Wilde Spekulation um Rückzug als Partei-Chef und Minister Was Seehofer wirklich plant
Wilde Spekulation um Rückzug als Partei-Chef und Minister – Was Seehofer wirklich plant
Gibt er den CSU-Vorsitz ab? Tritt er als Bundesinnenminister zurück? Es gibt wilde Spekulationen um die Zukunft von Horst Seehofer.

Horst Seehofer hegt nach eigenen Angaben keine Pläne für einen Rücktritt vom CSU-Vorsitz. Erst möchte er noch ein paar Gespräche führen. An seinem Amt an der Spitze der Christsozialen hält er fest – jedenfalls bis zum Wochenende.

CSU-Chef Horst Seehofer hat einen Zeitungsbericht dementiert, er werde in den nächsten Tagen den Parteivorsitz abgeben. "Es ist schlichtweg falsch. Der Zeitplan bleibt", sagte Seehofer. Die "Zeit" hatte unter Berufung auf mehrere unabhängige Vertraute aus Seehofers Umfeld berichtet, dieser wolle in den nächsten Tagen den Parteivorsitz zur Verfügung stellen und zugleich Bundesinnenminister bleiben. Ein Sprecher Seehofers bezeichnete zudem eine "Focus"-Meldung als falsch, wonach es einen CSU-Führungsbeschluss über die Nachfolge gebe. Demnach sollte angeblich Ministerpräsident Markus Söder im Falle von Seehofers Rücktritt auf einem Sonderparteitag im Dezember den CSU-Vorsitz übernehmen.

Mit Blick auf seinen Zeitplan verwies Seehofer darauf, zunächst die Wahl von EVP-Fraktionschef Manfred Weber zum Spitzenkandidaten der europäischen Parteienfamilie EVP bei der Europawahl 2019 abwarten zu wollen. Die Wahl ist für diesen Donnerstag angesetzt.

Am kommenden Sonntag soll es dann mit führenden CSU-Politikern eine Debatte über die Aufstellung für die Europawahl und die Frage geben, wie das Verfahren zur Wahlanalyse aussehen solle, sagte Seehofer. Dazu kommen die CSU-Bezirksvorsitzenden zusammen. Am Tag danach dann folgt die Vereidigung des bayerischen Kabinetts.

"Anschließend werde ich in den Tagen danach das beantworten können, was Sie mich gefragt haben", sagte Seehofer auf die Frage, ob er CSU-Chef bleibe. Er wies die Vermutung zurück, dass er die Entscheidung schon wisse. "Dann hätten Gespräche keinen Sinn, wenn wir schon vorher wüssten, was herauskommt." Die Situation in der CSU müsse "verantwortlich" diskutiert werden, dann treffe er eine Entscheidung.

In CSU-Kreisen wird erwartet, dass bei dem Treffen der Parteispitze am kommenden Wochenende auch ein möglicher Rückzug Seehofers zur Sprache kommt. Viele in der Partei weisen Seehofer die Hauptverantwortung dafür zu, dass die CSU Mitte Oktober ihr schwächstes Landtagswahlergebnis seit fast 70 Jahren eingefahren hatte. Auch Gegner Seehofers sehen allerdings kaum eine Möglichkeit, ihn gegen seinen Willen zum Rückzug zu drängen. Gewählt ist der Parteichef bis Herbst 2019.

Ein Sprecher sagte, dass es kein Führungsgremium in der CSU gebe, das ein Beschluss zugunsten Söders gefasst habe. Seehofers langjähriger Rivale Söder hatte diesen im März als Ministerpräsidenten abgelöst und gilt seit langem auch als möglicher Nachfolger im CSU-Vorsitz. Er hat sich selbst noch nicht zu möglichen Ambitionen geäußert. In der CSU war wiederholt die Forderung nach einem Sonderparteitag laut geworden. Seehofer hat jedoch bisher nicht erklärt, ob er dem Wunsch nachkommt.

EVP-Fraktionschef Weber wird in Teilen der CSU ebenfalls als Anwärter auf den Parteivorsitz favorisiert. Jedoch gilt seine angestrebte Karriere in Brüssel als kaum vereinbar mit dem Parteivorsitz. Weber will nach der Europawahl auch EU-Kommissionschef werden, wenn die EVP stärkste Fraktion im Europäischen Parlament wird.