Giftiger Streit zwischen CNN und Trump
Eklat um Jim Acosta: Der CNN-Journalist, mit dem sich Trump anlegte
US-Präsident Donald Trump liefert sich auf einer Pressekonferenz zu den Kongresswahlen Wortgefechte mit Journalisten.

Donald Trump: US-Präsident lieferte sich auf einer Pressekonferenz zu den Kongresswahlen Wortgefechte mit Journalisten. (Quelle: Reuters)

Nach einer Auseinandersetzung mit Donald Trump hat das Weiße Haus einen CNN-Reporter von Pressekonferenzen ausgeschlossen. Als Begründung dient ein Video, das Fragen aufwirft. 

Nach einem Streit während einer Pressekonferenz von US-Präsident Donald Trump hat das Weiße Haus dem prominenten CNN-Reporter Jim Acosta die Akkreditierung “bis auf Weiteres” entzogen. Das teilte Sprecherin Sarah Sanders mit. 

Anschließend postete sie zur Untermauerung von Vorwürfen ein Video einer Szene mit Acosta, das zuvor eine bekannte ultrarechte Verschwörungsseite verbreitet hatte. Die Situation, die  dem Weißen Haus als Begründung dient, ist darauf leicht verändert zu sehen. Der Urheber bestreitet aber eine gezielte Veränderung. US-Medien schreiben aber von einem “manipulierten Video”. 

Acosta, Chef-Korrespondent von CNN für das Weiße Haus, hatte gegen Trumps Willen weitere Fragen stellen wollen und sich geweigert, einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses das Mikrofon zurückzugeben. Als sie ihm das Mikro aus der Hand nehmen wollte, bewegte sich seine Hand gegen ihren Arm. Dies wurde als Anlass für den Entzug seiner Akkreditierung genommen. 

Trump glaube an eine freie Presse und begrüße schwierige Fragen über sich und seine Regierung, heißt es in einer Mitteilung von Sanders. Es werde aber “niemals toleriert”, wenn ein Mann die Hand auf eine junge Mitarbeiterin des Weißen Hauses platziere, die nur ihren Job mache. 

Durch die leichte Veränderung sehe die Reaktion von Acosta eher nach einem Schlag aus, meint ein in jüdischen Organisationen tätiger Aktivist, der nach seinen Worten 15 Jahre lang in der Videobearbeitung tätig ist. Er hat nach seinen Worten die manipulierten Bilder als roten Umriss über die Bilder gelegt, die auf Sendern liefen. 

1) Took @PressSec Sarah Sanders' video of briefing2) Tinted red and made transparent over CSPAN video3) Red motion is when they doctored video speed4) Sped up to make Jim Acosta's motion look like a chop5) I've edited video for 15+ years6) The White House doctored it pic.twitter.com/q6arkYSx0V

Ein Kolumnist des “Slate”-Magazins platzierte die unterschiedlichen Videos verlangsamt nebeneinander. Hier fällt auf, wie schwer es ist, den Unterschied festzustellen.

Further analysis: video is absolutely doctored. You can see the edit when the clips are side by side and slowed down to quarter speed. See for yourself: pic.twitter.com/4ZZrzhislg

Trump hatte auf offener Bühne einen handfesten Streit mit dem CNN-Reporter Jim Acosta angezettelt. “Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person”, fuhr der Präsident den in den USA bekannten Reporter an. Auch t-online.de-Korrespondent Fabian Reinbold hat die Szene im East Room festgehalten.

Acosta hatte die Darstellung von Sanders in einer ersten Reaktion als “Lüge” zurückgewiesen. Eine Berührung gab es aber zweifelsfrei.

Sanders verschickte als Beleg das Video, das zuvor die Seite Infowars verbreitet hatte. Inhalte und Accounts von InfoWars und deren Chef Alex Jones haben in den vergangenen Wochen alle großen Netzwerke wegen gezielter Falschinformation oder Hate Speech entfernt und gesperrt. Der Charakter der Seite dürfte der Pressesprecherin des Präsidenten sehr gut bekannt sein.  

Infowars-Autor Paul Joseph Watson bestreitet auf Twitter, dass er das Video verändert habe. “Alles, was ich gemacht habe, war, in den Film hineinzuzoomen.”  Alles andere seien “Lügen”. In einem weiteren Tweet erklärte er, er habe die Geschwindigkeit nicht verändert. Durch mehrfache Umwandlung verschiedener Formate könne es zu kleineren Unterschieden gekommen sein.

CNN verteidigte die Arbeit des Reporters. Sanders erklärte, dass sich CNN stolz über die Arbeit von Acosta geäußert habe, sei “nicht nur widerlich, sondern auch ein Beispiel ihrer empörenden Missachtung für alle, auch junge Frauen, die in dieser Regierung arbeiten”. 

Von Trump selbst war vor der Präsidentschaftswahl ein Video aufgetaucht, in dem er zu einem Moderator sagt, als Star könne man sich bei Frauen alles erlauben: “Greif ihnen zwischen die Beine. Und dann kannst du ALLES machen.”

Acosta hatte Fragen zu den laufenden Russlanduntersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller gestellt. “Wenn Sie Fake News in die Welt setzen, was CNN tut, dann sind Sie der Feind des Volkes”, warf ihm Trump unter anderem vor. CNN müsse sich schämen, einen Menschen wie Acosta zu beschäftigen.

Der US-Präsident sprach während der Pressekonferenz ferner von “feindseligen Medien”. Mehrmals forderte er Journalisten auf, den Mund zu halten. Trump war bereits vor fast zwei Jahren in New York – noch vor seiner Amtseinführung – in aufsehenerregender Weise mit Acosta aneinandergeraten, weil ihm dessen Fragen nicht gefallen hatten.

Der Sender CNN verurteilte in einem Statement die Äußerungen Trumps. “Die andauernden Angriffe des Präsidenten auf die Presse sind deutlich zu weit gegangen”, heißt es darin. “Sie sind nicht nur gefährlich, sie sind verstörend unamerikanisch.”

Trump habe zwar einen Eid auf die in der US-Verfassung festgeschriebene Pressefreiheit geleistet und sei somit zu deren Schutz verpflichtet, er habe aber wiederholt deutlich gemacht, dass er für die Pressefreiheit keinerlei Respekt übrig habe. “Wir stehen hinter Jim Acosta und seinen Kollegen überall”, heißt es in der Antwort der Firmenleitung auf den Streit Trumps mit dem Reporter.

In einer früheren Fassung des Artikels hatten wir geschrieben, das Weiße Haus habe Acosta vorgeworfen, der Mitarbeiterin das Mikrofon entrissen zu haben. Den Vorwurf hatte das Weiße Haus nicht gemacht.

Der Text wurde mit einer Reaktion von Infowars aktualisiert. Die Formulierung “mutmaßlich manipuliert” wurde gestrichen. 

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Bundesländer Deutscher Bundestag Bundeswehr Außenpolitik Migration und Flüchtlinge Sonntagsfrage Politbarometer Politiker international

CNN-Chefreporter Jim Acosta darf nach seinem öffentlichen Schlagabtausch mit dem US-Präsidenten nicht mehr ins Weiße Haus. Wer ist dieser Journalist, und warum ist er ein rotes Tuch für Donald Trump?

Bei der Pressekonferenz von US-Präsident Trump zu den Midterm-Wahlen kam es zu einem ungewöhnlich heftigen Wortgefecht: Auf offener Bühne schnitt Trump dem CNN-Reporter Jim Acosta das Wort ab und beschimpfte ihn. “Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person”, fuhr der Präsident Acosta an. “Bis auf Weiteres” hat das Weiße Haus Acosta nun die Akkreditierung entzogen, das heißt, er erhält keinen Zugang mehr zum Weißen Haus.

Die jüngste Pressekonferenz von Donald Trump spiegelt ziemlich genau seinen denkwürdigen Auftritt im Januar 2017, als er erstmals als designierter, aber noch nicht vereidigter US-Präsident vor die Presse trat. Damals reagierten Medienvertreter geschockt auf den Umgang Trumps mit den Berichterstattern vor Ort.

Er habe “großen Respekt für die Pressefreiheit und all das”, sagte Trump damals. Nur um kurz darauf Medienberichte zu verteufeln, die ihn mit einer Prostituierten in einem Moskauer Hotel in Verbindung gebracht hatten. Im gleichen Atemzug begann ein Trump-Slogan seine Karriere: “Fake News”. Mit diesen Worten schnitt er Jim Acosta vor fast zwei Jahren schon das Wort ab: “Ihr macht Fake News!”

Trumps Streit mit Acosta geht aber noch weiter zurück. Bereits 2016 sagte der damalige Präsidentschaftskandidat bei einer Pressekonferenz: “Ich habe Sie im Fernsehen gesehen. Sie sind ein echtes Früchtchen.”

Acosta wurde als Sohn eines Flüchtlings geboren: Sein Vater kam mit elf Jahren aus Kuba in die USA. Nach einem Studium der Politikwissenschaft begann er in Chicago als Radioreporter zu arbeiten. Später wechselte er zum Fernsehsender CBS, für den er unter anderem aus Bagdad über den Irakkrieg und den Hurrikan Katrina berichtete.

Seit 2007 arbeitet Acosta für CNN. Er beobachtete für den Sender unter anderem die Kampagnen von Barack Obama und Hillary Clinton, als sich beide als Präsidentschaftskandidaten der Demokraten bewarben. Seit Anfang 2018 ist Acosta Chefkorrespondent für CNN im Weißen Haus.

Acosta stellte auch anderen Politikern schon unangenehme Fragen bei Pressekonferenzen. 2015 etwa wollte er den damaligen US-Präsidenten Obama auf eine Strategie gegen die Terrororganisation IS festlegen und fragte: “Warum können wir diesen Mistkerlen nicht das Handwerk legen?” 2016 begleitete er Obama bei seinem historischen Besuch in Kuba und insistierte mit Fragen an Raúl Castro auf einem Statement zur Lage der Menschenrechte in dem Land.

Im Juli 2018 wurde Acostas CNN-Kollegin Kaitlan Collins der Zugang zu einer öffentlichen Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses verweigert. Das Weiße Haus begründete den Schritt damit, Collins habe “laut gerufen und sich geweigert, zu gehen, obwohl sie wiederholt dazu aufgefordert wurde”. Collins hatte am selben Tag zuvor auf einer Pressekonferenz mehrmals versucht, Trump Fragen zu der Supreme-Court-Nominierung von Richter Brett Kavanaugh zu stellen.

Kurz darauf twitterte der Präsident: “FAKE NEWS Medien sind der Feind des Volkes”, eine Formulierung, die er nun bei dem Zusammenstoß mit Acosta erneut gebrauchte. Die “Washington Post” berichtet mit Berufung auf inoffizielle Quellen, der Präsident habe schon zuvor wiederholt versucht, unliebsame Journalisten von Pressekonferenzen fernzuhalten, sei aber von seiner Regierung davon abgehalten worden.

Während seiner Präsidentschaftskampagne verweigerte Trump Dutzenden Journalisten Presseakkreditierungen zu seinen Veranstaltungen, darunter Vertretern von BBC, CNN, “Guardian” und “Washington Post”.

Acostas Arbeitgeber CNN beschuldigt auf Twitter Sarah Sanders, die Sprecherin von Trump, der Lüge: “Sie lieferte nur verlogene Anschuldigungen und zitierte einen Vorfall, den es nie gegeben hat. Diese noch nicht da gewesene Vorgehensweise ist eine Bedrohung unserer Demokratie.”

Tonight the White House revoked @Acosta’s press pass. CNN’s response to @PressSec and @realDonaldTrump: pic.twitter.com/EY2iFLvP3P

Der Tweet bezieht sich auf die Begründung für den Entzug der Akkreditierung, Acosta habe einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses das Mikrofon aus der Hand genommen und sich mehrfach geweigert, dieses zurückzugeben. Derartiges Verhalten werde nicht toleriert.

Kollegen, die ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesend waren, unterstützen Acosta. Reuters-Journalist Jeff Mason schreibt auf Twitter, er habe neben Acosta gesessen und könne nicht bestätigen, dass dieser seine Hände “auf die Praktikantin gelegt habe”, wie das Weiße Haus behaupte. Vielmehr habe er versucht, das Mikrofon festzuhalten, als die junge Frau danach griff.

I was seated next to ⁦@Acosta⁩ at today’s press conference and did not witness him “placing his hands” on the young intern, as the White House alleges. He held on to the microphone as she reached for it. The ⁦@Reuters⁩ pictures below depict what happened accurately. pic.twitter.com/nO68Hf4eQM

Die “White House Correspondents Association”, eine Vereinigung von Journalisten, die aus dem Weißen Haus berichten, twitterte in einer Stellungnahme: “Wir fordern das Weiße Haus auf, diese schwache und fehlgeleitete Entscheidung zurückzunehmen.”

Die ” New York Times” zitiert ihre Washingtoner Büroleiterin Elisabeth Bumiller mit den Worten: “Der Präsident sollte sich nicht die Journalisten herauspicken, die über ihn berichten, und ganz sicher sollte er nicht den Mitarbeiter eines Senders vor die Tür setzen, auf dessen Arbeit viele Millionen Amerikaner angewiesen sind.”

Die letzte Entscheidung darüber, ob Journalisten, die sich bewerben, einen Presseausweis für den Zugang zum Weißen Haus bekommen, liegt beim Secret Service, der für den Schutz des Präsidenten zuständig ist. Die Presseabteilung des Weißen Hauses ist in die Entscheidung eingebunden.

Die Medien in den USA berufen sich für ihre Berichterstattung und das Recht, bei Pressekonferenzen im Weißen Haus anwesend zu sein, auf die Rede- und Pressefreiheit. Diese ist im “First Amendment”, dem ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, geregelt.

Journalisten und überhaupt Bürger der USA haben demzufolge das Recht, Informationen, die sie zusammengetragen haben, auch zu veröffentlichen. Laut dem Medienprofessor Frank LoMonte deckt das “First Amendment” allerdings weit weniger klar das Recht ab, auch in den Besitz dieser Informationen zu kommen.

Auf der Webseite TheConversation.com schreibt er, der Supreme Court habe 1972 geurteilt, Journalisten hätten kein größeres Recht auf Zugang als andere Teile der Öffentlichkeit. Sehr wohl aber verstoße es gegen die US-Verfassung, wenn die Regierung versuche, mit dem Entzug einer Akkreditierung die Pressefreiheit einzuschränken. Was erklärt, warum das Weiße Haus in seiner Begründung auf Acostas angebliches Fehlverhalten abhebt.