Sechs Mutmacher in der Misere für den VfB Stuttgart
Gründe zur Hoffnung – Sechs Mutmacher in der Misere für den VfB Stuttgart
München – In seinen ersten drei Spielen als Trainer des VfB Stuttgart setzte es für Markus Weinzierl drei Pleiten ohne ein einziges Tor. Jetzt droht ein neuer Negativrekord.

Sollte Markus Weinzierl mit dem VfB Stuttgart am Samstag beim 1. FC Nürnberg 0:3 verlieren, dann ist es der schlechteste Start eines neuen Trainers in der Bundesliga-Geschichte. (Bundesliga: 1. FC Nürnberg – VfB Stuttgart Samstag ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Seit drei Spielen ist Weinzierl jetzt Chefcoach der Schwaben. Seine bittere Bilanz: 0:4 zu Hause gegen Borussia Dortmund, 0:4 bei der TSG Hoffenheim und 0:3 im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. 

“Die Lage ist angespannt”, sagte Weinzierl am Donnerstag auf der Pressekonferenz und ergänzte: “Uns ist klar, dass wir schnell einen Erfolg brauchen. Ein Sieg kann sehr heilsam sein, dafür arbeiten wir und darauf konzentriere ich mich.”

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Seine Mannschaft, in der auch die etablierten Routiniers Mario Gomez, Christian Gentner und Holger Badstuber weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, funktioniere. “Sie hat eine Achse, sie hat eine Hierarchie. Die Spieler reden viel miteinander und sind sich der Situation bewusst”, sagte Weinzierl, der von einem “großen Vertrauen” in sein Team sprach.

Ja, und es ging verrückt weiter. Damit mein Abschluss auch im normalen Leben anerkannt wird, habe ich mich anschließend noch ein Jahr in die Berufsschule gesetzt. Da waren auch nur Mädchen, alle so 16, 17 Jahre alt. Ich war zehn Jahre älter, und vor der allerersten Stunde dachten alle, ich sei der Lehrer. Als dann ein paar Minuten später ein anderer die Klassenzimmertür aufgesperrt und mich als Mitschüler vorgestellt hat, hatten einige eine Erleuchtung (lacht).

Die Krise spitzt sich dennoch immer mehr zu. Tabellenplatz 18. Unter Weinzierl ist keine Weiterentwicklung erkennbar. Auch Sportvorstand Michael Reschke gerät immer mehr in die Kritik. 

Der 1. FC Nürnberg steht neben seiner großen Tradition auch für Volksnähe und Teamgeist – und dafür, dass man jungen Spielern eine Chance gibt. Wir wollen nahbar und erlebbar sein, das fängt bei jedem einzelnen Spieler an, von dem ich verlange, dass er auf die Fans zugeht. Und wir wollen Fußball spielen. Es heißt nicht umsonst Fußballspielen anstatt Fußballkämpfen.

“Ich arbeite seit dem ersten tag mit vollem Einsatz und mit größtem Respekt für diesen Verein und seine Fans. Und ich bin davon überzeugt, dass wir gemeinsam, Team, Trainerstab, Staff und alle Verantwortlichen, den VfB aus diesem sportlichen Tief herausführen werden”, erklärt der 61-Jährige in der Bild.

Weil ich im jungen Alter auch Fragen ans Leben hatte und froh war, wenn sie jemand beantworten konnte. Die Gespräche in der Skihütte mit der Bergwacht, die kann mir keiner mehr nehmen. Es ist wichtig, dass man stets über den Tellerrand hinausschaut. Ich will, dass meine Mannschaft immer wieder mit spannenden Leuten zusammenkommt. Bildung hat noch niemandem geschadet. Das Leben darf nicht nur aus 4-3-3 oder 4-4-2 bestehen.

Zuletzt wurde sogar schon der Ex-VfB-Profi, frühere Nationalspieler und ehemalige DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann als neuer starker Mann in der sportlichen Führung des Vereins gehandelt.

Doch davon will Reschke nichts wissen. “Meine persönlich Situation spielt da keine Rolle. Es geht nur um den VfB. Dass in unserer Lage in alle Richtungen spekuliert wird, ist normal. Das Thema Jürgen Klinsmann beschäftigt mich nicht.”

Die enttäuschenden Niederlagen zuletzt gegen Dortmund, in Hoffenheim und gegen Frankfurt konnten die Schwaben – neben ihrer unverkennbaren Formschwäche in Sachen Physis und Psyche – auch noch mit der Stärke der Gegner und deren Qualität erklären. Beim 1. FC Nürnberg zieht der Faktor Personal sicher etwas weniger. Auch wenn Markus Weinzierl diesbezüglich alles andere als mit Glück gesegnet ist. Anastasios Donis (Rückstand nach Muskelbündelriss im Oberschenkel) fehlt in Nürnberg sicher. Eine Minihoffnung gibt es bei Daniel Didavi, über den der VfB-Trainer sagt: “Wir haben noch Zeit, werden die Belastung steigern und dann entscheiden.” Der Offensivmann soll allerdings nicht verheizt werden. Man denke zwar “in alle Richtungen. Aber er ist schon seit fünf, sechs Wochen raus. Wir werden mit Vernunft handeln”.

Auf die Frage, ob Klinsmann dem VfB helfen könne, meinte Reschke nur mit einem Lächeln: “Seine Tore könnten wir brauchen. Aber Spaß beiseite: Wir konzentrieren uns einzig und allein auf das Spiel in Nürnberg.” 

Krise beim VfB Stuttgart: Der Verein für Bewegungsspiele steht in der Fußball-Bundesliga am Ende der Tabelle, die Lage ist vor dem Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg ernst. Doch es gibt Gründe zur Hoffnung.

Stuttgart – Nach drei krachenden Niederlagen seit dem Amtsantritt des neuen Trainers Markus Weinzierl steht der VfB Stuttgart vor einem Knackpunktspiel. Am Samstag (15.30 Uhr) gastiert der Tabellen-17. der Fußball-Bundesliga beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg. Es gibt durchaus ein paar Punkte, die optimistisch stimmen, dass dem VfB die Kehrtwende gelingt.

In der Vergangenheit hat es für den VfB in der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg zumeist gut ausgesehen. 30 Siegen stehen in der direkten Bilanz 18 Niederlagen gegenüber, hinzu kommen 16 Unentschieden. Letztmals trafen die beiden Vereine aber nicht in der ersten, sondern in der zweiten Liga aufeinander. Auf dem Weg zum direkten Wiederaufstieg drehten die Stuttgarter Ende April 2017 am 31. Spieltag in Nürnberg einen 0:2-Halbzeitrückstand. Sie gewannen dank der Tore von Simon Terodde (47. Minute/Foulelfmeter), Daniel Ginczek (50.) und Florian Klein (90.+1) noch mit 3:2. Die 15 000 mitgereisten Fans feierten entsprechend ausgelassen.

Es gibt mittlerweile sogar T-Shirts mit der Aufschrift Schwieriges Umfeld. Es ist ein ironischer Umgang damit, dass ein solches dem VfB immer nachgesagt wird. Dabei sind die Fans gar nicht schwierig – im Gegenteil: Die Stuttgarter verfügen über ein extrem leidensfähiges Publikum, das die Mannschaft bedingungslos unterstützt. Selbst in der zweiten Liga blieben die Anhänger treu und füllten das Stadion. Die Fans in der Kurve mögen sich zwar beim jüngsten 0:3 gegen Eintracht Frankfurt in der zweiten Spielhälfte weggedreht haben, sie sind allerdings nicht nachtragend. Sie werden das Team weiter lautstark unterstützen – trotz allem Verdruss über die aktuelle Situation. Das Auswärtskontingent des VfB von rund 5000 Karten für die Begegnung in Nürnberg ist längst vergriffen. Mindestens 5000 weitere Stuttgarter Anhänger werden im Max-Morlock-Stadion erwartet. Wir brauchen die Fans und sind unglaublich stolz darauf, dass sie uns so unterstützen. Es liegt nun an der Mannschaft, sie nicht zu enttäuschen, sagt der VfB-Sportvorstand Michael Reschke.

Es ist früh in der Saison, 24 Partien stehen noch aus. Es sind also noch 72 Punkte zu holen, und es dürften in dieser Spielzeit 35 Zähler zum Klassenverbleib reichen. Der VfB ist in Schlagdistanz – und es gibt Konkurrenten, die sich zum Überholen anbieten. Die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg sind keine Überflieger, Hannover 96 hat Probleme. Keiner dieser Clubs hat Spieler vom Schlage eines Mario Gomez im Kader. 166 Tore in 307 Bundesligaspielen hat er auf dem Konto. Der Ex-Nationalstürmer (drei Saisontore) hat diese Saison zwar noch nicht seine gewohnte Klasse gezeigt. Mit jeder Minute, in der er nicht trifft, steigt zugleich die Chance, dass er wieder trifft. Gleiches gilt für seinen neuen Sturmpartner Nicolas Gonzalez, dessen emsige Bemühungen schon bald mit dem ersten Pflichtspieltreffer für den VfB belohnt werden könnten.

Die Abwehr hat zuletzt kräftig gewackelt. In Marc Oliver Kempf hat Markus Weinzierl einen versierten Innenverteidiger in der Hinterhand, den er nun zur Stabilisation einbauen kann. Der 23-jährige Neuzugang vom SC Freiburg wartet noch auf seine erste Bundesligaminute im VfB-Trikot. Er ist unverbraucht, kann in der Krise nach überwundener Verletzung einen frischen Impuls geben. Gleiches gilt für die Verletzten Anastasios Donis und Daniel Didavi, sobald sie zurückkehren. Nun sollte man zwei Spieler, die in dieser Bundesligasaison noch wenig in Erscheinung getreten sind, zwar nicht gleich zu Heilsbringern hochstilisieren. Doch Donis (fehlt in Nürnberg noch) wird mit seiner Geschwindigkeit in einem Kader mit überschaubarer Schnelligkeitsqualität ebenso sehr vermisst wie Didavi (steht vor der Rückkehr), der immer für einen Treffer oder eine Torvorlage gut ist. Am einzigen Saisonsieg Ende September gegen Werder Bremen (2:1) hatten die beiden entscheidenden Anteil – nicht zuletzt dank ihrer Koproduktion zum Führungstreffer von Donis.

Der VfB hat die finanziellen Mittel, um in der Winterpause reagieren zu können. Zumal sich mit der sportlichen Misere der Abgang von Benjamin Pavard im nächsten Sommer immer mehr abzeichnet. Die Ausstiegsklausel des Weltmeisters in Höhe von 35 Millionen Euro wird ja nur dann unwirksam, wenn die Stuttgarter die Champions League erreichen sollten. Das ist mittlerweile in etwa so realistisch, wie dass sich Pudding an die Wand nageln lässt. Der Präsident Wolfgang Dietrich und der Sportvorstand Michael Reschke haben bereits angekündigt, die Mannschaft in der Winterpause verstärken zu wollen. Welche Spieler, die dem VfB weiterhelfen, sich dann finden lassen, ist freilich eine andere Frage. Ein Kandidat, der gehandelt wird, ist Anthony Modeste (30). Der Stürmer hält sich zurzeit bei der zweiten Mannschaft seines Ex-Vereins 1. FC Köln fit – nach seiner Kündigung beim chinesischen Club Tianjin Quanjin. Von den Chinesen fordert er noch 30 Millionen Euro an ausstehenden Gehältern, der Fall liegt beim Fifa-Schiedsgericht. Sollte zeitnah eine Einigung erzielt werden, wäre Modeste verfügbar.