Lehrer verbreitete antisemitische Tweets und Verschwörungstheorien
Rechte Vorwürfe gegen früheren Lehrer
nErst ein “Volkslehrer” mit Reichsbürger-Themen in Berlin, nun ein neuer Fall in Potsdam: Ein Lehrer der Verschwörungstheorien twitterte.

Potsdam – Der Fall erinnert an den einen kürzlich in Berlin vom Dienst suspendierten Lehrer. Der 37-Jährige Nikolai N. hatte an der Vineta-Grundschule in Gesundbrunnen unterrichtet. Als selbsternannter „Volkslehrer“ verbreitete er auf YouTube Verschwörungstheorien nach Reichsbürger-Manier. Nach einem Tagesspiegel-Bericht wurde er bis auf Weiteres freigestellt.

Nun gibt es auch Ärger um einen Lehrer in Potsdam. Dort hat bis vor Kurzem am Schiller-Gymnasium ein Lehrer unterrichtet, der im Kurznachrichtendienst Twitter teils antisemitische Verschwörungstheorien veröffentlichte.

Noch bis vor wenigen Tagen war C. tatsächlich als Referendar am privaten Schiller-Gymnasium in Potsdam angestellt, wo er seit zweieinhalb Jahren als Quereinsteiger gearbeitet hat. „Er wurde bereits Ende Januar gekündigt“, teilte Schulleiter Andreas Mohry auf MAZ-Anfrage mit. Bei der Kündigung sei es „um fachliche Dinge wie die Didaktik und Methoden des Lehrerberufs“ gegangen. Von dem Antisemitismus-Vorwurf erfuhr Mohry nach eigenen Angaben erst Anfang Februar, als die Kündigung schon vollzogen war. „Wir sind in unserer Schule sehr offen und würden eine rechte Haltung nicht zulassen. Solche Dinge wären hier sofort aufgefallen und es gab nie einen Hinweis auf entsprechende Aussagen“, sagt Mohry. Er betont: „Das hat nichts mit unserer Schule zu tun.“

Der Mann hat etwa eine Grafik verschickt, die ein Hakenkreuz aus zwei gekreuzten Patronen und den Fahnen Israels, der USA, Großbritanniens und der Nato zeigt. Darüber steht auf Englisch die Überschrift „Die Achse des Bösen“.

Hinter @PParzival steckt der promovierte Chemiker C., der zuletzt den Quereinstieg in den Lehrerberuf versucht hat – das legen zumindest die Piratenpartei und ein Berliner Verein nahe, die den Chemiker jeweils als Mitglied auf einer Internetseite zu Wort kommen lassen und dort auf den fraglichen Twitter-Account verweisen. „Ich distanziere mich eindeutig von jeder Menschenfeindlichkeit und damit von jedem Hass auf andere Menschen“, reagierte C. auf die aktuellen Anschuldigungen, die er als Rufmord bezeichnet. Auf seinem Twitter-Profil beschäftigt er sich vor allem mit internationaler Politik und teilt dabei eine Vielzahl von verschwörungstheoretischen Inhalten.

Ein anderer Twitter-Nutzer hatte die Potsdamer Stadtverwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei dem Twitter-User um einen Lehrer des Schiller-Gymnasiums handelte. „Was macht ihr dagegen?“, fragte der Nutzer. Er bekam prompt Antwort: Die Schule sei eine Privatschule. Die Stadt habe nichts damit zu tun. Man verurteile rassistisches und antisemitisches Verhalten.

Fraglich war zunächst, ob der Twitter-Account „@PParzival“ tatsächlich dem Lehrer zugeordnet werden kann. Das aber, seinen vollen bürgerlichen Namen, hat der Twitter-User selbst in einem Retweet verraten. Darüber hinaus bestätigten Kreise der Piratenpartei, wo „@PParzival“ auch aktiv war, seine Identität. Es handelt sich um einen Lehrer, der bis Ende des Schulhalbjahrs Ende Januar am Potsdamer Schiller-Gymnasium als Referendar tätig war.

Zeitreise durch Potsdam: Anhand von historischen und aktuellen Aufnahmen zeigt die MAZ, wie sich die Stadt Potsdam verändert hat – und was wieder aufgebaut wurde. Besuchen Sie mit Klick durch die Galerie Potsdams markante Ecken – damals und heute.

Wie die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“, Schwesterzeitung des „Tagesspiegel“, von der Schulleitung erfuhren, hat der Mann die Schule verlassen. Das habe jedoch ausschließlich mit dem Verlauf seines Referendariats zu tun. Von seinen Aktivitäten auf Twitter habe die Schule nichts gewusst, sagte Schulleiter Andreas Mohry.

Bis vor kurzem unterrichtete ein Chemiker an einem Gymnasium in Potsdam. Jetzt wurden schwere Vorwürfe gegen den Berliner erhoben. Sein Arbeitsverhältnis mit der Schule wurde beendet – hat aber nichts mit den Vorwürfen zu tun, heißt es.

Auch von seinen antisemitischen Ausfällen auf Twitter sei nichts bekannt, „weder im Kollegium noch im Unterricht“. Das Schiller-Gymnasium distanziere sich von jedweder rassistischen, antisemitischen oder sonstigen Verunglimpfung von Menschen jeder Herkunft und gleich welcher Nation, sagte Schulleiter Mohry.

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen aus dem Jahr 2018.

Rechtlich dagegen ist die Sache schwierig. Denn dienstrechtlich hat auch das Bildungsministerium kaum eine Handhabe. Mitarbeiter an Schulen freier Träger haben – anders als Beamte oder Angestellte an staatlichen Schulen – kein Dienstverhältnis mit dem Land. Erlange man von solchen Aktivitäten Kenntnis, könne man nur an den Träger herantreten und diesen bitten, tätig zu werden, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums.

Staatliches Schulamt eingeschaltet „Wir dulden keinen Antisemitismus und haben das staatliche Schulamt eingeschaltet“, sagt Ralph Kotsch, Sprecher des Bildungsministeriums, auf Anfrage der MAZ.

Ob der Mann mittlerweile an einer anderen Schule tätig ist, blieb offen. Fakt ist auch: Nach bisherigem Kenntnisstand sind auch keine strafbaren Inhalte über den Twitter-Account verbreitet worden.

Wo schmeckt’s in Potsdam? MAZ-Gastrokritikerin Manuela Blisse probiert sich durch Potsdamer Restaurants und verrät, wie sie abschneiden.mehr

Das allerdings festzustellen, würde einer Mammutaufgabe gleichen: Insgesamt zählt der Account mehr als 500000 Tweets. Das macht im Schnitt seit der Account-Eröffnung 2012: ein Tweet alle drei Minuten. Auch wenn es sich bei den meisten Beiträgen von Parzival lediglich um Retweets anderer Nutzer handelt, dürfte das ein zeitaufwendiges Hobby sein.

Freizeit, Sport, regionale Highlights, Handwerk, Mobiles und vieles mehr.    Klicken Sie hier!mehr

Der Berliner „Volkslehrer“ Nikolai N. tut indes alles für seinen Rausschmiss. Die Bildungsverwaltung prüft derzeit arbeitsrechtliche Schritte gegen den 37-Jährigen. Er ist kein Beamter, die Loyalitäts- und Neutralitätspflicht bei Angestellten des öffentlichen Dienstes weniger stark ausgeprägt. Jeglicher Schritt der Bildungsverwaltung kann vor einem Arbeitsgericht landen.

Das Schiller-Gymnasium im Potsdamer Wohngebiet Drewitz: Hier hat der beschuldigte Lehrer unterrichtet.

Nikolai N. ruft nun über seinen Youtube-Kanal für Samstag zur Fahrt nach Dresden auf. Für diesen Tag hat der mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilte Holocaust-Leugner Gerhard Ittner aus Franken eine Demonstration angemeldet – zum Gedenken an die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten 1945.

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Sie wollen hier Ihr Angebot hinzufügen? Buchen Sie jetzt Ihren Sponsored Link!

Ein Referendar, der am Potsdamer Schiller-Gymnasium unterrichtet hat, soll Antisemitismus und Verschwörungstheorien im Internet verbreitet haben. Foto: dpa

Ein Lehrer des Schiller-Gymnasiums verbreitete Verschwörungstheorien auf Twitter. Die Schule distanziert sich.

Potsdam – Wissenschaft und Lehre basieren auf Fakten, auf überprüfbaren Gegebenheiten. Im politischen Kontext sind ihr Gegenteil Verschwörungstheorien. Nicht ins Bild passt da ein Fall, der jetzt bekannt geworden ist: Bis vor Kurzem hat am Potsdamer Schiller-Gymnasium ein Lehrer unterrichtet, der im Kurznachrichtendienst Twitter teils antisemitische Verschwörungstheorien veröffentlichte.

Zum Stein des Debatten-Anstoßes wurde eine Grafik, die ein Hakenkreuz aus zwei gekreuzten Patronen und den Fahnen Israels, der USA, Großbritanniens und der Nato zeigt. Darüber steht auf Englisch die Überschrift „Die Achse des Bösen“. Ein anderer Twitter-Nutzer hatte die Stadtverwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei dem Twitter-User um einen Lehrer des Schiller-Gymnasiums handelte. „Was macht ihr dagegen?“, fragte der Nutzer. Er bekam prompt Antwort: Die Schule sei eine Privatschule. Die Stadt habe nichts damit zu tun. Man verurteile rassistisches und antisemitisches Verhalten.

Wichtig für die Diskussion ist, ob der Twitter-Account „@PParzival“ tatsächlich dem Lehrer zugeordnet werden kann. Das aber, seinen vollen bürgerlichen Namen, hat der Twitter-User selbst in einem Retweet verraten. Darüber hinaus bestätigten Kreise der Piratenpartei, wo „@PParzival“ auch aktiv war, seine Identität. Es handelt sich um einen Lehrer, der bis Ende des Schulhalbjahrs Ende Januar am Potsdamer Schiller-Gymnasium als Referendar tätig war.

Wie die PNN von der Schulleitung erfuhren, hat der Mann die Schule verlassen. Das habe jedoch Ausschließlich mit dem Verlauf seines Referendariats zu tun. Von seinen Aktivitäten auf Twitter habe die Schule nichts gewusst, sagte Schulleiter Andreas Mohry. Auch von seinen antisemitischen Ausfällen auf Twitter sei nichts bekannt, „weder im Kollegium noch im Unterricht“. Das Schiller-Gymnasium distanziere sich von jedweder rassistischen, antisemitischen oder sonstigen Verunglimpfung von Menschen jeder Herkunft und gleich welcher Nation, sagte Schulleiter Mohry.

Rechtlich dagegen ist die Sache schwierig. Denn dienstrechtlich hat auch das Bildungsministerium kaum eine Handhabe. Mitarbeiter an Schulen freier Träger haben – anders als Beamte oder Angestellte an staatlichen Schulen – kein Dienstverhältnis mit dem Land. Erlange man von solchen Aktivitäten Kenntnis, könne man nur an den Träger herantreten und diesen bitten, tätig zu werden, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums den PNN. Ob der Mann mittlerweile an einer anderen Schule tätig ist, blieb offen. Und, Fakt ist auch: Nach bisherigem Kenntnisstand sind auch keine strafbaren Inhalte über den Twitter-Account verbreitet worden. Das allerdings festzustellen, würde einer Mammutaufgabe gleichen: Insgesamt zählt der Account mehr als 500000 Tweets. Das macht im Schnitt seit der Account-Eröffnung 2012: ein Tweet alle drei Minuten. Auch wenn es sich bei den meisten Beiträgen von Parzival lediglich um Retweets anderer Nutzer handelt, dürfte das ein zeitaufwendiges Hobby sein.

Der Fall erinnert an den einen kürzlich in Berlin vom Dienst suspendierten Lehrer. Der 37-Jährige Nikolai N. hatte an der Vineta-Grundschule in Gesundbrunnen unterrichtet. Als Volkslehrer verbreitete er auf YouTube Verschwörungstheorien nach Reichsbürger-Manier. Nach einem Tagesspiegel-Bericht wurde er bis auf Weiteres freigestellt. 

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!