Kommentar zum Bundesliga-Aufstieg: Herzlichen ... - Westfalen-Blatt
1. FC Union: “Es geht um alles”:SC Paderborn feiert sein Fußball-Wunder
Die Stadt an der Pader feiert ein zweites Fußball-Wunder: Nach einem Fast-Abstieg in die Regionalliga ist der SC Paderborn ein zweites Mal erstklassig. Nun wollen die Ostwestfalen die Fehler der Vergangenheit vermeiden.

Am Ende eines bewegenden Tages versagte Steffen Baumgart die Stimme. Zu aufgewühlt wirkte der Trainer des SC Paderborn, um nach dem Sensationsaufstieg die richtigen Worte zu finden.

“Das ist einfach geil, am Ende war es zwar noch einmal richtig eng, aber die Jungs haben zwei Jahre gut gearbeitet und das einfach verdient”, sagte der 47-Jährige nach der folgenlosen 1:3-Niederlage bei Dynamo Dresden. “Ich hasse zwar Niederlagen, aber heute ist mir das scheißegal. Ich bin erstmal froh, dass die Saison vorbei ist”, sagte Baumgart.

Video starten, abbrechen mit Escape Baumgart kann Bundesliga-Aufstieg noch nicht realisieren. Sportschau. 20.05.2019. 00:17 Min.. Das Erste.

Auch das “Westfalen-Blatt” erinnert an das Fußball-Märchen vor fünf Jahren und hält die Parallen von damals und heute fest: “Einer der ungewöhnlichsten Aufstiege in der Bundesliga-Historie. Paderborn, Inbegriff für tiefste Provinz, machte 2014 einen Riesenschritt raus aus dem Kleinbürgertum. Mit Ostwestfalen verband man plötzlich nicht nur Dr. Oetker, Miele, Melitta oder Benteler, sondern auch den SC Paderborn.”

Vor fünf Jahren wurde die märchenhafte Geschichte aber nur noch ein halbes Jahr weitergeschrieben. Mit 19 Punkten ging der SCP in die Winterpause und hatte sogar den Klassenerhalt in Sichtweite. Danach folgte ein Absturz, der im deutschen Profifußball beispiellos war. Von Liga eins ging es innerhalb von 24 Monaten runter bis in die Regionalliga. Zumindest sportlich. Nur der Lizenzentzug der Münchner Löwen rettete den SCP vor dem totalen Untergang.

Nun ist derselbe Klub wieder in der Beletage vertreten. Es ist eine zweite Chance, die nicht zwingend einfacher wird: Mit Sportdirektor Markus Krösche, ehemaliger SCP-Profi, droht einer der Baumeister bereits in diesem Sommer wieder abzuspringen, um bei RB Leipzig als Sportdirektor einzusteigen. Das wäre ein immenser Verlust. Die jungen, flinken Spieler, die wie eine Boygroup durch die Liga stürmten, hat größtenteils er entdeckt.

Jetzt bekommt der SC Paderborn eine zweite Chance. Und die Region gleich mit: Ostwestfalen-Lippe ist wieder in der Beletage des deutschen Fußalls vertreten. Großartig! Natürlich wäre auch diesmal ein sofortiger Abstieg normal, der Klassenerhalt eine weitere Sensation. Aber zumindest sollte der SC Paderborn aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und nachhaltiger arbeiten.

“Wir sind sowieso der erste Absteiger jetzt”, sagte Baumgart trocken – fügte aber auch sofort an: “Wir gehen nicht hin, um zu sagen, wir gehen wieder runter. Wir werden fighten.” Denn in der am Sonntag beendeten Zweitligasaison zeigte das Team unter dem gebürtigen Rostocker herzerfrischenden Offensivfußball.

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Nach der Rückkehr in die Erstklassigkeit soll es ähnliche Niedergänge wie nach dem Abstieg 2015 nicht wieder geben. “Wir kriegen jetzt ganz andere Möglichkeiten als in der zweiten Liga”, sagte Präsident Elmar Volkmann. Damit werde man vernünftig umgehen. “Sportlich weiß man es nie genau, aber alles andere werden wir sauber im Griff haben”, sagte Volkmann.

Können ist nun einmal die Voraussetzung des Erfolgs – beim SCP häufte sich aber auf allen Ebenen die Fehlerquote, so dass am Ende vom größten Triumph in der Vereinsgeschichte fast nichts mehr blieb. Fast, weil zumindest das Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum gebaut wurde, das es ohne das erste Erstligajahr so nicht geben würde.

Mehr als 20 Jahre hatte der Unternehmer Wilfried Finke den Verein geführt, der zur Jahresanfang im Alter von 67 Jahren verstarb. Finkes Konterfei hängt noch in einer Ecke des Stadions. In die Amtszeit des Möbel-Millionärs, der im Juli 2018 bereits zurückgetreten war, fiel die Verpflichtung von Stefan Effenberg.

Finke wollte sich den Traum erfüllen, den ganz großen Fußball mit einem prominenten Namen in die Provinz zu holen. Doch dem einstigen Ausnahmespieler fiel die fehlende Trainererfahrung auf die Füße. “Effe” konnte den Absturz in die Drittklassigkeit nicht vermeiden.

Video starten, abbrechen mit Escape SC Paderborn – fünf Jahre “Achterbahn”. Sportschau. 20.05.2019. 01:48 Min.. Das Erste.

Vor zwei Jahren kam es noch schlimmer: Als Tabellen-18. stand 2017 der dritte sportliche Abstieg in Serie eigentlich fest und wurde nur durch den Lizenzentzug für 1860 München verhindert. Dem Fast-Absturz in die Viertklassigkeit folgt ein ungeahnter Aufschwung.

Vor fünf Jahren war es ein Fußball-Märchen. Einer der ungewöhnlichsten Aufstiege in der Bundesliga-Historie. Paderborn, Inbegriff für tiefste Provinz, machte 2014 einen Riesenschritt raus aus dem Kleinbürgertum.

Im März 2017 kam der ehemalige Paderborner Profi Krösche als Sport-Geschäftsführer, rund einen Monat später heuerte der gebürtige Rostocker Baumgart als Trainer an – und am Ende kehrte der SCP als Tabellenzweiter hinter dem 1. FC Magdeburg in die zweite Liga zurück. Niemand sollte in diesem Moment glauben, dass ein Jahr darauf gleich die nächste Feier folgen würde.

Audio starten, abbrechen mit Escape Live-Reportage – die Höhepunkte des Aufstiegszweikampfes Sportschau. 19.05.2019. 01:59 Min.. ARD.

Einen Balkon hat das Rathaus nicht, dann bauen sie halt eine Bühne auf. Die Fußballer des SC Paderborn zelebrieren ihren wundersamen Aufstieg in die Bundesliga, der Sportchef verspricht: “Die ganze Stadt kann sich auf ein geiles Jahr freuen”. Derweil ringt Union Berlin vor der Relegation um Fassung.

Die Chronik des Aufstiegskrimis: SCP verliert in Dresden und steigt trotzdem auf – mit vielen Videos und Fotos

Nach dem zweiten Fußball-Wunder des SC Paderborn seit 2014 wollen sie in der 151.000-Einwohner-Stadt an der Pader an diesem Montag kräftig feiern. Die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart soll gegen 18.15 Uhr am Rathaus eintreffen und sich dort in das Goldene Buch eintragen. Weil es am Rathaus keinen Balkon gibt, wird eine Bühne errichtet, auf der sich der Sensations-Aufsteiger von den Fans hochleben lassen wird. Und das ist verdient.

Denn in der am Sonntag beendeten Zweitligasaison zeigte das Baumgart-Team als Aufsteiger tollen Offensivfußball. Nun "kann sich die ganze Stadt auf ein geiles Jahr freuen", kündigte Sport-Geschäftsführer Markus Krösche nach dem 1:3 bei der SG Dynamo Dresden an – diese Niederlage tat nicht mehr weh, weil der 1. FC Union Berlin beim VfL Bochum nur 2:2 spielte. Für die Köpenicker war das ein kleines Drama, hatten doch Grischa Prömel in der 83. und Joshua Mees in der 86. Minute für den Ausgleich gesorgt, ein weiterer Treffer hätte den direkten Aufstieg bedeutet. Am Ende hat Union zwar ebenso viele Punkte wie Paderborn, aber eben eine um fünf Treffer schlechtere Tordifferenz.

Nun geht es an diesem Donnerstag beim VfB in Stuttgart und dann am Montag, 27. Mai, im Stadion An der Alten Försterei (beide Spiele ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) um den ersten Sprung der Vereinsgeschichte in die Bundesliga. "Im ersten Moment ist jeder niedergeschlagen. Man muss den Spielern auch ein bisschen Zeit geben, das zu verarbeiten", sagte Trainer Urs Fischer. "Ich glaube schon, dass wir bereit sind für die Relegationsspiele." Offensivspieler Mees ist da schon weiter als sein Chef: "Es geht um alles. Für sie geht es ums Überleben in der ersten Liga, für uns geht es darum, Geschichte zu schreiben. Es werden packende Duelle." Kapitän Christopher Trimmel sagte allerdings auch: "Wir wissen natürlich, dass wir Außenseiter sind."

Das sind die Paderborner im kommenden Jahr auch, allerdings definitiv in der Bundesliga. Nach der Rückkehr in die Erstklassigkeit soll es ähnliche Niedergänge wie nach dem Abstieg 2015 nicht wieder geben. "Wir kriegen jetzt ganz andere Möglichkeiten als in der zweiten Liga", sagte Präsident Elmar Volkmann. Damit werde man vernünftig umgehen. "Sportlich weiß man es nie genau, aber alles andere werden wir sauber im Griff haben."

Erst aber einmal dürfen sie feiern. "Das ist einfach geil, am Ende war es zwar noch einmal richtig eng, aber die Jungs haben zwei Jahre gut gearbeitet und das einfach verdient", sagte Trainer Baumgart, der mit seiner Mannschaft nun zwei Aufstiege hintereinander geschafft hat. Angreifer Sven Michel konnte sein Glück kaum fassen. "Das ist unglaublich, dass ich mit 29 Jahren noch einmal in die Bundesliga komme. Da brauche ich ein paar Tage, um das zu verstehen."

Auch Sportchef Krösche war überglücklich. "Es war die bisher schönste Niederlage in meinem Leben. Das ist der Lohn für das ganze Jahr. Unser Weg ist Wahnsinn, es ist schwer in Worte zu fassen, ich bin unheimlich stolz." Beim Saisonfinale hatten sich die Paderborner in Dresden zunächst nicht irritieren lassen. Mit seinem 16. Saisontreffer brachte Philipp Klement die Gäste in der 11. Minute in Führung. Allerdings kamen die Gastgeber durch einen Doppelpack von Baris Atik noch vor der Pause zum 2:1, der überragende Atik traf sogar zum 3:1. Und in Bochum holte Berlin derweil einen 0:2-Rückstand auf. "Das haben wir schon mitbekommen", sagte Michel. Nur Torjäger Klement bekam den Aufstieg zunächst gar nicht mit: "Ich dachte, Union hat 3:2 in Bochum gewonnen und habe mich mental schon auf die Relegationsspiele eingestellt."