Bei einer CSU-Veranstaltung in Regensburg über “christliche Werte in Gesellschaft und Politik” wetterte die katholische Aktivistin erneut gegen Lesben und Schwule.

Gloria Fürstin von Thurn und Taxis hat sich noch immer nicht mit der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Menschen abgefunden. “Die Homoehe ist ein Angriff auf die klassische Familie: Vater, Mutter, Kind”, sagte die katholische Aktivistin am Mittwochabend bei einer von der CSU organisierten Podiumsdiskussion mit dem Titel “Das Kreuz als Symbol christlicher Kultur. Christliche Werte in Gesellschaft und Politik” in Regensburg (dort tauchte sie am Samstag auch bei einer Kundgebung der “Demo für alle” auf). Laut einem Bericht des Portals Onetz forderte die Fundi-Fürstin Lesben und Schwule am Mittwoch anschließend dazu auf, unsichtbar zu bleiben: “Auf die Gefahr hin, dass ich mich wieder unbeliebt mache: Jeder kann in seinem Schlafzimmer machen, was er will, aber das sollte man nicht zum politischen Programm machen.”

Von Thurn und Taxis war in den letzten Jahren immer wieder mit homophoben Aussagen aufgefallen. Erst im Frühjahr hatte die 58-Jährige die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben in einem Interview mit dem neurechten Magazin “Cato” als Werk des Teufels dargestellt (queer.de berichtete). Kurz zuvor hatte sie mit einem Gastkommentar in der “Katholischen Sonntagszeitung” für einigen Wirbel gesorgt: Heterosexuelle Männer hätten heute kein gesellschaftspolitisches “Standing” mehr, beklagte sie laut einem viel verbreiteten dpa-Bericht. Dagegen seien schwule Männer durch den Zeitgeist geadelt worden: “Sie gelten als hip, fortschrittlich und modern”, behauptete sie. “Auf den normalen Mann sieht man herab, als sei er ein Relikt aus längst vergangener Zeit.” Die Trägerin des Verdienstkreuzes erster Klasse der Bundesrepublik (2006), des Bayerischen Verdienstordens (2014) und der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste (2016) ist Mitglied des Stiftungsrates der Anti-Abtreibungs-Bewegung “Stiftung Ja zum Leben” und Kuratoriumsmitglied des ultrakonservativen “Forums Deutscher Katholiken”, das bei Tagungen die Organisatorin der “Demo für alle”, Hedwig von Beverfoerde, über ihre homo- und transfeindliche Bewegung reden oder Bischof Vitus Huonder Bibelstellen über die Todesstrafe für Homosexualität zitieren lässt (queer.de berichtete). Im letzten August hatte Gloria von Thurn und Taxis in der “Katholischen Sonntagszeitung” zu Gebeten gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt aufgerufen (queer.de berichtete). Bei “Menschen bei Maischberger” erklärte sie 2008, dass Homosexualität “contra naturam” sei und die Hölle drohe (queer.de berichtete). Einige Tage später meinte sie gegenüber der “Bild”-Zeitung, dass es “reine Homosexualität so gar nicht gibt”, dies sei nur eine Modeerscheinung oder ein “Kult” (queer.de berichtete). (cw)

Regensburg, 08.09.2018: In Regensburg rollte der Bus der Meinungsfreiheit an. Hunderte protestierten dagegen. Gloria von Thurn & Taxis stellte sich auf die Seite der Demo für alle und gab der MZ exklusiv ein Interview.