Analyse zum Spiel des VfB Stuttgart - Nico Willigs Elf verfällt in Passivität - Stuttgarter Zeitung
Hertha BSC – VfB Stuttgart 3:1, Bundesliga, Saison 2018/19, 32.Spieltag – Spielbericht
Eigentlich sollte es noch besser werden als zuletzt. Doch der VfB Stuttgart hat beim 1:3 in Berlin wieder alte Schwächen offenbart, wie unsere Analyse zeigt. Allerdings gibt es auch Diskussionen um Videoassistenten.

Berlin – Der Plan des VfB Stuttgart ist in Berlin nicht aufgegangen. Aus einer tiefen Staffelung wollte der Trainer Nico Willig mit seinem Team im Olympiastadion zum Erfolg kommen. Am Ende hieß es gegen Hertha BSC 1:3 – und in der Analyse gab es zwei Ansätze. Erstens: ein nicht gegebener Handelfmeter für den Abstiegskandidaten beim Stand von 0:0, der den VfB in einer mäßigen Partie auf die Siegerstraße hätte bringen können. Zweitens: eine Mannschaft, die wieder einmal vieles vermissen ließ, was es braucht, um ein Spiel in der Fußball-Bundesliga zu gewinnen.

Hertha BSC – VfB Stuttgart 3:1: Duda und Ibisevic treffen nach Hand-Ärger

Spielentscheidend: Die Passivität der Stuttgarter, die sich gerade vor dem ersten Gegentor zeigte. Von links hinten (Borna Sosa) über die Mitte (Gonzalo Castro und andere) bis zu rechts hinten (Benjamin Pavard) störte kein VfB-Spieler den Berliner Angriff energisch genug – und dann stand Matthew Leckie im Sturmzentrum frei. Vedad Ibisevic musste nach dem von Torhüter Ron-Robert Zieler abgewehrten Kopfball nur noch abstauben (40.). Ähnlich unentschlossen verhielt sich der VfB vor dem 0:2 durch Ondrej Duda (45.). Damit war die Partie im Grunde vor der Pause gelaufen.

Der VfB Stuttgart muss nach einem schwachen Auftritt beim 1:3 in Berlin weiter um den von Interims-Trainer Nico Willig (38) geforderten Relegations-Pokal zittern. Hertha dagegen fährt nach zuletzt sieben Spielen ohne Sieg wieder einen Dreier ein.

Spielentscheider: Nach Ansicht des Trainers Nico Willig war das Günter Perl. Der Videoschiedsrichter griff nach einem Handspiel von Herthas Karim Rekik in der 37. Minute nicht ein. 0:0 stand es zu diesem Zeitpunkt. Die Stuttgarter protestierten auf dem Feld zwar nicht, fühlten sich hinterher aber klar benachteiligt. Da hatten wir kein Spielglück. Aber verbockt hat es letztlich jemand an anderer Stelle, sagte Willig über den Videoassistenten in Köln.

Video: PK NACH STUTTGART – Willig – Dardai – Hertha BSC

Wortspiel: Die Ernüchterung beim VfB ist nach der Niederlage gegen Hertha groß gewesen. Denn die Mannschaft wollte nach dem Erfolg gegen Gladbach nachlegen. Von der angekündigten Balljagd im Olympiastadion war jedoch nicht viel zu sehen. Auch Leidenschaft und Engagement fehlten bei den Stuttgartern, um die alte Dame aus Berlin nach dem Rückstand in Verlegenheit zu bringen. Es war nicht zu erwarten, dass wir die restlichen Spiele alle gewinnen und durch die Liga fliegen, sagte der Trainer Nico Willig.

Spielplan: als nächstes steht für den Abstiegskandidaten aus Stuttgart das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg an. Ein Gegner, der noch um die Teilnahme am Europacup spielt. Da wird es für den VfB nicht leichter als in Berlin. Der Trainer steht jedoch nicht für Lockerlassen, sagte der Mittelfeldspieler Dennis Aogo, ich bin überzeugt, dass er der Mannschaft Feuer unterm Hintern machen wird. Neues Feuer wird der VfB auch benötigen, wenn er gegen das Team von VfL-Coach Bruno Labbadia punkten will, um den Relegationsplatz zu sichern.

▶︎ Der Sekunden zuvor eingewechselte Dilrosun tankt sich links durch. Seinen Querpass vors Tor drückt Kalou über die Linie – 3:0 (67.).

Hertha BSC fand nach sieben sieglosen Spielen in die Spur zurück und besiegte den abstiegsbedrohten VfB Stuttgart mit 3:1. Die Ereignisse der Partie staffelten sich zweimal zeitlich dicht getaktet – und waren längst nicht unumstritten.

▶︎ Duda bedient Ibisevic. Wieder kann Zieler abwehren. Der Ball aber fällt Duda vor die Füße – 2:0 (45.+1).

Herthas Coach Pal Dardai nahm nach dem 0:0 in Frankfurt eine Änderung an seiner Anfangsformation vor: Für Klünter (Gelbsperre) rückte Leckie in die Startelf.

Stuttgarts Interimstrainer Nico Willig setzte auf dieselbe Formation, die am vergangenen Spieltag das 1:0 gegen Gladbach eingefahren hatte.

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Obwohl es für die Berliner in der auslaufenden Saison um nichts mehr geht, rissen sie die Kontrolle gegen passive Schwaben zeitig an sich – erste Chancen ließen aber auf sich warten: Leckie gab die Kugel von rechts in den Strafraum, wo sich Kabak in Kalous Flachschuss warf und Schlimmeres verhinderte (13.). Zwei Zeigerumdrehungen später servierte Kalou mit der Hacke für Mittelstädt, dessen Versuch aus 18 Metern landete in Zielers Armen. Die Gäste, die vorzugsweise mit langen Bällen operierten, gaben durch Gonzalez in der 22. Minute einen ersten statistisch erfassten Torschuss ab.

Bundesliga, 32. Spieltag Mainz – Leipzig 3:3 (1:2)   Bayern – Hannover 3:1 (2:0)   Gladbach – Hoffenheim 2:2 (0:1)   Wolfsburg – Nürnberg 2:0 (1:0)   Hertha – Stuttgart 3:1 (2:0)   Bremen – Dortmund 2:2 (0:2)   Schalke – Augsburg -:- (-:-)   Freiburg – Düsseldorf -:- (-:-)   Leverkusen – Frankfurt -:- (-:-) Die aktuelle Tabelle Castro setzte einen Freistoß aus zentraler Position über den Querbalken (27.), Plattenhardt tat es ihm auf der Gegenseite gleich (33.). Dann kam es bitter für den VfB: Nach einer Ecke wehrte Rekik Gonzalez Kopfball mit dem Arm ab, weder Schiedsrichter noch Video-Assistent griffen ein (37.). Noch vor dem Seitenwechsel folgte der etwas glückliche Berliner Doppelschlag: Ibisevic staubte nach einem Leckie-Kopfball vor Zieler ab (40.), Duda schoss einen weiteren Abpraller – Zieler parierte gegen Ibisevic – ins verwaiste Tor (45.+1). 2:0 nach 45 Minuten.

Die Grunddynamik der Begegnung blieb aber auch nach Wiederbeginn überschaubar. Mitten in eine Wechselorgie hinein verfehlte Leckie aus wenigen Metern das kurze Eck (63.). Anschließend bewies Hertha-Coach Dardai ein glückliches Händchen: Der Sekunden vorher eingewechselte Dilrosun enteilte auf der linken Außenbahn Kabak, in der Mitte drückte Kalou die Kugel im Fallen über die Linie – 3:0 für den Hauptstadtklub (67.).

Als nächstes gab es einen weiteren Fehler der Unparteiischen zu registrieren: Der ebenfalls eingewechselte Gomez erzielte nach einem Schlagball aus der Drehung einen vermeintlichen Treffer, wurde zuvor – zu Unrecht – aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurückgepfiffen (69.). So konnte der Videoassistent nicht mehr eingreifen. Eine Minute später, Sosa flankte von links, erzielte der Ex-Nationalspieler per Kopf sein erstes Joker-Tor im VfB-Trikot (70.). Kurz darauf traf der bestens positionierte Didavi das Spielgerät nicht voll und verpasste so eine mögliche Aufholjagd (72.). Esswein ließ die letzte brauchbare Stuttgarter Chance liegen (79.) – bei den Schwaben deutet alles auf die Relegation hin.

Hertha gastiert am Samstag (15.30 Uhr) in Augsburg. Für Stuttgart geht es zur gleichen Zeit gegen Wolfsburg weiter.

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