Union nach 2:2 im Vorteil: Stuttgart droht Abstieg - Schwäbische
Bundesliga-Relegation: VfB Stuttgart verzweifelt an Union Berlin
Der Traum von der Bundesliga lebt weiter: Union Berlin erspielt sich im Relegations-Hinspiel beim VfB Stuttgart ein 2:2-Unentschieden. Vor dem Rückspiel am Montag im Stadion an der Alten Försterei ist alles offen. Die spielerische Leistung der Eisernen: vielversprechend.

Union Berlin darf weiter auf den Aufstieg in die Bundesliga hoffen. Im Relegations-Hinspiel beim VfB Stuttgart erspielten sich die Köpenicker mit einem beeindruckenden Auftritt ein 2:2 (1:1)-Unentschieden und damit eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Montag in Berlin. Union war dabei fast über die komplette Spielzeit gleichwertig mit dem Bundesligisten.

Eine gewisse Nervosität war den Berlinern in der Anfangsphase anzumerken, gleich nach sieben Minuten kam der Stuttgarter Stürmer Anastasios Donis zur ersten und für lange Zeit besten Gelegenheit der Gastgeber – nach einem Konter wurde er von Daniel Didavi bedient, scheiterte aber aus 15 Metern an Rafal Gikiewicz.

Danach kam Union aber schnell besser ins Spiel, Sebastian Andersson näherte sich zunächst nach einem Freistoß ans Tor von Ron-Robert Zieler an (10. Minute) und hatte dann nach 20 Minuten die erste große Chance für sein Team, als er fünf Meter vor dem Tor in eine Flanke von Suleiman Abdullahi rutschte, den Ball aber nicht mehr an Zieler vorbeibringen konnte. Doch Stuttgart war nun gewarnt vor den Berliner Angriffen und so entwickelte sich ein kontrolliertes Spiel beider Teams.

Leihstürmer Abdullahi von Braunschweig nur ausgeliehen, Kaufoption endet nächste Woche. Die wird jetzt mit Sicherheit gezogen – für 250 000 Euro. Interessant: Abdullahi darf wegen einer fehlenden Arbeitserlaubnis in Deutschland nur in den ersten beiden Profi-Ligen spielen, könnte also für Drittligist Braunschweig gar nicht auflaufen. Gegen Bochum vergab er noch in der Nachspielzeit das Aufstiegstor, jetzt markiert der Nigerianer das wichtige Auswärtstor, das Berlin träumen lässt.

Der Bundesligist wurde vor allem dann gefährlich, wenn Nicolas Gonzalez oder Anastasios Donis mit Tempo auf die Berliner Verteidigung zulaufen konnten. So auch beim 1:0 der Stuttgarter: Donis sprintete von der Mittellinie die rechte Seite hinunter, ließ auf dem Weg Parensen stehen und passte in den Strafraum auf Christian Gentner, der zur Führung traf (42. Minute).

Erstligist VfB Stuttgart spielt nur 2:2 (1:1) gegen Zweitligist Union Berlin, vergeigt zweimal eine Führung. Keine gute Ausgangslage für das Rückspiel am Montag. VfB-Torjäger Mario Gomez bei Eurosport: Wir haben uns mehr vorgestellt, aber abgerechnet wird zum Schluss. Wenn wir in Berlin gewinnen, sind wir durch.

Aber die Tormusik in der Stuttgarter Arena war noch nicht richtig verhallt, da durfte der Gästeblock schon zum ersten Mal ausgelassen jubeln. Union gelang unmittelbar nach Wiederanpfiff der Ausgleich. Vom Anstoß spielten die Berliner mit einem langen Ball aus der Verteidigung und einer Kopfballverlängerung von Sebastian Andersson dessen Sturmpartner Suleiman Abdullahi frei. Der Nigerianer nahm den Ball geschickt mit, ließ dadurch Federico Insua ins leere laufen und nutzte die Chance sofort zum 1:1 (43. Minute).

Die Punkteteilung ging insgesamt in Ordnung, der gefühlte Sieger waren aber die Gäste, auch wenn Gentner nachher am ARD-Mikrofon zurecht meinte: "Es ist noch nichts verloren. Es bringt jetzt nichts, die Köpfe hängen zu lassen." und Gomez ergänzte bei Eurosport: "Wir haben noch ein Spiel in Berlin, wenn wir das gewinnen, sind wir durch." Beide Torschützen wiesen aber auch darauf hin, dass man sich gerade in Kopfballduellen deutlich besser anstellen müsse. Unions im Rückspiel gesperrter Kapitän Christopher Trimmel: "Wir haben wirklich alles reingeschmissen und ein wirklich gutes Resultat erzielt. Wir freuen uns auf das Rückspiel, das Stadion wird beben."

Zur Pause wechselten die Stuttgarter den ehemaligen Nationalstürmer Mario Gomez ein und Gomez – eigentlich nicht für seine Schnelligkeit bekannt – marschierte plötzlich kurz nach der Halbzeit durch die komplette Berliner Hälfte. Marvin Friedrich konnte ihn erst nicht stoppen und fälschte dann auch noch mit seiner Grätsche den Torschuss des Stuttgarters unhaltbar ins eigene Tor ab zum 2:1 (51. Minute).

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Dieses Mal brauchten die Berliner länger, um sich von dem Stuttgarter Tor zu erholen. Aber nach gut einer Stunde kam Union wieder besser ins Spiel und näherte sich dem Ausgleich. Nach einer Ecke von Kapitän Christopher Trimmel war es dann Marvin Friedrich, der per Kopf den Ausgleich erzielte und seinen Fehler vom Gegentor wieder gutmachte (68. Minute).

VfB-Interimscoach Nico Willig reagierte und tauschte zur zweiten Halbzeit den wenig überzeugenden Daniel Didavi für Mario Gomez aus. Der Ex-Nationalspieler weiß wie Relegation geht, 2017 hatte er noch den VfL Wolfsburg in den Spielen gegen Eintracht Braunschweig vor dem Abstieg bewahrt. Die Einwechslung gab den Stuttgartern einen Ruck – und auch die erneute Führung. Gomez schnappte sich den Ball an der Mittellinie, marschierte bis zum Strafraum und hatte das nötige Glück, dass sein Schuss von Friedrich unglücklich ins Berliner Tor abgefälscht wurde.

In der Schlussphase war es zunächst ein ausgeglichenes Spiel, in dem die Berliner sogar die besseren Chancen hatten. Vor allem Sebastian Andersson war zwei Mal sehr knapp dran, am Siegtreffer. Der Schwede, der ohnehin ein sehr gutes Spiel machte, zwang Ron-Robert Zieler mit einem Fernschuss (79. Minute) und einem Kopfball kurz vor Schluss (90.+3) zu spektakulären Paraden. So blieb es beim 2:2-Unentschieden.

Für Union ist das eine hervorragende Ausgangslage vor dem Rückspiel am Montag im Stadion an der Alten Försterei. Trainer Urs Fischer wird aber spätestens dann unglücklich über zwei Randnotizen in dieser turbulenten Partie sein: Denn sowohl Kapitän Trimmel, als auch Felix Kroos werden den Berlinern im Rückspiel gelbgesperrt fehlen. An diesem Abend in Stuttgart interessierte das die Unioner aber wenig. Noch eine Viertelstunde nach dem Spiel feierten sie euphorisch mit ihren Fans. Der Anlass war klar: Unions Traum von der Bundesliga lebt und scheint realer denn je.

Entsetzen bei Ervin Skela! Gleich in der ersten Saison nach Wiedereinführung der Relegation bekommt Energie Cottbus 2009 zu spüren, wie grausam die Entscheidungsspiele sein können. 0:3 und 0:2 verlieren sie als Erstligist gegen den Zweitliga-Dritten Nürnberg. Das bedeutet den Abstieg aus der Bundesliga – nach drei Jahren. Damit verabschiedet sich auch der letzte Ost-Klub aus der ersten Liga.

Die Schwaben kommen gegen ein kämpferisches Union Berlin nicht über ein Remis hinaus. Im Rückspiel nächste Woche in Berlin geht es für den VfB nun endgültig um alles.

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