Du bist der einsamste Mensch überhaupt
“Collinas Erben” trösten:Zielers Eigentor – vermeidbar wie paradox
Ron-Robert Zieler sorgte beim 2:1-Sieg des VfB Stuttgart gegen den SV Werder Bremen für das Kuriosum des Nachmittags. Das sagt Coach Tayfun Korkut zu dem Blackout seines Torhüters. (Quelle: Omnisport)

"Keine Analyse notwendig". Korkut über das Eigentor von Ron-Robert Zieler. (Quelle: Omnisport)

Bremen ist eine windige Ecke, hat Reinders in einem aufsehenerregenden Interview später erzählt, und an dem Tag hatte mein Einwurf wohl einen Extradrall. Pfaff erwischte den Ball mit den Fingerspitzen, von da fand das Leder den Weg ins Tor. Skeptiker argwöhnten, Reinders habe den Wunderwurf mit Kraftübungen vorher heimlich trainiert, aber der erstickte alle Verdächtigungen im Keim: Ich habe von der Technik gelebt. Spannkraft und ein weiter Armzug sorgten für die Länge des Einwurfs. Es sind diese Tore, die sich der Fußball in die Gedenksteine der Ewigkeit meißelt, die unerwarteten, die unwiederholbaren.

Bayern Münchens früherer Torwart Jean-Marie Pfaff hat Stuttgarts Keeper Ron-Robert Zieler nach dessen kuriosem Eigentor Tipps gegeben – und für seinen Fehler gescholten.

Bremen ist eine windige Ecke, hat Reinders in einem aufsehenerregenden Interview später erzählt, und an dem Tag hatte mein Einwurf wohl einen Extradrall. Pfaff erwischte den Ball mit den Fingerspitzen, von da fand das Leder den Weg ins Tor. Skeptiker argwöhnten, Reinders habe den Wunderwurf mit Kraftübungen vorher heimlich trainiert, aber der erstickte alle Verdächtigungen im Keim: Ich habe von der Technik gelebt. Spannkraft und ein weiter Armzug sorgten für die Länge des Einwurfs. Es sind diese Tore, die sich der Fußball in die Gedenksteine der Ewigkeit meißelt, die unerwarteten, die unwiederholbaren.

VfB-Torwart Ron-Robert Zieler unterlief beim 2:1-Sieg gegen Werder Bremen ein großes Missgeschick. Nach einem Einwurf seines Mitspielers Borna Sosa, ließ Zieler den Ball zum zwischenzeitlichen Ausgleich über den Fuß ins eigene Tor rutschen.

Aber sag das einem Torhüter in seiner panischen Schrecksekunde. Unser Job, sagte schon der frühere VfB-Torwart Timo Hildebrand, ist ein Tanz auf der Rasierklinge. Ein moderner Torwart muss dichthalten, beidfüßig zaubern, als Libero Konter abfangen, das Spiel eröffnen, Steilpässe schlagen und dann auch noch mit dieser ständigen Angst vor dem Blackout leben. Ein Fehler, und du bist der Depp. Zwei Fehler, und du kannst dich wegwerfen wie Loris Karius als Schlussmann des FC Liverpool an jenem Abend im Mai, den er nie mehr vergessen wird – eher vergisst er einmal seinen Hochzeitstag.

“Lerne daraus, Junge. Das Leben geht weiter. Schau mich an”, sagte Bayerns ehemaliger Torhüter Jean-Marie Pfaff in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung”.

Der Belgier Pfaff hatte 1982 bei seinem Bundesliga-Debüt ebenfalls ein Einwurf-Gegentor kassiert. “Bei mir war das ein Unfall! Hätte ich einen Fehler gemacht, würde ich das sagen, aber es war nicht so! Ich bin raus, und dann bin ich mit meinem linken Ellenbogen gegen den rechten Ellenbogen von Klaus Augenthaler gestoßen”, sagte der 64-Jährige. 

Was geht in einem solchen Moment im Kopf eines Torwarts vor? Die Frage ist so alt wie der Fußball, und es soll noch vergilbte Fotos von der WM 1934 in Italien geben, von Willibald Kreß und seinen diversen Slapstick-Einlagen beim 1:3 im Halbfinale gegen die Tschechen. Lange dachten alle, der Dresdner – Spitzname: Der schöne Willibald – habe sich von der tief stehenden Sonne blenden lassen. Dabei war es, wie Torjäger Ed Conen später aufdeckte, eine italienische Gräfin, die ihm den Kopf verdreht hatte.

“Nur deshalb ist der Ball an meinen Daumen und von da ins Tor. Hätte ich den Ball nicht berührt, hätte das Tor ja nicht gezählt.” Der Bremer Uwe Reinders hatte den Ball damals geworfen.

Was geht in einem solchen Moment im Kopf eines Torwarts vor? Die Frage ist so alt wie der Fußball, und es soll noch vergilbte Fotos von der WM 1934 in Italien geben, von Willibald Kreß und seinen diversen Slapstick-Einlagen beim 1:3 im Halbfinale gegen die Tschechen. Lange dachten alle, der Dresdner – Spitzname: Der schöne Willibald – habe sich von der tief stehenden Sonne blenden lassen. Dabei war es, wie Torjäger Ed Conen später aufdeckte, eine italienische Gräfin, die ihm den Kopf verdreht hatte.

Legendäres Einwurftor von Uwe Reinders: Jean-Marie Pfaff (m.) patzt im August 1982 in seinem ersten Spiel für den FC Bayern. (Quelle: WEREK/imago)

Womit wir bei Ron-Robert Zieler sind, dem Tor des Tages. Der VfB lag in der 68. Minute gegen Werder Bremen 1:0 vorne, und um gewappnet zu sein für die Herausforderungen der restlichen 22 Minuten, nutzte der Weltmeister von 2014 im Stuttgarter Tor einen Einwurf der eigenen Mannschaft zum Überprüfen seiner Kleiderordnung. Zieler bückte sich, zupfte sich die Stutzen zurecht, und als er gerade beginnen wollte, sich auch die Schnürsenkel noch etwas straffer zu knüpfen, traf ihn der Schlag.

Zu Zielers Eigentor sagte Pfaff: “Ich habe es mir als Video angesehen. Und ich finde: Er hat einen konzeptionellen Fehler gemacht. Du darfst als Torwart nie den Ball aus den Augen lassen. Niemals!”

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Weil er beim Einwurf eines Mitspielers pennt, sorgt der Stuttgarter Torhüter Ron-Robert Zieler für eines der kuriosesten Eigentore in der Geschichte der Fußball-Bundesliga und für ein Novum. Das hätte er paradoxerweise vermeiden können.

Mehr zum Thema VfB Stuttgart gegen Werder Bremen – Fans feiern im Netz den verrückten Sieg  Pressestimmen zum VfB-Sieg gegen Bremen – Zieler schockt Stuttgart  spoods.de Für Hildebrand steht fest – es fehlte die Aufmerksamkeit beider Protagonisten in der Szene, die in die Geschichte der größten Bundesliga-Slapsticks eingehen dürfte: sowohl bei Borna Sosa wie auch Ron-Robert Zieler. Jeder muss aufmerksam sein. Ron-Robert hat nicht gemerkt, dass das Spiel weitergeht. Man muss die Augen auf dem Ball haben. Und Sosa muss auch aufmerksam sein und schauen, was sein Torwart macht. Ron hat unterbewusst signalisiert: Ich steh da, spiel mich an, sagt Hildebrand. Er sei dann aber so überrascht gewesen und habe die Regel, wonach das Tor nach dem Einwurf erst nach der Berührung eines anderen Spielers zähle, nicht im Kopf gehabt. Ron-Robert wollte eigentlich nur retten, so Hildebrand.

Als Schiedsrichter Tobias Welz am späten Samstagnachmittag das Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem SV Werder Bremen abpfiff, dürfte die Erleichterung des Stuttgarter Torhüters Ron-Robert Zieler über den 2:1-Erfolg an diesem sechsten Spieltag besonders groß gewesen sein. Ein Moment der Unachtsamkeit bei ihm nach 68 Minuten hatte in einer gänzlich harmlosen Situation zum höchst skurrilen Ausgleichstor für die Bremer geführt. Ohne Not schien der VfB den Sieg aus der Hand zu geben, da bügelte Gonzalo Castro das Missgeschick seines Keepers mit dem Siegtreffer wieder aus. Zielers Fauxpas führte zu einem der kuriosesten Eigentore in der Geschichte der Fußball-Bundesliga – und regeltechnisch interessant war es ebenfalls.

Passiert war dies: Der Stuttgarter Verteidiger Borna Sosa hatte den Ball bei einem Einwurf zu seinem Schlussmann zurückgeworfen, der jedoch gerade damit beschäftigt war, sich die Stutzen hochzuziehen, und die Kugel deshalb erst sehr spät bemerkte. Sein hektischer Versuch, sie mit dem rechten Fuß zu stoppen, schlug fehl. Zieler berührte den Ball minimal, dann rollte er ins Tor. "Es gab eine Auswechslung", versuchte der Torwart, seinen Blackout zu erklären. "Ich habe den Pfiff, dass es weitergeht, nicht gehört und nicht damit gerechnet, dass der Ball so präzise und schnell zurückgeworfen wird."

Dabei hätte Zieler das Gegentor paradoxerweise verhindern können, wenn er noch unaufmerksamer gewesen wäre und den Ball gar nicht getroffen hätte. Denn nicht nur für den Einwurf, sondern auch für jede andere Spielfortsetzung gilt: Wenn der Spieler, der sie ausführt, den Ball regelgerecht ins Spiel bringt und ihn dabei direkt, also ohne weitere Berührung, ins eigene Tor befördert, zählt der Treffer nicht, sondern es gibt einen Eckstoß für die gegnerische Mannschaft. Der regelphilosophische Grund dafür liegt darin, dass aus dem Vorteil in Form des Ballbesitzes – zu dem es gekommen ist, weil der Gegner eine Spielunterbrechung herbeigeführt hat – nicht unmittelbar ein Nachteil in Form eines Gegentores werden soll.

In Sport im Dritten sagt der ehemalige VfB-Keeper Timo Hildebrand, wie er den Fehler von Ron-Robert Zieler erlebt hat.

Die Regelhüter wollen aber auch nicht, dass ein solcher Lapsus ohne Konsequenzen bleibt. Deshalb gibt es, wenn etwa ein Freistoß oder ein Einwurf direkt im eigenen Tor landet, einen Eckstoß für den Gegner – sozusagen als Mittelweg. Auch bei einem Abstoß, einem Eckstoß und einem Strafstoß wäre das so, nur ist es fast unmöglich, aus diesen Spielfortsetzungen ein Eigentor zu erzielen, weil es dafür Unterstützung in Form eines sehr starken Windes bräuchte. Wird die Kugel beim Schiedsrichter-Ball von jenem Spieler, der sie als Erster berührt, ohne weitere Umschweife im eigenen Tor versenkt, hätte das ebenfalls einen Eckstoß zur Folge.

Dass ein Torwart den Einwurf eines Mitspielers in den eigenen Kasten lenkt, ist ein Novum in der Bundesliga. Ein Eigentor durch das Abfälschen eines gegnerischen Einwurfs hat es dagegen schon einmal gegeben, und zwar vor etwas mehr als 36 Jahren. Auch damals profitierte der SV Werder. Am ersten Spieltag der Saison 1982/1983 versuchte Jean-Marie Pfaff, Torhüter des FC Bayern, im Weserstadion bei seiner Premiere in der Bundesliga einen weiten Einwurf von Uwe Reinders mit den Händen aufzuhalten. Er kam aber nur mit den Fingerspitzen an den Ball, der zum 1:0 ins Tor sprang. Bei diesem Ergebnis blieb es bis zum Schluss. Wie Zieler hätte auch Pfaff besser daran getan, sich gar nicht erst um den Ball zu bemühen. Denn wenn ein Einwurf direkt ins gegnerische Tor geworfen wird, geht das Spiel mit einem Abstoß weiter. Der Grund dafür ist in diesem Fall, dass es merkwürdig wäre, wenn beim Fußball ein Treffer zählen würde, bei dem ein Spieler den Ball in hohem Bogen mit den Händen ins gegnerische Tor befördert hat.

Erlaubt ist es dagegen, den Gegner beim Einwurf taktisch anzuwerfen, um im Ballbesitz zu bleiben. "Taktisch" heißt: nicht zu fest – sonst würde es sich um eine Tätlichkeit handeln. In der Praxis wird diese Möglichkeit jedoch nur selten genutzt, wie auch der Umstand, dass das Abseits bei Einwurf aufgehoben ist.

Wie die Historikerin Petra Tabarelli herausgefunden hat, gilt die heutige Einwurfregel im Wesentlichen seit 1886. Der Weltverband Fifa lässt zwar immer mal wieder bei internationalen Jugendfußballturnieren die Variante testen, den Ball einzuschießen statt einzuwerfen, nachdem er die Seitenlinie überschritten hat. Durchgesetzt hat sich das jedoch bislang nicht.

Erst seit dieser Saison ist in den Regeln festgelegt, dass ein Einwurf zwingend im Stehen ausgeführt werden muss. Theoretisch wäre das zuvor auch anders möglich gewesen. Manche Lücken werden eben erst geschlossen, wenn sie jemand entdeckt.