Österreichischer Offizier kassierte 300.000 Euro von Russland
Oberst in österreichischer Armee soll russischer Spion gewesen sein
Ein Oberst des österreichischen Heeres war offenbar jahrelang russischer Spion – er soll Informationen über Waffensysteme geliefert haben. Außenministerin Kneissl sagte eine Reise nach Moskau ab.

wurde 1974 im niedersächsischen Oldenburg als Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer geboren. Er wuchs im Alten Land auf, vor den Toren Hamburgs, und machte in Stade Abitur. Studium der Politikwissenschaft in Hamburg, Laufbahn als Marineoffizier. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er als Student unter anderem beim “Stader Tageblatt” und bei der Deutschen Presse-Agentur dpa im Südasienbüro in Neu-Delhi, Indien. Volontariat bei der “Heilbronner Stimme”, anschließend dort Politikredakteur. Seit 2004 schreibt er für SPIEGEL ONLINE und den SPIEGEL, seit 2009 als Auslandskorrespondent mit Stationen in Islamabad, Pakistan, Istanbul, Türkei und derzeit Wien, Österreich. Er ist Verfasser von vier Büchern: “Grünkohl und Curry. Die Geschichte einer Einwanderung” (2009), “Plötzlich Pakistan. Mein Leben im gefährlichsten Land der Welt” (2015), “Krisenstaat Türkei. Erdogan und das Ende der Demokratie am Bosporus” (2017) und “Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte” (2018).

Video: Russischer Spion in Österreichs Bundesheer

Zu ungewöhnlicher Zeit, um 6 Uhr, berief Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz eine Pressekonferenz im Kanzleramt ein: Etwas später am Freitagmorgen trat er gemeinsam mit Verteidigungsminister Mario Kunasek vor die Journalisten und erklärte, es gebe den Verdacht, dass ein pensionierter Oberst des österreichischen Bundesheeres mit einem russischen Geheimdienst zusammengearbeitet und diesen viele Jahre lang unterstützt habe. “Dieses Vorgehen könnte in den Neunzigerjahren begonnen haben und hat bis ins Jahr 2018 angedauert”, sagte Kurz.

Russland hat Militär in Österreich ausspioniert

Die österreichische Regierung sei bereits vor einigen Wochen “durch einen befreundeten Dienst” auf den Fall aufmerksam gemacht worden, teilte Kunasek mit. Die Behörden hätten daraufhin die Ermittlungen aufgenommen, der Verdacht gegen den 70-jährigen Offizier im Ruhestand aus Salzburg hätten sich erhärtet.

Das österreichische Verteidigungsministerium gegenüber der Krone-Zeitung: Als die Russen Infos über ein mögliches Auffliegen ihres Spions bekommen haben, erhielt dieser den Auftrag, sämtliches belastendes Material noch zu vernichten. Unsere Leute konnten das verhindern.

“Wir gehen davon aus, dass die Vorwürfe stimmen”, heißt es aus dem Bundeskanzleramt in Wien. Jetzt müsse man aber die weiteren Ermittlungen und schließlich ein juristisches Urteil abwarten. Es handele sich um einen “außergewöhnlichen Fall”. Der Mann sei wegen Unterstützung eines militärischen Nachrichtendienstes eines fremden Staates angezeigt worden. Demnach erhielt er für seine etwa 20 Jahre andauernde Spionagetätigkeit mehr als 300.000 Euro. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft.

Kurz und Kunasek gaben nur wenige Informationen über die konkreten Vorwürfe preis. So hätten Vernehmungen des Beschuldigten ergeben, dass die Russen Interesse an Informationen über Waffensysteme gehabt hätten. Sie hätten sich auch für die “Migrationslage in Österreich” interessiert, sagte Kunasek, außerdem hätten sie Persönlichkeitsprofile bei ihm bestellt – angeblich von hochrangigen Offizieren, wie die “Kronen Zeitung” berichtet.

Der namentlich nicht genannte Oberst soll im Jahr 1988 bei einem Kontakt in Teheran rekrutiert worden sein und wurde angeblich für seine Tätigkeit mit 300.000 Euro entlohnt. Er habe vertrauliche Informationen zu Eurofighter-Typhoon-Mehrzweckkampfflugzeugen der österreichischen Luftwaffe und zu Artilleriesystemen weitergegeben, heißt es.

Es lasse sich auch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststellen, ob es sich um einen Einzelfall handele oder ob mehrere Offiziere systematisch für Russland spioniert hätten, sagte Kunasek weiter. Derzeit würden die Computer des Beschuldigten ausgewertet.

Obwohl keine Ergebnisse der Ermittlung feststehen, kündigte auch der Verteidigungsminister des Landes, Mario Kunasek, in dem Zusammenhang bereits auf den bloßen Verdacht hin einen Ausbau des “Sicherheitsnetzes” an: “Wir werden dieses Netz noch enger schnüren”, zitiert die Kronen Zeitung den Militär.  

Die “Kronen Zeitung” berichtet, der Mann habe eine “extrem unauffällige Tätigkeit in einer Leitstelle des Heeres” gehabt und seine Informationen alle zwei Wochen an seinen russischen Kontaktmann mit Namen “Juri” weitergegeben. Die Spionageaufträge habe er über einen Weltempfänger erhalten, die Erkenntnisse habe er in einer Geheimschrift oder per Satellitenkommunikation weitergegeben. Dem Bericht zufolge sollte der Offizier möglichst viele vertrauliche Fakten über Österreichs Luftwaffe, die Artilleriesysteme sowie über Lagebriefings übermitteln.

Das Ausmaß des Verrats ist unklar. Österreich ist zwar kein Nato-Mitglied, hat aber als Teilnehmer von Schulungsprogrammen durchaus Zugang zu bestimmten Daten. Nach Angaben aus Wien war Russland an Informationen über Waffensysteme, Daten rund um die Zuwanderung und auch an Persönlichkeitsprofilen interessiert. Der 70-jährige Offizier habe rund 300.000 Euro erhalten und sei geständig, hieß es in ministeriellen Kreisen.

Der Fall belastet die ansonsten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Russland. “Spionage ist inakzeptabel, und russische Spionage in Europa ist auch inakzeptabel”, sagte Kurz. Sollte sich der Verdacht bestätigen, werde dies “das Verhältnis zwischen Russland und der Europäischen Union nicht verbessern”.

Ein ehemaliger Oberst des österreichischen Bundesheers soll während seiner aktiven Zeit rund 20 Jahre für Russland spioniert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittle, sagten Österreichs Kanzler Sebastian Kurz und Verteidigungsminister Mario Kunasek. “Spionage ist inakzeptabel und russische Spionage in Europa ist auch inakzeptabel”, sagte Kurz. Der Hinweis auf den Mann sei von einem ausländischen Dienst gekommen.

Außenministerin Karin Kneissl sagte eine für Dezember geplante Reise nach Moskau ab. Sie bestellte den Geschäftsträger der russischen Botschaft in Wien ein. Russische Medien berichteten, Moskau habe wegen der Ermittlungen auch den österreichischen Botschafter ins Außenministerium einbestellt.

Kurz wiederum zeigte sich verärgert. Österreich war eines der wenigen EU-Länder, die nach der Affäre um den vergifteten Doppelagenten Sergej Skripal auf die Ausweisung russischer Diplomaten verzichtet hatten. Wien als geografische Schnittstelle zwischen Ost und West sowie Standort vieler internationaler Firmen und Institutionen gilt seit langem als ein Ort mit besonders vielen Agenten.

Österreichs Außenministerin Karin Kneissl sagt Russland-Reise ab

Österreich ist in Europa immer wieder in die Kritik geraten, sich zu stark Russland zuzuwenden. Viele österreichische Unternehmen sind in Russland engagiert, die Regierung in Wien tritt daher auf die Bremse, wenn es um Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen der Besetzung der Krim geht. Vor allem die rechtspopulistische Regierungspartei FPÖ hält seit Jahren gute Kontakte nach Moskau und sympathisiert mit Wladimir Putin.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte Medienberichten zufolge: “Ich war von diesen Informationen unangenehm überrascht.” Die Regierung in Wien hätte entsprechend den diplomatischen Gepflogenheiten die Vorwürfe direkt an Russland richten sollen, sagte Lawrow. Der Vizechef des Auswärtigen Ausschusses der Duma, Alexej Tschepa, erklärte, der Fall werde die freundschaftlichen Beziehungen zu Österreich kaum fördern. Ein Mitglied des Verteidigungsausschusses im russischen Föderationsrat forderte Österreich auf, die Informationen über die Enthüllung offenzulegen. “Vielleicht ist es auch eine Falschinformation”, sagte der Einiges-Russland-Politiker Franz Klinzewitsch.

Für Aufregung sorgte auch, dass Putin an der Hochzeitsfeier von Außenministerin Kneissl im Sommer dieses Jahres teilnahm. Ein Tanz der beiden, bei dem Kneissl einen Knicks macht und von dem später ein Video kursierte, wurde als “Distanzlosigkeit” und “Unterwerfungsakt” kritisiert. Kneissl wies das zurück und erklärte, der Knicks sei lediglich die Antwort auf eine Verbeugung Putins gewesen.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) haben die Vorwürfe gegen den Soldaten öffentlich gemacht. “Spionage ist inakzeptabel und russische Spionage in Europa ist auch inakzeptabel”, sagte Kurz. Der Hinweis auf den Mann sei von einem ausländischen Dienst gekommen. Der Oberst hat demnach in den neunziger Jahren die Zusammenarbeit mit russischen Geheimdiensten aufgenommen und diese bis 2018 aufrechterhalten.

Soldaten des österreichischen Bundesheeres: Ein pensionierter Oberst soll in seiner aktiven Zeit für Moskau spioniert haben (Symbolfoto). (Quelle: imago)

In Österreich ist ein mutmaßlicher Spion enttarnt worden, der etwa 20 Jahre lang Informationen an Russland verkauft haben soll. Der Fall hat erste diplomatische Konsequenzen.

Russland bestellte nach Angaben des Außeministeriums seinerseits den österreichischen Botschafter ein. Außenminister Sergej Lawrow sagte, er sei von der Nachricht aus Wien "unangenehm überrascht" worden. Der Minister kritisierte indirekt die öffentliche Bekanntmachung des Falls durch die Regierung in Wien: Die "westlichen Partner" ersetzten "traditionelle Diplomatie" immer mehr durch "Megafon-Diplomatie", sagte Lawrow vor Journalisten. Moskau werde den österreichischen Botschafter darauf hinweisen, "welche Methoden angewendet werden müssen, wenn man Fragen an Russland hat".

Ein mittlerweile pensionierter Oberst des österreichischen Bundesheeres soll während seiner aktiven Zeit im Heer rund 20 Jahre lang für Russland spioniert haben. Die Staatsanwaltschaft ermittele, sagten Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) am Freitag.

Laut Verteidigungsminister Kunasek kam der Fall vor einigen Wochen dank Informationen eines europäischen Geheimdienstes ans Licht. Es sei bislang nicht klar, ob es sich um einen Einzelfall handle. Der pensionierte Oberst habe technische Geräte ausgehändigt, darunter seinen Laptop, der nun ausgewertet werde. Bei Befragungen habe der Mann gesagt, Russland sei vor allem an Waffensystemen interessiert gewesen sowie an der Situation der Migration in den vergangenen Jahren. Auch seien Profile bestimmter Menschen erstellt und weitergegeben worden.

“Spionage ist inakzeptabel und russische Spionage in Europa ist auch inakzeptabel”, sagte Kurz. Der Hinweis auf den Mann sei von einem ausländischen Dienst gekommen. Wegen des Falls sei der Geschäftsträger der russischen Botschaft einbestellt worden, teilte das Außenministerium mit.

Die geplante Reise von Außenministerin Karin Kneissl am 2. und 3. Dezember nach Moskau sei zunächst abgesagt worden. Der Offizier soll für seine Spionagetätigkeit gut 300.000 Euro bekommen haben, berichtete die “Kronen Zeitung”.

Fall Skripal Ein paar Tausend Euro reichen, um Putins Agenten zu entlarven Der Vizechef des Auswärtigen Ausschusses der Duma, Alexej Tschepa, erklärte, der Fall werde die freundschaftlichen Beziehungen zu Österreich kaum fördern. Ein Mitglied des russischen Verteidigungsausschusses im Föderationsrat forderte Österreich auf, die Informationen über die Enthüllung offenzulegen. Vielleicht ist es auch eine Falschinformation, sagte Franz Klinzewitsch.

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Der Vizechef des Auswärtigen Ausschusses der Duma, Alexej Tschepa, erklärte, der Fall werde die freundschaftlichen Beziehungen zu Österreich kaum fördern. Ein Mitglied des russischen Verteidigungsausschusses im Föderationsrat forderte Österreich auf, die Informationen über die Enthüllung offenzulegen. Vielleicht ist es auch eine Falschinformation, sagte Franz Klinzewitsch.

Wie ein Salzburger Offizier jahrelang für Moskau spionierte

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Zuvor hatte Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mitgeteilt, dass der Oberst während seiner aktiven Zeit im Heer rund 20 Jahre für Russland spioniert haben soll. Spionage ist inakzeptabel und russische Spionage in Europa ist auch inakzeptabel, sagte Kurz. Der Hinweis auf den Mann sei von einem ausländischen Dienst gekommen.

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