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Spahn verspricht vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Merkel
Etwa gleich viele Deutsche würden dem früheren CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz und der bisherigen CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer eine erfolgreiche Kanzlerschaft zutrauen. 36 Prozent könnten sich am ehesten Merz als Bundeskanzler vorstellen, knapp dahinter liegt Kramp-Karrenbauer mit 33 Prozent, geht aus einer Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag der Funke Mediengruppe hervor.

Gegen die beiden Bewerber um die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der Partei sprachen sich jedoch noch mehr Befragte aus. 46 Prozent lehnen Merz im Kanzleramt ab, bei Kramp-Karrenbauer sind die 48 Prozent. Der Rest der Befragten legte sich nicht fest.

Damit könnte sie recht haben, denn das hat Angela Merkel bereits getan. Die Kanzlerin hat die CDU verändert, hat sie in die Mitte gerückt und für weite Teile der Bevölkerung wählbar gemacht. Unter ihr wurden – mal mehr, mal weniger freiwillig – der Atomausstieg und die “Ehe für Alle” beschlossen, die Wehrpflicht abgeschafft und Hunderttausende Flüchtlinge aufgenommen. Angela Merkels Union ist offener für alle Bevölkerungsgruppen, dazu inhaltlich pragmatischer geworden. Ihre Union kann mit allen regieren, sieht man von AfD und Linken ab. So ist die CDU wohl die letzte Partei mit bedingungslosem Regierungsanspruch. Das ist das eigentliche Erbe Merkels an die Union. 

Der dritte Bewerber um den CDU-Vorsitz, Gesundheitsminister Jens Spahn, schneidet deutlich schlechter ab: Nur 17 Prozent glauben, dass Spahn ein guter Kanzler wäre, 65 Prozent sind anderer Meinung.

Weitere Stimmen meldeten sich zu Wort. CDU-Vize Julia Klöckner stellte im ZDF klar: “Die CDU muss weder nach rechts rücken oder nach links rücken, sondern breiter werden.” Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther sagte: Der Kurs der Vergangenheit sei richtig gewesen. “Daran haben sich auch alle Kandidaten für den Bundesvorsitz zu orientieren.” Und – vielleicht am wichtigsten – Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet kündigte in der “Süddeutschen Zeitung” an, sich weiterhin für einen “Kurs der Mitte” einzusetzen. Er warnt vor einem Rechtsruck in der Partei. “Ich bin überzeugt, dass eine solche Achsenverschiebung falsch wäre.”

Kramp-Karrenbauer bei “Illner”: “Insofern schätze ich meine Chancen als nicht so schlecht ein”

In der CDU herrscht Wahlkampf. Gleich mehrere prominente Politiker wollen Angela Merkel im Amt an der Parteispitze folgen. Alle Kandidaten betonen dabei, dass das Rennen respektvoll und nicht zum Schaden der Partei sein soll.

Wichtige Parteikollegen lehnen einen Kurswechsel also offenbar ab, ebenso wie eine Mehrheit in der Bevölkerung. In der Partei könnte sich durchaus die Ansicht durchsetzen, dass Kramp-Karrenbauer für Mehrheitsoptionen im Bund und in den Landesparlamenten die vielversprechendere Kandidatin ist. Zumal die Union mit ihrem Mitte-Kurs wichtige Landtagswahlen für sich entschied: In NRW löste Schwarz-Gelb mit Spitzenkandidat Laschet kurz vor der Bundestagswahl die rot-grüne Koalition ab. Zuvor hatte Kramp-Karrenbauer selbst mit einem unaufgeregten Wahlkampf im Saarland den “Schulz-Zug” des SPD-Kanzlerkandidaten heftig ausgebremst. 

0 Anzeige Etwa gleich viele Deutsche würden dem früheren CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz und der bisherigen CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer eine erfolgreiche Kanzlerschaft zutrauen. 36 Prozent könnten sich am ehesten Merz als Bundeskanzler vorstellen, knapp dahinter liegt Kramp-Karrenbauer mit 33 Prozent, geht aus einer Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag der Funke Mediengruppe hervor.

An dem will “AKK” offenbar nicht rütteln. Damit stünde sie nicht allein: Eine große Mehrheit der Bundesbürger will nicht, dass die CDU in konservative Zeiten zurückfällt. 63 Prozent der Befragten hielten es laut RTL/ntv-Trendbarometer für falsch, wenn die Union wieder stärker die konservativen Werte betonen würde. Führende CDU-Politiker warnen auch deswegen vor einem großen Umbruch, den die Kandidaten Merz und Spahn möglicherweise mit sich bringen würden. Beide stehen in den Augen vieler für eine konservative Wende der Partei – obwohl Merz versucht, diese Bedenken durch eine Pro-Europa-Position zu zerstreuen.

Gegen die beiden Bewerber um die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der Partei sprachen sich jedoch noch mehr Befragte aus. 46 Prozent lehnen Merz im Kanzleramt ab, bei Kramp-Karrenbauer sind die 48 Prozent. Der Rest der Befragten legte sich nicht fest.

Annegret Kramp-Karrenbauer Ich für das große Ganze, Merz für das Fachthema Der dritte Bewerber um den CDU-Vorsitz, Gesundheitsminister Jens Spahn, schneidet deutlich schlechter ab: Nur 17 Prozent glauben, dass Spahn ein guter Kanzler wäre, 65 Prozent sind anderer Meinung.

Der Bundesgesundheitsminister geht davon aus, dass die Bundeskanzlerin bis 2021 im Amt bleibt, auch wenn sie den Parteivorsitz abgibt. Neuwahlen hielte er für einen großen staatspolitischen Fehler.

Die anderen Gäste des Abends: Sie hatten es nicht leicht angesichts des Themas. Könnte nach der Ära Merkel Rot-Rot-Grün wieder interessant werden? Janine Wissler von der Linkspartei sagte, was man sagen muss: Das hänge von Inhalten ab. Vor allem profilierte sie sich im hitzigsten Gesprächsteil des Abends als Vertreterin einer humanen Flüchtlingspolitik. Arme Menschen und Geflüchtete würden gegeneinander ausgespielt. Was für die Restrunde die Einladung war, das Verhältnis der Linken zu Sahra Wagenknecht zu hinterfragen. Wolfgang Kubicki von der FDP antwortete auf die Frage, wen er für den CDU-Vorsitz favorisiere: “Die Freien Demokraten fürchten weder Tod noch Teufel.”

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verspricht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sollte er beim Parteitag im Dezember zum neuen Parteivorsitzenden gewählt werden. Ich würde mit ihr als Vorsitzender so vertrauensvoll zusammenarbeiten wie bisher, sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Da besteht kein Zweifel, bei mir nicht und bei ihr nicht.

Auf die Frage, ob Merkel noch weitere drei Jahre Kanzlerin bleiben könne, antwortete der CDU-Politiker: Warum nicht? Angela Merkel ist bis 2021 als Bundeskanzlerin gewählt. Neuwahlen wären aus seiner Sicht ein großer staatspolitischer Fehler.

Spahn gilt neben CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz als aussichtsreichster Bewerber um Merkels Nachfolge an der Parteispitze. Zu Überlegungen, Spahn könne seine Bewerbung angesichts der starken Mitbewerber um den Parteivorsitz vorzeitig zurückziehen, äußerte sich der 38-Jährige indirekt: Er freue sich sehr auf den Wettbewerb. In den nächsten Wochen werde die CDU zeigen, wie innerparteiliche Demokratie gehe. Sein Angebot an die Partei sei ein Generationenwechsel.

Einen Einspielfilm der Redaktion dazu gab es nicht – das Thema hatte Spreng ganz allein vorbereitet. Einen “Lackmustest” sah er darin: Wenn sie die Ehe für alle mit Inzucht und Polygamie gleichsetze, “ist das nicht konservativ, sondern reaktionär”. Kühnert bekräftigte, nutzte aber den Terminus “befremdet”. Kramp-Karrenbauer erwiderte, sie vertrete hier eine Minderheitenposition in der CDU, aber der Lackmustest für sie bestehe darin, ob sie trotzdem ihre Meinung sage. Aber “reaktionär”, das saß natürlich. Ihren Kontrahenten Merz nannte Spreng dagegen “konservativ”.

FAZ Plus Artikel: Kramp-Karrenbauer in F.A.Z. : Straffällige Asylbewerber dürfen nie wieder nach Europa