Giftiger Streit zwischen CNN und Trump
Donald Trump: Lügenvorwurf gegen das Weiße Haus
CNN-Chefreporter Jim Acosta darf nach seinem öffentlichen Schlagabtausch mit dem US-Präsidenten nicht mehr ins Weiße Haus. Wer ist dieser Journalist, und warum ist er ein rotes Tuch für Donald Trump?

Bei der Pressekonferenz von US-Präsident Trump zu den Midterm-Wahlen kam es zu einem ungewöhnlich heftigen Wortgefecht: Auf offener Bühne schnitt Trump dem CNN-Reporter Jim Acosta das Wort ab und beschimpfte ihn. “Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person”, fuhr der Präsident Acosta an. “Bis auf Weiteres” hat das Weiße Haus Acosta nun die Akkreditierung entzogen, das heißt, er erhält keinen Zugang mehr zum Weißen Haus.

Wie geht es weiter mit den USA im Allgemeinen und Präsident Donald Trump im Speziellen nach den Midterms 2018? Die deutschen und internationalen Zeitungskommentatoren sind sich uneins. Sicher sind sie sich nur: Es bleibt eine aufregende Zeit. Die Presseschau.

Die jüngste Pressekonferenz von Donald Trump spiegelt ziemlich genau seinen denkwürdigen Auftritt im Januar 2017, als er erstmals als designierter, aber noch nicht vereidigter US-Präsident vor die Presse trat. Damals reagierten Medienvertreter geschockt auf den Umgang Trumps mit den Berichterstattern vor Ort.

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Er habe “großen Respekt für die Pressefreiheit und all das”, sagte Trump damals. Nur um kurz darauf Medienberichte zu verteufeln, die ihn mit einer Prostituierten in einem Moskauer Hotel in Verbindung gebracht hatten. Im gleichen Atemzug begann ein Trump-Slogan seine Karriere: “Fake News”. Mit diesen Worten schnitt er Jim Acosta vor fast zwei Jahren schon das Wort ab: “Ihr macht Fake News!”

Trumps Streit mit Acosta geht aber noch weiter zurück. Bereits 2016 sagte der damalige Präsidentschaftskandidat bei einer Pressekonferenz: “Ich habe Sie im Fernsehen gesehen. Sie sind ein echtes Früchtchen.”

Acosta wurde als Sohn eines Flüchtlings geboren: Sein Vater kam mit elf Jahren aus Kuba in die USA. Nach einem Studium der Politikwissenschaft begann er in Chicago als Radioreporter zu arbeiten. Später wechselte er zum Fernsehsender CBS, für den er unter anderem aus Bagdad über den Irakkrieg und den Hurrikan Katrina berichtete.

Seit 2007 arbeitet Acosta für CNN. Er beobachtete für den Sender unter anderem die Kampagnen von Barack Obama und Hillary Clinton, als sich beide als Präsidentschaftskandidaten der Demokraten bewarben. Seit Anfang 2018 ist Acosta Chefkorrespondent für CNN im Weißen Haus.

Dass sich CNN nunmehr stolz über die Arbeit ihres Reporters geäußert habe, sei nicht nur widerlich, sondern auch ein Beispiel ihrer empörenden Missachtung für alle, auch junge Frauen, die in dieser Regierung arbeiten. Dabei hatte Acosta die junge Frau gar nicht angefasst!

Acosta stellte auch anderen Politikern schon unangenehme Fragen bei Pressekonferenzen. 2015 etwa wollte er den damaligen US-Präsidenten Obama auf eine Strategie gegen die Terrororganisation IS festlegen und fragte: “Warum können wir diesen Mistkerlen nicht das Handwerk legen?” 2016 begleitete er Obama bei seinem historischen Besuch in Kuba und insistierte mit Fragen an Raúl Castro auf einem Statement zur Lage der Menschenrechte in dem Land.

Im Juli 2018 wurde Acostas CNN-Kollegin Kaitlan Collins der Zugang zu einer öffentlichen Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses verweigert. Das Weiße Haus begründete den Schritt damit, Collins habe “laut gerufen und sich geweigert, zu gehen, obwohl sie wiederholt dazu aufgefordert wurde”. Collins hatte am selben Tag zuvor auf einer Pressekonferenz mehrmals versucht, Trump Fragen zu der Supreme-Court-Nominierung von Richter Brett Kavanaugh zu stellen.

Später entzog das Weiße Haus Jim Acosta die Akkreditierung. Die Begründung von Pressesprecherin Sarah Sanders (36) hatte aber nichts damit zu tun, dass Acosta kritisch nachgehakt hatte, sondern suggerierte ganz andere Vorwürfe.

Kurz darauf twitterte der Präsident: “FAKE NEWS Medien sind der Feind des Volkes”, eine Formulierung, die er nun bei dem Zusammenstoß mit Acosta erneut gebrauchte. Die “Washington Post” berichtet mit Berufung auf inoffizielle Quellen, der Präsident habe schon zuvor wiederholt versucht, unliebsame Journalisten von Pressekonferenzen fernzuhalten, sei aber von seiner Regierung davon abgehalten worden.

Donald Trumps Eklat-Pressekonferenz nach den Midterm-Wahlen! Am späten Mittwochnachmittag beschimpfte der US-Präsident CNN-Chefreporter Jim Acosta (47), bezeichnete ihn nach kritischen Fragen als Feind des Volkes.

Während seiner Präsidentschaftskampagne verweigerte Trump Dutzenden Journalisten Presseakkreditierungen zu seinen Veranstaltungen, darunter Vertretern von BBC, CNN, “Guardian” und “Washington Post”.

Acostas Arbeitgeber CNN beschuldigt auf Twitter Sarah Sanders, die Sprecherin von Trump, der Lüge: “Sie lieferte nur verlogene Anschuldigungen und zitierte einen Vorfall, den es nie gegeben hat. Diese noch nicht da gewesene Vorgehensweise ist eine Bedrohung unserer Demokratie.”

Tonight the White House revoked @Acosta’s press pass. CNN’s response to @PressSec and @realDonaldTrump: pic.twitter.com/EY2iFLvP3P

Der Tweet bezieht sich auf die Begründung für den Entzug der Akkreditierung, Acosta habe einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses das Mikrofon aus der Hand genommen und sich mehrfach geweigert, dieses zurückzugeben. Derartiges Verhalten werde nicht toleriert.

Kollegen, die ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesend waren, unterstützen Acosta. Reuters-Journalist Jeff Mason schreibt auf Twitter, er habe neben Acosta gesessen und könne nicht bestätigen, dass dieser seine Hände “auf die Praktikantin gelegt habe”, wie das Weiße Haus behaupte. Vielmehr habe er versucht, das Mikrofon festzuhalten, als die junge Frau danach griff.

I was seated next to ⁦@Acosta⁩ at today’s press conference and did not witness him “placing his hands” on the young intern, as the White House alleges. He held on to the microphone as she reached for it. The ⁦@Reuters⁩ pictures below depict what happened accurately. pic.twitter.com/nO68Hf4eQM

Die “White House Correspondents Association”, eine Vereinigung von Journalisten, die aus dem Weißen Haus berichten, twitterte in einer Stellungnahme: “Wir fordern das Weiße Haus auf, diese schwache und fehlgeleitete Entscheidung zurückzunehmen.”

Die ” New York Times” zitiert ihre Washingtoner Büroleiterin Elisabeth Bumiller mit den Worten: “Der Präsident sollte sich nicht die Journalisten herauspicken, die über ihn berichten, und ganz sicher sollte er nicht den Mitarbeiter eines Senders vor die Tür setzen, auf dessen Arbeit viele Millionen Amerikaner angewiesen sind.”

Die letzte Entscheidung darüber, ob Journalisten, die sich bewerben, einen Presseausweis für den Zugang zum Weißen Haus bekommen, liegt beim Secret Service, der für den Schutz des Präsidenten zuständig ist. Die Presseabteilung des Weißen Hauses ist in die Entscheidung eingebunden.

Die Medien in den USA berufen sich für ihre Berichterstattung und das Recht, bei Pressekonferenzen im Weißen Haus anwesend zu sein, auf die Rede- und Pressefreiheit. Diese ist im “First Amendment”, dem ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, geregelt.

Journalisten und überhaupt Bürger der USA haben demzufolge das Recht, Informationen, die sie zusammengetragen haben, auch zu veröffentlichen. Laut dem Medienprofessor Frank LoMonte deckt das “First Amendment” allerdings weit weniger klar das Recht ab, auch in den Besitz dieser Informationen zu kommen.

Auf der Webseite TheConversation.com schreibt er, der Supreme Court habe 1972 geurteilt, Journalisten hätten kein größeres Recht auf Zugang als andere Teile der Öffentlichkeit. Sehr wohl aber verstoße es gegen die US-Verfassung, wenn die Regierung versuche, mit dem Entzug einer Akkreditierung die Pressefreiheit einzuschränken. Was erklärt, warum das Weiße Haus in seiner Begründung auf Acostas angebliches Fehlverhalten abhebt.

Nach dem Eklat bei einer Pressekonferenz zwischen US-Präsident Donald Trump und dem CNN-Chefkorrespondenten Jim Acosta werden dem Weißen Haus Lügen vorgeworfen.

Das Präsidialamt hatte dem Reporter bis auf Weiteres die Akkreditierung entzogen. Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders begründete das damit, dass Acostas Verhalten “absolut inakzeptabel” sei. Sie warf ihm vor, bei der Pressekonferenz eine junge Frau angefasst zu haben, die lediglich versucht habe, ihrer Arbeit als Praktikantin im Weißen Haus nachzukommen. Zudem habe Acosta andere Journalisten davon abgehalten, Fragen zu stellen.

Sie twitterte ein Video, das “klar dokumentiere”, dass Acosta sich unangemessen verhalten habe. Dies werde nicht toleriert. In dem Video wird die umstrittene Szene verlangsamt, der Bildausschnitt verkleinert und in Wiederholungsschleife gezeigt. Nicht zu hören oder zu sehen ist, dass Acosta sich bei der Frau entschuldigt. Das bearbeitete Video wurde zunächst von der rechten Newssite Infowars im Netz verbreitet, die dafür bekannt ist, Falschinformationen zu verbreiten und auf Facebook, Twitter und anderen Plattformen gesperrt ist. 

We stand by our decision to revoke this individuals hard pass. We will not tolerate the inappropriate behavior clearly documented in this video. pic.twitter.com/T8X1Ng912y

Im Reuters-Video von dem Vorfall (circa ab Sekunde 15) sieht man, wie Acosta gestikuliert und sich bei der Frau entschuldigt, die ihm das Mikrofon wegnehmen will.

Andere Journalisten, die bei der Pressekonferenz dabei waren, sagten, sie hätten nicht gesehen, dass Acosta die Praktikantin angefasst habe. “Er hielt das Mikrofon fest, als sie danach griff”, schrieb etwa der Reuters-Korrespondent Jeff Mason auf Twitter.

CNN teilte mit, Sanders habe in ihrer Erklärung gelogen. Ihre Vorwürfe seien arglistig und sie verweise auf einen Vorfall, der nie passiert sei. “Jim Acosta hat unsere volle Unterstützung.” Jim Acosta selbst rief auf Twitter dazu auf, den “Lügen des Weißen Hauses” nicht zu glauben. Er verwies auf die in der Verfassung festgeschriebene Pressefreiheit.

Er sei am Abend noch einmal zum Weißen Haus gegangen, doch ein Mitarbeiter des Secret Service habe ihm den Zugang verweigert. Das sei eine ziemlich “surreale Erfahrung” gewesen. “Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Land nicht in der Lage sein würde, über den Präsidenten der USA zu berichten, nur weil ich versucht habe, eine Frage zu stellen.”

Der Nachrichtensender CNN wertete den Entzug der Akkreditierung als Vergeltung für kritische Fragen: “Das ist eine beispiellose Entscheidung, die unsere Demokratie bedroht.” Acosta sagte, er glaube, dass die Regierung versuche, die Gruppe der Journalisten, die aus dem Weißen Haus berichten, zum Teil stillzulegen: “Das ist eine Bewährungsprobe für uns alle.”

Die Vereinigung der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten veröffentlichte eine Erklärung, in der sie fordert, diese “schwache und fehlgeleitete Entscheidung”, Acosta die Akkreditierung zu entziehen, zurückzunehmen. Den Zugang zum Weißen Haus zu widerrufen, stehe in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei nicht akzeptabel, heißt es in der Erklärung.

Es ist nicht das erste Mal, dass dem Weißen Haus Lügen vorgeworfen werden. Gleich nach Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2017 wurden Bilder und Zahlen verbreitet, die zeigen sollten, dass mehr Zuschauerinnen und Zuschauer gekommen seien als je zuvor. Der damalige Pressesprecher Sean Spicer sagte: “Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat. Punkt.”

Zudem wurden Fotos veröffentlicht, von denen der vom Weißen Haus beauftragte Fotograf Medienberichten zufolge später einräumte, dass er sie bearbeitet hatte. Demnach schnitt er die Bilder so zu, dass die Menge geschlossener und größer wirkte als in der Realität. Luftbilder unabhängiger Fotografen zeigten erhebliche Lücken im Zuschauerbereich auf der Washingtoner National Mall, die auf den offiziellen Bildern des Weißen Hauses nicht zu sehen waren. Trump hatte sich über Bilder in den Medien geärgert, die nahelegten, dass die Zuschauermenge bei seiner Amtseinführung kleiner war als bei der Vereidigung seines Amtsvorgängers Barack Obama 2009. Den Medien hatte der US-Präsident damals Falschberichterstattung über die Zuschauerzahl vorgeworfen.

Der Streit um die Zuschaueranzahl war so auch der erste große öffentliche Disput um die Wahrheitstreue des Weißen Hauses – am ersten Arbeitstag der neuen US-Regierung.

Trump legt sich immer wieder mit den Medien an, wenn ihm die Berichterstattung nicht zusagt. Unzählige Male hat er ihnen die Verbreitung von falschen Nachrichten – Fake-News – vorgeworfen. Vor allem etablierte Zeitungen und Fernsehsender hat er wiederholt namentlich kritisiert, darunter CNN. Mit Acosta geriet er wiederholt aneinander. So auch am Mittwoch, Trumps erster Pressekonferenz nach den Kongresswahlen, bei denen die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren hatten, aber ihre Kontrolle über den Senat festigen konnten.

Acosta hatte den Präsidenten zu dessen Äußerungen über einen Migrantentreck befragt, der derzeit von Mittelamerika auf dem Weg in die USA ist. Trump hatte diesen als “Invasion” bezeichnet und so im Wahlkampf Stimmung gegen Einwanderer gemacht. Acosta sagte, die Migranten seien Hunderte Meilen von der US-Grenze entfernt. Es handle sich um keine Invasion. Trump entgegnete, Acosta solle seinen Job besser machen und ihn, Trump, das Land regieren lassen.

Acosta versuchte, eine weitere Frage zu stellen, doch Trump unterbrach ihn: “Das reicht”, sagte er mehrmals. Dann versuchte die Mitarbeiterin des Weißen Hauses, Acosta das Mikrofon abzunehmen, doch dieser weigerte sich, um eine weitere Frage zu stellen, diesmal zu den Russland-Ermittlungen. Trump entfernte sich kurz vom Rednerpult und sagte dann: “Ich sag Ihnen was: CNN sollte sich dafür schämen, dass Sie für sie arbeiten. Sie sind eine unhöfliche und schreckliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten.”