Universität Tübingen - Babys nach Gebärmutter-Transplantation geboren - Deutschlandfunk Kultur
Gebärmutter transplantiert: Ärzten gelingt bundesweit einmalige Geburt
In Deutschland leben tausende Frauen ohne Gebärmutter. Bereits 2016 gelang an der Universität Tübingen die bundesweit erste Transplantation. Jetzt sind dort zwei Babys nach solch einer Verpflanzung zur Welt gekommen.

Sara Brucker ist sichtlich stolz. Seit vielen Jahren versucht die Tübinger Professorin Frauen zu helfen, die ohne Scheide und ohne Gebärmutter auf die Welt gekommen sind. Jetzt hat sie zweien mit einer Gebärmutter-Transplantation zu einem eigenen Kind verholfen.

“Für mich hat sich damit der Kreis geschlossen”, sagt Brucker. Seit 16 Jahren beschäftige sie sich mit dem Schicksal dieser jungen Frauen und habe ein Verfahren entwickelt, um ihnen eine Scheide anzulegen. So könnten sich die jungen Mädchen endlich als Frau fühlen: “Jetzt schließt sich der Kreis, weil sich diese Frauen nun auch als Mutter fühlen können.”

Beide Frauen waren ohne Scheide und Gebärmutter zur Welt gekommen. Sie litten am Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom. “Es ist eine seltene genitale Fehlbildung, die bei ungefähr einem von 4.500 weiblichen Neugeborenen vorkommt”, erklärte Brucker. Jedes Jahr seien das bundesweit 60 bis 80 Mädchen. Sie konnten bislang kein eigenes Kind in Deutschland bekommen, denn Leihmutterschaft ist verboten. Nach dem Anlegen einer Scheide im Jugendalter wurde den heute 25 und 26 Jahre alten Frauen die Gebärmutter (Uterus) transplantiert. Spenderinnen waren in beiden Fällen ihre Mütter.

Uterus-Spende: Erstmals in Deutschland Kinder nach Gebärmuttertransplantation geboren

Im Oktober 2016 haben Brucker und ihr Team erstmals einer Frau in Deutschland die Gebärmutter einer lebenden Spenderin eingepflanzt. Das Organ stammte von der Mutter der Patientin. Weitere Transplantationen folgten und im März und im Mai kamen nun die ersten beiden Babys in Deutschland auf die Welt, die in einer fremden Gebärmutter gewachsen sind. Bei einer weiteren Frau scheiterte der Eingriff jedoch: Zwar wurde der Spenderin die Gebärmutter entnommen, doch sie konnte nicht eingepflanzt werden und die Ärzte mussten das Organ schließlich verwerfen. Am Ende hatte sich die Spenderin dem riskanten Eingriff ohne den erhofften Nutzen unterzogen. 

Die Tübinger Professorin Sara Brucker: “Für mich hat sich der Kreis geschlossen.” (picture alliance/dpa/Marijan Murat)Doch selbst wenn die Transplantation gelingt: Die Belastungen für die Frauen in diesem experimentellen Verfahren sind groß. Etwa acht Stunden dauert die Operation, in der das Organ entnommen wird. Auch das Einsetzen ist langwierig.

Bisher gab es in Tübingen drei erfolgreiche Uterus-Transplantationen. Bei einer ist bislang noch keine Geburt erfolgt. Eine vierte scheiterte, weil die entnommene Gebärmutter nicht eingesetzt werden konnte. Dass die Transplantation machbar ist und dass dadurch Kinder geboren werden können, hat der schwedische Gynäkologe Mats Brännström zum ersten Mal bewiesen. 2014 brachte in Göteborg eine Frau mit einer gespendeten Gebärmutter ein gesundes Baby auf die Welt.

Die Schwedin Malin Stenberg, die weltweit 2014 als erste Frau nach einer Gebärmutter-Transplantation ein Baby auf die Welt brachte, erinnert sich noch gut an die Strapazen: “Es war anstrengend. Nach der Transplantation war ich ziemlich angeschlagen, denn es ist ein großer Eingriff, der lange dauert”, so Stenberg. Und mit der Operation ist es nicht getan: “Direkt danach musste ich diese starken Medikament einnehmen.” 

Bezahlt haben dafür nach Angaben des Klinikums die Krankenkassen der beiden Frauen. Die Kosten konnte es aber nicht genau beziffern. Die Zahl müsste aber deutlich unter 50.000 Euro liegen, so der Ärztliche Direktor der Universitätsklinik für Transplantationschirurgie, Alfred Königsrainer. Teil des Forschungsprojekts sei es auch, herauszufinden, wie teuer eine solche Operation sei und wie und wann die Krankenkassen die Kosten übernehmen.

Um zu verhindern, dass der Körper die fremde Gebärmutter abstößt, sind Immunsuppressiva nötig. Die Medikament unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem. Neun Monate nach der Transplantation setzen die Ärzte Malin Stenberg eine befruchtete Eizelle ein. Schon beim ersten Versuch wird die Schwedin schwanger. “Es war ein bisschen, wie auf glühenden Kohlen zu gehen”, sagt sie. Sie habe kaum glauben können, dass sie tatsächlich schwanger sei. Und gleichzeitig blieb da immer ein banges Gefühl: “Kann das wirklich gut gehen? Wird sich das Baby trotz der vielen Medikamente normal entwicklen?” Jeden Tag habe sie als kleinen Sieg empfunden auf dem Weg zum Mutterglück. Bis zur 32. Schwangerschaftswoche verläuft tatsächlich alles weitgehend normal. Schwächere Abstoßungsreaktionen des Körpers bekommen die Ärzte mit Medikamenten in den Griff. Doch dann entwickelt Stenberg eine Schwangerschaftsvergiftung. Ihr Baby muss acht Wochen vor dem Geburtstermin entbunden werden. Ähnlich ergeht es auch zwei weiteren Frauen, die in Schweden ein Baby in einer gespendeten Gebärmutter austragen. 

Im März 2019 hatten die Tübinger Ärzte den endgültigen Beweis für ihre erfolgreiche Arbeit: Ein gesundes Kind wurde geboren – das Geschlecht und andere Details wurden auf Wunsch der Mutter nicht kommuniziert. 18 Abteilungen und mehr als 40 Experten waren an dem gesamten Projekt beteiligt. 

Inzwischen ist Stenbergs Sohn Vincent fünf Jahre alt. Die Ärzte testen ihn regelmäßig auf mögliche Auswirkungen der Medikamente. Bisher entwickeln sich alle in Schweden nach Transplantation geborenen Kinder normal. Dennoch: Der Eingriff bleibt riskant. In ein paar Fällen gab es Fehlgeburten und vereinzelt musste die Gebärmutter nach der Transplantation wieder entfernt werden. Und die Frauen setzen für ihren Kinderwunsch nicht nur ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, sondern auch die der Spenderin und des Kindes.

Sich darauf einzulassen, sei aber eine freiwillige Entscheidung der Beteiligten, meint Urban Wiesing. “Die Frage lautet: Was ist es wert, Mutter zu werden?” Die Antwort, so der Tübinger Medizinethiker, müsse man in einer pluraen Gesellschaft letztlich der Mutter überlassen. “Es gibt Frauen, für die ist das nicht so wichtig. Aber eben auch welche, für die das sehr wichtig ist eine Schwangerschaft zu erleben.”

Im Falle der Tübinger Gebärmutter-Transplantationen hat sich eine Ethikkommission mit der Frage beschäftigt, ob der Kinderwunsch der betroffenen Frau den Eingriff rechtfertigt. Und ob die Spenderin möglicherweise moralisch unter Druck steht und sich nur deshalb operieren lassen will. Jeder einzelne Fall sei sorgfältig geprüft worden, sagt Wiesing, der Vorsitzender dieser Kommission ist. Bisher sind fünf Transplantationen in Deutschland genehmigt worden. Dieser neue Weg zum leiblichen Kind werde also vorerst nur wenigen Frauen offen stehen, sagt Sara Brucker.

Transplantation – Ohne eigene Gebärmutter zum eigenen Kind(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 19.01.2017)

Erste Gebärmutter-Transplantation in Deutschland – 23-Jährige erhielt das Organ einer lebenden Spenderin(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 10.11.2016)

Tübingen – Erste Gebärmutter-Transplantation in Deutschland durchgeführt(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 24.10.2016)

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Für viele Frauen ist der Wunsch nach einem eigenen Kind riesig. In Tübingen sind Ärzte einen weiten Weg gegangen, um das für zwei Patientinnen möglich zu machen: Sie transplantierten ihnen eine Gebärmutter. Das Vorgehen ist auch umstritten.

Beide Frauen waren ohne Scheide und Gebärmutter zu Welt gekommen – sie litten an dem sogenannten Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom. Es ist eine seltene genitale Fehlbildung, die bei ungefähr einem von 4500 weiblichen Neugeborenen vorkommt, erklärte Brucker. Jedes Jahr seien das bundesweit 60 bis 80 Mädchen. Sie konnten bislang kein eigenes Kind in Deutschland bekommen, denn Leihmutterschaft ist verboten.

Nach dem Anlegen einer Scheide im Jugendalter wurde den heute 25- und 26-Jahre alten Frauen in Tübingen die Gebärmutter (Uterus) transplantiert – Spenderinnen waren in beiden Fällen ihre Mütter. Der Eingriff dauerte insgesamt jeweils rund zwölf Stunden. Vor allem die Entnahme sei aufwendig: Die zu- und wegführenden Gefäße für die Gebärmutter dürften nicht verletzt werden.

Im März 2019 hatten die Tübinger Ärzte den endgültigen Beweis für ihre erfolgreiche Arbeit: Ein gesundes Kind wurde geboren – das Geschlecht und andere Details wurden auf Wunsch der Mutter nicht verraten. 18 Abteilungen und mehr als 40 Experten waren an dem gesamten Projekt beteiligt.

Bezahlt haben dafür nach Angaben des Klinikums die Krankenkassen der beiden Frauen. Die Kosten konnte es aber nicht genau beziffern. Die Zahl müsste aber deutlich unter 50.000 Euro liegen, so der Ärztliche Direktor der Universitätsklinik für Transplantationschirurgie, Alfred Königsrainer. Teil des Forschungsprojekts sei es auch, herauszufinden, wie teuer eine solche Operation sei und wie und wann die Krankenkassen die Kosten übernehmen.

Es wäre nur logisch, dass auch diese Behandlung in Zukunft von den Krankenkassen übernommen wird, so der Leiter des Transplantationszentrums im Universitätskrankenhaus Gent (Belgien), Xavier Rogiers. Sonst würde diese therapeutische Möglichkeit nur den Reichen vorbehalten bleiben.

Rogiers mahnte auch: Aus ethischer Sicht ist es wichtig, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den Risiken für den Lebendspender – sie sind vermutlich sehr gering aber, nicht Null – und der gebotenen Chance der Empfängerin, ein eigenes Kind zu bekommen. Auch die Vor- und Nachteile der Alternativen, also Leihmutterschaft oder Adoption, müssten abgewogen werden.

Claudia Bozzaro vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bezeichnete die Transplantation als nicht-verhältnismäßiges Mittel, einer Frau eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Bei einer Uterus-Transplantation wird eine gesunde Spenderin einer äußerst invasiven Maßnahme – nämlich einer mehrstündigen Operation unterzogen – die für sie keinen gesundheitlichen Nutzen hat. Da es nicht darum gehe, das Leben der Empfängerin zu retten, sei die ethische Legitimation für eine Lebendspende fraglich.

Der Leiter des Instituts für Medizin-Ethik in Tübingen entgegnete, den Betroffenen sei es unter normalen Umständen verwehrt, was nicht für alle Frauen, aber doch für viele Frauen, etwas ganz zentrales in ihrem Leben ist – nämlich, dass sie selbst ein Kind gebären. Und sie leiden darunter. Er glaube, dass die Medizin damit in ihrem genuinen Aufgabenbereich bleibe: Kranken Menschen, die leiden, zu helfen.

Bisher gab es in Tübingen drei erfolgreiche Uterus-Transplantationen. Bei einer ist bislang noch keine Geburt erfolgt. Eine vierte scheiterte, weil die entnommene Gebärmutter nicht eingesetzt werden konnte. Dass die Transplantation machbar ist und dass damit Kinder geboren werden können, hatte der schwedische Gynäkologe Mats Brännström zum ersten Mal der Welt gezeigt. 2014 brachte in Göteborg eine Frau mit einer gespendeten Gebärmutter ein gesundes Baby auf die Welt. Nach Angaben der Uniklinik Tübingen waren es dort das 15. und 17. Kind.

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-Medizinische Sensation: Ärzten in Tübingen gelingt bundesweit einmalige Geburt- …. zweimal ist nicht einmalig! "Im März und Mai dieses Jahres wurden sie dort am Universitätsklinikum per Kaiserschnitt geboren."

Unsere Wissenschaftler kümmern sich lieber um solch spektakuläre Ergebnisse bei sehr sehr seltenen Missbildungen als sich um die Bekämpfung von sog. Volkskrankheiten zu kümmern. Wobei, vielleicht liegt es nur an dieser bösen Bezeichnung : "Volks" Krankheit? In diesem Land ist mittlerweile alles möglich. Den zwei Kindern wünsche ich natürlich alles Gute.

geht es diesen Frauen zum Teil aber auch nur darum, sich wie ganz normale Frauen zu fühlen, oder wären Sie glücklich, oder würden sich als ganzer Mann fühlen, ohne Penis und ohne Hoden????

Durch die Spende der jeweiligen Mutter sollte die Abstoßung minimal sein. Abstoßungsverhindernde Arzneien sind ja nicht ganz ohne. Interessant wird es, wenn Männern Gebärmütter eingepflanzt werden können. Dann könnten Männer und Frauen auf verschiedenen Kontinenten oder vielleicht Welten leben. Das würde die Planung der Bevölkerung sehr erleichtern.