Tübingen: Boris Palmer und die Provokation – Im Auge des Shitstorms - SÜDKURIER Online
Grünen-Palmer: Rassismus-Vorwürfe und Shitstorm nach Kritik an Bahn
Jeden Tag wird Boris Palmer beschimpft, bepöbelt, beleidigt. Er will das gar nicht anders. „Ich gehe da hin, wo es weh tut“, sagt er. Und meint das Netz. Wenn der Tübinger Oberbürgermeister dort die Erziehungsmethoden von Zuwanderern kritisiert oder Eigentümer zum Verkauf ihrer Grundstücke zwingen will, kochen die Emotionen hoch.

Misst man die Empörung, die ihm in den Kommentarspalten auf seiner Facebookseite entgegenschlägt, hat Palmer sich am Dienstag wieder selbst übertroffen. Dort wird dem 46-Jährigen nun Rassismus vorgeworfen, ein Aufmerksamkeitsdefizit oder schlicht Langeweile.

Palmer aktualisierte später seinen Facebook-Post noch zweimal. Erst schrieb er: Alle, die mich jetzt fragen, warum ich dieses Thema aufgreife, frage ich zurück: Wenn die Auswahl dieser Bilder vollkommen belanglos, normal, unbedeutend ist, warum regt ihr euch dann so auf? Unter seinem Post werde die Identitätspolitik diskutiert – von links genauso wie von rechts. Die einen sagen, man wisse nicht mehr, in welchem Land man lebt, die anderen bekämpfen alte weiße Männer. Gemeinsam hätten es die Identitätspolitiker geschafft, die Gesellschaft zu spalten.

Boris Palmer erntet für Facebook-Post zu Bahn-Kampagne Shitstorm

Palmer stört sich aktuell an einer Kampagne der Bahn. Das Unternehmen wirbt auf seiner Internetseite mit Bildern von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, etwa mit dem dunkelhäutigen Sterne-Koch Nelson Müller und der türkisch-stämmigen Moderatorin Nazan Eckes.

Palmer aktualisierte später seinen Facebook-Post noch zweimal. Erst schrieb er: Alle, die mich jetzt fragen, warum ich dieses Thema aufgreife, frage ich zurück: Wenn die Auswahl dieser Bilder vollkommen belanglos, normal, unbedeutend ist, warum regt ihr euch dann so auf? Unter seinem Post werde die Identitätspolitik diskutiert – von links genauso wie von rechts. Die einen sagen, man wisse nicht mehr, in welchem Land man lebt, die anderen bekämpfen alte weiße Männer. Gemeinsam hätten es die Identitätspolitiker geschafft, die Gesellschaft zu spalten.

„Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die “Deutsche Bahn” die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat“, schreibt Palmer. „Welche Gesellschaft soll das abbilden?“ Palmer hält den Anteil der Menschen mit dunkler Hautfarbe auf den Bildern für deutlich überrepräsentiert. In den Zügen bekomme er ein anderes Bild als in der Kampagne dargestellt.

Viele Grüne zeigten sich genervt von dem Oberbürgermeister der schwäbischen Universitätsstadt, der unter anderem mit Aussagen zur Asylpolitik seine Partei immer wieder reizt. Daniel Lede Abal, der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen, wies Palmers Post als einfach völlig daneben zurück. Das ist das Deutschland, das dem Tübinger OB offenbar fremd geblieben ist, erklärte er. Wenn er als Oberbürgermeister mit so einer Stadtgesellschaft nicht zurechtkommt, sollte er sich jetzt überlegen, ob er Oberbürgermeister bleiben kann.

Daniel Lede Abal, der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen, hält Palmers Post für „einfach völlig daneben“. „Das ist das Deutschland, das dem Tübinger OB offenbar fremd geblieben ist.“ Palmer solle sich überlegen, ob er Oberbürgermeister bleiben kann. meint er. Die Bahn verteidigt die Werbekampagne, auch die Grünen-Spitze begrüßt die Vielfalt der Werbung. Manch einer in der Partei bekommt nur noch Schnappatmung, wenn Palmer postet.

Viele Grüne zeigten sich genervt von dem Oberbürgermeister der schwäbischen Universitätsstadt, der unter anderem mit Aussagen zur Asylpolitik seine Partei immer wieder reizt. Daniel Lede Abal, der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen, wies Palmers Post als einfach völlig daneben zurück. Das ist das Deutschland, das dem Tübinger OB offenbar fremd geblieben ist, erklärte er. Wenn er als Oberbürgermeister mit so einer Stadtgesellschaft nicht zurechtkommt, sollte er sich jetzt überlegen, ob er Oberbürgermeister bleiben kann.

Palmer liebt die Provokation und die Aufmerksamkeit, die sie mit sich bringt. Im vergangenen halben Jahr hat er ein Kopftuch-Verbot für junge Mädchen an Schulen und Kindergärten gefordert, eine Steuer auf Einwegpappbecher und Nudelboxen angekündigt, wegen einer nächtlichen Ruhestörung hat er sich als Ordnungshüter mit einem Studenten angelegt und damit bundesweit Aufsehen erregt. Vor wenigen Tagen erst sprach sich Palmer dafür aus, Grundstückseigentümer zum Verkauf ihrer Flächen zu zwingen, wenn sie diese nicht bebauen.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa erläuterte Palmer am Dienstag seinen Standpunkt. Menschen, die so aussehen, als hätten sie keinen Migrationshintergrund, sind bei den Bildern in der Minderheit, sagte er. Ich würde eine Auswahl an Bildern, die unsere Gesellschaft abbildet, für logischer halten. Wer eine andere Auswahl treffe, könne dafür gute Gründe haben. Aber die erkenne ich bisher nicht. Er frage sich, welche Strategie hinter der Bilderauswahl der Bahn stecke.

Riesen-Wirbel um den Facebook-Post von Tübingens Bürgermeister Boris Palmer zum Web-Auftritt der Deutschen Bahn! Auch aus Palmers eigener Partei hagelt es gewaltig Kritik.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa erläuterte Palmer am Dienstag seinen Standpunkt. Menschen, die so aussehen, als hätten sie keinen Migrationshintergrund, sind bei den Bildern in der Minderheit, sagte er. Ich würde eine Auswahl an Bildern, die unsere Gesellschaft abbildet, für logischer halten. Wer eine andere Auswahl treffe, könne dafür gute Gründe haben. Aber die erkenne ich bisher nicht. Er frage sich, welche Strategie hinter der Bilderauswahl der Bahn stecke.

▶︎ Was Palmer missfällt: Die Bahn bildet auf ihrer Website über der Reiseauskunft Fahrgäste ab. Fünf Personen sind zu sehen, darunter der in Ghana geborene TV-Koch Nelson Müller, die türkischstämmige Moderatorin Nazan Eckes und Nico Rosberg, deutscher Formel-1-Sieger von 2016. Auf Facebook schrieb Palmer: Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?

0 Anzeige Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat mit Kritik an einer Werbekampagne der Bahn für Empörung auch in den eigenen Reihen gesorgt. Die Bahn wirbt auf ihrer Internetseite mit Bildern von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, unter anderem mit dem dunkelhäutigen TV-Koch Nelson Müller und der türkisch-stämmigen Moderatorin Nazan Eckes.

Zu BILD sagte Palmer später: Wenn es der Bahn darum ging, einen Querschnitt einer bunten Gesellschaft zu zeigen, dann ist das misslungen. Menschen ohne erkennbaren Migrationshintergrund sind in dieser Kampagne eine Minderheit.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat mit Kritik an einer Werbekampagne der Bahn für Empörung auch in den eigenen Reihen gesorgt. Die Bahn wirbt auf ihrer Internetseite mit Bildern von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, unter anderem mit dem dunkelhäutigen TV-Koch Nelson Müller und der türkisch-stämmigen Moderatorin Nazan Eckes.

Palmer kritisiert also nicht, dass die Bahn Menschen mit Migrationshintergrund zeigt, sondern z.B. keinen Rentner ohne Migrationshintergrund.

Der nordrhein-westfälische Grünen-Politiker Ali Bas forderte auf Twitter: Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr #Palmer! Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, lobte die Kampagne demonstrativ: Die Bahn ist für alle da, und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich, sagte er. Es zeigt die gesellschaftliche Realität.

In Boris Palmers jüngsten Attacke auf die Image-Werbung der Bahn steckt etwas Wahres. Mindestens etwas, was nachdenklich machen sollte.

Der nordrhein-westfälische Grünen-Politiker Ali Bas forderte auf Twitter: Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr #Palmer! Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, lobte die Kampagne demonstrativ: Die Bahn ist für alle da, und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich, sagte er. Es zeigt die gesellschaftliche Realität.

Im Internet sorgte Palmers Äußerung dennoch für große Empörung. Der von ihm erwartete Shitstorm (wird nicht vermeidbar sein) ließ nicht lange auf sich warten – es hagelt Kritik von allen Seiten.

★ Die Bahn warf dem Politiker auf Twitter vor, offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft zu haben.

Berlin/Tübingen – Nach Kritik von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) an der Auswahl von Werbeträgern der Bahn hat sich nun auch der ehemalige Formel-1-Fahrer Nico Rosberg zu Wort gemeldet, der ein Teil der Kampagne ist. Herr Palmer, Sie wollen spalten und Menschen ausgrenzen. Nicht mit mir, schreibt er auf seinem Twitter-Account. Ich bin Sohn eines Finnen und einer Deutschen. Völkervielfalt liegt in meinen Genen. Ich bin stolz, Teil dieser Kampagne zu sein und bedanke mich bei der DB, dass sie diese so umgesetzt hat, heißt es in der Stellungnahme des Weltmeisters weiter.

Herr #Palmer hat offenbar Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft. Solch eine Haltung lehnen wir ab. Nico Rosberg, Nazan Eckes und Nelson Müller sind positive und repräsentative Identifikationsfiguren. Die DB freut sich, mit ihnen zusammenzuarbeiten. pic.twitter.com/Mk2wRLzFKm

★ TV-Koch Nelson Müller (40) sagte zu BILD: Ich bin tief bestürzt, dass ein Mensch in so einer verantwortlichen Position diese Diskussion erneut auf so einer negative Art und Weise anfeuert. Ich fühle mich als Schwabe, der in Stuttgart aufgewachsen ist, persönlich diskriminiert, weil ich nie das Gefühl hatte, das ich etwas anderes bin als meine Freunde und Mitmenschen in meiner Heimat Deutschland. Die Frage ist doch, wie die Menschen in den Augen von Herr Palmer für diese Kampagne aussehen sollten, und die Antwort sollte er sich genau überlegen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei der Deutschen Bahn für die gute Zusammenarbeit bedanken.

Solch eine Haltung lehnen wir ab. Nico Rosberg, Nazan Eckes oder Nelson Müller stünden für besondere Talente, die viele Menschen begeistern. Sie passten zur aktuellen Werbekampagne und seien positive und repräsentative Identifikationsfiguren.

★ Palmers eigene Partei stellte sich klar auf die Seite der Deutschen Bahn. Viele Grüne lobten die Bildauswahl für die Website und reagierten genervt auf den Oberbürgermeister der schwäbischen Universitätsstadt, der immer wieder auf Facebook seine Parteifreunde provoziert.

Bundesgeschäftsführer Michael Kellner: Die Bahn ist für alle da, und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich … Wir streiten lieber für pünktliche Züge und billigere Bahn-Tickets. Wer in den Zug steigt, ist uns herzlich egal.

★ Der Ex-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu twitterte seinen Ärger über Palmer und legte ihm den Wechsel zur AfD nahe: Warum kann dieser unsägliche Typ nicht einfach dorthin gehen, wo seine eigentliche politische Heimat ist?

★ Auch aus der FDP kommt Kritik – Johannes Vogel, Generalsekretär der NRW-Liberalen, twitterte: Die Bilder zeigten eine Gesellschaft, in der es ganz egal ist, wie man aussieht. Nennt sich Werteordnung unseres Grundgesetzes, lieber Boris Palmer!

Tübingens Oberbürgermeister Palmer (Grüne) kritisiert die Sicherheitslage in der Hauptstadt. Er fühle sich dort immer unsicher, betont er.

Palmer, der die heftigen Reaktionen erwartet hatte, aktualisierte später seinen Facebook-Post: Alle, die mich jetzt fragen, warum ich dieses Thema aufgreife, frage ich zurück: Wenn die Auswahl dieser Bilder vollkommen belanglos, normal, unbedeutend ist, warum regt ihr euch dann so auf?

Der Grünen-OB weiter: Was wir hier diskutieren, ist Identitätspolitik. Und zwar von Rechts wie Links. Die einen sagen, man wisse nicht mehr, in welchem Land man lebt, die anderen bekämpfen alte weiße Männer. Und gemeinsam haben die Identitätspolitiker es ziemlich weit damit gebracht, uns zu spalten.

▶︎ Palmer sagte später auch zu BILD: Ich verstehe nicht, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn diese Menschen ausgesucht hat. Ich habe nicht erkannt, dass drei der fünf abgebildeten Personen in der Bahn-Kampagne Prominente sind.

Wenn es der Bahn darum ging, einen Querschnitt einer bunten Gesellschaft zu zeigen, dann ist das misslungen.

Menschen ohne erkennbaren Migrationshintergrund sind in dieser Kampagne eine Minderheit. Ich verstehe die Kritik von Nelson Müller nicht, würde aber gerne in Ruhe von Schwabe zu Schwabe mit ihm darüber diskutieren.

Palmer liebt die Provokation und die Aufmerksamkeit, die sie mit sich bringt. Im vergangenen halben Jahr hat er ein Kopftuch-Verbot für junge Mädchen an Schulen und Kindergärten gefordert, eine Steuer auf Einwegpappbecher und Nudelboxen angekündigt, wegen einer nächtlichen Ruhestörung hat er sich als Ordnungshüter mit einem Studenten angelegt und damit bundesweit Aufsehen erregt.

Vor wenigen Tagen erst sprach sich Palmer dafür aus, Grundstückseigentümer zum Verkauf ihrer Flächen zu zwingen, wenn sie diese nicht bebauen.