Mordversuch mit Rohrbombe: Prozessauftakt in Wiesbaden
Prozess um Autobomben-Anschlag in Wiesbaden
Ein 56-Jähriger muss sich vor Gericht wegen der Detonation einer Bombe in Wiesbaden verantworten. Die Anklage geht von einem gezielten Anschlag aus.

Die selbst gebaute Bombe war auf der Motorhaube dieses Autos der Marke Kia abgelegt, verborgen in einer Plastikhülle und gestützt von Telefonbüchern. Archivfoto: Wiesbaden112

Erst Stalking, dann Mordversuch: Ein 57-Jähriger soll im April in Wiesbaden versucht haben, den Ehemann seiner Ex-Geliebten mit einer Rohrbombe umzubringen. Jetzt steht er vor Gericht.

Trennung, Eifersucht, Stalking, Kontaktverbot – Sprengstoffanschlag. Nach einem bis zum Mordversuch zugespitzten Beziehungsdrama steht seit Mittwoch ein heute 57 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Wiesbaden. Er soll geplant haben, den Ehemann seiner Ex-Geliebten mit einer Rohrbombe umzubringen.

Die Anklage wirft ihm vor, im April dieses Jahres einen selbstgebauten Sprengsatz am Auto seines Opfers platziert zu haben. Als der damals 46-Jährige das Objekt von der Motorhaube nehmen wollte, explodierte es. Das Opfer wurde an der Hand und im Gesicht verletzt und erlitt einen Schock.

Als Zeugen beschrieben zwei Polizisten am Mittwoch vor Gericht, dass Plastikteile und Stahlkugeln aus der Sprengkonstruktion bis zu 60 Meter rund um das Auto gelegen hätten. Das Opfer habe “ganz, ganz viel Glück” gehabt, dass die Bombe nicht in seine Richtung explodiert sei, sagte ein Zeuge.

Dem mutmaßlichen Bombenleger wird versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Über seinen Verteidiger kündigte der Angeklagte an, nicht aussagen zu wollen. Den Prozess beobachtete er mit ernster, ausdrucksloser Miene. Auch am Tag der Explosion hat er sich nach Zeugenaussage eines Polizisten ohne Widerstand festnehmen lassen. Nervös oder überrascht habe er nicht gewirkt.

Der Angeklagte und die Frau des Opfers hätten sich lange vor der Tat gekannt, heißt es in der Anklageschrift. Ein Jahr vor der Tat, im April 2017, habe er versucht, die Hochzeit zu verhindern. Danach habe er eine Affäre mit der Frau des Opfers begonnen.

Im Dezember 2017 habe sie ihn jedoch abgewiesen und sich für ihren jetzigen Mann entschieden. Daraufhin habe der Angeklagte einen heimtückischen Überfall auf den 46-Jährigen geplant. Schon zuvor habe die Frau den mutmaßlichen Täter als Stalker angezeigt.

Der Verteidiger sah darin noch kein mögliches Motiv. Es könne ebenso möglich sein, dass jemand dem Angeklagten etwas anhängen wollte. “Das könnte ein einfaches Mittel sein, den störenden Stalker auszuschalten.” Dass das Verbrechen von den Eheleuten fingiert worden sei, hat sich nach Aussage des Ermittlungsleiters jedoch als “völlig abwegig erwiesen”. Insgesamt sind fünf Verhandlungstage anberaumt.