VfB Stuttgart muss um den Klassenerhalt bangen | Fussball | SWR Sport - SWR
Relegation: VfB Stuttgart gegen Union Berlin vergeigt zwei Führungen
Nach einem 2:2 im Relegationshinspiel gegen Union Berlin spricht in Stuttgart vieles für den Gang in die Zweite Liga. Dem VfB fehlt es an Geist und Qualität. Selbst das eigene Publikum zweifelt an der Rettung.

Mehr Artikel von Christoph Ruf Freitag, 24.05.2019   08:28 Uhr Drucken Nutzungsrechte Feedback Kommentieren if (typeof ADI != undefined) ADI.writeAdScript(integrationteaser_1); Mario Gomez kennt das Stuttgarter Stadion von Kindesbeinen an, der VfB ist sein Verein, den er nie aus den Augen verloren hat. Nicht, als er in München spielte, nicht in Florenz, oder in Wolfsburg. 2007 wurde Gomez hier Deutscher Meister. Er hat erlebt, wie euphorisch es zugehen kann in dieser Arena. Aber nun, da dem VfB der Abstieg in die Zweite Liga droht, da bekam Gomez am Donnerstagabend zu spüren, welche Last auf seinem Verein liegt. Und er sagte, dass ihm “diese ganze Stimmung jetzt nicht gefällt”.

/**/ Leserbrief schreiben Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Vor dem Anpfiff des Relegationshinspiels gegen Union Berlin war das ausverkaufte Stuttgarter Stadion noch bereit, daran zu glauben, dass der VfB bestehen könnte. Die Stimmung war gut, und die Fans waren siegessicher. Nach dem 2:2 (1:1) aber war davon nichts mehr übrig. Nicht nach dieser Leistung, nicht nach einem Spiel, das man auch 2:4 hätte verlieren können, wenn das bessere Team etwas mehr Glück gehabt hätte. Und das bessere Team war Union Berlin. Der Zweitligist.

Die Schwaben kommen gegen ein kämpferisches Union Berlin nicht über ein Remis hinaus. Im Rückspiel nächste Woche in Berlin geht es für den VfB nun endgültig um alles.

Als die Stuttgarter Fans nach dem Schlusspfiff ihre Wut herausließen, war der VfB von all den Faktoren eingeholt worden, welche die abgelaufene Spielzeit zu einem Desaster mit jämmerlichen 28 Punkten haben werden lassen: fehlende Konzentration, fehlender Spirit, fehlende Qualität. Gegen Union hatte der VfB als Bundesligist mit Heimrecht zweieinhalb Torchancen. Überraschungsmomente lassen sich mit Zeitlupen-Fußball in der Zentrale eben nicht bewerkstelligen. Nicht mit diesem langsamen Mittelfeld.

Zweimal war Stuttgart in Führung gegangen: Der erste Treffer war die Folge einer starken Einzelleistung. Anastasios Donis zeigte, was mit Geschwindigkeit alles möglich ist gegen Union, er ließ fünf Berliner stehen und legte auf Christian Gentner zurück. 1:0. Beim zweiten Tor war Glück dabei: Gomez kraftloser Abschluss wurde nur zum Treffer, weil ihn Berlins Marvin Friedrich mit dem Gesicht unhaltbar abfälschte. Mehr zwingende Chancen hatte der VfB nicht, sieht man mal von einem Donis-Schuss in der siebten Minute ab. Zwischen der 2:1-Führung und dem Schlusspfiff hatte Union-Keeper Rafal Gikiewicz nichts zu tun. 40 Minuten Langeweile für einen Zweitliga-Keeper.

Stuttgart. Dem VfB Stuttgart droht der Abstieg aus der Fußball- Bundesliga. Die Mannschaft von Interimstrainer Nico Willig kam am Donnerstagabend im Relegations-Hinspiel gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Union Berlin nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus.

Dass der VfB Stuttgart im Mai 2019 ein fragiles Gebilde ist, dass man nicht wirklich von einer Mannschaft sprechen kann, sondern eher von einer Ansammlung von Einzelspielern, sah man jeweils nach den beiden eigenen Toren: Nach dem 1:0 bejubelte der VfB gedanklich noch die Führung, da erzielte Union vom Anstoßkreis weg den Ausgleich. Ein simpler langer Ball, eine Kopfballablage vom starken Berliner Stoßstürmer Sebastian Andersson, das Tor von Suleiman Abdullahi. So einfach ging das.

Der neue WhatsApp-Newsletter von PZ-news beliefert Sie immer mit dem Neuesten aus Pforzheim, der Region und der Welt. Die Anmeldung ist kinderleicht und der Newsletter kostet Sie keinen Cent.

Auch das 2:2 fiel in einer Phase, in der der VfB eigentlich Oberwasser hatte. Eine Ecke, ein Kopfball – und ein jubelnder Friedrich, der nach dem Spiel lange überlegen musste, welche Antwort er auf die Frage geben sollte, ob es ihn nicht gewundert habe, wie frei er da bei so einem wichtigen Spiel gewesen sei. Man darf festhalten: Es hat ihn gewundert.

Die Stuttgarter Fans hat all das nicht so sehr gewundert. Die bangen Blicke konnte man schon in der ersten Hälfte sehen. In der zweiten wurde aus Angst vielerorts Wut. Auf der Haupttribüne wurde gepfiffen, in der Cannstatter Kurve kletterten nach dem Schlusspfiff 30 Fans über die Absperrung und drohten mit Fäusten. Die Spieler, die 20 Meter vor der Kurve stehengeblieben waren, verhielten sich auch nach dem Schlusspfiff passiv. Erst 75 Minuten nach Abpfiff kam der erste auskunftswillige Stuttgarter aus der Kabine. Donis sagte, man habe beim Rückspiel, “ein echtes Finale vor der Brust”. Und, nein, er glaube nicht, dass das psychologische Momentum für Union spreche.

Es geht für den 1.FC Union Berlin um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte: den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Die Unioner müssen sich in der Relegation gegen den VfB Stuttgart durchsetzen. Das Hinspiel in Schwaben (ab 20.24 Uhr live in Ausschnitten im Inforadio) wird eine schwere Aufgabe – die aber zu lösen ist, berichtet Inforadio-Reporterin Stephanie Baczyk.

Vielleicht gelingt es ja Stuttgarts Trainer Nico Willig, vor dem Rückspiel am Montag in Berlin tatsächlich zu vermitteln, dass sein VfB “mehr Aggressivität auf den Platz bekommen und wesentlich agiler unterwegs sein muss. Ansonsten haben wir keine Siegchance.” Auch Kollege Urs Fischer von Union Berlin habe sein Team nach dem enttäuschenden 2:2 in Bochum innerhalb von vier Tagen wieder aufrichten können, so Willig, dann könne ihm das auch glücken. Das klang trotzig, verschwieg aber das Offensichtliche: Fischer trainiert eine Fußballmannschaft, Willig den VfB der Saison 2018/2019.

VfB Stuttgart – Union Berlin 2:2 (1:1) 1:0 Gentner (42.) 1:1 Abdullahi (43.) 2:1 Gomez (51.) 2:2 Friedrich (68.) Stuttgart: Zieler – Pavard, Kabak, Kempf, Emiliano Insua – Castro, Gentner – Didavi (46. Gomez), Akolo (73. Zuber), González (82. Esswein) – Donis Berlin: Gikiewicz – Trimmel, Friedrich, Parensen, Reichel – Schmiedebach (84. Kroos) – Prömel, Zulj – Abdullahi (80. Gogia), Hartel (60. Mees) – Andersson Schiedsrichter: Bastian Dankert Zuschauer: 58.619 (ausverkauft) Gelbe Karten: Kempf – Trimmel, Kroos

Stuttgart gelang in einer umkämpften Partie vor 58.619 Zuschauern durch Kapitän Christian Gentner in der 42. Minute das umjubelte 1:0. Die Freude währte jedoch nur 87 Sekunden, denn Suleiman Abdullahi glich mit der ersten Aktion nach dem Anstoß aus. Die VfB-Defensive hatte sich noch nicht sortiert. Joker Mario Gomez (51.) brachte den VfB wieder in Führung, ehe Marvin Friedrich (68.) erneut ausglich.

Abgerechnet wird zum Schluss – Union Berlin nach 2:2 beim VfB im Vorteil

Erstligist VfB Stuttgart spielt nur 2:2 (1:1) gegen Zweitligist Union Berlin, vergeigt zweimal eine Führung. Keine gute Ausgangslage für das Rückspiel am Montag. VfB-Torjäger Mario Gomez bei Eurosport: Wir haben uns mehr vorgestellt, aber abgerechnet wird zum Schluss. Wenn wir in Berlin gewinnen, sind wir durch.

Auch Stuttgart-Kapitän Christian Gentner zeigt sich nach dem Spiel trotzig: Wir sind noch nicht abgestiegen.

Union-Trainer Urs Fischer zeigte sich mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden: “Schlussendlich war es eine tolle Leistung von uns. Es war wichtig, dass wir das 1:0 schnell ausgeglichen haben. Das hat der Mannschaft für den Rest des Spiels Mut gegeben. Sich über 90 Minuten hinten reinzustellen, hätte nicht funktioniert. Und die Mannschaft hat das gut gemacht.”

Die Schwaben starten ohne Gomez, dafür mit dem Power-Sturm um Anastasios Donis. Der hat auch direkt die erste Chance, scheitert aber an Torhüter Rafal Gikiewicz (7.). In der Folge kontrolliert Stuttgart zwar das Spiel, erspielt sich aber kaum noch Chancen. Die beste hat Union!

Willig reagierte und brachte Gomez für den enttäuschenden Daniel Didavi. Der 33-Jährige verpasste kurz darauf erst knapp, ehe er unter Mithilfe von Friedrich die erneute Führung erzwang. Die Einwechslung des Stürmers brachte kurzzeitig etwas mehr Schwung ins VfB-Spiel. Union wackelte, kämpfte sich aber wieder zurück.

► 21. Minute: Abdullahi spielt den Ball in die Mitte, da grätscht Stuttgarts Kempf gerade noch vor Union-Stürmer Andersson in den Ball und VfB-Torhüter Zieler wehrt mit klasse Reflex ab.

Die wichtigste Konstante im Spiel des VfB ist und bleibt Ron-Robert Zieler. Der Torhüter bewahrte die Stuttgarter in der 21. Minute vor einem Rückstand. Suleiman Abdullahi brauste auf der rechten Berliner Angriffsseite durch zwei Gegenspieler, flankte, Sebastian Andersson war schneller als Ozan Kabak, Zieler lenkte den Ball über die Latte. Und blieb sechs Minuten später im gleichen Duell erneut der Sieger. Durchatmen. Die Berliner hatten sich an die Atmosphäre gewöhnt, traten frech auf. Wenn die zweitschwächste Erstligaoffensive (32 Tore) auf die beste Zweitligadefensive (33 Gegentore) trifft, darf man keine Wunderdinge erwarten. Doch dann passierte es. Erst einmal. Dann zweimal. Donis zeigte einen wundervollen Sprint über das halbe Feld, passte nach innen, wo Gentner zum 1:0 traf (42.).

Dann wird es turbulent! Mega-Solo von Donis aus der eigenen Hälfte. Der Stürmer überläuft mit bis zu 34 km/h erst zwei Gegenspieler und ist auf und davon in den Union-Strafraum, hebt da den Kopf und findet Kapitän Gentner – 1:0 (42.)!

► 87 Sekunden später: Anstoß. Friedrich haut den Ball erstmal meterweit in Richtung Strafraum, findet den Kopf von Andersson, der auf Abdullahi. Insua sieht blöd aus, Zieler ist chancenlos – 1:1 (43.).

Leihstürmer Abdullahi von Braunschweig nur ausgeliehen, Kaufoption endet nächste Woche. Die wird jetzt mit Sicherheit gezogen – für 250 000 Euro. Interessant: Abdullahi darf wegen einer fehlenden Arbeitserlaubnis in Deutschland nur in den ersten beiden Profi-Ligen spielen, könnte also für Drittligist Braunschweig gar nicht auflaufen. Gegen Bochum vergab er noch in der Nachspielzeit das Aufstiegstor, jetzt markiert der Nigerianer das wichtige Auswärtstor, das Berlin träumen lässt.

► 51. Minute: Der Ex-Nationalspieler läuft von der Mittellinie einfach los, kommt bis in den Strafraum, schließt ab. Da wirft sich ihm Friedrich in den Weg. Dem Abwehrmann springt der Ball erst gegen den Fuß und dann an den Kopf. Von da geht der Ball abgefälscht ins Tor – 2:1!

VfB Stuttgart gegen Union Berlin – Gentner und Gomez treffen? Das Jahr 2007 hat angerufen…

Aber Union schlägt zurück. Trimmel schlägt eine Ecke auf den Kopf von Marvin Friedrich. Der trifft wieder mit dem Kopf. Diesmal ins richtige Tor! 2:2 (68.)!

Union Trainer Urs Fischer: Eine tolle Leistung von uns und auf unsere Fans können wir zählen.

Eine gute Nachricht gibt es immerhin für den VfB: der Wechsel von Paderborn-Aufstiegsheld Philipp Klement (26/16 Tore, 7 Vorlagen) ist so gut wie fix. Ablöse: rund 3 Mio Euro.

Analyse des Spiels des VfB Stuttgart – Der VfB wie ein angeschlagener Boxer

BILD Sportwetten: Jetzt Bonus sichern und mit den besten Wettquoten auf die Partien der 1. Bundesliga tippen.