Evakuierung - Bomben-Fund: 10 000 Rostocker müssen raus aus der City - Ostsee Zeitung
Fliegerbombe in Rostock: Evakuierung am Mittwoch
Ausnahmezustand in Rostock: Für die Entschärfung einer Fliegerbombe muss am Mittwoch die komplette Innenstadt geräumt werden. 10 000 Bürger sind betroffen. Alle Geschäfte, 100 Arztpraxen bleiben zu. Zwei Pflegeheime müssen geräumt werden.

Das öffentliche Leben in Rostocks Innenstadt – am Mittwoch kommt es zum Erliegen: Wegen eines Bombenfundes auf einer Baustelle im Rosengarten muss die Innenstadt komplett geräumt werden. Schulen und Kitas bleiben geschlossen, Behörden und Gerichte ebenfalls. Auch die größte Einkaufsmeile des Landes ist betroffen: Geschäfte und Restaurants, Arztpraxen und Büros in der City dürfen nicht öffnen.

Das Rathaus spricht von der vermutlichen größten Evakuierungsaktion seit Jahrzehnten in MV. Insgesamt werden rund 10 000 Bürger ihre Häuser verlassen müssen, sagt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). In diesem Ausmaß habe ich das noch nie erlebt.

Für die Bergung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg werden die Rostocker Innenstadt sowie die sogenannte Steintor-Vorstadt am Mittwoch (27. März) ab 8 Uhr evakuiert. Bis zu 10.000 Menschen sind von der Räumung betroffen, wie die Stadtverwaltung am Nachmittag nach einem Treffen mit Polizei, Feuerwehr, Munitionsbergungsdienst mitteilte. “Das Evakuierungsgebiet muss bis acht Uhr morgens verlassen werden”, sagte Stadtsprecher Ulrich Kunze.

Auf einem Baugrundstück wurde eine Fliegerbombe entdeckt. Weil sie nicht transportiert werden kann, muss am Mittwoch für die Entschärfung die Rostocker Innenstadt evakuiert werden.

Die Bombe war am Montagvormittag bei Bauarbeiten in der August-Bebel-Straße auf einem Areal am Rosengarten entdeckt worden. Es handelt sich um eine amerikanische 250-Kilogramm-Sprengbombe. Für die Entschärfung wird ein Bereich mit einem Radius von 1.000 Metern rund um den Fundort komplett evakuiert. Dies diene der Sicherheit der Bevölkerung, teilte die Stadtverwaltung mit.

Grob gesagt, ist der Bereich zwischen Hauptbahnhof und Stadthafen betroffen, wobei alle Hauptverkehrsstraßen weiter befahren werden können. Auch der Zugverkehr ist nicht beeinträchtigt. Straßenbahnen und Busse fahren am Mittwoch ab 7:30 Uhr nicht mehr in das Sperrgebiet. Menschen müssen den Bereich bis 8 Uhr verlassen, danach soll die Arbeit des Kampfmittelräumdienstes beginnen. Wie lange diese dauere, stehe noch nicht fest. Die Stadt richtet in der Stadthalle eine Notunterkunft ein. Sie werde ab 7 Uhr zur Verfügung stehen, hieß es.

Am Mittwoch, den 27. März, um 8 Uhr wird für die Fliegerbomben-Räumung der komplette Innenstadtbereich in Rostock gesperrt. Grenzen sind die Straße Am Vögenteich, Am Kanonsberg, Warnowufer/Am Strande, die östliche Stadtmauer bis zum Mühlendamm und südlich die Goethestraße, Herweghstraße und Schwaaner Landstraße/Blücherstraße bis zum Puschkinplatz. Am Dienstag ist in der Zeit von 10 bis 18 Uhr ein Bürgertelefon unter der Rufnummer 0381 / 4916-2829 geschaltet

Die Polizei wird am Mittwoch mit zwei Hundertschaften in der Innenstadt unterwegs sein. Auf die Beamten und die Stadtverwaltung kommt viel Arbeit zu. Denn in der Sperrzone befinden sich drei Schulen, fünf Alten- und Pflegeheime, mehr als 100 Arztpraxen und ein Dutzend Hotels und Pensionen. Zudem liegt die komplette Fußgänger- und Einkaufszone im Evakuierungsgebiet. Mit den betroffenen Schulen und Heimen würden derzeit Regelungen erarbeitet, hieß es. Die Kitas im betroffenen Gebiet sollen am Mittwoch zunächst geschlossen bleiben. Autos sollten im unmittelbar angrenzenden Bereich der August-Bebel-Straße, Hermannstraße und Wallstraße nicht geparkt werden.

Der Entschärfung der Bombe sehen Fachleute vergleichsweise gelassen entgegen. “Die Zünder sind in Ordnung. Man kann sie entschärfen, da sollte es keine Probleme geben”, sagte ein Experte von einem privaten Kampfmittelbergungs-Unternehmen. “Wir können einschätzen, was wir machen können, weil wir die Bombe gesehen haben”, sagte ein Sprecher vom staatlichen Munitionsbergungsdienst MV.

Als ein Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie war Rostock während des Zweiten Weltkriegs mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe. Die Flugzeug-Werke Heinkel und Arado sowie die Neptun-Werft belieferten seinerzeit die Wehrmacht. In den Nächten vom 23. bis zum 27. April 1942 wurde auch die Innenstadt von Rostock bombardiert. Mehr als 200 Menschen starben.

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