2. Bundesliga - Paderborn verliert - und steigt trotzdem in die Bundesliga auf - Süddeutsche Zeitung
SC Paderborn: Irre Szene bei Bundesliga-Rückkehr! Profi dachte, er steigt doch nicht auf
Die Führung des Sc Paderborn währte nur kurz – den Aufstieg in die 1. Liga hat die Niederlage in Dresden aber nicht verhindert.

Der SC Paderborn steigt in die 1. Bundesliga auf. Trotz einer 1:3-Niederlage gegen Dynamo Dresden beendet das Team von Trainer Steffen Baumgart die Saison auf dem zweiten Tabellenplatz. Damit gelingt den Ostwestfalen der zweite Bundesliga-Aufstieg nach 2014 und der Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga.

Paderborn setzt damit seine abenteuerliche Reise seit dem Bundesligaabstieg 2015 fort. Die Mannschaft war sportlich vor zwei Jahren schon in die Regionalliga abgestiegen, ehe durch die fehlende Lizenz für 1860 München doch noch ein Platz in Liga drei für den SC frei war. Mit Trainer Steffen Baumgart zeigte die Mannschaft herzerfrischenden Offensiv-Fußball und stieg mit 90 erzielten Treffern in der Vorsaison wieder in die 2. Liga auf. Jetzt folgt ein Jahr später der nächste Aufstieg.

2. Bundesliga: SC Paderborn steigt auf – Union Berlin spielt Relegation

Die Paderborner können von Glück sagen, dass es Union Berlin in den letzten Minuten nicht mehr geschafft hat, das Spiel gegen den VfL Bochum zu drehen. Bis zur 83. Minute stand es in Bochum 0:2, doch dann kamen die Berliner: In drei Minuten drehten Grischa Prömel (83.) und Joshua Mees (86.) das Spiel – doch am Ende reichte es nur für ein 2:2 und nicht für den Sieg. Und damit nicht für den direkten Aufstieg in die 1. Bundesliga. Union Berlin spielt gegen den VfB Stuttgart in der Relegation um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga.

Den zweiten Aufstieg in die Bundesliga wollen die Paderborner ausgiebig feiern. Direkt nach dem Spiel geht es für Mannschaft und Trainerteam per Charterflug zurück nach Ostwestfalen. Dort soll am Montag ab 17 Uhr auf dem Rathausplatz die große Aufstiegsfeier starten. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt werden die Aufstiegshelden auf einer Partybühne präsentiert. Rund 15.000 Fans werden erwartet.

Zwar war der SC Paderborn anfangs spielerisch überlegen, hatte mehr individuelle Klasse und ging nach der Einzelaktion von Philipp Klement in der 10. Minute verdient in Führung. Doch Dresden hielt mit Kampf dagegen und hatte Glück beim Ausgleich: Nach dem Fernschuss von Baris Atik prallte der Ball vom Pfosten an den Rücken von SCP-Keeper Zingerle und von dort ins Tor.

Ärgern dürften sich die Spieler von Union Berlin, die den Paderborner Patzer nicht nutzen konnten. Sie spielten nur 2:2 beim VfL Bochum, bleiben aber immerhin vor dem Hamburger SV auf Platz drei. Die Unioner treffen am Donnerstag, 23. Mai, und Montag, 27. Mai, in der Aufstiegsrelegation nun auf den Bundesliga-16. VfB Stuttgart.

Paderborns Trainer Steffen Baumgart, der auf dieselbe Startelf wie beim 4:1 in der Vorwoche gegen den Hamburger SV setzte, trieb seine Elf immer wieder nach vorne. Vor dem Tor agierten die Paderborner aber plötzlich zu verspielt, nicht zwingend genug. Nach einem bösen Schnitzer von Sven Michel am gegnerischen Strafraum startete erneut Atik zum Konter und schob zum 2:1 ein. In der 61. Minute gab es dann die Vorentscheidung aus Sicht der Gastgeber durch Atiks dritten Streich.

Trotz des Patzers der Paderborner muss Union Berlin nun auf die Relegation hoffen. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer kam beim heimstarken VfL Bochum nach einer späten Aufholjagd nicht über ein 2:2 (0:1) hinaus. Ein Tor fehlte den Eisernen, um den SC Paderborn von Platz zwei zu verdrängen.

“Wir können Union-Geschichte schreiben”, hatte Mittelfeldspieler Prömel vor dem Spiel angekündigt, doch diese Chance schien die Berliner in der Anfangsphase zu hemmen. Während die Gäste zu Beginn nervös wirkten, spielte der VfL mutig nach vorne. Milos Pantovic (5.) und Ganvoula (19.) zielten zunächst knapp vorbei, ehe Losilla nach Pass von Danilo Soares aus zwölf Metern flach ins lange Eck traf. Die Gäste wachten erst zehn Minuten vor der Pause auf und erarbeiteten sich leichte Feldvorteile. Direkt nach dem Wechsel gab es den nächsten Nackenschlag für die Union: Ganvoula verwandelte einen von Prömel an Hinterseer verursachten Foulelfmeter eiskalt. Union ging nun volles Risiko und wurde dominanter: In Überzahl kamen die Berliner durch Grischa Prömel (83.) und Joshua Mees (86.) zum Ausgleich, verpassten jedoch das entscheidende dritte Tor.

Der Bundesliga-Aufstieg ist für Paderborn der vorläufige Höhepunkt einer wahren Odyssee durch die Ligen. Seit 2014 sind die Ostwestfalen fünfmal auf- oder abgestiegen. 2015 sorgte das missglückte Intermezzo von Stefan Effenberg als Trainer für Wirbel, 2017 war der Klub sportlich schon in die vierte Liga abgestiegen. Nur durch die Lizenzverweigerung an 1860 München blieb der SCP in Liga drei und arbeitete sich seitdem wieder nach oben.

Union hat in der Relegation gegen den VfB Stuttgart noch immer die Chance auf den ersten Bundesliga-Aufstieg. Am Donnerstag treten die Berliner zunächst beim VfB an, das Rückspiel steigt vier Tage später an der heimischen Alten Försterei.

SC Paderborn: Aufstieg in die Bundesliga trotz Pleite

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Zwei Bundesliga-Aufstiege in fünf Jahren – das klingt nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich ist allerdings, was in dieser Zeit geschah. Von ganz oben – im September 2014 reiste Paderborn mal als Bundesliga-Spitzenreiter zu den Bayern – bis sehr weit unten war in diesen Jahren alles dabei. Und der bittere Gang in die Regionalliga blieb dem sportlich abgestiegenen Klub im Mai 2017 nur erspart, weil 1860 München keine Lizenz für die dritte Liga erhielt. Wir hatten damals ein doppelt blaues Auge mit Kieferbruch, zeichnet Markus Krösche ein sehr anschauliches Bild vom damaligen Zustand des SCP. Als der Klub am 11. Mai 2014 mit dem 2:1 gegen den VfR Aalen vor eigenem Publikum erstmals die nationale Beletage enterte, war dies für den gebürtigen Hannoveraner zugleich das letzte Spiel in seiner aktiven Laufbahn gewesen.

1:3 in Dresden verloren, trotzdem jubelten die Paderborn-Profis am Ende über den direkten Bundesliga-Aufstieg – (zwischenzeitlich) bis auf einen: Philipp Klement (26).

Der SC Paderborn feiert – trotz Niederlage in Dresden Quelle: Imago Bei ihrem ersten Coup vor fünf Jahren hatten die Paderborner ihr Glück noch selbst auf den Füßen, diesmal aber wanderten ihre bangen Blicke im Stadion von Dynamo Dresden nach Bochum. Dort hatte Konkurrent Union Berlin aus einem 0:2 kurz vor Schluss binnen drei Minuten ein 2:2 gemacht. Ein weiterer Treffer hätte die Köpenicker direkt ins Fußball-Oberhaus katapultiert. Doch der gelang ihnen nicht – deshalb müssen sie in der Relegation nun gegen den Bundesliga-16. Stuttgart antreten.

Kurz nach Spielschluss in Dresden: Liga-Konkurrent Union spielt noch in Bochum. Es steht 2:2, die Nachspielzeit läuft. Nur ein später Union-Siegtreffer würde Paderborn noch in die Relegation schicken.

Paderborn ging bereits als Zweiter in den Spieltag, startete im Spiel bei Dynamo Dresden perfekt. Klement versenkte früh flach ins Eck (10.). Danach hat der SCP Pech: Erst springt ein Atik-Pfostenschuss an den Rücken von Torwart Zingerle und ins Tor (18.). Per Konter und schöner Einzelaktion dreht Atik das Spiel dann komplett (37./63.).

Jetzt stehen 17 von 18 Bundesliga-Teilnehmern der kommenden Saison fest. Paderborn schafft den Durchmarsch, Union nur 2:2 in Bochum.

Losilla (24.) und Ganvoula (49.) zerschießen Unions Traum von Platz 2. Prömels abgefälschter Schuss (83.) und Meeses Ausgleich (86.) reichen nur zu einem Punkt. In der 6. Minute der Nachspielzeit hält Riemann noch einen Schuss von Abdullahi. Donnerstag gehts nach Stuttgart zum Hinspiel in der Relegation.

Aufstieg des SC Paderborn perfekt

Klement ist zu dieser Zeit in den Katakomben. Bei Sky verrät er wenig später: Der Schiri (Sven Jablonski, Anm. Red.) hat mir im Kabinengang gesagt, dass es 3:2 für Union steht. Ich habe mich mental schon auf die Relegation vorbereitet.

Die Aufklärung dann wenig später, als Klement zurück ins Stadion kommt. Als ich die anderen gesehen habe, wusste ich dann auch, was los ist.

Moussa Kone (Dresden) im Zweikampf gegen Sebastian Schonlau (Paderborn) Quelle: imago Der SC Paderborn hat den Durchmarsch von der 3.Liga in die Bundesliga geschafft. Die Ostwestfalen bleiben trotz des 1:3 gegen Dresden auf Platz 2 hinter Köln, da Union Berlin in Bochum nur remis spielte (2:2). Die Berliner kämpfen damit in der Relegation mit dem VfB Stuttgart um den Bundesliga-Aufstieg (Hinspiel am 23.Mai, 20.30 Uhr). Am anderen Ende der Tabelle sicherte sich der SV Sandhausen mit einem 2:2 in Regensburg den Klassenerhalt. Der FC Ingolstadt, der beim FC Heidenheim 2:4 verlor, geht in die Relegation mit dem Drittliga-Dritten Wehen Wiesbaden (Hinspiel am 24.Mai, 18.15 Uhr/ZDF live).

Beim Interview kann Klement dann schon wieder lachen, trägt das Aufsteiger-Shirt. Aber die Falsch-Information vom Schiri dürfte ihm einen ordentlichen Schreck eingejagt haben …

Der SC Paderborn steigt trotz Niederlage bei Dynamo Dresden zum zweiten Mal nach 2014 in die Bundesliga auf.