Dieselgespräche: Nachrüstungen, ja aber...
Diesel-Nachrüstungen: VW und Daimler wollen zahlen, BMW nicht
Gerichte verhängen wegen schlechter Luft Fahrverbot um Fahrverbot. Nun haben Daimler und VW bei einem Treffen mit Verkehrsminister Scheuer etwas Geld für Nachrüstungen zugesagt – unter Bedingungen.

Während die Verwaltungsgerichte mit ihren Urteilen zu Fahrverboten wegen schlechter Luft in den Städten längst Fakten schaffen, hat sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer mit Managern deutscher Autokonzerne getroffen. Der CSU-Politiker und die großen Autoproduzenten haben sich dabei nach langer Diskussion über den Umgang mit Dieselautos auf einen Kompromiss geeinigt.

Das Umweltministerium begrüßte zwar grundsätzlich, dass Daimler und VW bereit seien, Hardware-Nachrüstungen für Diesel in Städten mit besonders hoher Luftverschmutzung zu finanzieren. Dass diese technischen Nachrüstungen erst nach 2020 möglich sein sollen, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen, hieß es. Der Entwicklungsstand solcher Nachrüstungen sei mittlerweile weit ausgereift, ihre Leistungsfähigkeiten wurden bereits mehrfach erfolgreich getestet. Diesel-Fahrverbote kommen wesentlich früher. So entschied ein Gericht, dass Köln und Bonn ab Frühjahr 2019 ältere Diesel aus dem Großteil des Stadtgebiets ausschließen müssen.

Im Vordergrund stünden weiterhin die Rabattaktionen der Hersteller von Alt-Autos in sauberere Fahrzeuge, sagte Scheuer. Volkswagen und Daimler seien dann bereit, die Abgas-Reinigung der verbliebenen älteren Autos für bis zu 3000 Euro nachrüsten zu lassen. Dies solle für “herstellerspezifische Maßnahmen” gelten, zu denen auch Hardware-Nachrüstungen gehören könnten.

BMW lehne das ab, wolle aber mit der gleichen Summe die Halter der älteren Diesel unterstützen – etwa für einen Neukauf. Die Angebote sind zudem an eine weitere Bedingung geknüpft. Sie sollen nur für Halter in den am höchsten mit Stickoxid belasteten Regionen gelten.

Im Bundesumweltministerium sind die Planungen längst weiter. Einem Arbeitspapier zufolge, das dem SPIEGEL vorliegt, wird eine Strafabgabe für die Konzerne diskutiert. Sie soll sich nach dem Stickoxidausstoß neuer Fahrzeuge bemessen. Verkehrsminister Scheuer ging darauf nach dem Treffen mit den Autobossen nicht näher ein. Er sagte bloß knapp, er wolle nicht die Arbeit anderer Ministerien kommentieren.

“Wir haben mit den deutschen Herstellern ein konstruktives Ergebnis erzielt”, sagte Scheuer nach dem Treffen mit Branchenvertretern. Daimler hatte bereits zuvor 2400 Euro je Nachrüstung für seine Dieselautos von Haltern in sogenannten Schwerpunktregionen angeboten. Der Konzern forderte, die Nachrüstungen müssten vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifiziert und zugelassen werden – und “nachweislich dazu berechtigen, in bestimmten Städten auch in Straßen mit Fahrverboten einzufahren”.

Für den ADAC ist laut Vizepräsident Ulrich Klaus wichtig, dass für Autofahrer, die sich trotz Umtauschprämien und Rabatten kein neues Auto leisten können, eine technische Nachrüstung weiterhin die Chance bietet, trotz drohender Fahrverbote mobil zu bleiben und den Wertverlust ihrer Dieselautos aufzufangen. Alle Hersteller sollten jetzt solche Angebote machen.

Derzeit gibt es laut Scheuer noch keine genehmigten Katalysator-Nachrüstsätze für Euro-5-Fahrzeuge. Technische Lösungen seien “leider nicht kurzfristig am Markt verfügbar”. Daher gebe es auch “noch kein Preisschild”.

Der Kompromiss zwischen Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und den deutschen Autoherstellern in der Dieselkrise steht in der Kritik. Die Hersteller hatten zugesagt, Angebote für Besitzer älterer Fahrzeuge zu erweitern. Dazu können auch die von den Herstellern skeptisch beurteilten Hardware-Nachrüstungen an Motoren und Abgaseinrichtungen gehören.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, bezeichnete diese Aussagen als dreist. “Längst hätte das Kraftfahrt-Bundesamt die bereits schon entwickelten Nachrüstungspakete unter die Lupe nehmen und zulassen können”, sagte Hofreiter. “Minister Scheuer und die Konzernbosse wollen den betrogenen Dieselbesitzern Neuwagen andrehen und verweigern ihnen die Nachrüstung um weitere Jahre. Damit sind viele weitere Fahrverbote in Städten mit dreckiger Luft vorprogrammiert.”

BMW wiederum lehnt Hardware-Nachrüstung seiner älteren Dieselautos auch nach dem Treffen weiterhin strikt ab – und erhält dabei Rückendeckung von den Arbeitnehmern. Betriebsratschef Manfred Schoch warf der Bundesregierung am Donnerstag vor, “alle über den gleichen Kamm” zu scheren und “die Arbeitsplätze gerade derjenigen Arbeitnehmer zu gefährden, die schon immer saubere Diesel produziert haben”.

Aus Sicht von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer entsteht mit der angepeilten Lösung noch weniger als ein Flickenteppich. VW und Daimler machten rund 30 Prozent der Dieselfahrzeuge in Deutschland aus, der Rest bliebe unberücksichtigt, sagte Dudenhöffer dem Mannheimer Morgen.

BMW-Vorstandschef Harald Krüger sagte: “Eine Hardware-Nachrüstung führt zu mehr Gewicht und höherem Verbrauch.” Neue Dieseltechnologie lasse sich auch nicht sinnvoll auf Autos übertragen, “die vor Jahren entwickelt worden sind und vollumfänglich die Zulassungsanforderungen der EU erfüllen”.

Trickserei, nicht vermittelbar: Der neue Deal der deutschen Autobauer mit Verkehrsminister Scheuer findet kaum Zuspruch. Auf besonderes Unverständnis stößt, dass Hardware-Nachrüstungen erst ab 2020 möglich sein sollen.

Die Große Koalition hatte im Kampf gegen Fahrverbote wegen der Stickoxid-Belastung Anfang Oktober ein Paket aus Umtauschprämien für neuere Autos und die sogenannte Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Industrie beschlossen. Die Konzerne boten zwar Kaufanreize für abgasärmere Fahrzeuge an, weigerten sich bisher aber, die kompletten Kosten für die Nachrüstung von Dieseln der Euro-5-Norm zu übernehmen.

Volkswagen und Daimler werden sich an den Kosten für die Nachrüstung alter Dieselmotoren finanziell beteiligen. Die Autobauer geben ihren monatelangen Widerstand auf und wollen bis zu 3000 Euro pro Auto zahlen. Das ist das Ergebnis stundenlanger Verhandlungen zwischen der Autoindustrie und der Bundesregierung.

Das Gespräch im Bundesverkehrsministerium, zu dem weder Volkswagen noch BMW ihre Vorstandschefs geschickt haben, soll nach Teilnehmerkreisen äußerst kontrovers und irritierend geführt worden sein. Es seien Zusagen gemacht und wieder zurückgenommen worden. Das Treffen war ab 10 Uhr auf eineinhalb Stunden angesetzt worden, dauerte aber schließlich fünf Stunden.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte den Kompromiss Augenwischerei. Das Tricksen geht ungeniert weiter. Scheuer und die Konzernbosse wollten den betrogenen Dieselbesitzern Neuwagen andrehen und verweigerten ihnen die Nachrüstung um weitere Jahre.

Daimler will Haltern von Mercedes-Benz-Dieselautos der Abgasnorm Euro 5 bis zu 3000 Euro für technische Nachrüstung zahlen. Das gilt allerdings nur in den von Diesel-Fahrverboten betroffenen Regionen. Die Hardware-Lösung müsse jedoch vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifiziert sein und die Besitzer zur Einfahrt in die mit Fahrverboten belegten Städte berechtigen. Volkswagen will ebenfalls 3000 Euro pro Auto zur Verfügung stellen.

Das Geld sei nicht an die Hardware-Nachrüstungen gekoppelt, erklärte Scheuer. Ziel der Prämien-Offensive ist es, die Umtauschaktionen voranzutreiben. Allerdings: Die Angebote gelten nur für Halter in den am höchsten mit Stickoxid (NOx)-belasteten Regionen.

Der ganz große Wurf für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist der Ausgang der Gespräche nicht. Zum einen sind nur zwei Autobauer bereit, für die Nachrüstungen zu bezahlen. BMW verweigert sich weiter, die ausländischen Hersteller zur Kasse zu bitten, hat die Bundesregierung nie ernsthaft versucht. Zudem gilt die Kostenübernahme für Nachrüstungen nur dort, wo Fahrverbote drohen oder schon beschlossen sind. Schwierig wird es also für Dieselfahrer aus anderen Gegenden, die in die sogenannten Intensivstädte einfahren wollen.

Volkswagen und Daimler hatten bereits zu Anfang die Bereitschaft signalisiert, zumindest einen Teil der Kosten zu tragen. Daimler hatte 2400 Euro im Aussicht gestellt. Allerdings nur, wenn die anderen Autobauer, vor allem BMW, auch zur Kasse gebeten würden. Die Wolfsburger und Stuttgarter fürchten Wettbewerbsverzerrungen. BMW hatte von Anfang an eine klare Linie und sich bis zuletzt hartnäckig geweigert, für die Umbauten der Motoren bei Diesel-Pkw der Euro-Klasse 5 bezahlen zu müssen.

Die große Koalition hatte im Kampf gegen Fahrverbote wegen der Stickoxid-Belastung (NOx) Anfang Oktober ein Paket aus Umtauschprämien für neuere Autos und die sogenannte Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Industrie beschlossen.

Und der Dieselgipfel war noch nicht richtig zu Ende, da legten sich die Münchner endgültig fest: Aus Anlass des heutigen Treffens von Vertretern der deutschen Automobilindustrie und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bekräftigt die BMW Group ihre Strategie zur nachhaltigen Verbesserung der Luftqualität in Städten. In diesem Zusammenhang sind Hardware-Nachrüstungen für Fahrzeuge der BMW Group unverändert keine sinnvolle Option, teilte der Konzern mit.

Das stellte Minister Scheuer heute nach dem Diesel-Gipfel in Berlin klar. Die notwendigen Katalysator-Systeme für Euro-5-Fahrzeuge seien derzeit nicht vorrätig. Daher könne auch eine Nachrüstung erst nach 2020 greifen.

Eine Hardware-Nachrüstung trägt – wenn überhaupt – viel zu spät zur Verbesserung der Luftqualität bei. Wirklich serienreife Nachrüstsysteme sind selbst bei einem beschleunigten Zulassungsverfahren frühestens Ende 2021 verfügbar, sagte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich nach dem Treffen in Berlin. Gerade im nächsten Jahr müssen wir die Flottenverjüngung schnell umsetzen. Denn dies ist neben der bereits laufenden Software-Aktualisierung die aktuell einzig verfügbare Maßnahme mit Breitenwirkung.

Die SPD und nach langem Zögern auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten ungeachtet des Widerstands in der Autoindustrie auf die Nachrüstungen gedrungen, um weitere Fahrverbote in deutschen Innenstädten zu vermeiden. Die CSU und Bundesverkehrsminister Scheuer hatten das lange abgelehnt. Letztlich fügte sich Scheuer der Kabinettsdisziplin.

Mit dem Einbau von Katalysatoren und Behältern, die mit Harnstoff gefüllt sind, sollen die Stickoxide (NOx) neutralisiert werden, die als gesundheitsschädlich gelten. In vielen deutschen Städten werden die von der EU vorgegebenen Grenzwerte für NOx seit Jahren überschritten. Daher hatten Verwaltungsgerichte Fahrverbote angeordnet.

Während die Hersteller Kaufanreize für abgasärmere Fahrzeuge anboten, weigerten sich die Hersteller, die kompletten Kosten für die Nachrüstung von Dieseln der Euro-5-Norm zu übernehmen.

Am Donnerstag hatte das Verwaltungsgericht Köln entschieden, dass die Domstadt ab April nächsten Jahres in der bestehenden Umweltzone ein Fahrverbot einführen muss. Davon betroffen sind Dieselautos mit Euro-4-Motoren. Ab September 2019 muss das Verbot auch Dieselfahrzeuge mit Euro-5-Motoren erfassen. Im benachbarten Bonn müssen dem Urteil zufolge zwei viel befahrene Straßen für ältere Dieselautos ab April 2019 gesperrt werden.

Während manche Dieselbesitzer auf die volle Kostenübernahme hoffen können, gehen andere leer aus und müssen viel Geld in einen Neuwagen stecken, um mobil bleiben zu können.

Die Politik und Umweltverbände hatten in den vergangenen Wochen zunehmend Druck auf die Autobauer gemacht, die Kosten für die Nachrüstungen voll zu übernehmen. Nur damit, argumentieren Politiker von SPD und Grünen sowie Umweltschützer, könnten die NOx-Grenzwerte in kurzer Zeit eingehalten und die Städte von weiteren Fahrverboten verschont werden.

Über fünf Stunden hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) heute mit den Chefs der deutschen Auto-Industrie über Auswege aus der Diesel-Krise beraten. Das Ergebnis:

Die Autobauer setzen auf die von der Bundesregierung beschlossenen Umtauschprämien. Durch den Austausch älterer Diesel gegen neue und saubere Modelle würde sich die Luftqualität in kurzer Zeit deutlich verbessern, konterten die Autobauer. Nachrüstungen seien deshalb nicht nötig.

Auch Minister Scheuer hält von den Nachrüstungen nichts. Sie seien teuer, aufwendig und würden bei vielen Modellen nicht umsetzbar sein. Zudem sollte zunächst die Wirkung der ergriffenen Maßnahmen wie des Programms Saubere Luft abgewartet werden. Er erkenne keinen Sinn darin, in alte Autos frisches Geld zu verbauen, so Scheuer.

Die Städte Köln und Bonn müssen wegen hoher Luftverschmutzung ab April 2019 Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge einführen.

Letztlich musste der Minister gegen seine eigene Überzeugung die Autobauer zur Kostenübernahme für die Nachrüstungen drängen. Der Koalitionspartner SPD hatten seinen Druck in der Sache bis zuletzt gesteigert. Ich lasse beim Diesel nicht locker. Zum Dieselgipfel erwarte ich von den Autobauern klares Ja zu Hardware-Nachrüstungen und zur vollständigen Kostenübernahme, hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zu Beginn des Treffens mit Vertretern der Autoindustrie getwittert. Die Hersteller haben die Chance, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.

Klarheit und Rechtssicherheit blieben auch bei dieser Einigung auf der Strecke, sagte Jungbluth weiter.

Vor allem BMW hatte gekontert, gegen keinerlei Gesetze verstoßen zu haben. Die Autos seien ordnungsgemäß zugelassen. Und: Überschreitungen bei den NOx-Werten, die sich im legalen Rahmen befinden, gebe es auch bei anderen Autobauern. Nur die würden nicht zur Verantwortung gezogen. Warum sollen die deutschen Hersteller für etwas bezahlen, die ausländische Konkurrenz und Autobauer, die in Deutschland produzieren, wie Ford oder Opel aber nicht, fragte ein BMW-Manager.

Minister Scheuer hatte darauf keine besonders starke Antwort: Volkswagen habe gegen Gesetze verstoßen, bei Daimler werde das noch ermittelt. Und BMW zähle zu den deutschen Herstellern, die nun insgesamt Verantwortung übernehmen müssten. Anstelle der Automanager würde er sich Sorgen angesichts des Image- und Vertrauensverlusts machen, so Scheuer. Das müsste man sich allerdings auch bei Fiat, wo nach Erkenntnissen der Bundesregierung klar Abgaswerte manipuliert wurden. Oder bei Renault und Opel, beide Autobauer stehen in dem Verdacht, illegale Abschalteinrichtungen verwendet zu haben. BMW nicht.

In der Diskussion über die Nachrüstungen waren neben der Frage, wer die Kosten übernimmt, zuletzt zwei Punkte besonders umstritten: Wer übernimmt nach dem Einbau der Katalysatoren die Garantie dafür, dass das entsprechende Auto einwandfrei funktioniert? Und: Wird durch die Nachrüstung die Leistung der Autos gemindert und der Spritverbrauch in die Höhe getrieben? Mit Bezug auf die Garantiefrage hatten sich die Hersteller geweigert, die vollen Kosten zu übernehmen, da sie sonst haften müssten – was die Industrie ablehnt.

Doch nach Einschätzung von Minister Scheuer ist das eine Schutzbehauptung. Wer ein Teil in ein Auto einbaue, hafte auch für die Funktionsfähigkeit. Allerdings ist die Nachrüstung von Dieselmotoren ein tiefgreifender Eingriff in ein Fahrzeug, dabei muss die Software zur Motorsteuerung, einfach ausgedrückt, ergänzt oder zum Teil überschrieben werden. Welche Folgen das für das Fahrverhalten hat, wird man erst wissen, wenn serienmäßig Autos umgerüstet würden. Dass es nach den Umrüstungen zu Leistungsminderung und höherem Kraftstoffverbrauch kommen kann, wenn auch in geringem Umfang, gilt als sicher.

0 Anzeige Volkswagen und Daimler werden sich an den Kosten für die Nachrüstung alter Dieselmotoren finanziell beteiligen. Die Autobauer geben ihren monatelangen Widerstand auf und wollen bis zu 3000 Euro pro Auto zahlen. Das ist das Ergebnis stundenlanger Verhandlungen zwischen der Autoindustrie und der Bundesregierung.

Das Gespräch im Bundesverkehrsministerium, zu dem weder Volkswagen noch BMW ihre Vorstandschefs geschickt haben, soll nach Teilnehmerkreisen äußerst kontrovers und irritierend geführt worden sein. Es seien Zusagen gemacht und wieder zurückgenommen worden. Das Treffen war ab 10 Uhr auf eineinhalb Stunden angesetzt worden, dauerte aber schließlich fünf Stunden.

Die deutschen Autohersteller haben sich mit der Bundesregierung auf ein Maßnahmenpaket geeinigt. Dazu gehören auch Hardware-Nachrüstungen. Allerdings mit Einschränkungen, wie Verkehrsminister Scheuer erklärt.

Daimler will Haltern von Mercedes-Benz-Dieselautos der Abgasnorm Euro 5 bis zu 3000 Euro für technische Nachrüstung zahlen. Das gilt allerdings nur in den von Diesel-Fahrverboten betroffenen Regionen. Die Hardware-Lösung müsse jedoch vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifiziert sein und die Besitzer zur Einfahrt in die mit Fahrverboten belegten Städte berechtigen. Volkswagen will ebenfalls 3000 Euro pro Auto zur Verfügung stellen.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kann nur einen halbgaren Kompromiss mit den Herstellern vermelden Quelle: dpa

Der ganz große Wurf für Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist der Ausgang der Gespräche nicht. Zum einen sind nur zwei Autobauer bereit, für die Nachrüstungen zu bezahlen. BMW verweigert sich weiter, die ausländischen Hersteller zur Kasse zu bitten, hat die Bundesregierung nie ernsthaft versucht. Zudem gilt die Kostenübernahme für Nachrüstungen nur dort, wo Fahrverbote drohen oder schon beschlossen sind. Schwierig wird es also für Dieselfahrer aus anderen Gegenden, die in die sogenannten Intensivstädte einfahren wollen.

Volkswagen und Daimler hatten bereits zu Anfang die Bereitschaft signalisiert, zumindest einen Teil der Kosten zu tragen. Daimler hatte 2400 Euro im Aussicht gestellt. Allerdings nur, wenn die anderen Autobauer, vor allem BMW, auch zur Kasse gebeten würden. Die Wolfsburger und Stuttgarter fürchten Wettbewerbsverzerrungen. BMW hatte von Anfang an eine klare Linie und sich bis zuletzt hartnäckig geweigert, für die Umbauten der Motoren bei Diesel-Pkw der Euro-Klasse 5 bezahlen zu müssen.

Schadstoffbelastung Ist die Städte-Maut gerechter als ein Fahrverbot? Und der Dieselgipfel war noch nicht richtig zu Ende, da legten sich die Münchner endgültig fest: Aus Anlass des heutigen Treffens von Vertretern der deutschen Automobilindustrie und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bekräftigt die BMW Group ihre Strategie zur nachhaltigen Verbesserung der Luftqualität in Städten. In diesem Zusammenhang sind Hardware-Nachrüstungen für Fahrzeuge der BMW Group unverändert keine sinnvolle Option, teilte der Konzern mit.

Eine Hardware-Nachrüstung trägt – wenn überhaupt – viel zu spät zur Verbesserung der Luftqualität bei. Wirklich serienreife Nachrüstsysteme sind selbst bei einem beschleunigten Zulassungsverfahren frühestens Ende 2021 verfügbar, sagte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich nach dem Treffen in Berlin. Gerade im nächsten Jahr müssen wir die Flottenverjüngung schnell umsetzen. Denn dies ist neben der bereits laufenden Software-Aktualisierung die aktuell einzig verfügbare Maßnahme mit Breitenwirkung.

Die SPD und nach langem Zögern auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten ungeachtet des Widerstands in der Autoindustrie auf die Nachrüstungen gedrungen, um weitere Fahrverbote in deutschen Innenstädten zu vermeiden. Die CSU und Bundesverkehrsminister Scheuer hatten das lange abgelehnt. Letztlich fügte sich Scheuer der Kabinettsdisziplin.

Mit dem Einbau von Katalysatoren und Behältern, die mit Harnstoff gefüllt sind, sollen die Stickoxide (NOx) neutralisiert werden, die als gesundheitsschädlich gelten. In vielen deutschen Städten werden die von der EU vorgegebenen Grenzwerte für NOx seit Jahren überschritten. Daher hatten Verwaltungsgerichte Fahrverbote angeordnet.

Abgas-Skandal Jetzt buhlen die Anwälte um Schummeldiesel-Besitzer Am Donnerstag hatte das Verwaltungsgericht Köln entschieden, dass die Domstadt ab April nächsten Jahres in der bestehenden Umweltzone ein Fahrverbot einführen muss. Davon betroffen sind Dieselautos mit Euro-4-Motoren. Ab September 2019 muss das Verbot auch Dieselfahrzeuge mit Euro-5-Motoren erfassen. Im benachbarten Bonn müssen dem Urteil zufolge zwei viel befahrene Straßen für ältere Dieselautos ab April 2019 gesperrt werden.

Die Politik und Umweltverbände hatten in den vergangenen Wochen zunehmend Druck auf die Autobauer gemacht, die Kosten für die Nachrüstungen voll zu übernehmen. Nur damit, argumentieren Politiker von SPD und Grünen sowie Umweltschützer, könnten die NOx-Grenzwerte in kurzer Zeit eingehalten und die Städte von weiteren Fahrverboten verschont werden.

Die Autobauer setzen auf die von der Bundesregierung beschlossenen Umtauschprämien. Durch den Austausch älterer Diesel gegen neue und saubere Modelle würde sich die Luftqualität in kurzer Zeit deutlich verbessern, konterten die Autobauer. Nachrüstungen seien deshalb nicht nötig.

Auch Minister Scheuer hält von den Nachrüstungen nichts. Sie seien teuer, aufwendig und würden bei vielen Modellen nicht umsetzbar sein. Zudem sollte zunächst die Wirkung der ergriffenen Maßnahmen wie des Programms Saubere Luft abgewartet werden. Er erkenne keinen Sinn darin, in alte Autos frisches Geld zu verbauen, so Scheuer.

Stickoxid-Posse in Oldenburg Schlechte Luft ohne Diesel – hier zeigt sich der Messstellen-Wahnsinn Letztlich musste der Minister gegen seine eigene Überzeugung die Autobauer zur Kostenübernahme für die Nachrüstungen drängen. Der Koalitionspartner SPD hatten seinen Druck in der Sache bis zuletzt gesteigert. Ich lasse beim Diesel nicht locker. Zum Dieselgipfel erwarte ich von den Autobauern klares Ja zu Hardware-Nachrüstungen und zur vollständigen Kostenübernahme, hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zu Beginn des Treffens mit Vertretern der Autoindustrie getwittert. Die Hersteller haben die Chance, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.

Vor allem BMW hatte gekontert, gegen keinerlei Gesetze verstoßen zu haben. Die Autos seien ordnungsgemäß zugelassen. Und: Überschreitungen bei den NOx-Werten, die sich im legalen Rahmen befinden, gebe es auch bei anderen Autobauern. Nur die würden nicht zur Verantwortung gezogen. Warum sollen die deutschen Hersteller für etwas bezahlen, die ausländische Konkurrenz und Autobauer, die in Deutschland produzieren, wie Ford oder Opel aber nicht, fragte ein BMW-Manager.

Minister Scheuer hatte darauf keine besonders starke Antwort: Volkswagen habe gegen Gesetze verstoßen, bei Daimler werde das noch ermittelt. Und BMW zähle zu den deutschen Herstellern, die nun insgesamt Verantwortung übernehmen müssten. Anstelle der Automanager würde er sich Sorgen angesichts des Image- und Vertrauensverlusts machen, so Scheuer. Das müsste man sich allerdings auch bei Fiat, wo nach Erkenntnissen der Bundesregierung klar Abgaswerte manipuliert wurden. Oder bei Renault und Opel, beide Autobauer stehen in dem Verdacht, illegale Abschalteinrichtungen verwendet zu haben. BMW nicht.

In der Diskussion über die Nachrüstungen waren neben der Frage, wer die Kosten übernimmt, zuletzt zwei Punkte besonders umstritten: Wer übernimmt nach dem Einbau der Katalysatoren die Garantie dafür, dass das entsprechende Auto einwandfrei funktioniert? Und: Wird durch die Nachrüstung die Leistung der Autos gemindert und der Spritverbrauch in die Höhe getrieben? Mit Bezug auf die Garantiefrage hatten sich die Hersteller geweigert, die vollen Kosten zu übernehmen, da sie sonst haften müssten – was die Industrie ablehnt.

Doch nach Einschätzung von Minister Scheuer ist das eine Schutzbehauptung. Wer ein Teil in ein Auto einbaue, hafte auch für die Funktionsfähigkeit. Allerdings ist die Nachrüstung von Dieselmotoren ein tiefgreifender Eingriff in ein Fahrzeug, dabei muss die Software zur Motorsteuerung, einfach ausgedrückt, ergänzt oder zum Teil überschrieben werden. Welche Folgen das für das Fahrverhalten hat, wird man erst wissen, wenn serienmäßig Autos umgerüstet würden. Dass es nach den Umrüstungen zu Leistungsminderung und höherem Kraftstoffverbrauch kommen kann, wenn auch in geringem Umfang, gilt als sicher.

Die Städte Köln und Bonn müssen wegen hoher Luftverschmutzung ab April 2019 Fahrverbote für ältere Diesel-Fahrzeuge einführen. Das hat das Kölner Verwaltungsgericht nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe entschieden.