Regensburg: Nach Randalen in Asylunterkunft wächst Kritik an Ankerzentren - FOCUS Online
Fund von toter Frau in Ankerzentrum: Großeinsatz der Polizei
In einem Regensburger Ankerzentrum wird am Samstagmittag eine Frau leblos aufgefunden. Als der Notarzt den Tod der 31 Jahre alten Nigerianerin feststellt, ruft er für die weiteren Ermittlungen die Polizei. Dabei kommt es zur Randalen zwischen den Bewohnern und den Beamten.

Bevor die Einsatzkräfte die Leiche bergen können, spielen sich tumultartige Szenen in der Flüchtlingsunterkunft ab. So ist die Rede von Ausschreitungen, an denen etwa 40 bis 50 Bewohner beteiligt gewesen sein sollen, wie ein Polizeisprecher am Samstag mitteilte. Es habe zunächst Drohgebärden gegeben, die schließlich damit endeten, dass Steine und Glasflaschen auf die Beamten vor Ort geworfen wurden. Verletzt wurde dabei niemand.

Die Lage in der Unterkunft war so angespannt, dass die Leiche erst nach etwa drei Stunden aus dem Gebäude gebracht werden konnte. Die Tote hinterlässt drei Kinder im Alter von drei bis neun Jahren. Das Jugendamt kümmert sich nun um die Kinder.

Wie die Nigerianerin starb, ist immer noch unklar. Hinweise darauf, dass die Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte, hat die Polizei nach eigenen Angaben aber nicht. Die Staatsanwaltschaft entscheide heute darüber, ob die Leiche obduziert werde, sagte Sandra Mallmann vom Polizeipräsidium Oberpfalz gegenüber FOCUS Online.

Unklar ist auch, ob die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft wegen ihrer Attacken auf die Beamten bestraft werden. Sprecherin Mallmann teilte mit, dass die Polizei den Einsatz gefilmt habe und die Bilder nun gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft auswerte. Laut der Polizei handelt es sich bei dem Vorfall in dem Ankerzentrum jedoch um keine gezielte Eskalation. Vielmehr sei nach dem Tod der Frau eine Gruppendynamik unter den aufgebrachten Bewohnern entstanden.

Der Zwischenfall in der Regensburger Flüchtlingsunterkunft könnte aber die Debatte um Ankerzentren erneut anheizen. Immer wieder kommt es in den politisch umstrittenen Unterkünften zu Konflikten zwischen Bewohnern und Polizeikräften. In Ankerzentren werden insbesondere Flüchtlinge längerfristig untergebracht, die nach Ansicht der Behörden wenig Chancen auf Asyl haben. Die anderen Flüchtlinge sollen möglichst bald in dezentrale Heime weitervermittelt werden.

Kritiker, wie Dennis Forster aus dem Vorstand von "Campus Asyl" in Regensburg, sehen diese Art der Unterbringung in großen, oftmals kasernenähnlichen Heimen als ein Grund für Aggressionen unter den Bewohnern an: Was auch immer da passiert ist und wie es dazu gekommen sein mag: Ein Teil der Erklärung für mich ist auch der hohe Frustrationspegel und das Konfliktpotenzial, die das Konzept eines Ankerzentrums mit sich bringt", sagte er der "Mittelbayerischen Zeitung". "Dadurch, dass es hier jederzeit zu Abschiebungen kommen kann, sind die Bewohner großem psychischen Stress ausgesetzt. Die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) äußerte sich in der Zeitung ähnlich: Die Situation in Ankerzentren, in denen viele Menschen Stress ausgesetzt sind, ist eine, in der die Lage schnell eskalieren kann.

Als Rechtfertigung für die Attacken auf die Beamten lässt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann dies allerdings nicht gelten. In einem Statement verurteilte der CSU-Politiker die Gewalt gegenüber der Polizei: Dass ein plötzlicher Todesfall in der Einrichtung die Stimmung unter den Bewohnern aufwühlen kann, ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Absolut inakzeptabel ist aber, wenn Bewohner Gewalt anwenden gegenüber den Einsatzkräften. Wichtig war deshalb, dass die Polizei die Lage mit starken Kräften schnell in den Griff bekommen hat.

Im Interesse unserer User behalten wir uns vor, jeden Beitrag vor der Veröffentlichung zu prüfen. Als registrierter Nutzer werden Sie automatisch per E-Mail benachrichtigt, wenn Ihr Kommentar freigeschaltet wurde.

Polizisten (l) stehen vor dem sogenannten Ankerzentrum in Regensburg. Foto: Alexander Auer/Archivbild (Quelle: dpa)

Der Tod einer Frau in einem Regensburger Flüchtlingsheim hat am Wochenende einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Die Einsatzkräfte sprachen von “Ausschreitungen” in dem sogenannten Ankerzentrum. Etwa 40 bis 50 Bewohner hätten sich am Samstag daran beteiligt, wie ein Polizeisprecher sagte. Verletzt wurde niemand. Neue Erkenntnisse gab es am Sonntag nicht. Wie die Frau starb, war zunächst unklar. Hinweise darauf, dass die Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte, hatte die Polizei nach eigenen Angaben nicht.

Am Samstagvormittag war der Polizei eine leblose Person in dem Heim gemeldet worden. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der 31 Jahre alten Nigerianerin feststellen und rief die Polizei für die weiteren Ermittlungen. “Ein Teil der Einrichtungsbewohner reagierte zunehmend emotional auf die Anwesenheit der Ermittler”, berichtete Polizeisprecher Dietmar Winterberg. Es habe zunächst Drohgebärden gegeben, “die schließlich damit endeten, dass Steine und Glasflaschen auf die Beamten vor Ort geworfen wurden”.

Die Lage in dem Heim war so aufgeheizt, dass die Leiche erst nach etwa drei Stunden aus dem Gebäude gebracht werden konnte. Aufgebrachten Bewohnern sei dann gestattet worden, unter Polizeiaufsicht den Sarg zu dem Fahrzeug des Bestattungsunternehmens zu bringen, um die Situation zu beruhigen.

Die 31-Jährige hinterlässt drei Kinder im Alter von drei bis neun Jahren. Das Jugendamt kümmert sich nun um die Kinder. Die Polizei prüft unterdessen, ob gegen Bewohner des Heims wegen der Auseinandersetzungen Ermittlungen eingeleitet werden müssen.

Video: REGENSBURG: Großeinsatz der Polizei nach Fund von toter Frau in Ankerzentrum

In allen bayerischen Regierungsbezirken gibt es die umstrittenen Ankerzentren. Dort werden insbesondere Flüchtlinge längerfristig untergebracht, die nach Ansicht der Behörden wenig Chancen auf Asyl haben. Die anderen Flüchtlinge sollen möglichst bald in dezentrale Heime weitervermittelt werden. Das Wort Anker steht für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung).

Kritiker sehen die Art der Unterbringung in großen, oftmals kasernenähnlichen Heimen als ein Grund für Aggressionen unter den Bewohnern an. In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach bei Einsätzen in bayerischen Ankerzentren schwere Konflikte zwischen Bewohnern und Polizeikräften. Dabei gab es beispielsweise im oberfränkischen Bamberg und im schwäbischen Donauwörth Verletzte und Festnahmen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.