, der Film von Regisseur Chris Krüger, feierte Premiere, und drei Meisterspieler von damals waren dabei. Kapitän Josué, Torwart André Lenz, Abwehrmann Alexander Madlung. Eine Erinnerung an den Triumph im Kino. Per Videobotschaft meldete sich Meistertrainer Felix Magath zu Wort. Damals wie heute gilt: er hat Recht. Und so versprach der Ex-Wölfe-Coach, der die 60-Minuten-Reminiszenz bereits vorab sehen durfte, “einen überragenden Film”.

Zehn Jahre zurück in einer Stunde. Die Bilder, die O-Töne, der Jubel von damals, garniert mit aktuell eingeholten Stimmen. Edin Dzeko grüßt aus Rom, Andrea Barzagli aus Turin. Und Grafite, der damalige Torschützenkönig, fehlt natürlich auch nicht. Gänsehaut für Fans und Fußballer. “Sehr emotional”, findet es Josué, der Mann, der damals die Schale in Empfang nahm. Seine Liebeserklärung an den VfL und die Stadt Wolfsburg: “Es ist eine große Freude, ein Teil der Geschichte des Vereins und der Stadt zu sein. Das ist mein zweites Zuhause.”

Von Platz neun in der Winterpause spielt sich der VfL bis an die Spitze. Das taktische Konzept ist dabei relativ simpel: Acht Profis sorgen für eine stabile Grundordnung, das Offensivtrio erledigt den Rest. Und natürlich ist die Mannschaft topfit. Grafite: “Dieses Fitnesslevel, das ich unter Felix Magath hatte, habe ich nie wieder erreicht.”

Wer die Wolfsburger Meister-Doku sehen will, kann dies ab sofort und bis zum Jahresende in der VfL-Fußballwelt tun. Dort wird der Film stündlich gezeigt, auch die Sonderausstellung zum zehnjährigen Meisterschafts-Jubiläum bleibt bis dahin geöffnet. Eine sehenswerte Erinnerung, Meistertrainer Magath sagt: “Wir werden es nie vergessen.”

Doch auch wenn sich die Erfolgsliste der Bayern endlos fortschreiben sollte, in Vergessenheit dürfte die Meisterschaft des VfL Wolfsburg 2009 nicht geraten. Denn wer einmal gesehen hat, wie Grafite die Bayern-Defensive austanzt und mit der Hacke vollendet, dem wird dieses Tor für alle Zeit in Erinnerung bleiben.

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