EVP will CSU-Vize Weber als künftigen EU-Kommissionschef
EVP-Spitzenkandidat : Was Weber will
Mit dem Motto Europa muss den Menschen zurückgegeben werden war Manfred Weber (46, CSU) am Donnerstagmorgen ins Messezentrum von Helsinki gekommen – und es wurde ein glatter Durchmarsch: Am Ende setzt er sich mit 79,2 Prozent der Stimmen bei den rund 720 Delegierten durch, die nach einem komplizierten Schlüssel nach der Stärke in ihren Heimatländern entsandt werden.

Und die bedachten den neuen Hoffnungsträger für das höchste politische Amt in Brüssel – das des EU-Kommissionspräsidenten – minutenlang mit Applaus. Dazu dröhnte aus den Lautsprechern der Hit One Vision der Rock-Gruppe Queen.

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Der bisherige Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) bedankte sich für den Zusammenhalt in der konservativen Parteienfamilie: Wir haben ein klares Bild für die Zukunft von diesem Kontinent, sagte Weber. Das macht den Unterschied…

Das ist unser Hoffnungsträger, sagt Seehofer zu BILD – und zeigt grinsend das Victory-Zeichen. Wohlwissend, dass er damit auch wieder alle anderen Spekulationen (Weber ist auch als sein Nachfolger als CSU-Chef im Gespräch) anheizt…

Den rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban aus Ungarn erwähnte Weber in seiner Rede allerdings nicht. Seit längerem wird Weber bereits dafür kritisiert, dass er Orban und seine Fidesz-Partei nicht aus der EVP hinauswirft, weil sie vielen Werten der Fraktion nicht mehr entsprechen. Seine Nähe zu Orban könnte ein Problem für Weber im Europawahlkampf werden.

Dann wird er für einen kurzen Moment emotional: Das hat mich schon sehr berührt, sagt er zu BILD. Da stehe ich in der Wahlkabine und lese: ,Manfred Weber (CSU). Meine kleine CSU aus Bayern auf dem Wahlzettel für den Spitzenplatz in ganz Europa. Solche Momente hat man nicht alle Tage…

“Was für ein besonderer Tag”, sagte Manfred Weber vor seinen europäischen Parteikollegen in Helsinki. Weber ist zum neuen Spitzenkandidaten der Konservativen in Europa gewählt worden. Der 46-jährige CSU-Mann stammt aus Niederbayern und ist seit vier Jahren Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, zu der auch CDU und CSU gehören.

Manfred Weber zieht unter den Klängen von Queen One Vision als Spitzenkandidat in den Europa-Wahlkampf für die EVP ⁦@BILD_Politik⁩ pic.twitter.com/y8BLBwlbo0

Es war bereits ein Einzug wie im amerikanischen Wahlkampf mit dramatisch hämmernden Fanfaren, Manfred, Manfred-Rufen, Menschen- und Kameratrauben um den Favoriten für die Spitzenkandidatur der konservativen Volksparteien Europas.

Doch wofür steht Weber eigentlich? In seiner Rede vor der Abstimmung machte sich der Niederbayer für eine EU stark, die wieder mehr den Bürgern zuhören muss. “Ich möchte ein Europa, das die Interessen der Bürger respektiert und schützt”, sagte Weber, “und ein Europa, in dem sich Europäer zuhause fühlen.”

Klingt nach beinharter Kampagne zwischen Weber und seinem Kontrahenten, dem finnischen Ex-Premier Alexander Stubb (50), einem durchtrainierten Triathleten, dessen Werbeposter jedem Fitnessclub zur Ehre gereichen würden. Go Alex, steht auf Stubbs Fähnchen, während das Team Weber Lebkuchenherzen (363 Kcal/100 g) mit Weber-Porträt verschenkt und Vote Manfred-Pins fürs Jackett-Revers.

Für Weber bedeutet der Sieg, dass er nun für die EVP in den Europawahlkampf ziehen wird. Falls die Konservativen nach der Wahl Ende Mai 2019 wieder stärkste Kraft im EU-Parlament werden sollten, hätte Weber eine gute Chance neuer Kommissionspräsident und damit Nachfolger von Jean-Claude Juncker zu werden.

Harte Bandagen? Nicht wirklich. Seit Langem haben sich die konservativen Regierungschefs auf Weber verständigt. Und auch ein Rede-Duell am Vorabend der Wahl war kein wirklicher Schlagabtausch. Weber warb in einer Kandidatendebatte mit Stubb für einen verbindlichen Mechanismus, um Rechtsstaatlichkeit in allen Ländern der EU durchzusetzen. Das sollte vom nächsten Kommissionspräsidenten vorgeschlagen werden, sagte er. Hintergrund ist der Streit mit Polen und Ungarn, denen mögliche Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit vorgehalten werden.

Darüber hinaus steht Weber für strengere Grenzkontrollen an den Außengrenzen der Europäischen Union. Illegale Migration müsse gestoppt werden. Das werde vielen ein Gefühl geben, in einem sicheren und geschützten Zuhause zu leben, sagte Weber.

Stubb sprach sich in der Flüchtlingspolitik für von der EU finanzierte Asylzentren in nordafrikanischen Ländern und für einen stärkeren Schutz der EU-Außengrenzen aus. Gleichzeitig plädierte er für die Verteilung von anerkannten Asylbewerbern in der ganzen EU. Ein wichtiger Aspekt sei zudem der Kampf gegen den Klimawandel, der viele Menschen zur Flucht nötige.

Bis zur Europawahl ist es noch ein halbes Jahr. “Steht auf, lasst uns ein neues Kapitel aufschlagen. Lasst uns damit direkt hier in Helsinki starten”, appellierte Weber und bekam dafür von seinen Parteikollegen viel Applaus.

Duell um die Spitzenkandidatur der EVP zwischen Manfred Weber (CSU) und dem Finnen Alexander Stubb in Helsinki ⁦@BILD_Politik⁩ pic.twitter.com/kaPzI07GZi

Das war ein Wahlkampf von zwei Gentlemen, sagte Stubb, klopfte Weber auf die Schulter und meinte es als Bestnote in der Stilkritik. Es war großartig, das zusammen mit Alex zu machen, antwortete Weber. Wahl ohne Kampf. Watte-Werfen statt Weber-Grill.

Heimat, Europa – ein Europa der kleinen Leute: Weber hat sein Thema gefunden. Seine Europäische Volkspartei begeistert er auf dem Parteitag in Helsinki jedenfalls damit für sich. Am Ende wählen die Delegierten den 46 Jahre alten Niederbayern mit knapp 80 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Europawahl 2019 und für das mächtige Amt des EU-Kommissionspräsidenten in Brüssel. Der ehemalige finnische Premier Alexander Stubb, der genau das Gegenteil ist – ein vielsprachiger Tausendsassa – unterliegt mit nur 20 Prozent.

Ein Bayer urplötzlich in Verantwortung für Hunderte von Millionen Menschen – das weckt Erinnerungen an 2005, als Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde. Aus der damaligen BILD-Schlagzeile Wir sind Papst könnte im kommenden Jahr Wir sind EU-Boss werden …

Zwar gibt es selbst bei einem Wahlsieg wegen der komplizierten Machtgeflechte der EU-Institutionen keine Garantie. Doch klar ist jetzt auch: Wenn alles gut geht wie beim aktuellen Kommissionschef Jean-Claude Juncker (63) vor fünf Jahren, könnte für Weber am Ende das Amt des Kommissionspräsidenten stehen. Der Luxemburger (ebenfalls EVP) tritt dafür nicht mehr an.

Europäische Politik als ganz normaler demokratischer Vorgang, weg von den freihändigen Entscheidungen im Hinterzimmer, weg von der angeblichen Macht der EU-Bürokraten – das predigt Weber schon seit Jahren. Nach einer kurzen Episode im Bayerischen Landtag sitzt er seit 2004 im Europaparlament, seit 2014 leitet er die EVP-Fraktion. Daneben machte der verheiratete Katholik in der CSU Karriere, auch wenn er weitab von München oft europafreundlicher und liberaler klang als andere in seiner Partei.

Finnisch-deutsches Vor-Duell um den Top-Job von Brüssel! Die Europäische Volkspartei beginnt Mittwoch in Helsinki ihren Wahl-Kongress.

Auch hier kommt er auf sein Thema des Europa der kleinen Leute – die Demokratisierung der Europäischen Union, wie er es nennt. Wäre die EVP eine nationale Partei und er gerade zum Kanzlerkandidaten bestimmt worden – wer würde jetzt fragen, ob nach einem Wahlsieg jemand anderer ins Kanzleramt einzieht, fragt er am Ende des Parteitags rhetorisch. “Wenn das Volk entscheidet, wenn das Ergebnis positiv ist, dann kann niemand im Europäischen Rat sagen: Das ist mir egal.”

CSU-Chef Horst Seehofer (69) hatte seinen Vize Weber am Mittwochabend in der finnischen Hauptstadt offiziell vorgeschlagen.

Manfred Weber galt in Brüssel lange als eher leiser Taktiker, bisweilen wurde er belächelt als ein bisschen zu nett, langweilig, provinziell. Ein Niederbayer vom Dorf mit etwas holprigem Englisch und ohne große politische Vision. Doch nun dreht Weber den Spieß um. Zuhause in einer kleinen Welt statt auf großer Bühne? Ja, genau, sagt der Mann, der einmal als EU-Kommissionspräsident Politik für die gut 500 Millionen Europäer machen will.

Weber, derzeit EVP-Fraktionschef im Europaparlament, stehe in der Traditionslinie der großen Europäer in der CSU, sagte Seehofer. Er hat eine ganz besondere Gabe: Er kann mit seiner Begeisterung für Europa auch andere überzeugen und begeistern.

Weber selbst betonte in einem Image-Video dennoch seine Wurzeln in einem bayerischen Dorf, will sich zwar für ein starkes Europa einsetzen, aber eines, das regionale und nationale Identitäten achtet und wieder näher an den Bürger heranrückt.

I am from a small town in lower Bavaria, like many other villages and towns in Europe. Here and everywhere else people are asking us to bring Europe back home. Watch my video for #EPPHelsinki here! #StrongerTogether #BetterEurope pic.twitter.com/0tCKIBvcFF

Und so hat Weber, der die Konkurrenz schon auf europäischer Ebene auskonterte, womöglich noch mehr Ambition in Reserve. Als er in Helsinki zu den Rockgitarren von Queens “Vision” minutenlang von den Delegierten gefeiert und beklatscht wird, genießt der angebliche Provinzler die große Bühne jedenfalls doch sichtlich.

Weber gilt in der Alpha-Männer-Partei, die Bayern seit Jahrzehnten regiert, schon immer als Politiker des Ausgleichs, der leiseren Töne. Typ: eher Waigel als Strauß. Im Gegensatz zu Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kamen ihm zuletzt auch keine Kampfbegriffe wie Asyl-Tourismus über die Lippen.

Weber ist katholisch geprägt, aber im Nachtleben erprobt, wie er in seinem Video auf Englisch erklärt: Mehr als 20 Jahre stand der Mann aus dem 1500-Seelen-Dorf Wildenberg, der Europa rocken will, als Gitarrist der Partyband Peanuts auf der Bühne.

Mit Webers deutlichem Sieg beginnt nun die nächste Stufe auf dem Weg des Niederbayern in den 13. Stock des Berlaymont, der mächtigen Kommissionszentrale in Brüssel. Weber muss dafür sorgen, dass die EVP bei der Europawahl im Mai die stärkste Kraft bleibt. Die Chancen dafür stehen gut, sogar in der notorisch europakritischen CSU dürfte nun Frieden herrschen. Ein CSU-Mann, der für ganz Europa antritt, davon hätte nicht mal Strauß geträumt. Insofern dürfte Weber seinen EU-freundlichen Kurs nun problemlos durchsetzen.

In Helsinki sagte Weber: Ich will ein neues Kapitel für Europa aufschlagen. Europa müsse heimatliche Wurzeln von 500 Millionen zu einem freien Kontinent vereinen. Die Sorgen vor Terror müssten ernstgenommen werden. Und zum Thema Migration: Die EVP muss die Partei der sicheren Außengrenzen sein.

Entsprechend wenig polarisierend zieht Weber in den Wahlkampf. Stattdessen versucht er es mit dem Image des bodenständigen Konservativen aus dem 1350-Einwohner-Dorf Wildenberg, der im Wahlkampf jetzt nur noch Manfred heißt. Jugendlich-cool soll dieser Manfred rüberkommen, und es gibt ein Plakat mit Webers Konterfei, das Barack Obamas legendärem Poster aus dem US-Wahlkampf von 2008 auffallend ähnelt. “Hope” stand damals darauf. Bei Weber singt stattdessen Freddy Mercury: “One voice, one hope.”

Weber stand klassisch am Pult und sprach sein niederbayerisches Englisch mit Kraft und immer wieder unterbrochen von Beifall. Er will einen Masterplan zum Kampf gegen Krebs in Europa aufstellen. Immer wieder deklinierte Weber Europa von den Fragen der einfachen Menschen durch, sprach die christlichen Wurzeln und Werte an, die er verteidigen und pflegen werde.

Jahrgang 1973, stammt aus dem Ruhrgebiet. Studium der Anglistik, Geschichte und Germanistik in Bochum und Newcastle upon Tyne, Magister-Abschluss 1999. Neben dem Studium freie Mitarbeit für Zeitung und Rundfunk, Volontariat bei der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” und der Journalistenschule Ruhr. Ab August 2002 Politik-Redakteur bei SPIEGEL ONLINE, seit September 2003 Ressortleiter Wissenschaft. Seit Juli 2015 Korrespondent in der Redaktionsvertretung Brüssel.

Bei einem Punkt wurde Weber sehr deutlich: Die Türkei kann nicht Mitglied der Europäischen Union werden. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan antwortete Weber auf seine unsäglichen NS-Vergleiche einst mit dem denkwürdigen Satz: Der Stolz einer Nation kann nicht durch das Beleidigen anderer verteidigt werden.

Auch mit mancher Entscheidung von US-Präsident Donald Trump haderte Weber öffentlich. Im BILD-Interview betonte er allerdings die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen: Wir müssen uns bewusst werden, dass wir gemeinsam mehr zu verlieren haben als das, worüber wir uns derzeit intern streiten.

Eine Mehrheit im Parlament wird Weber aber nur mit Unterstützung anderer Parteien haben. Seine von ihm selbst so gern gerühmten Fähigkeiten als Brückenbauer werden also noch benötigt werden, wenn er mit Sozialdemokraten, Liberalen und womöglich auch den Grünen ein Bündnis schmieden muss. Ein Bündnis, das den ständigen Attacken von womöglich erstarkten Nationalisten im Europaparlament standhalten muss.

Ein Deutscher auf Europas Chefsessel? Das gab es zuletzt vor mehr als einem halben Jahrhundert. Walter Hallstein (CDU) amtierte von 1958 bis 1967 als erster Präsident der heutigen Mammut-Behörde (32 000 Mitarbeiter).

Würden die Staats- und Regierungschefs es wagen, einen gewählten Spitzenkandidaten per Hinterzimmerdeal beiseite zu schieben? “Das wäre ein Rückschritt und würde die Stimmen von Millionen Wählern missachten”, meint EVP-Vizechef und Wahlkampfmanager Dara Murphy. Denn der Spitzenkandidat werde nicht nur ein Mandat haben, sondern auch die Verpflichtung, seine Wahlversprechen einzulösen.

Manfred Weber war als Favorit in das Vor-Duell um die Juncker-Nachfolge gegangen, weil er als Fraktionschef im Parlament bestens vernetzt ist. Und weil sich von Angela Merkel bis Viktor Orbán ALLE Staats- und Regierungschefs aus den Reihen der EVP für den CSU-Mann ausgesprochen hatten.

Später wird Weber erklären, was es mit dem Song auf sich hat: “Er vermittelt, was wir sagen wollen: dass die Europäischen Volkspartei (EVP) vereint ist.” Webers Wahlergebnis scheint diese Aussage zu stützen. 619 Delegierte haben bei dem Kongress gültige Stimmen abgegeben, 492 von ihnen wollten Weber. Eine Mehrheit von fast 80 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (64) nahm in ihrer Eigenschaft als CDU-Chefin an dem Parteitreffen in der finnischen Hauptstadt teil, wurde bei ihrer Rede (Europa ist der Garant von Frieden und Freiheit) mit Standing Ovations begrüßt. Das rührte sie sichtlich.

Darunter auch Kanzlerin Merkel. Bislang hatte sich mehrdeutig über Weber und den Spitzenkandidaten-Prozess geäußert, in Helsinki fand sie nun aber ihre wohl wärmsten Worte für den CSU-Mann: “Lieber Alex, vielen Dank für deinen Wahlkampf”, sagte sie zu Stubb, “aber du weißt, mein Herz schlägt für Manfred Weber.”

Wir wissen, dass Nationalismus letztlich zum Krieg führt. Wir müssen im Wahlkampf darauf achten, dass wir über einander gut sprechen, damit die Menschen Europa achten und nicht verachten, sagte Merkel.

Zu Finnlands Ex-Ministerpräsident Stubb sagte sie: Lieber Alex, vielen Dank für Deinen Wahlkampf, aber du weißt: Mein Herz gehört Manfred Weber.

@ManfredWeber ist ein leidenschaftlicher Europäer. Er hat die Kraft und den Mut, die notwendigen Veränderungen in der #EU anzugehen. pic.twitter.com/sRaV1ALLnX

Reden hielten auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP, kritisierte Italien für seine Haushaltspolitik scharf) und Ungarns umstrittener Regierungschef Viktor Orbán. Beid e gratulierten Weber.

Bemerkenswert an Orbáns Rede: ein Appell zur Rückbesinnung auf Europas religiöse Identität. Lasst uns zu unseren spirituellen Wurzeln zurückkehren – lasst uns die Renaissance des Christentums verkünden, sagt er. Und: Wir können nicht mit Fidel Castro und Karl Marx wieder aufstehen. Lassen Sie uns nicht auf die Gegner hören und uns auch nicht mit den Standards der Linken messen und der liberalen Medien.