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VfL Wolfsburg: Das ist die VfL-Streichliste
Ein Spiel noch, dann endet für Bruno Labbadia die Zeit als Trainer des VfL Wolfsburg. Und genau auf dieser Partie gegen den FC Augsburg liegt für den 53-Jährigen der Fokus. Allerdings weiß er schon, dass der Abschied von den Wölfen eine emotionale Sache wird.

Ein Tritt gegen den Zaun, dazu ein Schrei der Wut. Das waren die Begleiterscheinungen, unter denen Wout Weghorst nach – beziehungsweise während – der Dienstagseinheit beim VfL Wolfsburg in die Kabine verschwand. Bruno Labbadia hatte ihn vorzeitig vom Platz geschickt, nachdem das Training für den Niederländer persönlich nicht so optimal gelaufen war, zu viele Torchancen hatte er zuvor ungenutzt gelassen. Er hat sich zu sehr aufgeregt, erklärte der Trainer seine Maßnahme ganz gelassen, da hat ihm die Abkühlung gut getan.

Die Tendenz geht “in Richtung Ausland”, sagte der 53-Jährige im Interview mit der Sport Bild. Eine Rückkehr zu seinem Ex-Klub Hamburger SV, für den er schon zwei Mal tätig war, kommt aktuell nicht infrage. “Damit habe ich mich nicht beschäftigt”, sagte Labbadia.

Labbadia: “Sehe meine Zukunft eher im Ausland”

Wenige Tage vor dem letzten Spiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FC Augsburg, das über die mögliche Teilnahme am europäischen Geschäft mitentscheidet, ist durchaus Feuer drin beim VfL. Es war wichtig, dass wir so ein Training abgeliefert haben, wo die Emotionen auch mal überkochen, sagte Labbadia zufrieden, natürlich nicht ohne im Blick zu haben, dass sich die Flammen nicht unkontrolliert ausbreiten.

Bruno Labbadia sitzt am Sonnabend (15.30 Uhr / im NDR Livecenter) gegen den FC Augsburg zum letzten Mal auf der Trainerbank des VfL Wolfsburg. Mit einem Sieg würden sich die Niedersachsen erstmals seit 2015 wieder für den Europacup qualifizieren. Im NDR Interview spricht Labbadia über seinen Abschied, die erfolgreiche Saison und seine Zukunftspläne.

Zwei Angebote aus dem Ausland habe er in der vergangenen Woche abgelehnt, sagte Labbadia: “Wenn nichts Spannendes kommt, mache ich Pause und genieße mein Leben und die Zeit mit meiner Familie.”

Bruno Labbadia: Nimmt man die Ausgangssituation vor der Saison, dann hätte dies natürlich einen hohen Stellenwert. Wir mussten im letzten Jahr in die Relegation. In dieser Saison haben wir aber den Clubslogan “Arbeit, Fußball, Leidenschaft” auch verkörpert. Das war in diesem Maße nicht zu erwarten. Deswegen ist es etwas ganz Besonderes.

Der langjährige Bundesliga-Coach, der seinen auslaufenden Vertrag in Wolfsburg aus freien Stücken nicht verlängern wollte, lässt sich bei der Vereinssuche Zeit.

Wie haben Sie aus einem Abstiegskandidaten einen Europacup-Aspiranten geformt, trotz atmosphärischer Störungen in der Führungsebene?

Labbadia: Wir haben überlegt: Was hat gefehlt? Dann haben wir der Mannschaft einen klaren Plan vorgelegt. Das Team ist diesen Weg bedingungslos mitgegangen. Wir hatten eine sehr intensive Vorbereitung, in der wir vor allem am Positionsspiel gearbeitet haben, um mehr Ballbesitz zu haben. Außerdem haben viel am Teamgedanken gefeilt.

Nach der Saison ist für Bruno Labbadia beim VfL Wolfsburg Schluss. Der Trainer sieht seine berufliche Zukunft wohl eher im Ausland.

Eine Frage zur allgemeinen Situation in der Bundesliga: Haben Sie den Eindruck, dass der Respekt vor den Trainern weiter schwindet?

Bruno Labbadia, scheidender Trainer beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, sieht seine Zukunft eher nicht in Deutschland.

Labbadia: Insgesamt werden die Trainer zu schnell ausgetauscht. Das Umfeld wird immer schwieriger, weil zu viel Geld im Umlauf ist. Es wird viel Politik betrieben. Heutzutage reicht es, wenn man drei oder vier Wochen keine guten Ergebnisse erzielt, dann wird man schon in Frage gestellt. Da sind wir auf einem falschen Weg.

Labbadia: Ich mag den HSV, bin aber noch in Wolfsburg Trainer. Auch der HSV hat noch einen Trainer. Außerdem sehe ich meine Zukunft derzeit eher im Ausland, weil es die eine oder andere konkrete Anfrage gibt. Ich kann noch nicht sagen, wo ich im Sommer sein werde. Ich muss das Gefühl haben, als wäre es die größte Aufgabe, landes- und ligaunabhängig. Wenn das nicht da ist, werde ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen.

Vor einigen Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, ein Abenteuer einzugehen, weil ich sehr auf die Bundesliga fixiert war. Sie hat immer noch ihren besonderen Reiz. Da ich aber inzwischen freier in meinem Kopf bin, weiß ich, dass auch ein Abenteuer etwas Besonderes sein kann.

Zurzeit lasse ich aber viel liegen, weil ich total auf den VfL Wolfsburg fixiert bin. Wir haben ein Riesenspiel vor uns, in dem wir uns für die Saison belohnen können. Ich möchte hier einen tollen Abschluss haben.