Fußballfans in Stuttgart - War die Schlägerei vorm VfB-Spiel geplant? - Stuttgarter Zeitung
VfB Stuttgart: Starker Schiri stoppt Spucker Ascacibar
Vor der Bundesligapartie Stuttgart gegen Leverkusen prügeln sich etwa 100 Schlachtenbummler in Bad Cannstatt. Auch gewaltbereite Karlsruher mischten mit. Die Polizei glaubt nicht an einen Zufall.

Stuttgart – Das Heimspiel des VfB Stuttgart gegen Bayer 04 Leverkusen haben 67 Anhänger verpasst. Sie saßen während der Partie im Polizeigewahrsam. Die Polizei hatte sie nach einer Schlägerei auf dem Marktplatz in Bad Cannstatt festgenommen. Die gewaltbereiten Fans sind einer ersten Einschätzung der Polizei zufolge nicht zufällig aufeinander getroffen. Es sieht schon so aus, als ob das geplant war, sagte ein Sprecher der Polizei. Das sei einerseits nicht ungewöhnlich, andererseits spreche dafür die frühe Anreise der Auswärtigen: Zu der Schlägerei kam es um 11.30 Uhr, das Spiel begann um 15.30 Uhr.

Kritik gab es auch vom Gegner. “Das ist meiner Meinung nach das Schlimmste, was man im Fußball machen kann. Man kann sicherlich hart spielen – aber so etwas macht man nicht”, sagte Bayer-Coach Peter Bosz, und sein Spieler Kevin Volland ergänzte bei Sky: “Solche Leute braucht man in der Bundesliga nicht.” Laut Volland habe Ascacibar Havertz bereits in der ersten Hälfte provoziert: “Es ist nicht das erste Mal bei dem Kollegen, ich glaube, der hat ihm in der ersten Halbzeit auch schon vor die Füße gespuckt.” Julian Brandt sagte: “Wenn ein Spieler zu einer solchen Maßnahme greift, hat Kai vorher alles richtig gemacht.” Gemeint war Havertz Treffer.

Von den rund 100 Beteiligten konnte die Polizei 67 Personen festnehmen, darunter sei kein einziger VfB-Anhänger gewesen. Etwa 45 sollen Leverkusener gewesen sein. Ein Polizeisprecher sagte, die Stuttgarter hätten wohl ihren Heimvorteil genutzt. Sie hätten gewusst, wie sie sich in Cannstatts Gassen schnell aus dem Staub machen können. Zeugen hätten aber Fansymbole aller drei Clubs in dem Getümmel beobachtet. Schätzungsweise weitere 40 Leverkusener Ultras seien aus Solidarität mit den festgenommenen Kollegen dem Spiel ferngeblieben sein. Über Verbindungen zwischen Karlsruher Ultras und gewaltbereiten Leverkusenern liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Dem Vernehmen nach sollen Beziehungen und Sympathien auf einer sehr informellen Ebene bestehen.

Sieben Personen erlitten bei der großen Schlägerei leichte Verletztungen. Nennenswerte Sachschäden – etwa an Geschäften oder Mobiliar der Außengastronomie – seien nicht zu beklagen gewesen, so die Polizei. Unter den festgenommenen Personen seien auch der Polizei als gewaltbereit bekannte Fans gewesen. Bewaffnet sei keiner gewesen, die Beamten hätten bei den Beteiligten lediglich passive Ausrüstung zum Schutz bei der Schlägerei gefunden – ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Fans mit der Erwartung angereist waren, sich mit anderen zu prügeln.

“Das geht natürlich gar nicht”, sagte VfB-Coach Markus Weinzierl nach der 0:1-Pleite am 29. Spieltag in der Fußball-Bundesliga: “Er hat der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen. Er muss seine Emotionen im Griff haben.” Der 22-jährige Ascacibar kämpfte aber offenbar mit seinen Nerven und ging auch noch nach dem Platzverweis durch Schiedsrichter Tobias Stieler auf Havertz los. Der Unparteiische stellte sich zwischen die beiden Spieler und versuchte so zu schlichten. Stuttgarts Verteidiger Andreas Beck sagte, der Ausraster passe zur aktuellen Lage beim VfB.

Die Schlägerei hat Folgen für die Beteiligten. Nicht nur dräuen ihnen nun Anzeigen wegen schweren Landfriedensbruchs. Das ist eine Straftat, für die bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe verhängt werden können. Sondern sie dürfen auch in den kommenden zwölf Monaten nicht mehr ins Stadion. Diese Sanktion hat der VfB Stuttgart verhängt, meldet die Polizei. Das Verbot gelte nicht nur für die Mercedes-Benz-Arena der Stuttgarter, sondern bundesweit. Nach der Stadionverbotsverordnung sei das möglich, erläuterte der VfB-Pressesprecher Tobias Herwerth. Nach dem Spiel wurden die Leverkusener Fans mit ihrem Bus nach Hause geschickt. Die Polizei eskortierte die Abfahrt, damit es nicht zu weiteren Auseinandersetzungen im Stadtgebiet kommen würde: Wir haben sie zur Autobahn begleitet, hieß es dazu.

Nationalspieler Havertz hatte mit seinem verwandelten Strafstoß (64. Minute) die Hoffnungen der Stuttgarter auf einen Punktgewinn zunichte gemacht. Nach zuvor drei Niederlagen bewahrte der 19-Jährige die Elf von Trainer Bosz in seinem 100. Pflichtspiel für Bayer damit vor einem weiteren Rückschlag im Duell um die Europa-League-Plätze.

Die Polizei hofft nun, neben den Augenzeugenberichten der Passanten, die den Notruf wählten, noch weitere Hinweise zu bekommen. Insbesondere hoffe man, dass Bildmaterial auftauche. Zeugen – ob mit oder ohne Bildmaterial – werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei unter der Nummer 07 11­/ 89 90 - 57 78 zu melden. Das gelte auch für Geschädigte, die bei der Massenschlägerei auf dem Cannstatter Marktplatz womöglich in Mitleidenschaft gezogen worden seien.

Der VfB Stuttgart ist seit fünf Spielen sieglos, muss auf dem Relegationsplatz weiter um den Ligaverbleib bangen, und nun gibt es auch noch Ärger um Santiago Ascacibar. Der Stuttgarter sah in der Nachspielzeit die Rote Karte, nachdem er Leverkusens Siegtorschützen Kai Havertz angespuckt hatte.

Stuttgart, seid ihr eigentlich noch zu retten …?Der VfB taumelt im Tabellenkeller. 0:1 gegen Leverkusen, nur ein Sieg aus den letzten 14 Spielen, die Abstiegsangst wird immer größer. Aber zum sportlichen Rotz kommt jetzt auch noch ein ekelhafter Aussetzer.90.+1 Minute: Nur Sekunden vorm Abpfiff spuckt Santiago Ascacibar (22) Gegenspieler Kai Havertz (19) an. Schiedsrichter Tobias Stieler entscheidet blitzschnell, holt die Rote Karte aus der Tasche. Wie ein Bodyguard stellt er sich dabei Ascacibar in den Weg, der nach seiner Spuck-Attacke weiter auf Havertz losgeht und ihm in den Mund fasst.

Der VfB Stuttgart hat schon wieder nicht gewonnen. Doch nach dem Spiel ist nicht die sportliche Krise das Thema, sondern der Ausraster von Santiago Ascacibar. Es fielen drastische Worte.

Prügelei vor dem Anpfiff: Im Vorfeld des Spiels Stuttgart gegen Leverkusen sind rund 100 Fans aufeinander losgegangen.

In der Vergangenheit hat Gomez schon Großes für den VfB geleistet. Doch diese Saison, speziell in der Rückrunde, kriselt es beim Stürmer

Leverkusens Mittelfeld-Abräumer Julian Baumgartlinger: Der Schiedsrichter hat das überragend gemacht. Ich war überrascht, dass er das so schnell entschieden hat. Er ist dazwischengegangen, sonst hätte der ja noch weitergemacht.BamS-Schiri Thorsten Kinhöfer über Stieler: Das ist perfekt, da muss man den Hut vor ziehen. Dass er intuitiv genau da draufschaut, das macht nur ein Topmann.Giftzwerg Ascacibar ist kein Unbekannter. In 56 Bundesligaspielen kassierte er 20 Gelbe Karten, einmal Gelb-Rot und jetzt zum ersten Mal glatt Rot. Nach dem Spiel verschwindet er innerhalb von 15 Minuten aus dem Stadion – wortlos. Dafür reden andere über ihn.► Bayer-Kapitän Kevin Volland: Solche Leute haben auf dem Fußballplatz nichts zu suchen. Er hat Kai schon in der ersten Halbzeit vor die Füße gespuckt.► Ascacibar-Mitspieler Ron-Robert Zieler: In unserer Situation ist so eine Aktion natürlich schädlich. Das darf ihm nicht passieren.► Leverkusen-Trainer Peter Bosz: Das ist das Schlimmste, was man machen kann.► Torwart Lukas Hradecky: Spucken gehört sich nicht. Hoffentlich bekommt er die richtige Strafe dafür.

Es werden wohl mindestens drei Spiele Sperre sein – mit Luft nach oben. Damit fehlt er dem VfB in der entscheidenden Phase im Kampf um den Klassenerhalt.Stuttgart schlägt sich immer mehr selbst. Das Spiel vergeigt Gonzalo Castro mit einem völlig unnötig verursachten Elfmeter. Havertz verwandelt lässig (64.).Der Nationalspieler wird immer wertvoller. Seine drei Elfmeter verwandelte er alle. 13 Saisontore sind für einen 19-Jährigen fast Rekord. Nur Horst Köppel (heute 70) war 1968 noch jünger (45 Tage jünger als Havertz) auf diesem Niveau.Leverkusen ist damit nach drei Pleiten in Folge wieder in der Spur, bleibt an den Europa-League-Plätzen dran.

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