VfB Stuttgart hofft in Nürnberg auf einsatzfähigen Didavi
VfB Stuttgart beim 1. FC Nürnberg – Qual der Wahl? Nicht für Markus Weinzierl
Diesen Tag haben vor allem die etwas älteren Stuttgarter Fans nicht vergessen: Am 5. November 1983 besiegte der VfB den 1. FC Nürnberg mit 7:0. Wenn die Schwaben am Samstag, fast auf den Tag genau 35 Jahre später, in Franken antreten, dürften sie mit jedem noch so knappen Erfolg zufrieden sein, vielleicht sogar mit einem Unentschieden. Nur verlieren ist verboten. Mit Hilfe durch Daniel Didavi und/oder Anastasios Donis darf Markus Weinzierl allerdings nicht rechnen.

Der höchste Sieg der VfB-Historie datiert aus der Saison 1976/77, als in der 2. Liga Jahn Regensburg mit 8:0 vom Platz gefegt wurde. In der Bundesliga kamen die Schwaben dagegen nie über ein 7:0 hinaus. Ein Resultat, das ihnen noch in drei weiteren Partien gelingen sollte: gegen Gladbach, Dortmund und Bremen. Gegen Werder waren die Stuttgarter in dieser Saison ebenfalls erfolgreich. Nach einer Partie mit viel Glück und Geschick, die sie denkbar knapp mit 2:1 für sich entscheiden konnten. Gegen eine Wiederholung in Nürnberg hätten sie nichts einzuwenden.

Mit Altintop und Wolfgang Beller liegt der VfB damit bei der Besetzung des Trainerstabes also wieder im Soll. Schließlich hatte auch Tayfun Korkut mit Steve Cherundolo und Ilija Aracic zwei Assistenten. Wir sind gemeinsam der Meinung, dass wir im individuellen Bereich im Trainerstab noch Unterstützung brauchen, ergänzt Reschke auch vor dem Hintergrund, dass aktuell jeder Bundesligist mindestens zwei Co-Trainer beschäftigt. Zudem muss der VfB bis auf Weiteres auf die Dienste von Andreas Hinkel verzichten. Der ehemalige Nationalverteidiger hatte zuletzt im Rahmen seiner Ausbildung zum Fußballlehrer in Köln seinen praktischen Teil in Stuttgart absolviert – hatte kurze Zeit sogar als Interimscoach das Training der Profis geleitet und danach Weinzierl in fußballerischen Fragen unterstützt. Neben Wolfgang Beller, dem Torwarttrainer Marco Langner, dem Videoanalysten Marcus Fregin sowie den Athletiktrainern Matthias Schiffers und Thomas Barth komplettiert jetzt Altintop den VfB-Trainerstab.

Der Sportvorstand hofft auf einen Befreiungsschlag. “Wir müssen die Mannschaft in eine Verfassung bringen, dass wir eine Chance haben zu punkten”, so Michael Reschke nach der desolaten Leistung beim 0:3 gegen Eintracht Frankfurt mit Blick auf die laufende Trainingswoche. “Wir müssen bis Weihnachten Spiel für Spiel angehen und punkten. Das ist die Herausforderung.” Bei der die Stuttgarter aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf Unterstützung zweier Hoffnungsträger setzen dürfen. Weder Daniel Didavi (Achillessehnenbeschwerden) noch Anastasios Donis (Muskelbündelriss im linken Oberschenkel) werden wohl rechtzeitig fit. Nur eine Wunderheilung könnte wirklich helfen, die beiden Offensivspieler einsetzbar zu bekommen.

Mehr zum Thema Bundesliga-Ansetzungen – Die neuen Spieltermine des VfB Stuttgart stehen fest  VfB Stuttgart – Als der Trainer noch mit den Fans rauchte – und der VfB europäisch spielte  spoods.de Der VfB ist mit mickrigen fünf Punkten gemeinsam mit der Düsseldorfer Fortuna Letzter der Bundesliga-Tabelle – und jetzt verpflichten die noch einen zusätzlichen Trainer. Dies war offenbar bei vielen VfB-Freunden der erste Gedanke mit Blick auf Altintop, der im Sommer beim 1. FC Kaiserslautern nach 351 Bundesliga-Spielen für den FCK, Schalke und Augsburg seine Karriere beendet hatte. Nun soll der 35-Jährige im Auftrag des Cheftrainers Markus Weinzierl die Ausbeute nach Standards beim VfB beflügeln und gleichzeitig die Standards des Gegners analysieren.

Dafür sieht es bei Mario Gomez (Nackenprobleme) und Pablo Maffeo (Teilriss des Außenbands im rechten Sprunggelenk) gut aus. Beide haben signalisiert, am Samstag wieder mit von der Partie sein zu können. Mit einem (Teil-)Erfolg beim Aufsteiger in Nürnberg wollen sich die Schwaben in die anschließende Länderspielpause retten, in der es gilt, an den körperlichen und taktischen Defiziten zu arbeiten. Mit der steigenden Wahrscheinlichkeit, dass Didavi und/oder Donis zwei Wochen später in Leverkusen wieder an Bord sein können.

Es ist für jeden Club ideal, wenn er einen Co-Trainer als konstante, feste Größe besitzt, sagt Reschke. Mit dem gebürtigen Sindelfinger Rainer Widmayer schien eine Idealbesetzung für diesen Posten bereits gefunden. Widmayer ist Schwabe durch und durch – und arbeitete in der Amtszeit von Markus Babbel bereits als Co-Trainer beim VfB. Doch sein aktueller Arbeitgeber Hertha BSC sagte Nein zu den Plänen des VfB. Allerdings gilt es als durchaus möglich, dass die Stuttgarter spätestens nach Saisonende noch mal einen Anlauf unternehmen.

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Nach den Erfahrungen der ersten Spiele als Trainer des VfB Stuttgart ist Markus Weinzierl im Prinzip zu personellen Änderungen gezwungen. Doch so offensichtlich das ist, so schwierig ist die Suche nach echten Alternativen vor dem Spiel beim 1. FC Nürnberg. Kleine Hoffnungsschimmer aber gibt es.

Stuttgart – Es gibt ja Menschen, die dem Fußball nahestehen und ganz generell behaupten: Der Trainer ist der ärmste Tropf. Diese Meinung muss man nicht teilen, blickt man aber auf die ersten Amtstage von Markus Weinzierl als Cheftrainer des VfB Stuttgart, fällt es schwer zu wiedersprechen. Der Coach kam, sah – und verlor. Noch nicht die Hoffnung, aber drei Spiele: 0:4, 0:4, 0:3. Gewonnen hat er dabei auch, nämlich die Erkenntnis, dass es einiges umzubauen gäbe in der taumelnden Truppe. Nur: Wie soll das funktionieren?

Bewusst klein gehalten wurde der Kader vor Beginn der Saison, mit den aktuellen Absenkungen der jeweiligen Formkurve hat keiner gerechnet, die Verletztenliste war zuletzt ebenfalls ungewöhnlich lang, und für die Jungs aus der U 21 und der U 19 ist der Sprung in die Bundesliga viel zu groß. Immerhin die Abwehr könnte Weinzierl umbauen im kommenden Auswärtsspiel beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg (Samstag, 15.30 Uhr).

Holger Badstuber, eigentlich als stabilisierender Faktor eingeplant, patzte schon zu Saisonbeginn in Rostock, auch gegen die Eintracht sah er schlecht aus. Fast 60 Prozent seiner Zweikämpfe hat der 29-jährige Ex-Münchner in dieser Saison verloren, in der Stuttgarter Dreier-Abwehrreihe, die Weinzierl zuletzt aufbot, hatte Badstuber dennoch seinen Platz sicher – weil Marcin Kaminski nach Düsseldorf verliehen wurde und Marc Oliver Kempf verletzt fehlte. Nun aber drängt der ehemalige Freiburger ins Team, gut möglich, dass er am Samstag in Nürnberg sein Debüt im Trikot des VfB feiert. Aber sonst?

Der Stuttgarter Cheftrainer ist dennoch überzeugt vom Willen seines Teams. Die Mannschaft hat Charakter, sie sind gewillt. Aber die Situation setzt ihnen zu, so Weinzierl: Die Erwartungshaltung vor der Saison war sehr hoch, vielleicht zu hoch. Auf den neuen Ist-Zustand müssen sich alle nun einstellen, das ist nicht einfach, es gibt eine große Verunsicherung.

Hinten links machte Dennis Aogo nicht gerade den Eindruck, als sei er nach seiner Verletzungspause (Muskelfaserriss) schon wieder auf einem Toplevel angelangt. Gegen die Eintracht spielte er dennoch, da als Alternative lediglich der junge David Grözinger aus der Regionalligamannschaft zur Verfügung stand. Emiliano Insua war und ist noch für das Spiel in Nürnberg gesperrt, Borna Sosa fehlt wegen einer Schambeinentzündung voraussichtlich noch den Rest der Vorrunde.

Über seine eigene Zukunft will er sich keine Gedanken machen: Ich denke nicht über meine persönliche Situation nach, das spielt in diesem Zusammenhang doch keine Rolle. Ich denke darüber nach, was ich bis zu diesem Spiel ändern kann – und zwar in alle Richtungen.

Pablo Maffeo bekam von Markus Weinzierl zwar das Vertrauen hinten rechts, der Spanier hat den Nachweis seines Talents aber noch nicht erbringen können – auch, weil die jungen Spieler darunter leiden, dass die Routiniers ihnen keinen Halt geben können. Zu den erfahrenen Kräften gehört auch Andreas Beck, Maffeos Konkurrent. Der frühere Hoffenheimer steht allerdings nicht für den von Wienzierl geforderten Vorwärtsdrang, weshalb nur eine Umstellung sinnvoll erscheint: beide zu bringen, Beck hinten in einer Viererkette, Maffeo davor.

Vor der Abwehr ist Christian Gentner an die Seite von Santiago Ascacibar zurückgekehrt. Allerdings mag dem Kapitän derzeit nicht viel gelingen, es gibt nicht wenige, die ihm gerne eine Pause gönnen würden. Aber wen ansonsten bringen? Gonzalo Castro ist noch erfahrener als Gentner – aber noch überhaupt nicht in Stuttgart angekommen. Und Hans Nunoo Sarpei, der afrikanische Nachwuchsmann, war ursprünglich gar nicht für den Bundesligakader vorgesehen.

Auf den offensiven Mittelfeldpositionen müht sich derzeit Erik Thommy nach Kräften, von der Leichtigkeit, die der Winter-Neuzugang zu Beginn der Ära Tayfun Korkut versprühte, ist aber nicht mehr viel zu sehen. Doch wer soll stattdessen wirbeln? Berkay Özcan fällt wegen eines Risses des Syndesmosebandes lange aus, Daniel Didavi soll seine Schleimbeutelentzündung an der Achillessehne auskurieren, und auch Anastasios Donis fehlte zuletzt. Den Griechen setzte ein Muskelbündelriss außer Gefecht, ins Mannschaftstraining ist er bislang noch nicht wieder integriert. David Kopacz wurde bisher lediglich die Regionalliga zugetraut. Immerhin gibt es bei Didavi die leise Hoffnung, dass er am Samstag in Nürnberg, wo er einst spielte, wieder für den VfB auflaufen kann. Bei Donis stehen die Chancen ein wenig schlechter.

In der Spitze bilden Nicolas Gonzalez und Mario Gomez das zuletzt erfolglose Stammduo. Chadrac Akolo könnte den Angriff beleben – theoretisch. In der Praxis aber hat er alle Chancen, die er in dieser Saison bisher bekam, nicht genutzt. Übernervös und fehlerhaft präsentierte sich der Kongolese stattdessen.

Wir müssen die Situation Spiel für Spiel angehen und schauen, dass wir bis Weihnachten so viele Punkte wie möglich holen, fordert der VfB-Sportvorstand Michael Reschke für die kommenden Wochen. Markus Weinzierl wird das zunächst vor allem mit dem Personal versuchen, das er auch zuletzt eingesetzt hat. Nach der Partie in Nürnberg steht dann erneut eine Länderspielpause an. Dem VfB mit seinen Fitnessdefiziten und den verletzten Spielern kommt sie alles andere als ungelegen.