Ende des Kükentötens in Sicht
Geflügelzucht ohne Kükenschreddern: Erste Eier von Hennen ohne Brüder im Handel
Noch werden Millionen männliche Küken aus wirtschaftlichen Gründen getötet. Eine neue Methode verhindert dies, die Eier kommen nun in den Handel und kosten bis zu zwei Cent mehr.

Ein winzig kleines Loch im Ei ist der Ansatz zu einer neuen Methode, die Forscher im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums entwickelt haben. Diese soll verhindern, dass jährlich 45 Millionen männliche Küken getötet werden.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist sich sicher: Die Methode ist ein Durchbruch. “Das Kükentöten kann langfristig beendet werden, nämlich indem wir Alternativen haben. Das ist ganz klar gesagt eine Spitzenleistung der Wissenschaft.”

Nach Angaben von Seleggt ist das vom Landwirtschaftsministerium mit fünf Millionen Euro geförderte Verfahren marktreif und soll in einem nächsten Schritt zur Serienreife gebracht werden. Parallel will das Unternehmen ein Geschäftsmodell entwickeln, um seine Technik allen Brütereien in Deutschland zur Verfügung zu stellen.

Fünf Millionen Euro investierte ihr Ministerium über mehrere Jahre, um Alternativen zum Kükenschreddern zu finden. Unter anderem wurde das Technologieunternehmen Seleggt gefördert. Gemeinsam mit Forschern der Universität Leipzig entwickelte es ein Verfahren, mit dem man das Geschlecht des heranwachsenden Kükens schon im Ei feststellen kann. Dabei spielt eine Flüssigkeit im Ei die entscheide Rolle.

In den ersten deutschen Supermärkten gibt es in den nächsten Tagen Eier aus einer neuen Methode gegen das Kükentöten zu kaufen. “Mit diesem Verfahren gibt es für das Töten der männlichen Legehennenküken auf Dauer keinen Grund mehr”, sagte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin.

“Die Aufgabe bestand darin, dass wir aus dem Ei-Inneren am achten, neunten Bruttag einen kleinen Tropfen der sogenannten Allantoisflüssigkeit herausbekommen müssen”, beschreibt der Forscher Ludger Breloh die Anforderungen.

So weit sei man aber noch nicht, deshalb stehe auch noch nicht fest, ob es für die Betriebe Pflicht werde, sagte Klöckner. Für die Brütereien sollten keine zusätzlichen Kosten entstehen, kündigten die Anbieter des Verfahrens an. Dafür sollen die Eier der so gezüchteten Legehennen aber etwas teurer werden.

Die Lösung ist einfach: Mit einem Laser wird ein 0,3 Millimeter großes Loch in die Eischale gebrannt. Es ist so klein, das es später wieder zuwächst. Die Flüssigkeit wird entnommen. In ihr enthalten ist ein Hormon, das nur weibliche Küken haben. Der Rest ist ein Kinderspiel für die Forscher. “Ist dieses Östronsulfat drin oder ist es nicht drin – und wenn es eben drin ist, ist es ein weibliches Ei”, sagt Breloh.

Sie sollen zunächst in 223 Berliner Supermärkten der Ketten Rewe und Penny angeboten werden, im kommenden Jahr soll es die Eier in allen 5.500 Supermärkten der Ketten geben. Bereits jetzt kann man Eier aus Brütereien kaufen, in denen sowohl weibliche als auch männliche Küken aufgezogen werden.

Diese Eier werden ausgebrühtet, die männlichen nicht. Folglich ist es nicht mehr nötig, männliche Küken zu töten.

Das Unternehmen wendet das Verfahren bereits in Brütereien der Lebensmittelkette Rewe an, denn sie finanzierte die Forschung mit. In den nächsten Tagen gibt es in Berliner Rewe- und Penny-Märkten die ersten Eier dieser Methode zu kaufen. Ab dem kommenden Jahr soll es sie in allen deutschen Filialen der beiden Supermärkte geben. Danach sollen auch andere Brütereien das Verfahren nutzen können, so der Plan der Forscher.

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“Wir wollen das gerne kostenneutral für die Brütereien machen. Kostenneutral heißt, während der gesamten Lieferkette, von der Brüterei beginnend, über den Junghennenaufzugsbetrieb bis zum Legebetriebe entstehen eigentlich keine zusätzlichen Kosten. Unser Geschäftsmodell zielt darauf ab, dass wir am Ende die Konsumeier, die in den Verkehr gebracht werden, mit einer Lizenzgebühr belegen.”

Derzeit werden bei der Zucht von Legehennen jährlich 45 Millionen männliche Küken in Deutschland getötet, da sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen wie Masthähnchen.

Das bedeutet: Die Eier aus dem neuen Verfahren kosten etwa ein bis zwei Cent mehr. Ein Preis, den die Verbrauer zahlen, da ist sich Rewe-Chef Jan Kunath sicher: “Das halte ich für tragbar – das sind Preissprünge, die der Käufer akzeptiert. Wir wissen das aus der Milch heraus. Die Bio-Milch die ist verkaufbar, weil der Preissprung zu der konventionellen Milch erträglich ist.”

Mit dem neuen Verfahren wird das Geschlecht vor dem Ausbrüten im Ei erkannt, sodass männliche Küken gar nicht erst schlüpfen. Das Verfahren sei eine Weltneuheit, sagte Klöckner.

Der Umweltverband BUND kritisiert die Methode jedoch: Männliche Küken vor dem Schlüpfen auszusortieren, sei keine verantwortungsvolle Lösung. Denn Hennen müssten weiterhin Höchstleistungen erbringen, um Eier zu legen.

Auch die Geflügelwirtschaft ist skeptisch: Die Methode sei noch nicht praxistauglich. Landwirtschaftsministerin Klöckner beschwichtigte die Skeptiker. Auch jene, die anmerkten, dass schon ihr Vorgänger Christian Schmidt 2016 glaubte, die Lösung gegen das Kükensterben gefunden zu haben. 

“Freuen wir uns doch jetzt erst mal, das wir erstmal etwas vorstellen. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern das ist eine wissenschaftliche Grundlage und ein Nachweis. Man tastet sich ja auch ran: Also wenn es jeder gleich wüsste, wie was wissenschaftlich geht, dann wärs ja schon längst auf dem Markt”, so Klöckner.

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Das Agrarministerium kämpft seit Jahren gegen die Tötung männlicher Küken. Nun gibt es im Supermarkt Eier von Hennen, deren männliche Geschwister erst gar nicht schlüpften – einem neuen Test sei Dank.

Das massenhafte Töten männlicher Küken will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit neuer Technik stoppen. Ein an der Universität Leipzig entwickeltes Verfahren sei nun der Durchbruch auf dem Weg dazu, sagte die CDU-Politikerin. Erste Eier von Hennen, die mit dieser Methode großgezogen wurden, gibt es jetzt in deutschen Supermärkten zu kaufen.

Bei dem Verfahren wird das Geschlecht noch vor dem Ausbrüten im Ei erkannt, sodass männliche Küken gar nicht erst schlüpfen. Noch ist die Methode aber nicht serienreif, kann also nicht in allen Brütereien eingesetzt werden. “Mit diesem Verfahren gibt es für das Töten der männlichen Legehennenküken auf Dauer keinen Grund mehr”, sagte Klöckner jedoch bereits.

Das sogenannte Seleggt-Verfahren wurde von einer gleichnamigen Firma entwickelt, hinter der der Supermarktkonzern Rewe und ein Technologieunternehmen stehen. Klöckners Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte sich bereits dafür eingesetzt. Per Laser wird bei dem Verfahren über ein winziges Loch in der Eierschale eine Probe aus dem Ei entnommen und auf Anwesenheit bestimmter Hormone untersucht.

Bislang stand das Verfahren noch im heftigen Wettbewerb mit einem zweiten Verfahren – der Endokrinologie. Dabei wird dem Brutei am neunten Tag mittels einer Nadel ein Tropfen embryonaler Harn entnommen und das Geschlecht mit einer Art Schwangerschaftstest bestimmt. Nun hat Landwirtschaftsministerin Klöckner dem Seleggt-Verfahren den Durchbruch bescheinigt.

Derzeit werden bei der Zucht von Legehennen allein in Deutschland jährlich 45 Millionen männliche Küken getötet, da sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen wie Masthähnchen.

Wann dem mit der neuen Methode flächendeckend begegnet werden könne, sagte Klöckner nicht. Es stehe auch noch nicht fest, ob die Betriebe zur Nutzung der neuen Methode verpflichtet würden. Zunächst will die Ministerin auf eine freiwillige Regelung setzen. “Wenn Brütereien sagen, das ist uns egal, kommen wir in eine andere rechtliche Bewertung der Sache.”

Für die Brütereien sollen keine zusätzlichen Kosten entstehen, kündigten die Anbieter des Verfahrens an. Stattdessen verlangen sie vom Handel eine Lizenzgebühr. Dadurch werden die Eier der so gezüchteten Legehennen etwas teurer.

Ein Sechserpack der zunächst in 223 Berliner Supermärkten angebotenen Eiern werde etwa zehn Cent mehr kosten, sagte der stellvertretende Vorstandschef der Rewe-Gruppe, Jan Kunath. “Das sind Preissprünge, die die Verbraucher akzeptieren.” Bis Ende 2019 soll es die Eier in 5500 Supermärkten geben.

Die Geflügelwirtschaft zeigte sich skeptisch wegen des neuen Verfahrens. “Es gilt unser uneingeschränktes Bekenntnis zum schnellstmöglichen Ausstieg aus dem Töten männlicher Eintagsküken, sobald eine wirkliche Alternative vorliegt”, teilte der Verband mit. Dafür müsse das System aber praxistauglich und schneller sein als bisher geplant.

Der Bauernverband begrüßte den Vorstoß: “Diese Verfahren sollten baldmöglichst praxisreif gemacht werden und flächendeckend in allen Brütereien zum Einsatz kommen”, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) dagegen kritisierte die neue Methode: “Das ist keine Lösung im Sinne einer verantwortungsvollen Tierzucht, denn Hennen müssen auch weiterhin Höchstleistung erbringen.” Die Geflügelwirtschaft müsse so umgestellt werden, dass Hühner sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion geeignet seien. Dann könnten männliche Küken aufgezogen und ihr Fleisch vermarktet werden.

Schon jetzt kann man im Handel auch Eier aus Brütereien kaufen, in denen sowohl weibliche als auch männliche Küken aufgezogen werden. Die sogenannten Bruderhahn-Eier sind aber teurer – und damit laut Handel nicht massentauglich.