Uterus-Spende - Kinder kommen nach Gebärmutter-Transplantation zur Welt - Süddeutsche Zeitung
Erstmals in Deutschland: Zwei Kinder nach Transplantation von Gebärmutter geboren
Die weltweit erste Gebärmutter-Transplantation erfolgte in Göteborg. Mittlerweile sind mehr als zehn Kinder nach dem Eingriff zur Welt gekommen.

In Tübingen haben zwei Frauen jeweils ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, nachdem ihnen zuvor die Gebärmütter von Spenderinnen transplantiert wurden. Beide Frauen wurden ohne Gebärmutter geboren, weil sie an einer seltenen Krankheit leiden, dem Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom. Bei dieser Fehlbildung des weiblichen Genitals sind Vagina und Gebärmutter gar nicht oder nur unvollständig angelegt. Die Funktion der Eierstöcke und damit die Produktion von Östrogenen und Gestagenen ist aber nicht beeinträchtigt, so dass sich die sekundären Geschlechtsmerkmale der betroffenen Frauen normal entwickeln können.

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Die Spenderinnen der beiden Gebärmütter standen den Empfängerinnen nahe – in beiden Fällen waren es die Mütter der Patientinnen. Auch wenn die Spenderinnen bereits die Wechseljahre überschritten haben, nimmt das Organ bei den Empfängerinnen wieder seine Funktion auf und es kommt zu Regelblutungen. Die empfindlichen Eierstöcke wurden nicht transplantiert, weswegen eine Schwangerschaft nur per künstlicher Befruchtung möglich war.

Nach dem Eingriff müssen die behandelten Frauen wie bei jeder Organspende Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken. So soll verhindert werden, dass das fremde Organ abgestoßen wird. Diese Medikamente müssen auch während der Schwangerschaft eingenommen werden. Negative Folgen für das Kind soll die Einnahme von Immunsuppressiva jedoch nicht haben. Das zeigen Erfahrungen von Patientinnen mit transplantierten Nieren.

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Die Übertragung fand bereits im Oktober 2016 statt und war die erste Uterus-Transplantation in Deutschland. An den Organverpflanzungen in Tübingen waren auch Ärzte aus Göteborg um Mats Brännström beteiligt, die als Pioniere auf dem Gebiet der Gebärmutter-Transplantation gelten und 2012 das erste Organ verpflanzten.

Eine Weltpremiere waren die Geburten in der schwäbischen Universitätsstadt nicht. Bisher wurden rund um den Globus etwa 40 Gebärmütter transplantiert; anschließend kamen bereits mehr als zehn Kinder zur Welt, die in einer verpflanzten Gebärmutter herangewachsen waren. In Südamerika wurde 2018 sogar das erste Kind geboren, nachdem der Uterus einer verstorbenen Spenderin verpflanzt worden war. “Dieses sind jedoch die ersten zwei erfolgreichen Schwangerschaften nach einer Uterus-Transplantation in Deutschland und selbst innerhalb der acht europäischen Länder, die im Rahmen von Eurotransplant bei Organspende und Transplantation zusammenarbeiten”, sagt der belgische Transplantationsexperte Xavier Rogiers vom Universitätsklinikum Gent.

Obwohl sich mittlerweile gezeigt hat, dass die Operation technisch möglich ist und das Organ anschließend oftmals so gut funktioniert, dass sogar Schwangerschaften möglich sind, bleibt das Verfahren weiterhin umstritten. “Aus ethischer Sicht ist es wichtig, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den Risiken für den Lebendspender – sie sind vermutlich sehr gering, aber nicht null – und der gebotenen Chance der Empfängerin, ein eigenes Kind zu bekommen”, sagt Rogiers. “Auch die Vor- und Nachteile anderer Möglichkeiten wie einer Adoption oder Leihmutterschaft müssen abgewogen werden.”

Frauenärzte sehen weitere Bereiche, in denen die Uterus-Transplantation eine Rolle in der Behandlung spielen könnten:

Ethiker bewerten die Methode jedoch trotz dieser Therapieoptionen skeptisch. “Wesentlicher Bestandteil des ärztlichen Ethos ist die Pflicht eines Arztes, Patienten keinen Schaden zuzufügen”, sagt die Medizinethikerin Claudia Bozzaro von der Universität Freiburg. “Bei einer Uterus-Transplantation wird eine gesunde Spenderin einer äußerst invasiven Maßnahme – nämlich einer mehrstündigen Operation – unterzogen, die für sie keinen gesundheitlichen Nutzen hat.”

Im Unterschied zu anderen Transplantationen etwa von Herz, Leber oder in manchen Fällen der Nieren, geht es im Fall der Gebärmutterverpflanzung auch nicht darum, dass dadurch das Leben des Empfängers gerettet wird. Bei der Uterus-Transplantation wird die Lebensqualität verbessert, Unfruchtbarkeit ist schließlich keine lebensbedrohliche Erkrankung. “Dies wirf die Frage auf, ob die Schaden-Nutzen-Abwägung in diesem Fall eine ethische Legitimation für den Eingriff liefert”, sagt Bozzaro. “Ich halte die Transplantation für nicht verhältnismäßig, um einer Frau eine Schwangerschaft zu ermöglichen.”

Der Erfinder der Technik ist Mats Brändström aus Schweden. 2013 führte er die erste Uterustransplantation bei einer Frau in Schweden durch. Bei zehn der Transplantationen weltweit war er dabei, auch bei denen in Tübingen.

Letztlich geht es um die Frage, wie hoch der Kinderwunsch einer Frau gegenüber den Risiken sowohl für die Spenderin als auch die Empfängerin zu bewerten ist. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann zwar zu einer enormen Belastung werden und mit viel Leid einhergehen. Ethikerin Claudia Bozzaro hält die Uterus-Transplantation jedoch für “derart invasiv, risikoreich und sowohl ökonomisch als auch personell aufwendig”, dass sie es nicht plausibel findet, sie mit Verweis auf einen unerfüllten Kinderwunsch zu rechtfertigen. Das sei auch der Unterschied zu reproduktionsmedizinischen Methoden wie etwa der künstlichen Befruchtung. Zudem lasse sich ein Kinderwunsch auch durch eine Adoption ermöglichen.

“Ein Kinderwunsch und der Wunsch, Mutter zu werden, ist ein ganz natürliches Bedürfnis. Und da in Deutschland eine Leihmutterschaft nicht möglich ist, blieb uns nur die Möglichkeit der Gebärmuttertransplantation.”

Umstritten bleibt zudem, wer die Kosten des Eingriffs tragen soll und ob etwa die Krankenkassen – und damit die Solidargemeinschaft – verpflichtet werden können, die Therapie eines Leidens zu bezahlen, das weder lebensbedrohlich ist, noch eine Krankheit mit Dringlichkeitswert darstellt.

Bei Gebärmutterspenden handelt es sich meist um Organe von lebenden Spenderinnen, häufig Verwandten der Empfängerin. Erst in einem Fall im Jahr 2018 haben Gynäkologen das Organ einer hirntoten Spenderin verpflanzt.

Im deutschsprachigen Raum findet die Transplantation einer Gebärmutter bisher nur im Rahmen von Forschungsprojekten statt. Auch die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) der Schweiz bewertet die Uterus-Transplantation als ein experimentelles Verfahren, schließt allerdings nicht aus, dass es nach weiterer Forschung – vor allem zu mittel- und langfristigen Effekten auf die Gesundheit der Kinder – Eingang in die Therapie finden könnte.

In Brasilien hat eine Frau ein Baby zur Welt gebracht, nachdem sie die Gebärmutter einer Verstorbenen transplantiert bekommen hatte.   Von Astrid Viciano

“Ich halte es für problematisch, alles zu tun, was medizinisch möglich ist, um Kinderwünsche zu erfüllen. Es handelt sich dabei nicht um lebensbedrohliche Krankheiten.”

In Tübingen sind zwei gesunde Babys auf die Welt gekommen, deren Mütter zuvor eine Uterustransplantation bekommen hatten. Spenderinnen waren in beiden Fällen die jetzigen Großmütter.

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Es ist eine Deutschland-Premiere: Zwei Frauen, die ohne Gebärmutter geboren worden waren, haben nach erfolgreicher Transplantation jetzt eigene Kinder auf die Welt gebracht. Die Babys seien im März und im Mai 2019 per Kaiserschnitt entbunden worden, gab das Uniklinikum Tübingen bekannt.

Besonders kritisch war die Phase nach der Transplantation. Auch wenn das Organ von einer Verwandten stammte, war die Gefahr einer Abstoßung groß.

“Ich habe schon viele Geburten gesehen, aber dieser Kaiserschnitt war ein unglaublicher Moment”, berichtete Sara Brucker, die ärztliche Direktorin am Institut für Frauengesundheit in Tübingen. Sie hatte beide Frauen über längere Zeit begleitet, ihnen waren zuvor Gebärmütter transplantiert worden.

In beiden Fällen waren die Mütter der Frauen die Organspenderinnen. In einem Fall hatte die Mutter ihren Uterus bereits im Oktober 2016 ihrer damals 23-jährigen Tochter gespendet. Es war die erste erfolgreiche Transplantation dieses Organs in Deutschland. Nachdem die Operationsnarben verheilt waren, war der jungen Patientin eine Eizelle eingesetzt worden, die mit dem Sperma ihres Mannes befruchtet worden war. Im Mai dieses Jahres kam ihr gesunder Sohn zur Welt.

Nach Gebärmuttertransplantation erstes Kind in Deutschland geborentagesschau 12:00 Uhr, 23.05.2019, Dietmar Klumpp, SWR

An den Transplantationen in Tübingen waren jeweils auch Ärzte aus Schweden beteiligt, die als Pioniere auf dem Gebiet der Gebärmutter-Transplantation gelten. In Schweden war 2014 weltweit zum ersten Mal ein Baby nach einer Uterusverpflanzung zur Welt gekommen. Inzwischen gab es weltweit circa 40 Transplantationen dieser Art mit über 10 Geburten. In Südamerika brachte eine Frau im vergangenen Jahr das erste Kind nach einer Uterus-Transplantation von einer verstorbenen Spenderin zur Welt. Im deutschsprachigen Raum wird diese Art der Transplantation bislang nur im Rahmen von Forschungsprojekten durchgeführt.

“Dieses sind die ersten zwei erfolgreichen Schwangerschaften nach Uterus-Transplantation in Deutschland und selbst innerhalb der acht europäischen Länder, die im Rahmen von Eurotransplant bei Organspende und Transplantation zusammenarbeiten,” sagte Xavier Rogiers, Leiter des Transplantationszentrums am Universitätskrankenhaus Gent. Er gab an, dass die Uterus-Transplantation eine bleibende Rolle in der Behandlung von angeborener Unfruchtbarkeit spielen wird. Doch aus ethischer Sicht sei es wichtig, ein Gleichgewicht zwischen den Risiken für die Lebendspenderin und der gebotenen Chance für die Empfängerin zu finden, so der Experte.

Urban Wiesing, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Tübingen sieht ethische Argumente, die für die Transplantation sprechen. Lebendspende sei bei lebensbedrohlichen Erkrankungen gerechtfertigt, aber auch um das Leiden bei schwerwiegenden Erkrankungen zu lindern. “Für viele Frauen ist es sehr wichtig, ein eigenes Kind zu gebären, die Betroffenen leiden sehr unter ihrer Unfruchtbarkeit,” sagt Wiesing.

“Ich bin eher skeptisch und halte die Uterus-Transplantation für ein nicht-verhältnismäßiges Mittel,einer Frau eine Schwangerschaft zu ermöglichen,” meint dagegen Claudia Bozzaro vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin in Freiburg. Sie gab zu bedenken, dass es auch andere Wege gebe, einen Kinderwunsch zu erfüllen beispielweise eine Adoption.