Beim FCS weiß jeder, was im Derby Sache ist
Homburg Saar-Derby: 14 Verletzte bei Ausschreitungen und Krawallen nach dem Fußballspiel
Das Saar-Derby zwischen dem FC Homburg und dem 1. FC Saarbrücken verlief bis zum Abpfiff auf den Rängen verhältnismäßig friedlich. Erst nach dem Spiel kam es aber zu Krawallen, bei denen 14 Menschen verletzt wurden.

Fan-Krawalle bei der Begegnung 1. FCS und 1.FCH haben beinahe Tradition. Archivfoto von 2008: Becker & Bredel

Vier Polizeibeamte und zehn Fans wurden bei Ausschreitungen nach dem Saar-Derby im Waldstadion in Homburg verletzt. Bis zum Abpfiff war es bis auf einige Böllerschüsse ruhig geblieben.

Es gibt Geschichten, die schreibt nur das Derby. Wie die des früheren Foto-Journalisten Josef Gras: Es gab mal ein Pokalspiel zwischen dem FC Homburg und Saarbrücken, da konnte man sich nicht einigen, wie viele Zuschauer da waren, weil die Einnahmen ja geteilt werden sollten. Da hat man meine Fotos genommen und nachgezählt, erinnert sich der Gras Jupp.

Ziemlich sicher wird Kessel für den kranken Jänicke in die Start-Elf rutschen, nachdem er seinen Stammplatz vorerst verloren hatte. Homburgs Stammspieler Lienhard tankte in Freiburg mit tollem Schuss zum zwischenzeitlichen 2:0 Selbstvertrauen.

Wenn an diesem Samstag, 14 Uhr, am elften Spieltag der Fußball-Regionalliga Südwest der FCS beim FCH antritt, erwarten die Blau-Schwarzen bis zu 3000 Fans, die sie im Waldstadion unterstützen. Es wird derzeit nicht nur mit zwei Augen auf uns geschaut, sagt FCS-Sportdirektor Marcus Mann im Hinblick auf das angespannte Verhältnis beider Fanlager, die Strafe von Waldhof Mannheim sollte uns eine Warnung sein. Jeder sollte wissen, worum es geht. Wir haben das Vertrauen, dass nichts passieren wird. Bei allem Herzblut, das da drinsteckt, darf man den kühlen Kopf nie verlieren.

Gegenüber Jürgen Luginger (50) ist ebenfalls hochmotiviert: Beide Teams kennen sich in- und auswendig. Es sind super Voraussetzungen, auch was die Tabellen-Konstellation angeht. Beide Mannschaften werden unbedingt gewinnen wollen.

Das gilt auch für die Mannschaft, deren Formkurve im richtungsweisenden September bislang nach oben zeigt. Nach der Niederlage in Balingen hat die Mannschaft gegen Pirmasens eine Reaktion gezeigt, erläutert FCS-Trainer Dirk Lottner, wir sind dann sehr demütig nach Offenbach gefahren. Gegen Worms ist es uns dann geglückt, das Bewusstsein für die Defensive zu haben und vier Tore zu erzielen. Das klappte diese Woche auch mit der B-Auswahl beim Saarlandpokalsieg bei Oberligist Hertha Wiesbach. Die Jungs machen mir die Entscheidung für die Startelf im Derby, aber auch für die Kaderplätze sehr schwer, sagt Lottner, das ist genau das, was wir brauchen.

Mendler spielte sich nach schwierigem Saison-Beginn beim 4:1 gegen Worms frei. Homburgs Stegerer dagegen ist Dauerbrenner, unumstritten und ganz erfahren. Technisch sicher weniger stark als Mendler, dafür momentan mental fitter.

Stürmer José Pierre Vunguidica ist zwar wieder im Mannschaftstraining, für ihn kommt die Partie aber noch zu früh. Tobias Jänicke fällt weiter krankheitsbedingt aus. Gut möglich, dass deshalb Sascha Wenninger seine Chance als rechter Verteidiger bekommt. In Wiesbach bereitete er mit Balleroberungen und guten Pässen zwei Treffer vor. Alexandre Mendy würde dann wohl ins Mittelfeld rücken. Sebastian Jacob und Markus Obernosterer trafen im Pokal jeweils einmal und bereiteten je einen Treffer vor. Das 4:0 gegen Wiesbach war schon nicht schlecht, aber Homburg war schon im Hinterkopf, gesteht Obernosterer, der wie Jacob Werbung in eigener Sache machen konnte: Für mich ist es ein schwieriges Jahr. Ich trainiere fleißig. Alles andere müssen andere entscheiden. Dass Obi am Samstag auf dem Platz stehen will, ist Ehrensache: Homburg – das wird ganz bestimmt ein geiles Spiel.

Wenn es einem Spieler noch nicht klar war, was die Partie Homburg gegen Saarbrücken im Saarland bedeutet, dem haben die Fans das in den letzten Wochen immer wieder klar gemacht. Am Zaun gab es klare Ansagen, erzählt Außenverteidiger Mario Müller, der sich auch immer mehr seiner Form aus dem Vorjahr annähert: Die Fans sagten: Wir verzeihen auch Niederlagen gegen Balingen. Aber gegen Homburg zählt nur ein Sieg. Darum wird das Saarbrücker Urgestein Manuel Zeitz auch auf große Ansprachen als Kapitän verzichten: Jeder weiß, was Sache ist. Auch die, die erst zu uns gekommen sind.

Auch der Kölner Lottner, für den das große Derby eigentlich Geißböcke gegen Fohlen – Köln gegen Mönchengladbach – heißt. Das ist schon vergleichbar, sagt Lottner, wenn es hier das Derby gibt, dann ist es Saarbrücken gegen Homburg und nicht Saarbrücken gegen Elversberg. FCS gegen FCH ist das Spiel, das die Massen elektrisiert. Und eins, das immer wieder neue Geschichten schreibt.