Die 2. Liga muss den Hut ziehen - Westfalen-Blatt
SC Paderborn geht selbstbewusst ins Saisonfinale – nw.de
Seiten gewechselt: Beim Erstliga-Aufstieg 2014 war Michael Born noch SCP-Manager, seit 2016 arbeitet er für Dynamo Dresden. Foto: Arno Burgi/dpa

Dresden (WB). Mit Michael Born als Manager stieg der SC Paderborn 2014 zum ersten Mal in die 1. Bundesliga auf. Seit dem 30. Mai 2016 ist Born Geschäftsführer bei Dynamo Dresden. Zum Saisonfinale treffen beide Teams am Sonntag (15.30 Uhr) im Rudolf-Harbig-Stadion aufeinander. Wie der 51-Jährige mit dem Spiel umgeht, was ihm am SC Paderborn gefällt und welchen Fehler er bereut, verrät er im Interview mit Matthias Reichstein.

Baumgarts Spieler haben seinen Offensivfußball im 4-4-2 System mit einer Doppel-Sechs verinnerlicht. Hinzu kommt, dass die Torgefahr in Paderborn breit gefächert ist: Mit Philipp Klement, Christopher Antwi-Adjei, Sven Michel und Bernard Tekpetey hat der SCP gleich vier Spieler in seinen Reihen, die in der laufenden Saison bereits zweistellig getroffen haben. "Eine stabile Defensive ist wichtig. Das bedeutet aber nicht, tief zu stehen. Es ist entscheidend, hinten kontrolliert herauszuspielen. Lange Bälle zu vermeiden und wirklich Fußball zu spielen. Aber: Als Erstes geht es um Mentalität. Laufbereitschaft und Leidenschaft. In diesen Momenten ist Fußball gewissermaßen eine Kampfsportart", sagt Baumgart einmal im "11 Freunde"-Interview.

Born: Eine tolle Stimmung in einem ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion. Aus sportlicher Sicht hoffe ich, dass unsere Mannschaft die Leistung abrufen kann wie beim 3:0-Sieg gegen den 1. FC Köln und unsere Fans auch etwas zu feiern haben.

Der gebürtige Rostocker, der zuvor als Trainer in der Regionalliga beim Berliner AK arbeitete, erweist sich schnell als Glücksgriff: Er schafft es auf Anhieb, die Mannschaft zu stabilisieren und bleibt ungeschlagen. In den restlichen fünf Liga-Spielen holt Baumgart drei Siege und zwei Remis! Doch der Aufschwung durch Baumgarts Arbeit scheint zu spät zu kommen – nach 38 Spieltagen ist der SCP auf Platz 18 sportlich abgestiegen. Der Gang in die Regionalliga wird dem Klub durch das finanzielle Debakel der Münchner Löwen erspart. Da 1860 München die Lizenzbedingungen für die darauffolgende Drittliga-Saison nicht erfüllen kann, bleibt der SC Paderborn dann doch noch drittklassig.

SC Paderborn vor dem Aufstieg – Bundesliga-Wunder vor Vollendung

Born: Natürlich ist es ein besonderes Spiel für mich, aber ich muss als Geschäftsführer von Dynamo zunächst mal unsere Zahlen im Blick haben. Wir können noch einen Platz in der Tabelle gut machen, deshalb geht es auch um wichtige Fernsehgelder, und deshalb hoffe ich auf einen positiven Saisonabschluss.

Born: Diese Variante wäre mir am liebsten. Auch da denke ich wirtschaftlich. Wenn Union nächstes Jahr nach Dresden kommt, wird unser Stadion samt VIP-Bereich wieder ausverkauft sein. Das ist ein tolles Ostderby für uns und – ohne dem SCP zu nahe treten zu wollen – kein Vergleich zu einem Heimspiel gegen Paderborn.

Ich habe schon sehr früh gesagt, dass der SCP mit dieser Art, Fußball zu spielen, ganz weit oben mitspielen wird.

Ein Beleg dafür war das Spiel gegen den Hamburger SV, in dem die mit deutlich schmalerem finanziellen Budget ausgestatteten Paderborner die Aufstiegsambitionen des HSV jäh beendeten und sich stattdessen selbst in die Pole Position um den zweiten Aufstiegsplatz brachten. "Es hört sich immer an, als wäre der Trainerjob eine Doktorarbeit. Aber das ist es nicht. Es geht darum, die Jungs ans Laufen zu bringen, Spaß zu vermitteln und den Zuschauern etwas zu bieten", sagt der 47-Jährige.

Dynamo Dresden und Union Berlin verbindet nicht gerade eine innige Fanfreundschaft. Wie würden die Dresdener Anhänger bei einem Berliner Aufstieg reagieren?

Und startet unter Steffen Baumgart voll durch! Mit 90 Toren stellt Paderborn 2017/18 die beste Offensive der Liga und steigt hinter dem FC Magdeburg wieder in die Zweite Liga auf. Und auch im Unterhaus zeigen die Ostwestfalen in der laufenden Saison attraktiven Offensiv-Fußball. Mit 75 Toren in bislang 33 Spielen hat Baumgart die "Torfabrik Paderborn" auch in der Zweiten Liga ordentlich befeuert. Nur Zweitliga-Meister Köln traf häufiger.

Born: Natürlich gibt es zwischen beiden Fanlagern eine Rivalität, aber die liegt absolut im Rahmen. Für unsere Region wäre es schön, neben Leipzig noch einen zweiten Ostklub in der 1. Liga zu haben. Aber als Geschäftsführer von Dynamo denke ich nur wirtschaftlich, deshalb wünsche ich mir etwas anderes.

Eine Einstellung, die der Ex-Profi mit vollem Körpereinsatz von Spieltag zu Spieltag am Spielfeldrand selbst vorlebt wie kaum ein anderer. Er rennt durch seine Coaching-Zone wie ein Panther durch seinen Käfig, gestikuliert, schreit und korrigiert. Am Ende ist Baumgart mindestens genauso nassgeschwitzt und ausgelaugt wie seine Jungs auf dem Rasen. Der für ihn vorgesehene Platz auf der Trainerbank kommt eigentlich nie zum Einsatz.

Born: Ich habe schon sehr früh gesagt, dass der SCP mit dieser Art, Fußball zu spielen, ganz weit oben mitspielen wird. Diese Mannschaft hat einen klaren Plan, eine unheimliche Power und ist individuell sehr gut besetzt.

Das Motto des Fußballlehrers lautet "Erfolg ist kein Glück!". Er trägt diesen Spruch auf einem Armband und lebt ihn in der täglichen Arbeit mit seiner Mannschaft auch vor. Und die Fans? Die tragen ihren Coach auf Händen. "Dass ich offensiv spielen will, kann jeder sehen. Ich halte nicht viel von diesem Philosophie-Gerede, ich beweise die Dinge lieber auf dem Rasen", so der Paderborn-Coach weiter.

Ist Paderborns Erfolgsserie nicht eine schallende Ohrfeige für alle etablierten Zweitligisten, die mit einem viel höheren Etat klar abgehängt wurden?

Der SC Paderborn steht nach dem 4:1-Erfolg über den Hamburger SV mit einem Bein in der Fußball-Bundesliga. Unter Trainer Steffen Baumgart wandeln die Ostwestfalen wieder auf dem Pfad des Glücks, nachdem sie zuvor ein Tal der Tränen durchschritten hatten. Ein möglicher Bundesliga-Aufstieg wäre eine Sensation, aber sicher kein Glück! 

Born: Auch wir in Dresden gehören zu den Vereinen in der 2. Liga, die mit ihrem Etat im unteren Drittel anzusiedeln sind. Diese Frage müssen sich mehr Vereine wie der Hamburger SV stellen. Dennoch muss die gesamte Liga vor der hervorragenden Arbeit in Paderborn den Hut ziehen.

Wenn es eine Statistik über Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte geben würde, wäre der SCP auch hier weit vorne.

2015 stieg der SC Paderborn nach nur einem Jahr wieder aus der Bundesliga ab und wäre nach einem beispiellosen Absturz 2017 eigentlich in der viertklassigen Regionalliga gelandet. Jetzt winkt die Rückkehr ins Oberhaus. Ein Rückblick auf die Achterbahnfahrt der Ostwestfalen, die nur durch ein Beben in München möglich wurde.

Born: Die hohe Geschwindigkeit ist schon sehr beeindruckend. Die Mannschaft spielt aber auch unheimlich gut hinten raus, sehr schnell nach vorne und macht dann auch die Tore. Und nicht nur einer – mit Philipp Klement, Sven Michel, Christopher Antwi-Adjei, Bernard Tekpetey und Sebastian Vasiliadis kann ich gleich eine ganze Reihe aufzählen. Dazu kommt das aggressive Pressing, das es jedem Gegner schwer macht, das eigene Spiel aufzubauen. Wenn es eine Statistik über Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte geben würde, wäre der SCP auch hier weit vorne.

Born: Sebastian Schonlau hat einen Riesenschritt gemacht. Mit Uwe Hünemeier und Christian Strohdiek hat der SCP noch zwei weitere hervorrage Innenverteidiger, aber Basti spielt fast immer, und ihn zeichnet aus meiner Sicht besonders aus, was er im Spielaufbau leistet. Dazu kommt im Mittelfeld Philipp Klement, der Kopf dieser Mannschaft.

Born: Wir hatten auch einen klaren Plan, wir waren auch offensivstark und verfügten über eine ähnlich eingeschworene Truppe. Aber das braucht man auch, wenn man mit geringen Mitteln aufsteigen will.

Der SC Paderborn hat mit Markus Krösche einen hervorragenden Manager, deshalb sollten sich jetzt alle auf den Aufstieg konzentrieren und nicht über Personalien spekulieren.

Vor fünf Jahren ist der SCP gleich wieder abgestiegen. War der Abstieg nicht zu verhindern, oder gibt es den einen Fehler, den der SCP tunlichst nicht machen sollte?

Born: (lacht) Darüber habe ich mich kürzlich noch mit André Breitenreiter, damals SCP-Trainer; Anm. d. Red. unterhalten. Unser größter Fehler war, dass wir in der Winterpause Guido Burgstaller nicht geholt haben. Der spielte damals in Cardiff, und ich war mir mit seinem Berater schon über einen Wechsel einig. Aber André wollte unbedingt Srdan Lakic. Wenn man im Rückblick Burgstallers Weg in Nürnberg und dann in Schalke betrachtet, hätte der uns mit Sicherheit geholfen. Das sieht André heute wohl auch so. Ein anderes Problem war, dass sich nach unserer guten Hinrunde einige Spieler mit vielen anderen Dingen beschäftigt haben, nur nicht mehr mit dem SCP.

Born: Der SC Paderborn hat mit Markus Krösche einen hervorragenden Manager, deshalb sollten sich jetzt alle auf den Aufstieg konzentrieren und nicht über Personalien spekulieren. Ich habe mich noch nie beim SC Paderborn beworben und werde das auch in der Zukunft nicht tun.

Alles deutet dennoch darauf hin, dass Markus Krösche Sportdirektor bei RB Leipzig wird. Worauf muss sich ein Wessi wie Krösche im Fußballosten einstellen?

Born: RB Leipzig ist kein typischer Ostverein. RB ist mit Klubs wie Dynamo Dresden, Union Berlin und 1. FC Magdeburg was Tradition, Begeisterung oder Zusammenhalt der Fans angeht, gar nicht zu vergleichen. Aber wenn es so kommen sollte, dann arbeitet Kröschi künftig in der zweitschönsten Stadt Sachsens.

2 Kreis Höxter:  Ladies Lunch 2019 in Bad Driburg fasziniert 3 Kreis Gütersloh:  Polo-Fahrerin stirbt bei Unfall auf der Paderborner Straße 4 SC Paderborn:  33. Spieltag: SCP – Hamburger SV 4:1 5 Kreis Minden-Lübbecke:  Ehemaliges Textilgeschäft Sander in Preußisch Oldendorf ausgebrannt Nachrichten-Ticker Mi., 15.05.2019

Mit einem Sieg in Dresden kann der SCP aus eigener Kraft den direkten Aufstieg unter Dach und Fach bringen