Jahn Regensburg soll für den MSV Duisburg ein Vorbild sein
Fussball Das FCM-Problem mit den Gegentoren
Sie stehen zu ihrem Trainer und wollen, dass er bleibt. Trotzdem können sie Samstag gegen Regensburg für seine Entlassung sorgen…

Klar ist: Gewinnt Duisburg (13 Uhr, BILD.de-Liveticker und Sky) nicht gegen Jahn, wars das für Chefcoach Ilia Gruev (48).

Auch wenn sich Kapitän Kevin Wolze (28) total für ihn einsetzt: Die Mannschaft steht voll und ganz hinter dem Trainer!

Magdeburg – Duisburg 1:1: 2. Bundesliga im Live-Ticker

Doch wenn es im 8. Saisonspiel nicht endlich den ersten Dreier gibt, müssen Wolze und Kollegen sehr bald den Kommandos eines neuen Übungsleiters folgen.

Das weiß auch Gruev, der aber nicht vorzeitig aufgibt: Wir müssen den unbedingten Siegeswillen zeigen. Schließlich brauchen wir von allen Zweitliga-Teams am Dringendsten die Punkte.

Da MSV-Boss Ingo Wald (60) erst Samstag von einer USA-Geschäftsreise zurückkehrt, würde das Gruev-Aus bei einer Pleite gegen Regensburg wohl erst Sonntag verkündet. Auch wenn intern die Entlassung schon bei Abpfiff durch wäre…

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Sportdirektor Ivica Grlic rückte nach dem 3:3 des MSV Duisburg beim 1. FC Magdeburg von Trainer Ilia Gruev ab. Interne Gespräche angekündigt.

Nach so einem Spektakel nüchtern auf die Situation beim Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg zu schauen, fällt nicht ganz leicht. Das 3:3 (0:1) vor 18 696 Zuschauern im Hexenkessel von Magdeburg pumpte das Adrenalin literweise durch die Blutbahn.Die Zebras führten beim 1. FC Magdeburg bis zur 62. Minute mit 1:0. Keine zwei Minuten, dafür aber zwei dumme Fehler später, lag der MSV plötzlich hinten. Kaum 120 Sekunden mehr auf der Uhr, da stand es wieder 2:2. Dann traf Magdeburg kurz vor Schluss. Und das eingewechselte Eigengewächs Lukas Daschner rettete den Punkt für das Schlusslicht.Wie viel Wille steckte da im Team! Wie groß war die Leidenschaft, wenigstens den Zähler zu retten. Wie gering war der Ertrag. Aber: Trainer Ilia Gruev kann sich immer weniger seines Postens sicher sein. Sportdirektor Ivica Grlic rückte bei Sky deutlich von Gruev ab: Er weiß, was er an uns hat, aber nichtsdestotrotz: Wir haben zwei Punkte. Gut möglich, dass allein der eng getaktete Spielplan Gruev am Samstag erneut auf der Bank sitzen lässt.Neumann düpiertDenn angesichts der Lage gilt es, kaltherzig den Schaum vom Bier zu pusten. Schon schmeckt das Remis sehr schal. Dustin Bomheuer sagte klar: Wenn man drei Tore auswärts schießt, muss man auch gewinnen. Lukas Daschner, der sich auf sympathische Weise über seinen Treffer freute, merkte an: Wir wollten hier gewinnen. Und auch Trainer Ilia Gruev bekannte, dass sich trotz des späten und nicht mehr erhofften Ausgleichs das 3:3 nicht wie ein Sieg anfühlt. Auch Ivica Grlic war enttäuscht und klagte darüber, dass man die Tore des Gegners praktisch selbst geschossen habe.Vor dem 1:1 hatte sich Sebastian Neumann bei einem Einwurf düpieren lassen. Das weckte die Erinnerung an das Dresden-Spiel. Vor dem 1:2 stellte Torhüter Daniel Mesenhöler die Mauer falsch.

Nach sieben Spielen fehlt dem MSV immer noch ein Sieg. Der Klub verliert in der Tabelle langsam den Kontakt. Die individuellen Fehler, wie sie den Meiderichern passieren, sind von Art, wie sie Absteiger unterlaufen. Gruev drängt darauf, sie rasch abzustellen. Warum erst jetzt? Ivica Grlic wollte sich zur Trainerfrage beim Sender Sky nicht äußern: Das besprechen wir intern. Wir werden es zunächst den Personen sagen, die es betrifft.Was er auch sagte: Die Mannschaft hat eine tolle Moral bewiesen, aber wir haben nur zwei Punkte auf dem Konto. Unbedingte Rückendeckung klingt anders. Man wollte gern Mäuschen spielen, als Grlic nach dem Spiel seinem Präsidenten Ingo Wald vom Geschehen berichtete. Wald war geschäftlich nach Boston geflogen und erst ab 22 Uhr ansprechbar. Am Samstag beim Heimspiel gegen Regensburg schaut er sich persönlich den nächsten Statusbericht an.Damit bleibt die Lage wie das Spiel: unentschieden. Nicht zu übersehen war: Der MSV wollte und legte sich ins Zeug. Allen voran Kapitän Kevin Wolze warf sich in die Brandung. Das 1:0 durch Stanislav Iljtucenko (19.) bereitete er fein vor. Beim 2:2 traf er direkt per Freistoß als ebenso direkte Antwort auf die beiden Treffer der Hausherren durch Christian Beck (62.)und Philip Türpitz (64.)zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt.Dass die Zebras auch nach dem blöden 2:3 (erst eine unberechtigte Ecke und dann verlieren Sebastian Neumann und Lukas Fröde das Kopfballduell) nicht den sterbenden Schwan gaben, spricht ebenfalls für den Charakter der Mannschaft, wie Gruev lobte. Der Coach fügte noch an, dass Daschner ihm gesagt habe: Sen Treffer habe er für ihn gemacht. Eine tote Truppe atmet deutlich weniger. Das gilt auch für die Aktion von John Verhoek, der sich nach nur einem Mannschaftstraining auf die Bank setzte und in den letzten 15 Minuten den enttäuschen Borys Tashchy ersetzte.Was sich noch ereignete? Die Ecke vor dem 2:3 war keine. Wie schon am Sonntag gegen Aue fühlte sich das Zebra benachteiligt. Vier Schiedsrichter-Fehler in sieben Spielen, das kann ich nicht mehr hinnehmen, wetterte Ilia Gruev.Kurz zum Ablauf der Ereignisse: 20 Minuten passierte nichts in Magdeburg. Dann traf der MSV und hatte Chancen zum 2:0. Danach machten die Hausherren bis zur Pause Alarm. Im zweiten Durchgang hatte der MSV die Sache gut im Griff und schenkte dann die Tore her. Danach waren alle Vorgaben von der Taktiktafel gewischt. Es ging wild hin und her. Dazu passt die Einschätzung: Der MSV rettete einen Punkt und war doch der Verlierer.Autor: Hermann Kewitz

Natürlich brauchen Sportreporter Trainerdiskussionen. Sie brauchen sie nicht nur, sie lieben sie. Gerade in Duisburg, wo sie sonst immer nur fade Spielerportraits mit den Sprechblasen aus der PK 2 Tage vor dem Spiel abliefern. Aber so bräsig-dummdreist wie der Kewitz das hier mit seinem "Warum erst jetzt?" macht, ist schon eine Unverschämtheit. Grlic dagegen werfe ich seine Aussage gar nicht vor. Die war in der Tat mehr, als man sie im modernen Fußball mit all seinem Blah erwarten kann.

Sportreporter brauchen Trainerdiskussionen – da müssen sie nicht so viel nachdenken, was sie schreiben sollten. Mir ist es auf jeden Fall lieber, wenn Grlic deutlich sagt, was Sache ist, als wenn er uns was davon erzählt, dass alle hinter dem Trainer stehen, und der fliegt dann doch ein paar Tage später raus. Eigentlich hätte er das auch gar nichts sagen brauchen, weil jeder vernünftige Mensch weiß, dass es im Verein entsprechende Gedanken und Gespräche gibt. Übrigens: Ich finde nicht, dass die Mannschaft gleich stark geblieben ist. Der Abgang von Flekken war schon ein erheblicher Aderlass.

Der MSV hat Gruev viel zu verdanken und er passt charakterlich hervorragend zum Verein, auch weil er sich dem MSV identifiziert und alles andere als ein Söldner ist. Sich von so jemanden zu trennen ist immer schwierig und schade, auch weil eine solche Konstellation heutzutage etwas besonderes ist. Wenn man sicher sein könnte, dass man mit Gruev definitiv den Klassenerhalt schafft, würde ich ihn halten. Jeder, der sich jedes MSV-Spiel ansieht muss aber leider auch ganz nüchtern zu dem Schluss kommen, dass sich das Team seit Monaten (Knackpunkt war bereits das Flekken-Trinkflaschen Spiel gegen Regensburg, auch wenn das noch gewonnen wurde) in die falsche Richtung bzw. nicht mehr weiterentwickelt hat. Wenn man davon ausgeht, dass der vorhandene Spielerkader der vergangenen Saison grundsätzlich stark genug sein sollte, um einen Abstieg zu vermeiden und dann sieht, dass der Trainer in der außergewöhnlichen Position war, den gesamten Kernkader samt aller Leistungsträger auch in der aktuellen Saison zur Verfügung zu haben, ist das Resultat seiner Arbeit enttäuschend. Der Klassenerhalt jetzt schon in weite Ferne gerückt. Das Team befindet sich in der Situation wie Kaiserlautern und Köln in der letzten Saison und es wir super schwierig da unten noch mal rauszukommen. Spiele gegen Fürth, Aue und auch Magdeburg müssen einfach – erst recht, wenn man den Spielverlauf sieht – gewonnen werden. Ob ein Trainerwechsel jetzt überhaupt noch den Abstieg verhindern ist fraglich. Fest steht aber, dass es unter Gruev seit langer Zeit keine Entwicklung mehr im Team gibt und man auch nicht weiss, woher man die Hoffnung nehmen sollte, dass sich dies noch ändert. Dafür läuft es schon zu lange in die falsche Richtung. Und es geht hier wirklich um alles: Wenn der Klassenerhalt nicht gelingt, spielt RW Essen in der nächsten Saison eventuell eine Liga höher als der MSV. Selbst wenn es finanziell zur Drittligalizenz reichen sollte, droht dem MSV ein Schicksal wie jetzt Eintracht Braunschweig. So schade ich es finde: Man sollte die letzte Chance ergreifen und Runjaic holen.

"Die individuellen Fehler, wie sie den Meiderichern passieren, sind von Art, wie sie Absteiger unterlaufen. Gruev drängt darauf, sie rasch abzustellen. Warum erst jetzt?" Wie kann ernsthaft man so einen Scheiß schreiben? Meint der Autor etwa, die sollten vorher nicht abgestellt werden? Bei jedem Vereine, immer und überall? So eine plumpe Stimmungsmache ist selbst eines Kewitz nicht würdig obwohl der auch sonst das Niveau gegenüber den bisherigen Berichterstattern nochmal beträchtlich senkt.