Paderborn schafft Rückkehr in die Bundesliga - BNN - Badische Neueste Nachrichten
SC Paderborn: Irre Szene bei Bundesliga-Rückkehr! Profi dachte, er steigt doch nicht auf
Um 17.10 Uhr an diesem Sonntag war Union Berlin von der Bundesliga weit entfernt. Die Berliner hätten gewinnen müssen beim VfL Bochum, doch sie lagen in der 82. Minute 0:2 hinten. Vier Minuten später war die Bundesliga plötzlich ganz nah, es war unverhofft noch mal dramatisch geworden. In der 83. Minute verkürzte Unions Grischa Prömel auf 1:2, drei Minuten später glich Joshua Mees zum 2:2 aus. Vier Minuten Restspielzeit plus fünf Minuten Nachspielzeit in Überzahl blieben den selbsternannten Eisernen, um mit einem einzigen Treffer erstmals in die Bundesliga aufzusteigen. Sie drückten, versuchten alles, doch der Treffer, dieses eine Tor ins Glück, es blieb ihnen versagt.

Der SC Paderborn verlor zwar bei Dynamo Dresden mit 1:3, steigt aber als Zweiter der zweiten Liga zum zweiten Mal nach 2014 in die Bundesliga auf und begleitet somit den 1. FC Köln, dessen Aufstieg schon länger feststeht. Den Berlinern bleibt nach dem 2:2 in Bochum der dritte Platz, mit dem sie sich in der Relegation gegen den Erstliga-16. VfB Stuttgart gleich noch mal am Aufstieg versuchen dürfen.

Paderborn setzt damit seine abenteuerliche Reise seit dem Bundesligaabstieg 2015 fort. Die Mannschaft war sportlich vor zwei Jahren schon in die Regionalliga abgestiegen, ehe durch die fehlende Lizenz für 1860 München doch noch ein Platz in Liga drei für den SC frei war. Mit Trainer Steffen Baumgart zeigte die Mannschaft herzerfrischenden Offensiv-Fußball und stieg mit 90 erzielten Treffern in der Vorsaison wieder in die 2. Liga auf. Jetzt folgt ein Jahr später der nächste Aufstieg.

Das Hinspiel steigt am Donnerstag in Stuttgart, das Rückspiel am Montag darauf in Berlin. Während die Berliner in Bochum bitter enttäuscht den Schlusspfiff empfingen, jubelten die Paderborner in Dresden. “Erfolg ist kein Glück”, stand auf dem Kragen ihrer Aufstiegs-T-Shirts, aber als diese gedruckt worden waren, hatte niemand ahnen können, wie dramatisch dieser Sonntag werden würde – und dass die Paderborner am Ende eben doch das bisschen Glück benötigten, dass Union in Bochum nicht auch noch den Siegtreffer schoss. 2:0 durch Anthony Losilla (24.) und einen Elfmeter von Silvère Ganvoula hatten die Bochumer gegen Union geführt und lange deutete nichts auf die dramatische Wende hin – nicht einmal, als Ganvoula in der 72. Minute mit Gelb-Rot vom Feld musste. In Dresden war die Partie zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden – gegen Paderborn. Philipp Klement hatte Paderborn zwar mit 1:0 in Führung gebracht (10.), doch Dresden Angreifer Baris Atik bezwang die Ostwestfalen mit drei Treffern (18., 38., 68.) dann beinahe im Alleingang.

Den zweiten Aufstieg in die Bundesliga wollen die Paderborner ausgiebig feiern. Direkt nach dem Spiel geht es für Mannschaft und Trainerteam per Charterflug zurück nach Ostwestfalen. Dort soll am Montag ab 17 Uhr auf dem Rathausplatz die große Aufstiegsfeier starten. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt werden die Aufstiegshelden auf einer Partybühne präsentiert. Rund 15.000 Fans werden erwartet.

Der FC Bayern ist Deutscher Meister, aber im Verein steht gerade sehr viel zur Debatte. Dass es trotzdem zum Titel reichte, ist eine beunruhigende Botschaft an die Konkurrenz.   Kommentar von Claudio Catuogno

Ärgern dürften sich die Spieler von Union Berlin, die den Paderborner Patzer nicht nutzen konnten. Sie spielten nur 2:2 beim VfL Bochum, bleiben aber immerhin vor dem Hamburger SV auf Platz drei. Die Unioner treffen am Donnerstag, 23. Mai, und Montag, 27. Mai, in der Aufstiegsrelegation nun auf den Bundesliga-16. VfB Stuttgart.

Im Wissen um die Paderborner Niederlage brachte Berlins Schlussspurt die etwa 5000 mitgereiste Union-Fans natürlich in Wallung, es waren neun der dramatischsten Minuten der Vereinsgeschichte. “Wir haben Leidenschaft gezeigt und wirklich alles reingehauen”, sagte Abwehrspieler Christopher Trimmel, “und ich kann jedem Union-Fan nur versprechen, dass wir auch in der Relegation gegen Stuttgart alles raushauen werden.” Trainer Urs Fischer konnte sich noch nicht gleich auf den VfB konzentrieren. “Es herrscht jetzt gerade eine große Leere in mir, die erste Enttäuschung ist riesig”, sagte er kurz nach dem Spiel, “es wäre heute mehr für uns drin gewesen.” Der Schweizer hielt sich mit markigen Worten bewusst zurück. “Bis Donnerstag müssen wir wieder bereit sein.”

0:48 Steffen Baumgart und der SC Paderborn haben den Aufstieg am letzten Spieltag perfekt gemacht. Paderborn will den zweiten Aufstieg in die Bundesliga ausgiebig feiern. Direkt nach dem Spiel geht es für Mannschaft und Trainerteam per Charterflug zurück nach Ostwestfalen. Dort soll am Montag ab 17.00 auf dem Rathausplatz die große Aufstiegsfeier starten. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt werden die Aufstiegshelden auf einer Partybühne präsentiert. Rund 15.000 Fans werden erwartet.

Durchmarsch à la Paderborn

In Dresden wussten die Paderborner nach dem Schlusspfiff auch nicht recht, wie ihnen geschah. Ihre Niederlage war perfekt, sie warteten aufs Ergebnis aus Bochum, erfuhren vom 2:2 in der Schlussphase und mussten zittern, bis das Spiel dort zu Ende war. “Ich war fix und fertig mit den Nerven”, sagte Stürmer Sven Michel. “Die Bundesliga ist im Moment noch ganz weit weg”, meinte der Trainer Steffen Baumgart, dem seine beiden Töchter noch auf dem Feld weinend in den Armen lagen. “Eines ist aber schon mal klar”, sagte Baumgart noch: “Wir sind in der Bundesliga nächstes Jahr der allererste Absteiger.”

+++ Aufstiegs-Liveticker +++: Kroos statt Mees – so will Union in Bochum aufsteigen!

Für die Ostwestfalen, die 2015 aus der Bundesliga direkt wieder abgestiegen waren und anschließend auch noch in die dritte Liga durchstürzten, ist die Rückkehr in die höchste Liga ein unverhofftes Glück. Der frühere Union-Berlin-Fußballer Baumgart übernahm kurz vor dem Abstieg in die vierte Liga im April 2017 das Traineramt und feierte mit seinem Team kurz darauf den Klassenerhalt am grünen Tisch, weil der damalige Zweitliga-Absteiger 1860 München keine Lizenz für die dritte Liga erhielt. Mit kompromisslosem Offensiv-Fußball durchpflügten die Paderborner erst die dritte und dann die zweite Liga, nun landen sie am Ende dieses Bungeesprungs nach zwei Ab- und zwei Aufstiegen vier Jahre später also wieder in der Bundesliga.

Der Bundesliga-Aufstieg ist für Paderborn der vorläufige Höhepunkt einer wahren Odyssee durch die Ligen. Seit 2014 sind die Ostwestfalen fünfmal auf- oder abgestiegen. 2015 sorgte das missglückte Intermezzo von Stefan Effenberg als Trainer für Wirbel, 2017 war der Klub sportlich schon in die vierte Liga abgestiegen. Nur durch die Lizenzverweigerung an 1860 München blieb der SCP in Liga drei und arbeitete sich seitdem wieder nach oben.

Erst zum zweiten Mal in dieser Saison sind die Paderborner per Flugzeug zu einem Auswärtsspiel gereist und noch am Sonntag wieder heimgeflogen. Sie hatten es so eilig, weil sie vor dem Spiel ja noch damit rechnen mussten, am Donnerstag in Stuttgart das Relegations-Hinspiel bestreiten zu müssen. Auf diese Konstellation war vorsichtshalber die Wochenplanung ausgerichtet. Diese Planung kann nun ersatzlos gestrichen werden. In Paderborn wird stattdessen gefeiert, und die Spieler können ihre Einsatzbereitschaft auch in dieser Hinsicht unter Beweis stellen. “Die Jungs können problemlos auf Feiern umswitchen”, lobte Baumgart, ohne eine Miene zu verziehen. Am Montagnachmittag wird auf einer Bühne vorm Rathaus gefeiert.

Den Kickern aus Paderborn, die nach ihrer 1:3-Niederlage in Sachsen noch zwei Minuten auf den Nägel kauen mussten, ehe auch in Bochum Schluss war, bleibt diese Psycho-Tour erspart. Stattdessen wurden in Dresden flugs die Aufstiegsshirts hervorgeholt. Angreifer Sven Michel stammelte selig: Dass ich mit 29 Jahren noch mal in die Bundesliga komme, ist unglaublich. Da brauche ich ein paar Tage, um das zu verstehen. Und Trainer Steffen Baumgart gab einen Stoßseufzer von sich: Ich hasse Niederlagen, aber die heute ist mir egal. Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass aufgeregte Paderborner Fans vor dem Rathaus der Stadt demonstrierten. Lasst den SCP nicht untergehen! lautete damals die Botschaft auf ihrem Transparent. An diesem Montag wird es an derselben Stelle ab 19 Uhr wieder einen Menschenauflauf geben – in Ermangelung eines Rathausbalkons steigt die Party dann auf einer Bühne.

Während Rafinha, Robben und Ribéry jede Ehre bekommen, steht Jérôme Boateng unbeteiligt daneben. Nach 286 Pflichtspielen wird er als ein Spieler gehen, der sich vom FC Bayern entfremdet hat.   Von Martin Schneider

Zwei Bundesliga-Aufstiege in fünf Jahren – das klingt nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich ist allerdings, was in dieser Zeit geschah. Von ganz oben – im September 2014 reiste Paderborn mal als Bundesliga-Spitzenreiter zu den Bayern – bis sehr weit unten war in diesen Jahren alles dabei. Und der bittere Gang in die Regionalliga blieb dem sportlich abgestiegenen Klub im Mai 2017 nur erspart, weil 1860 München keine Lizenz für die dritte Liga erhielt. Wir hatten damals ein doppelt blaues Auge mit Kieferbruch, zeichnet Markus Krösche ein sehr anschauliches Bild vom damaligen Zustand des SCP. Als der Klub am 11. Mai 2014 mit dem 2:1 gegen den VfR Aalen vor eigenem Publikum erstmals die nationale Beletage enterte, war dies für den gebürtigen Hannoveraner zugleich das letzte Spiel in seiner aktiven Laufbahn gewesen.

1:3 in Dresden verloren, trotzdem jubelten die Paderborn-Profis am Ende über den direkten Bundesliga-Aufstieg – (zwischenzeitlich) bis auf einen: Philipp Klement (26).

Der SC Paderborn feiert – trotz Niederlage in Dresden Quelle: Imago Bei ihrem ersten Coup vor fünf Jahren hatten die Paderborner ihr Glück noch selbst auf den Füßen, diesmal aber wanderten ihre bangen Blicke im Stadion von Dynamo Dresden nach Bochum. Dort hatte Konkurrent Union Berlin aus einem 0:2 kurz vor Schluss binnen drei Minuten ein 2:2 gemacht. Ein weiterer Treffer hätte die Köpenicker direkt ins Fußball-Oberhaus katapultiert. Doch der gelang ihnen nicht – deshalb müssen sie in der Relegation nun gegen den Bundesliga-16. Stuttgart antreten.

Kurz nach Spielschluss in Dresden: Liga-Konkurrent Union spielt noch in Bochum. Es steht 2:2, die Nachspielzeit läuft. Nur ein später Union-Siegtreffer würde Paderborn noch in die Relegation schicken.

Moussa Kone (Dresden) im Zweikampf gegen Sebastian Schonlau (Paderborn) Quelle: imago Der SC Paderborn hat den Durchmarsch von der 3.Liga in die Bundesliga geschafft. Die Ostwestfalen bleiben trotz des 1:3 gegen Dresden auf Platz 2 hinter Köln, da Union Berlin in Bochum nur remis spielte (2:2). Die Berliner kämpfen damit in der Relegation mit dem VfB Stuttgart um den Bundesliga-Aufstieg (Hinspiel am 23.Mai, 20.30 Uhr). Am anderen Ende der Tabelle sicherte sich der SV Sandhausen mit einem 2:2 in Regensburg den Klassenerhalt. Der FC Ingolstadt, der beim FC Heidenheim 2:4 verlor, geht in die Relegation mit dem Drittliga-Dritten Wehen Wiesbaden (Hinspiel am 24.Mai, 18.15 Uhr/ZDF live).

Jetzt stehen 17 von 18 Bundesliga-Teilnehmern der kommenden Saison fest. Paderborn schafft den Durchmarsch, Union nur 2:2 in Bochum.

Der SC Paderborn steigt trotz Niederlage bei Dynamo Dresden zum zweiten Mal nach 2014 in die Bundesliga auf.

Klement ist zu dieser Zeit in den Katakomben. Bei Sky verrät er wenig später: Der Schiri (Sven Jablonski, Anm. Red.) hat mir im Kabinengang gesagt, dass es 3:2 für Union steht. Ich habe mich mental schon auf die Relegation vorbereitet.

Der günstigste Kader der 2. Liga (6,2 Mio Spieleretat) schießt die zweitmeisten Tore (76). Ist mit 57 Punkten aber auch der schwächste Aufsteiger seit 15 Jahren.Jetzt gehts für die No-Name-Profis (müssen 1 Mio Prämie unter sich verteilen) gegen Bayern und Dortmund. Manager Markus Krösche (38) wechselt vorher wohl zu Leipzig.Irre: Toptorschütze Philipp Klement (26) wird von Schiri Jablonski falsch informiert, denkt, dass Union 3:2 führen würde. Klement: Ich habe mich schon auf die Relegation vorbereitet. Da spielt jetzt Union…

Die Aufklärung dann wenig später, als Klement zurück ins Stadion kommt. Als ich die anderen gesehen habe, wusste ich dann auch, was los ist.

IM LIVETICKER: Dynamo Dresden empfängt zum Saisonfinale den SC Paderborn

Beim Interview kann Klement dann schon wieder lachen, trägt das Aufsteiger-Shirt. Aber die Falsch-Information vom Schiri dürfte ihm einen ordentlichen Schreck eingejagt haben …

Die Berliner müssen in die Relegation gegen Stuttgart. Die Ostwestfalen machen ihren Durchmarsch aus der 3. Liga perfekt.Trainer Steffen Baumgart (47): Ich kann das noch gar nicht richtig fassen. Vor zwei Jahren sind wir fast in die Regionalliga abgestiegen. Jetzt bin ich Bundesliga-Trainer. Und er fügt hinzu: Vielleicht nur für ein Jahr.