Kinder nach Gebärmuttertransplantation in Tübingen geboren | Tübingen | SWR Aktuell Baden-Württemberg | SWR Aktuell - SWR
Gebärmutter-Transplantation: Erste Kinder in Deutschland geboren
Das gab es noch nie in Deutschland: In der Tübinger Uniklinik sind die ersten beiden Kinder geboren, deren Mütter zuvor eine Gebärmuttertransplantation bekommen hatten.

Beide Kinder sind gesund per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen, teilte die Frauenklinik am Donnerstag mit. Bereits im März haben die Tübinger Ärzte das erste Baby entbunden, Mitte Mai folgte das zweite. Damit brachten die beiden Mütter das weltweit 15. und 17. Kind zur Welt, das nach einer Gebärmuttertransplantation geboren wurde.

“Ich kann es noch gar nicht glauben, unseren kleinen Sohn in den Armen zu halten. Unser sehnlichster Wunsch ist in Erfüllung gegangen.”

Die beiden jungen Frauen hatten den Wunsch, ein biologisch eigenes Kind auf die Welt zu bringen. Weil die Frauen ohne Scheide und ohne Gebärmutter geboren wurden, schien das unmöglich.

Professor Sara Brucker, Geschäftsführende Ärztliche Direktorin der Abteilung für Frauengesundheit an der Uniklinik Tübingen, beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit Frauen, die am sogenannten Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom leiden. Den beiden jungen Frauen legten die Ärzte im Jugendalter eine Scheide an, eine Neovagina. Brucker und ein vielköpfiges Ärzteteam, darunter Kollegen aus Schweden, transplantierten in einer mehrstündigen Operation eine Gebärmutter.

Bereits sechs Wochen nach der Operation setzte bei einer der Frauen die erste Menstruation ein, der erste Funktionsbeweis der transplantierten Gebärmutter, so Brucker. Nachdem klar gewesen sei, dass keine Abstoßungsreaktionen stattfanden, wurde der Frau Mitte 2018 eine eigene, zuvor mit den Spermien des Ehemanns befruchtete Eizelle eingesetzt. Die Schwangerschaft sei normal verlaufern, so Brucker.

Eine zweite Schwangerschaft ist nach Angaben der Ärzte möglich, weil Schwangerschaft und Geburt so gut verlaufen sind. Spätestens nach dem zweiten Kind werde man die Gebärmutter aber wieder entfernen. Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, müssen die Frauen bestimmte Medikamente einnehmen. Die Einnahme sollte wegen möglicher Nebenwirkungen begrenzt sein, sagen die Ärzte.

Frauenklinik Tübingen Erste Geburten nach Gebärmuttertransplantation Sie wurden ohne Gebärmutter geboren, trotzdem konnten zwei Frauen in Deutschland ein gesundes Kind auf die Welt bringen – dank Transplantationen. Doch diese sind umstritten.  mehr…

Sie wurden ohne Gebärmutter geboren, trotzdem konnten zwei Frauen in Deutschland ein gesundes Kind auf die Welt bringen – dank Transplantationen. Doch diese sind umstritten.

Die erste transplantierte Gebärmutter in Deutschland wurde einer Frau eingesetzt, der dieses Organ von Geburt an fehlte. Ihre Mutter spendete der heute 25-Jährigen ihre Gebärmutter. Auch die zweite Gebärmutterempfängerin war zwar mit Eierstöcken, jedoch ohne Uterus zur Welt gekommen.

Bei Gebärmutterspenden handelt es sich meist um Organe von lebenden Spenderinnen, häufig Verwandten der Empfängerin. Erst in einem Fall im Jahr 2018 haben Gynäkologen das Organ einer hirntoten Spenderin verpflanzt.

Nach Gebärmuttertransplantation erstes Kind in Deutschland geborentagesschau 12:00 Uhr, 23.05.2019, Dietmar Klumpp, SWR

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Den Patientinnen in Tübingen wurden Eizellen aus ihren vorhandenen Eierstöcken entnommen, mit dem Samen des Partners künstlich befruchtet und in den Uterus eingesetzt. So konnten sie schwanger werden. Zweieinhalb Jahre vergingen von der ersten Transplantation bis zur Geburt des Kindes.

Besonders kritisch war die Phase nach der Transplantation. Auch wenn das Organ von einer Verwandten stammte, war die Gefahr einer Abstoßung groß.

Nach dem Eingriff müssen die behandelten Frauen wie bei jeder Organspende Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken. So soll verhindert werden, dass das fremde Organ abgestoßen wird. Diese Medikamente müssen auch während der Schwangerschaft eingenommen werden. Negative Folgen für das Kind soll die Einnahme von Immunsuppressiva jedoch nicht haben. Das zeigen Erfahrungen von Patientinnen mit transplantierten Nieren.

Wissenschaftlich etabliert ist der Eingriff noch nicht. Die beteiligten Forschergruppen sammeln und veröffentlichen nun ihre Daten.

Der Erfinder der Technik ist Mats Brändström aus Schweden. 2013 führte er die erste Uterustransplantation bei einer Frau in Schweden durch. Bei zehn der Transplantationen weltweit war er dabei, auch bei denen in Tübingen.

Ethisch ist der Eingriff bisher kaum diskutiert worden, kritisiert Professor Doktor Sigrid Graumann. Sie ist Mitglied des Ethikrats und beschäftigt sich mit ethischen Fragen der Reproduktionsmedizin und ihren gesellschaftlichen Folgen:

“Ich halte es für problematisch, alles zu tun, was medizinisch möglich ist, um Kinderwünsche zu erfüllen. Es handelt sich dabei nicht um lebensbedrohliche Krankheiten.”

Besonders kritisch sieht sie, dass bei diesem Eingriff Dritte gefährdet werden könnten. Die gesunde Spenderin unterziehe sich einer großen Operation und das Kind könne im Falle einer Abstoßung des transplantierten Organs geschädigt werden.

Professor Sara Brucker von der Frauenklinik Tübingen hat die Transplantationen in Deutschland geleitet und die Kinder später mit ihrem Team per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Auch sie fordert dazu auf, Gebärmuttertransplantationen öffentlich zu diskutieren. Eine Gebärmutter sei per se kein Organ, das man zum Leben brauche. Aber:

“Ein Kinderwunsch und der Wunsch, Mutter zu werden, ist ein ganz natürliches Bedürfnis. Und da in Deutschland eine Leihmutterschaft nicht möglich ist, blieb uns nur die Möglichkeit der Gebärmuttertransplantation.”

Sobald fünf Kinder nach einer solchen Transplantation gesund in Tübingen zur Welt gekommen sind, wollen die Ärzte vorerst keine weitere Gebärmutter transplantieren. Sie wollen dann zunächst ein Uterus-Transplantations-Zentrum beantragen und aufbauen.