Wetter plagt Deutschland: Waldbrände, trockene Böden und zu wenig Regen - ZDFheute
Anhaltende Trockenheit: 2019 wieder ein Dürresommer?
Trockenheit und kaum Regen in Sicht – das Wetter stellt Deutschland schon jetzt vor Herausforderungen. Experten warnen: Es könnte ein weiterer Dürresommer bevorstehen.

Bundesweit sind in vielen Regionen die Böden deutlich trockener als im vieljährigen Durchschnitt: Es regnet zu wenig. Auch die Landwirtschaft in Bayern leidet darunter, so dass manche Bauern ihren Anbau einstampfen. Andere machen aus der Not eine Tugend.

Angesichts der Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr fordert der Deutsche Feuerwehrverband mehr Löschhubschrauber in Deutschland. Helikopter mit Außenlastbehältern seien für die Brandbekämpfung sinnvoll, sagte Verbandspräsident Hartmut Ziebs der Neuen Osnabrücker Zeitung. Das ist ein vielfach praktiziertes Verfahren, scheitert aber manchmal an der Zahl der verfügbaren Hubschrauber. Die größten Wasserbehälter fassen nach seinen Angaben 5000 Liter und können nur von Helikoptern der Bundeswehr vom Typ CH-53 geflogen werden. Die sind aber nicht immer verfügbar. Hier müsste die Bundeswehr ein paar mehr Hubschrauber vorhalten, sagte Ziebs.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einem weiteren Dürresommer. Doch wie kommt der DWD bereits im Frühjahr zu dieser Prognose und welche Folgen hätte ein weiterer Dürresommer? Ein Überblick.

Keiner kann aktuell voraussagen, wie viel es im kommenden Sommer regnen wird. Allerdings lassen sich schon jetzt Folgen prognostizieren, wenn es nicht genügend Niederschläge geben wird. Und genau davor warnt der Deutsche Wetterdienst: Die Folgen des vergangenen Sommers seien immer noch spürbar, die Böden aktuell noch trockener als zu Beginn des Dürrejahres 2018. Die Niederschläge in den Herbst- und Wintermonaten reichten vielerorts nicht aus, die Wasserspeicher im Boden aufzufüllen.

Im vergangenen Jahr konnten Pflanzen und Bäume mit langen Wurzeln noch die Feuchtigkeit aus tiefen Bodenschichten ziehen und kamen so gut über die Trockenheit hinweg. Diese Wasserspeicher seien in diesem Jahr jedoch “weit weniger gut gefüllt”, so der DWD. Die Startbedingungen für die Vegetation seien 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr. Besonders betroffen sei der Osten Deutschlands.

Dann würde die Landwirtschaft in Deutschland auch 2019 wieder mit Ertragseinbußen rechnen müssen. Außerdem könnten in diesem Jahr auch Wälder und Pflanzen mit Wurzeln, die die Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten anzapfen, betroffen sein. Die Bodenfeuchte in diesen tieferen Bodenschichten war 2018 durch die üppigen Niederschläge im Herbst und Winter 2017/2018 noch relativ hoch. Pflanzen, die diese Reserven anzapfen konnten, kamen deshalb gut über die Trockenheit hinweg. Aktuell seien diese Speicher, so der DWD, allerdings weit weniger gut gefüllt als im Vorjahr.

Regen lindert Trockenheit kaum | Welt

Zu wenig Regen: Deutscher Wetterdienst prognostiziert erneuten Dürresommertagesthemen 21:35 Uhr, 24.04.2019, Steffen Lipsch, MDR

Offenbach – Zum Vergleich: Selbst im Dürrejahr 2018 lagen nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Bodenfeuchtewerte im April deutlich über den aktuellen Werten dieses Jahres. Dr. Udo Busch, Leiter Agrarmeteorologie des DWD: Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden.

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und “Ziel speichern unter …” auswählen.

Regen lindert Trockenheit kaum

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes Einverstanden erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR. Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich. Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Der Deutsche Wetterdienst versucht, mit großen Rechenzentren langfristige Prognosen zu erstellen, sogenannte Jahreszeitenvorhersagen. Ähnliches machen der amerikanische Wetterdienst und das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage. Die Berechnungen aller drei Institute sagen aus, dass der zukünftige Sommer zu warm und etwas zu trocken sein könnte. Doch wie genau diese Vorhersagen sind, ist umstritten. Der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke spricht von “absoluter Grundlagenforschung”. Man stehe hier noch ganz am Anfang. Dadurch, dass sich Wetter in der Regel nicht linear, sondern eher chaotisch verhalte, seien solche langfristigen Prognosen eher schwierig. “Den Jahrhundertsommer 2018 hatte übrigens keines der Institute vorhergesagt”, so Schwanke.

Der trockene Sommer 2018 war für viele Landwirte eine Katastrophe. Solche Wetterextreme wird es aber künftig immer häufiger geben. Der Deutsche Wetterdienst will mit besseren Vorhersagen reagieren. Von Tim Staeger. | mehr

In den ersten drei Monaten ist dem DWD zufolge zwar mehr Regen gefallen als für diese Jahreszeit üblich. In den vergangenen Wochen war es jedoch sehr trocken. Vor allem der Norden, der Osten und Bayern seien von der Trockenheit betroffen. In diesen Regionen wurden in den vergangenen fünf Wochen nur 1 bis 10 Prozent des üblichen Niederschlagmittelwerts gemessen, wie der DWD mitteilt. Auch der nun angekündigte Regen dürften demnach nicht nachhaltig sein. Und selbst wenn es mehr regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen des DWD zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert.

Entscheidend sei gar nicht so sehr, wie viel es regne, sondern wie und wann. “Wenige Gewittergüsse sehr lokal mit hohen Regenmengen in kurzer Zeit fließen auch schnell wieder ab.” Für eine Durchnässung des Bodens sei ein gleichmäßiger, längerer Regen besser, sagt der ARD-Meteorologe. “Und das am besten über mehrere Monate hinweg. Also genau das, was man als Privatmann nicht will, das gefällt der Natur.”

Prognosen zu Trockenheit: Niemand kennt den Regen

Die deutschen Bauern schauen natürlich auf die Prognosen. “Für die meisten Kulturen wie Getreide und Raps ist die Witterung der kommenden sechs bis acht Wochen entscheidend“, so Bauernpräsident Joachim Rukwied. Bei Herbstkulturen wie etwa Mais und Kartoffeln sei die Witterung der Sommermonate von Bedeutung. Die Planungen der Landwirte laufen eher längerfristig.

Erste Waldbrände haben in den vergangenen Tagen schon zahlreiche Regionen in Deutschland heimgesucht. Nach Angaben des DWD herrscht vor allem in Teilen Ost- und Norddeutschlands die höchste Gefahrenstufe. Das Bundesland Brandenburg ist davon beinahe flächendeckend betroffen. In Thüringen kämpfen Helfer seit Tagen gegen einen Waldbrand bei Saaldorf. Wind facht das zwischenzeitlich gelöschte Feuer immer wieder an, Gebäude oder Menschenleben sollen aber nicht gefährdet sein. Feuerwehrleute aus Thüringen und dem benachbarten Bayern sind in dem Gebiet im Einsatz.

Durch wassersparende Anbauweisen wie das Mulchsaatverfahren versuchten die Landwirte, auf Trockenheit zu reagieren. Dabei wird der Boden nicht gepflügt. Das reduziert die Verdunstung und damit den Verlust von Bodenfeuchtigkeit. Außerdem wird inzwischen auf vielen Feldern jedes Jahr eine andere Kultur angepflanzt – in einem Jahr Weizen, im nächsten Jahr Kohl, dann Zuckerrüben, später Gerste. Dies schont den Boden.

“Die heißen Katalysatoren können eine trockene Wiese in Brand setzen.” Aus Sicht eines Waldexperten muss der “Wald der Zukunft” vielfältig sein, um möglichen Waldbränden Paroli bieten zu können. Strukturreiche Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, wie der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung sagte. “Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern.”

Für 2019 kann noch niemand etwas sagen. Der vergangene Sommer sei aber schon ein eindrucksvolles Zeichen des Klimawandels gewesen, sagt Schwanke. Insgesamt könne man feststellen, dass sich die Zirkulation, also die Bewegung von Hochs und Tiefs, stark verändert habe. Aus diesem Grund könne es in Zukunft zu mehr Dürren aber auch zu mehr Niederschlägen kommen. Das Wetter werde extremer.

Waldbrandgefahr: Meteorologen warnen vor weiterem Dürresommer

Ein Dürresommer würde diesmal nicht nur die Landwirtschaft erneut hart treffen, sondern auch die Forstwirtschaft, schätzt der DWD. Erste Waldbrände haben in den vergangenen Tagen schon zahlreiche Regionen in Deutschland heimgesucht. Der Landesbetrieb HessenForst rechnet 2019 mit weiteren bedeutenden Schäden im Wald. “Das traumhafte, warme und trockene Frühlingswetter könnte für den Wald zum Alptraum werden”, warnt Betriebsleiter Michael Gerst. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Wälder durch extreme Trockenheit und den Sturm “Friederike” stark gelitten. Unter anderem hatten sich wegen der monatelangen Trockenheit und Hitze bis zu vier Borkenkäfergenerationen entwickelt, normal sind zwei bis maximal drei.

Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. Die Startbedingungen für die Vegetation sind 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr.

Trockenheit – Wetterdienst warnt vor neuer Dürre in Deutschland

Zurzeit blühe es im Wald in nahezu verschwenderischer Art und Weise, sagt Gerst. Die Bäume registrierten, wenn ihr Leben in Gefahr sei und bildeten daher viele Blütenknospen aus, damit aus vielen Samen viele Nachkommen entstehen könnten. Forstleute sähen diesen Prozess mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Entwicklung großer Samenmengen schwäche die Bäume einerseits zusätzlich, andererseits biete sich so die Chance, dass sich auf entwaldeten Flächen von Natur aus wieder kleine Bäumchen entwickeln.