Überlebende von Madeira zurück in Deutschland - BNN - Badische Neueste Nachrichten
Madeira: Überlebende von Busunglück in Deutschland gelandet
Funchal/London (dpa) – Die von der Bundeswehr nach Deutschland zurückgeholten Überlebenden der Buskatastrophe von Madeira haben die Heimreise gut überstanden.

Den 15 Patienten geht es den Umständen entsprechend gut. Noch am Osterwochenende werden die ersten Patienten in Krankenhäuser in der Nähe ihrer jeweiligen Wohnorte verlegt, berichtete der Direktor der Unfallklinik in Köln-Merheim, Bertil Bouillon, am Ostersonntag.

Die Unfallopfer waren am Samstagabend im Krankenhaus Merheim der Kliniken Köln aufgenommen worden, nachdem sie mit einer Sondermaschine der Bundeswehr von Madeira nach Deutschland zurückgeholt worden waren. Als große Unfallklinik ist das Krankenhaus Merheim für solche Fälle besonders geeignet.

Die 15 Verletzten stammen aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg, wie die Stadt Köln mitteilte. Bei dem Unglück in Madeira waren am Mittwochabend 29 Insassen des Reisebusses ums Leben gekommen, 27 erlitten Verletzungen. Die Verletzten seien von den Ärzten auf Madeira sehr gut versorgt worden, betonten die Kölner Mediziner.

Die meisten Überlebenden des Busunglücks auf Madeira sind wieder in Deutschland. Ein speziell ausgerüstetes Flugzeug der Luftwaffe landete am Samstagnachmittag mit 15 Verletzten an Bord in Köln. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte sie nach Angaben der Staatskanzlei im militärischen Teil des Flughafens in Köln-Wahn. Sieben Betroffene wollen nach Angaben des Reiseveranstalters trendtours mit normalen Linienflügen zurückkehren.

Eine Deutsche sei noch nicht transportfähig und müsse vorerst in der Klinik Dr. Nélio Mendonça in Funchal bleiben, zitierten portugiesische Medien die Behörden.. Aus medizinischen Gründen habe sie noch keine Erlaubnis für die Heimreise. Ein weiterer Deutscher sei bereits am Freitagabend nach Deutschland zurückgekehrt. 28 Menschen hatten das Unglück überlebt.

Bei dem Busunglück waren am Mittwochabend 29 deutsche Touristinnen und Touristen in Caniço nahe Funchal gestorben. Aus bislang ungeklärten Gründen war ihr Reisebus von der Fahrbahn abgekommen, hatte sich an einem Abhang überschlagen und war in ein leer stehendes Wohnhaus gestürzt. Als mögliche Auslöser der Katastrophe gelten entweder ein eingeklemmtes Gaspedal oder ein Bremsversagen. Die Ermittlungen dauern noch an.

Nach BILD-Informationen werden 15 Personen ausgeflogen. Sie waren bei dem Busunglück in dem Ort Caniço am Mittwochabend teilweise schwer verletzt worden. Die Flugzeit bis Deutschland beträgt etwa drei Stunden. Sie werden mit einer medizinischen Versorgungs-Maschine der Bundeswehr nach Deutschland geflogen, sagte Chefarzt Miguel Reis (40) am Klinikum in Funchal.

27 Menschen erlitten bei dem Unfall Verletzungen, konnten das Krankenhaus aber zum Teil schnell wieder verlassen. Eine Deutsche ist laut der behandelnden Klinik in Funchal noch nicht transportfähig und muss vorerst am Unglücksort behandelt werden. Auch der Fahrer des Busses und die Reiseleiterin, beides Portugiesen, liegen demnach noch im Krankenhaus. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte bei seinem Besuch der Unglücksstelle am Donnerstag versprochen, die Bundesregierung bemühe sich darum, die Überlebenden baldmöglichst nach Deutschland zu bringen. 

Der erste von mehreren Krankenwagen war am Morgen gegen 8.45 in Richtung Flughafen abgefahren. In den Ambulanzen waren Ärzteteams aus Portugal und Deutschland im Einsatz. Begleitet wurden die Fahrzeuge von Polizei und Zivilschutz. Die Verletzten wurden am Flughafen direkt in den Airbus gebracht, der für medizinische Notfälle speziell ausgerüstet ist.

Einer Mitteilung des portugiesischen Justizministeriums zufolge ist die Autopsie der Toten inzwischen abgeschlossen. Für die eindeutige Identifizierung seien aber noch Akten mit Fingerabdrücken und zahnärztlichen Daten nötig. Wann Einzelheiten zu den Opfern und ihren Herkunftsorten in Deutschland bekannt gegeben werden sollen, blieb zunächst unklar.

► Seit mehr als 48 Stunden war Chefarzt Miguel Reis (40) am Klinikum in Funchal am Freitagabend im Dienst, als er tapfer vor die Journalisten tritt. Sie können sich vorstellen, wie kaputt ich bin, sagte der Mediziner zu BILD. Von 28 Deutschen, die mit teils schweren Verletzungen eingeliefert wurden, seien bereits elf entlassen worden.

Am Karfreitag hatten Überlebende und ihre Angehörigen in Funchal an einem Gedenkgottesdienst teilgenommen. Zu der Trauerfeier hatte die Pfarrerin der deutschsprachigen Evangelischen Kirche auf der Atlantikinsel, Ilse Everlien Berardo, geladen. Die 45-minütige Veranstaltung, an der auch Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa teilnahm, fand hinter verschlossenen Türen statt. “Portugal trauert, Deutschland trauert, und die Solidarität kommt aus dem Herzen beider Nationen, und nicht nur dieser beiden Nationen”, sagte Berardo vor Beginn der Trauerfeier.