Madeira-Bus-Drama: 15 Verletzte auf dem Weg nach Deutschland - BILD
Madeira: Überlebende von Busunglück in Deutschland gelandet
Funchal (Madeira) – Ein Airbus der Luftwaffe ist am frühen Samstagnachmittag von Madeira Richtung Deutschland gestartet, um die Verletzten des Busunglücks mit 29 Toten von der portugiesischen Ferieninsel nach Hause zu fliegen.

Nach BILD-Informationen werden 15 Personen ausgeflogen. Sie waren bei dem Busunglück in dem Ort Caniço am Mittwochabend teilweise schwer verletzt worden. Die Flugzeit bis Deutschland beträgt etwa drei Stunden. Sie werden mit einer medizinischen Versorgungs-Maschine der Bundeswehr nach Deutschland geflogen, sagte Chefarzt Miguel Reis (40) am Klinikum in Funchal.

Zwei Tage vor Karfreitag aber gibt es auf Madeira Regenschauer, viel Wind und Temperaturen unter 20 Grad. An diesem typischen Apriltag schlägt für knapp 60 Urlauber das Schicksal zu. Was ein fröhlicher Ausflug in die Hauptstadt Funchal samt typisch madeirischem Dinner werden sollte, endet schon nach wenigen Minuten in einer Katastrophe. Vom schmucken Hotel “Quinta Splendida” bricht die Gruppe – vermutlich fast alles Deutsche – gegen 18.30 Uhr in das wenige Kilometer entfernte Lokal auf. Aber in einer abfallenden Linkskurve kommt der voll besetzte Bus plötzlich von der Straße ab und durchbricht ein Geländer. 29 Menschen sterben, fast genausoviele werden verletzt.

Eine Deutsche sei noch nicht transportfähig und müsse vorerst in der Klinik Dr. Nélio Mendonça in Funchal bleiben, zitierten portugiesische Medien die Behörden.. Aus medizinischen Gründen habe sie noch keine Erlaubnis für die Heimreise. Ein weiterer Deutscher sei bereits am Freitagabend nach Deutschland zurückgekehrt. 28 Menschen hatten das Unglück überlebt.

Der erste von mehreren Krankenwagen war am Morgen gegen 8.45 in Richtung Flughafen abgefahren. In den Ambulanzen waren Ärzteteams aus Portugal und Deutschland im Einsatz. Begleitet wurden die Fahrzeuge von Polizei und Zivilschutz. Die Verletzten wurden am Flughafen direkt in den Airbus gebracht, der für medizinische Notfälle speziell ausgerüstet ist.

Die meisten Urlauber hatten den Ausflug über einen Reiseveranstalter aus Frankfurt gebucht. Laut trendtour Touristik waren an Bord des Unglücksbusses nach bisherigen Erkenntnissen 51 seiner Gäste. Die Reisegruppe sei auf dem Weg zu einer Abendveranstaltung nach Funchal gewesen, teilte eine Kommunikationsagentur im Namen von trendtour Touristik mit. Der Bus sei von einem lokalen Veranstalter gechartert worden. Der Reiseveranstalter habe ein Team nach Madeira entsandt, um die überlebenden Unfallopfer zu unterstützen.

Sieben Betroffene wollten nach Angaben des Reiseveranstalters trendtours am Samstag mit normalen Flügen heimkehren. Unabhängig von den Verletzten fliegen die ersten Gäste heute zurück, sagte ein Sprecher. In den kommenden Tagen sollen weitere Gäste folgen. Wann sie abreisen, sei ihnen freigestellt. Wir haben ausreichend Flugkontingente für unsere Gäste reserviert, hieß es. Für Angehörige der Verletzten, die von der Bundeswehr nach Köln zurückgeflogen werden, habe trendtours dort Hotelzimmer reserviert.

► Seit mehr als 48 Stunden war Chefarzt Miguel Reis (40) am Klinikum in Funchal am Freitagabend im Dienst, als er tapfer vor die Journalisten tritt. Sie können sich vorstellen, wie kaputt ich bin, sagte der Mediziner zu BILD. Von 28 Deutschen, die mit teils schweren Verletzungen eingeliefert wurden, seien bereits elf entlassen worden.

Nach der jetzigen Planung soll der Flieger Richtung Köln fliegen – weil dort die meisten Reisenden herkamen.

Der Bus, so heißt es, soll noch nicht alt, höchstens fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein. Ende Januar sei er in der Inspektion gewesen, bis Februar 2020 habe er eine gültige Zulassung bekommen. Auch der Fahrer galt als erfahren und zuverlässig. Er lag am Samstag ebenso wie die Reiseleiterin noch im Krankenhaus. Bürgermeister Souza kennt ihn. Zwei Mal habe er ihn in den letzten Tagen gesprochen, erzählt er. Doch mehr dürfe er darüber wegen der laufenden Ermittlungen nicht sagen. Die Straße sei in gutem Zustand, sagt Souza, sie wurde erst vor zwei Jahren neu asphaltiert, hatte Begrenzungen.

Unglücksursache noch offen – Madeira: Überlebende des Unfalls fliegen Samstag nach Hause

Gegenüber BILD berichtete Chefarzt Reis, dass ein Patient im Krankenhaus – wie bereits bekannt war – verstarb: Acht Opfer wurden in der Orthopädie behandelt, zwei kämpften auf der Intensivstation um ihr Leben, zwei Personen sind in der Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie untergebracht und die restlichen in allgemeinen Abteilungen. Der deutsche Botschafter in Portugal, Dr. Christof Weil, lobte am Abend mehrfach die professionelle Arbeit der Ärzte.

In ganz Portugal galt derweil eine dreitägige Staatstrauer. Der Reisebus mit Dutzenden deutschen Urlaubern war am frühen Mittwochabend in dem Ort Caniço von der Straße abgekommen, hatte sich überschlagen und war einen Abhang hinunter auf ein Haus gestürzt. Als Ursache gilt ein Bremsversagen als wahrscheinlich, offizielle Ermittlungsergebnisse gibt es aber noch nicht. Die Gruppe wollte zu einem typisch madeirischen Abendessen ins nahe gelegene Funchal und hatte gerade erst das Hotel verlassen, als der Unfall geschah.

Rechtsmediziner auf Madeira haben die Autopsie der 29 Todesopfer des Busunglücks auf der portugiesischen Urlaubsinsel abgeschlossen. Die Obduktion der überwiegend aus Deutschland stammenden Toten sei vom Nationalen Institut für Rechtsmedizin und Forensische Wissenschaften (INMLCF) in Zusammenarbeit mit der Polizei durchgeführt worden, zitierten portugiesische Medien eine Mitteilung des Justizministeriums vom Freitagabend.Im Laufe des Samstags würden aus Deutschland aber noch Akten mit Fingerabdrücken und zahnärztlichen Daten erwartet, die die endgültige Identifizierung der Toten ermöglichen sollen, hieß es. Wann Einzelheiten zu den Opfern und ihren Herkunftsorten bekannt gegeben werden sollen, wurde nicht bekannt.

Außenminister Heiko Maas (SPD) war am Gründonnerstag auf die portugiesische Atlantikinsel gereist und hatte an der Unglücksstelle einen Kranz niedergelegt. Er traf mit seinem Amtskollegen Augusto Santos Silva zusammen und dankte den Rettern. Präsident Sousa gedachte am Freitag auf der Atlantikinsel der 29 Todesopfer. Am Unfallort in Caniço legte er einen großen Kranz mit pfirsichfarbenen Rosen sowie einer großen rot-grünen Schleife nieder und hielt eine Schweigeminute für die Opfer ab.

Die meisten Überlebenden des Busunglücks auf Madeira sind wieder in Deutschland. Ein speziell ausgerüstetes Flugzeug der Luftwaffe landete am Samstagnachmittag mit 15 Verletzten an Bord in Köln. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte sie nach Angaben der Staatskanzlei im militärischen Teil des Flughafens in Köln-Wahn. Sieben Betroffene wollen nach Angaben des Reiseveranstalters trendtours mit normalen Linienflügen zurückkehren.

Die meisten Urlauber hatten den Ausflug über einen Reiseveranstalter aus Frankfurt gebucht. Laut trendtour Touristik waren an Bord des Unglücksbusses nach bisherigen Erkenntnissen 51 seiner Gäste. Die Reisegruppe sei auf dem Weg zu einer Abendveranstaltung nach Funchal gewesen, teilte eine Kommunikationsagentur im Namen von trendtour Touristik mit. Der Bus sei von einem lokalen Veranstalter gechartert worden. Der Reiseveranstalter habe ein Team nach Madeira entsandt, um die überlebenden Unfallopfer zu unterstützen.

Video: Berlin gelobt, Ursache für Busunglück auf Madeira schnell zu ermitteln

Bei dem Busunglück waren am Mittwochabend 29 deutsche Touristinnen und Touristen in Caniço nahe Funchal gestorben. Aus bislang ungeklärten Gründen war ihr Reisebus von der Fahrbahn abgekommen, hatte sich an einem Abhang überschlagen und war in ein leer stehendes Wohnhaus gestürzt. Als mögliche Auslöser der Katastrophe gelten entweder ein eingeklemmtes Gaspedal oder ein Bremsversagen. Die Ermittlungen dauern noch an.

Der Reisebus mit Dutzenden deutschen Urlaubern war am Mittwochabend in dem Ort Caniço von der Straße abgekommen, hatte sich überschlagen und war einen Abhang hinunter auf ein Haus gestürzt. Als Ursache gilt ein Bremsversagen als wahrscheinlich. Augenzeugen hatten berichtet, dass der Bus immer schneller geworden sei, während der Fahrer verzweifelt versucht habe, das Fahrzeug zum Halten zu bringen, hatten Augenzeugen im portugiesischen Fernsehen erzählt. Dabei prallte der Bus auch gegen eine Betonwand, an der schwarze Streifspuren zurückblieben.

Alle außer Lebensgefahr:16 Madeira-Verletzte sind noch in der Klinik

27 Menschen erlitten bei dem Unfall Verletzungen, konnten das Krankenhaus aber zum Teil schnell wieder verlassen. Eine Deutsche ist laut der behandelnden Klinik in Funchal noch nicht transportfähig und muss vorerst am Unglücksort behandelt werden. Auch der Fahrer des Busses und die Reiseleiterin, beides Portugiesen, liegen demnach noch im Krankenhaus. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte bei seinem Besuch der Unglücksstelle am Donnerstag versprochen, die Bundesregierung bemühe sich darum, die Überlebenden baldmöglichst nach Deutschland zu bringen. 

Madeira liegt etwa 950 Kilometer südwestlich von Lissabon im Atlantik. Wanderer, Taucher und Golfer schätzen das milde subtropische Klima, das für den Spitznamen “Blumeninsel” verantwortlich ist. Madeira, etwa so groß wie Hamburg, hat 260 000 Einwohner und gehört zu Portugal. Die sehr gebirgige Insel ist neben der Algarve das beliebteste Reiseziel der Deutschen in Portugal, zudem liegt die Insel auf vielen Kreuzfahrtrouten. Etwa ein Fünftel der 1,3 Millionen Urlauber im Jahr 2017 kamen aus Deutschland. Viele Familien und Rentner mögen Madeira, es ist keine laute Partyinsel. Auf ihre Kosten kommen Naturfreunde – und Fußballfans. Aus Funchal stammt der Weltfußballer Cristiano Ronaldo. Er betreibt auf der Insel das Hotel CR-7 – die Zahl bezieht sich auf die Rückennummer seines Trikots. Dazu gehört auch ein ihm gewidmetes Museum. Der Ort Caniço, in dem der Bus verunglückte, gehört zu den wichtigen Touristenzentren der Insel. SZ

Einer Mitteilung des portugiesischen Justizministeriums zufolge ist die Autopsie der Toten inzwischen abgeschlossen. Für die eindeutige Identifizierung seien aber noch Akten mit Fingerabdrücken und zahnärztlichen Daten nötig. Wann Einzelheiten zu den Opfern und ihren Herkunftsorten in Deutschland bekannt gegeben werden sollen, blieb zunächst unklar.

Es wirkt mitgenommen, aber äußerlich gefasst, das ältere deutsche Ehepaar, das dem portugiesischen Fernsehsender SIC Noticias nach dem katastrophalen Busunfall auf Madeira vors Mikrofon gelaufen ist. Sie rollt ein wenig den Kopf hin und her und sagt in gebrochenem Englisch, na ja, der Nacken tue weh. Ihr Mann habe sich eine Rippe gebrochen. Der berichtet, der Bus sei losgefahren, “plötzlich wurde er schneller und schneller, rammte die Wand”. Der Mann zeigt auf die ocker getünchte Wand hinter ihm und ringt mit den Worten. “Wir spürten, es war, es war … außer Kontrolle”. Die Bremsen hätten wohl versagt. Wie die beiden das Unglück, bei dem 29 Menschen gestorben sind, überlebt haben? “Wir haben uns zusammengerollt wie die Babys, so wie man das im Flugzeug immer zeigt.”

Am Karfreitag hatten Überlebende und ihre Angehörigen in Funchal an einem Gedenkgottesdienst teilgenommen. Zu der Trauerfeier hatte die Pfarrerin der deutschsprachigen Evangelischen Kirche auf der Atlantikinsel, Ilse Everlien Berardo, geladen. Die 45-minütige Veranstaltung, an der auch Portugals Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa teilnahm, fand hinter verschlossenen Türen statt. “Portugal trauert, Deutschland trauert, und die Solidarität kommt aus dem Herzen beider Nationen, und nicht nur dieser beiden Nationen”, sagte Berardo vor Beginn der Trauerfeier.