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Gully-Anschlag auf Zug: DNA-Spur an den Seilen führte zum Lokführer!
Von einer Bahnbrücke bei Siegen hingen Gullydeckel – und durchschlugen die Scheibe eines Zuges. Nun haben die Ermittler die Wohnung des Lokführers durchsucht.

Nach der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug in Nordrhein-Westfalen ist der Lokführer ins Visier der Ermittler geraten. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, hat sich ein Tatverdacht gegen den 49-Jährigen ergeben.

Am Donnerstag (25.04.2019) teile die Ermittlungsbehörde mit, der Lokführer selbst sei “insbesondere durch die Auswertung der Tatortspuren” in den Fokus der Ermittlungen geraten, darunter DNA-Spuren. Die Wohnungen des Mannes in Lünen und Erndtebrück wurden durchsucht. Der Lokführer bestreite die Tat und sei am Donnerstag “mangels Haftgründen” wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Zwei herabhängende Gullydeckel hatten Mitte April die Frontscheibe eines Zuges durchschlagen. Sie hingen an einer Strickkonstruktion über der Bahnstrecke zwischen Erndtebrück und Bad Berleburg bei Siegen. Der Lokführer wurde leicht verletzt. Es waren keine Fahrgäste an Bord, da es sich um eine geplante Leerfahrt handelte.

Polizisten nahmen einen 49-jährigen Lokführer am Mittwoch (24.04.2019) vorübergehend fest. Er hatte in der Nacht zum 13.04.2019 einen Regionalzug gefahren, auf den angeblich nahe Bad Berleburg ein Anschlag mit Gullydeckeln verübt wurde. Zwei Kanaldeckel waren von einer Brücke auf die Höhe der Lokführer-Kabine abgeseilt worden, ein dritter Kanaldeckel lag im Gleisbett.

Anschlag auf Zug: Lokführer unter Verdacht

Der Lokführer sei insbesondere durch die Auswertung von Spuren in den Fokus der Ermittler geraten, hieß es in der Meldung. Es seien DNA-Spuren am Tatort gefunden worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der Lokführer sei vorläufig festgenommen und seine beiden Wohnungen in Lünen und Erndtebrück seien durchsucht worden. Der Mann bestreitet die Tat. Am Donnerstag sei er wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil keine Haftgründe wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr vorlagen, sagte der Staatsanwalt.

Die Hessische Landesbahn (HLB) spricht von “einem schwerwiegenden Vorwurf, der uns tief getroffen hat.” Der Verdächtige sei längere Zeit für die HLB gefahren, aber über eine Leiharbeitsfirma beschäftigt gewesen, teilte das Bahnunternehmen dem WDR mit.

Einen Suizidversuch könne man ausschließen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Davon abgesehen könne man über das Motiv bisher nur spekulieren. Gegen den Lokführer werde wegen Vortäuschens einer Straftat, Diebstahl und Sachbeschädigung ermittelt.

Zum Zeitpunkt des angeblichen Anschlags saßen außer dem Lokführer keine Personen in dem Zug. Für Fragen des WDR stand die Staatsanwaltschaft Siegen am Donnerstag nicht zur Verfügung.

Die Hessische Landesbahn (HLB) hatte nach dem Vorfall von einem “ungeheuerlichen Anschlag” gesprochen, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen worden sei. Der Lokführer hatte nach damaligen Angaben der HLB einen “mittelschweren Schock” erlitten. Er habe eine Notbremsung vollzogen und sich nach hinten weggeduckt, hieß es seitens der HLB. “Wir sind heilfroh, dass durch seine geistesgegenwärtige Reaktion nichts Schlimmeres passiert ist”, sagte eine Sprecherin damals.

Vor der Tat waren in der Stadt Hilchenbach gut 30 Kilometer westlich von Bad Berleburg vier Gullydeckel gestohlen worden. Zwei davon wurden laut Staatsanwaltschaft für die Attacke verwendet.

Auf der betroffenen Strecke verkehrt die von der Hessischen Landesbahn betriebene Linie RB 93, die Bad Berleburg (NRW) und Altenkirchen (Rheinland-Pfalz) verbindet und über Siegen (NRW) führt.

Die Hessische Landesbahn zeigte sich in einer Mitteilung betroffen von den neusten Entwicklungen. Sie habe aus der Presse erfahren, dass gegen den eigenen Triebfahrzeugführer ermittelt werde. “Dieses ist ein schwerwiegender Vorwurf, der uns tief getroffen hat”, hieß es weiter. Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen wolle man jedoch keine weitere Auskunft geben.

Bad Berleburg – Nach dem Anschlag auf eine Regionalbahn im Wittgensteiner Land in NRW wurde jetzt ausgerechnet der Lokführer (49) festgenommen – als Tatverdächtiger!

Staatsanwalt Rainer Hoppmann (59) aus Siegen erklärte BILD: Der Lokführer wird durch DNA-Spuren an den Kordeln, an denen die Gullydeckel aufgehängt waren, schwer belastet. Er bestreitet die Tat, kann aber nicht erklären, wie seine DNA an die Kordeln gelangte. Ein mögliches Motiv kennen wir nicht.

Ob der Lokführer die Gullydeckel selbst im mehr als 20 Kilometer entfernten Hilchenbach geklaut hatte, gebe es noch keine Klarheit, sagte der Staatsanwalt.

Am Samstag, 13. April, hingen die Gullydeckel an Seilen und Ketten von einer Brücke. Ein Zug der Hessischen Landesbahn wurde getroffen, die Scheibe des Führerhauses zertrümmert. Der Mann hatte sich auf einer geplanten Leerfahrt zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück befunden.

Einem Kollegen der Hessischen Landesbahn hat man zwischen Bad Berleburg und Siegen ein Einlaufgitter in den Führerstand geworfen 🤬 pic.twitter.com/fRMPDlcgNU

Noch am selben Tag hieß es, dass der Lokführer instinktiv richtig gehandelt habe und deshalb nur einen mittelschweren Schock erlitt, aber keine schweren Verletzungen.

Die Hessische Landesbahn (HLB) hatte nach dem Vorfall von einem ungeheuerlichen Anschlag gesprochen, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen worden sei. Wir sind heilfroh, dass durch seine geistesgegenwärtige Reaktion nichts Schlimmeres passiert ist, sagte eine Sprecherin damals.

Die Mordkommission Hagen fahndete mit Hochdruck nach den Tätern. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst wegen versuchten Mordes die Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen. Ein terroristischer Hintergrund wurde ausgeschlossen. Doch nun scheint der Fall eine unfassbare Wendung zu nehmen …

Anschlag auf einen Regionalzug in NRW! Unbekannte ließen Gully-Deckel von einer Brücke in Bad Berleburg baumeln – Fahrer verletzt!

Aufgrund der intensiv und mit Hochdruck geführten Ermittlungen hat sich ein Tatverdacht gegen den 49-jährigen Lokführer, der den – ansonsten unbesetzten – Zug zur Vorfallszeit steuerte, ergeben, teilten Polizei Hagen und Staatsanwaltschaft Siegen am Donnerstag mit.

Seine Wohnungen in Lünen und in Erndtebrück wurden am Mittwoch durchsucht. Polizeibeamte nahmen den 49-Jährigen am Erndtebrücker Bahnhof fest. Die Ermittler: Er wurde am Donnerstag mangels Haftgründen wie Flucht- oder Verdunklungsgefahr wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen werden aber fortgesetzt.

Dass der Lokführer nicht mit voller Geschwindigkeit, sondern mit mäßigem Tempo von unter 50 Stundenkilometern auf der Strecke unterwegs war, begründete eine Sprecherin damals damit, dass er sich auf dem Weg zum Startbahnhof und noch nicht im vollen Einsatz befunden habe.

Das darf nun in Frage gestellt werden. HLB-Sprecherin Sabrina Walter (40) zu BILD: Es gab im Vorfeld keine Anzeichen. Der Mann hat immer unauffällig seinen Dienst absolviert. Wir hatten an ihm nichts zu beanstanden.

Er habe bis zum heutigen Tage aber nach dem Vorfall nicht mehr gearbeitet. Walter: Wir haben ihn vorsorglich aus dem Dienst genommen, auch zu seinem eigenen Schutz. HLB warte das Ergebnis der Ermittlungen ab.

Wir müssen das jetzt erst einmal verdauen, haben nicht damit gerechnet, dass es ein Mitarbeiter sein könnte, so Walter. Es sei zu früh, um über Konsequenzen zu sprechen. Walter: Positiv ist, dass jetzt nicht mehr wegen versuchten Mordes ermittelt wird, dass hier also offenbar niemand andere Menschen töten wollte.