Sechs Mutmacher in der Misere für den VfB Stuttgart
Gründe zur Hoffnung – Sechs Mutmacher in der Misere für den VfB Stuttgart
Markus Weinzierl (43) will in seinem vierten Spiel als VfB-Trainer am Samstag (15.30 Uhr) in Nürnberg endlich die Wende schaffen.

Dass er Aufholjagden kann, bewies er bereits 2012/2013 in Augsburg. Mickrige neun Punkte hatte der FCA damals zur Winterpause. Am Ende wurde er noch 15. – mit 33 Zählern.

Seine Mannschaft, in der auch die etablierten Routiniers Mario Gomez, Christian Gentner und Holger Badstuber weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, funktioniere. “Sie hat eine Achse, sie hat eine Hierarchie. Die Spieler reden viel miteinander und sind sich der Situation bewusst”, sagte Weinzierl, der von einem “großen Vertrauen” in sein Team sprach.

VfB Stuttgart: Trainer Markus Weinzierl vor neuem Negativrekord – Reschke bleibt ruhig

Natürlich ist es ein positiver Faktor, dass man so etwas schon mal – und vor allem erfolgreich – erlebt hat, sagt der Stuttgarter Coach.

“Ich arbeite seit dem ersten tag mit vollem Einsatz und mit größtem Respekt für diesen Verein und seine Fans. Und ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam, Team, Trainerstab, Staff und alle Verantwortlichen, den VfB aus diesem sportlichen Tief herausführen werden”, erklärt der 61-Jährige in der Bild.

Aber: Das ist lange her. Es sind jetzt auch ganz andere Vorzeichen. Es ist eine große Herausforderung, weil viele Kleinigkeiten zusammenkommen, die es nicht einfacher machen. Wie Fitnessprobleme und Verletzte.

Dennoch traut ihm auch einer seiner Ex-Schützlinge zu 100 Prozent zu, dass Weinzierl auch die bei fünf Punkten und sechs Toren (drei davon durch Mario Gomez/33) stehenden Stuttgarter noch in die Spur bekommt: Tobias Werner (33).

“Die Lage ist angespannt”, sagte Weinzierl am Donnerstag auf der Pressekonferenz und ergänzte: “Uns ist klar, dass wir schnell einen Erfolg brauchen. Ein Sieg kann sehr heilsam sein, dafür arbeiten wir und darauf konzentriere ich mich.”

Der Offensivmann, der inzwischen beim VfB II in der Regionalliga und mit dem am Samstag (14 Uhr) in Worms spielt, war in Augsburg damals als Stammkraft dabei.

Doch davon will Reschke nichts wissen. “Meine persönlich Situation spielt da keine Rolle. Es geht nur um den VfB. Dass in unserer Lage in alle Richtungen spekuliert wird, ist normal. Das Thema Jürgen Klinsmann beschäftigt mich nicht.”

Werner: Das Pokal-Spiel gegen die Bayern damals kurz vor Weihnachten war unser bestes der ganzen Hinrunde, wir hatten sie zwischendurch am Rand einer Niederlage. Als der Trainer uns hinterher auf Video nochmal gezeigt hat, wie wir gebissen, gefightet und uns gewehrt haben, ist uns klar geworden, dass wir vielleicht doch nicht so schlecht sind.

Auf die Frage, ob Klinsmann dem VfB helfen könne, meinte Reschke nur mit einem Lächeln: “Seine Tore könnten wir brauchen. Aber Spaß beiseite: Wir konzentrieren uns einzig und allein auf das Spiel in Nürnberg.” 

Weinzierl habe eine sehr offene und direkte Ansprache, die einen unheimlich pusht, sagt Werner. Aber: Es braucht jetzt einfach mal einen ekligen Sieg, an dem sich die Mannschaft hochziehen kann!

Ja! Ein Ehepaar aus Esslingen. Die waren verantwortlich, dass ich damals eine Liebe zum VfB hatte. Der Kontakt besteht bis heute – den Gasthof gibt es nicht mehr, aber wenn Familienfeiern von uns in Fuchsmühl anstehen, sind sie ab und an dabei. Eine andere Familie habe ich mal in einem Urlaub kennengelernt, in dem ich zufällig auch Thomas Schneider getroffen hatte (Ex-VfB-Trainer, d. Red.). Der war gerade recht frisch in Stuttgart entlassen, und die Familie wollte ihn trösten. Es hat sich dann schnell herausgestellt, dass es Logenbesitzer beim VfB waren. Die Familie führt heute noch ein Maschinenbauunternehmen in der Stuttgarter Region – auch da ist der Kontakt nicht abgerissen. Sie kommen jetzt am Samstag ebenfalls nach Nürnberg.

Krise beim VfB Stuttgart: Der Verein für Bewegungsspiele steht in der Fußball-Bundesliga am Ende der Tabelle, die Lage ist vor dem Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg ernst. Doch es gibt Gründe zur Hoffnung.

Meine Tante hatte eine Metzgerei mit Gasthof, da habe ich fürs Leben gelernt. Wir wohnten im Haus nebenan, und meine Eltern packten hier auch Tag für Tag mit an. Denn wir haben immer wieder neue Urlaubsgäste beherbergt, da habe ich aus Gesprächen viel aufgesaugt, viele Menschen und Absichten kennengelernt. Zudem hat Fuchsmühl nur 1800 Einwohner, es war das klassische Dorfleben. Schützenverein, Bergwacht, Feuerwehr, Fußball, ich habe alles mitgemacht. Aus dieser Zeit habe ich mitgenommen, dass man nur durch direkten Austausch, durch Gespräche, im Leben weiterkommt, man lernt ständig dazu – da waren Handy und Internet noch weit weg.

Stuttgart – Nach drei krachenden Niederlagen seit dem Amtsantritt des neuen Trainers Markus Weinzierl steht der VfB Stuttgart vor einem Knackpunktspiel. Am Samstag (15.30 Uhr) gastiert der Tabellen-17. der Fußball-Bundesliga beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg. Es gibt durchaus ein paar Punkte, die optimistisch stimmen, dass dem VfB die Kehrtwende gelingt.

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In der Vergangenheit hat es für den VfB in der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg zumeist gut ausgesehen. 30 Siegen stehen in der direkten Bilanz 18 Niederlagen gegenüber, hinzu kommen 16 Unentschieden. Letztmals trafen die beiden Vereine aber nicht in der ersten, sondern in der zweiten Liga aufeinander. Auf dem Weg zum direkten Wiederaufstieg drehten die Stuttgarter Ende April 2017 am 31. Spieltag in Nürnberg einen 0:2-Halbzeitrückstand. Sie gewannen dank der Tore von Simon Terodde (47. Minute/Foulelfmeter), Daniel Ginczek (50.) und Florian Klein (90.+1) noch mit 3:2. Die 15 000 mitgereisten Fans feierten entsprechend ausgelassen.

Ja, und es ging verrückt weiter. Damit mein Abschluss auch im normalen Leben anerkannt wird, habe ich mich anschließend noch ein Jahr in die Berufsschule gesetzt. Da waren auch nur Mädchen, alle so 16, 17 Jahre alt. Ich war zehn Jahre älter, und vor der allerersten Stunde dachten alle, ich sei der Lehrer. Als dann ein paar Minuten später ein anderer die Klassenzimmertür aufgesperrt und mich als Mitschüler vorgestellt hat, hatten einige eine Erleuchtung (lacht).

Es gibt mittlerweile sogar T-Shirts mit der Aufschrift Schwieriges Umfeld. Es ist ein ironischer Umgang damit, dass ein solches dem VfB immer nachgesagt wird. Dabei sind die Fans gar nicht schwierig – im Gegenteil: Die Stuttgarter verfügen über ein extrem leidensfähiges Publikum, das die Mannschaft bedingungslos unterstützt. Selbst in der zweiten Liga blieben die Anhänger treu und füllten das Stadion. Die Fans in der Kurve mögen sich zwar beim jüngsten 0:3 gegen Eintracht Frankfurt in der zweiten Spielhälfte weggedreht haben, sie sind allerdings nicht nachtragend. Sie werden das Team weiter lautstark unterstützen – trotz allem Verdruss über die aktuelle Situation. Das Auswärtskontingent des VfB von rund 5000 Karten für die Begegnung in Nürnberg ist längst vergriffen. Mindestens 5000 weitere Stuttgarter Anhänger werden im Max-Morlock-Stadion erwartet. Wir brauchen die Fans und sind unglaublich stolz darauf, dass sie uns so unterstützen. Es liegt nun an der Mannschaft, sie nicht zu enttäuschen, sagt der VfB-Sportvorstand Michael Reschke.

Der 1. FC Nürnberg steht neben seiner großen Tradition auch für Volksnähe und Teamgeist – und dafür, dass man jungen Spielern eine Chance gibt. Wir wollen nahbar und erlebbar sein, das fängt bei jedem einzelnen Spieler an, von dem ich verlange, dass er auf die Fans zugeht. Und wir wollen Fußball spielen. Es heißt nicht umsonst Fußballspielen anstatt Fußballkämpfen.

Es ist früh in der Saison, 24 Partien stehen noch aus. Es sind also noch 72 Punkte zu holen, und es dürften in dieser Spielzeit 35 Zähler zum Klassenverbleib reichen. Der VfB ist in Schlagdistanz – und es gibt Konkurrenten, die sich zum Überholen anbieten. Die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg sind keine Überflieger, Hannover 96 hat Probleme. Keiner dieser Clubs hat Spieler vom Schlage eines Mario Gomez im Kader. 166 Tore in 307 Bundesligaspielen hat er auf dem Konto. Der Ex-Nationalstürmer (drei Saisontore) hat diese Saison zwar noch nicht seine gewohnte Klasse gezeigt. Mit jeder Minute, in der er nicht trifft, steigt zugleich die Chance, dass er wieder trifft. Gleiches gilt für seinen neuen Sturmpartner Nicolas Gonzalez, dessen emsige Bemühungen schon bald mit dem ersten Pflichtspieltreffer für den VfB belohnt werden könnten.

Weil ich im jungen Alter auch Fragen ans Leben hatte und froh war, wenn sie jemand beantworten konnte. Die Gespräche in der Skihütte mit der Bergwacht, die kann mir keiner mehr nehmen. Es ist wichtig, dass man stets über den Tellerrand hinausschaut. Ich will, dass meine Mannschaft immer wieder mit spannenden Leuten zusammenkommt. Bildung hat noch niemandem geschadet. Das Leben darf nicht nur aus 4-3-3 oder 4-4-2 bestehen.

Die Abwehr hat zuletzt kräftig gewackelt. In Marc Oliver Kempf hat Markus Weinzierl einen versierten Innenverteidiger in der Hinterhand, den er nun zur Stabilisation einbauen kann. Der 23-jährige Neuzugang vom SC Freiburg wartet noch auf seine erste Bundesligaminute im VfB-Trikot. Er ist unverbraucht, kann in der Krise nach überwundener Verletzung einen frischen Impuls geben. Gleiches gilt für die Verletzten Anastasios Donis und Daniel Didavi, sobald sie zurückkehren. Nun sollte man zwei Spieler, die in dieser Bundesligasaison noch wenig in Erscheinung getreten sind, zwar nicht gleich zu Heilsbringern hochstilisieren. Doch Donis (fehlt in Nürnberg noch) wird mit seiner Geschwindigkeit in einem Kader mit überschaubarer Schnelligkeitsqualität ebenso sehr vermisst wie Didavi (steht vor der Rückkehr), der immer für einen Treffer oder eine Torvorlage gut ist. Am einzigen Saisonsieg Ende September gegen Werder Bremen (2:1) hatten die beiden entscheidenden Anteil – nicht zuletzt dank ihrer Koproduktion zum Führungstreffer von Donis.

Der VfB hat die finanziellen Mittel, um in der Winterpause reagieren zu können. Zumal sich mit der sportlichen Misere der Abgang von Benjamin Pavard im nächsten Sommer immer mehr abzeichnet. Die Ausstiegsklausel des Weltmeisters in Höhe von 35 Millionen Euro wird ja nur dann unwirksam, wenn die Stuttgarter die Champions League erreichen sollten. Das ist mittlerweile in etwa so realistisch, wie dass sich Pudding an die Wand nageln lässt. Der Präsident Wolfgang Dietrich und der Sportvorstand Michael Reschke haben bereits angekündigt, die Mannschaft in der Winterpause verstärken zu wollen. Welche Spieler, die dem VfB weiterhelfen, sich dann finden lassen, ist freilich eine andere Frage. Ein Kandidat, der gehandelt wird, ist Anthony Modeste (30). Der Stürmer hält sich zurzeit bei der zweiten Mannschaft seines Ex-Vereins 1. FC Köln fit – nach seiner Kündigung beim chinesischen Club Tianjin Quanjin. Von den Chinesen fordert er noch 30 Millionen Euro an ausstehenden Gehältern, der Fall liegt beim Fifa-Schiedsgericht. Sollte zeitnah eine Einigung erzielt werden, wäre Modeste verfügbar.