SC Paderborn geht selbstbewusst ins Saisonfinale - Neue Westfälische
Ein Punkt fehlt noch zum Aufstieg! Wie Steffen Baumgart den Erfolg nach Paderborn zurückbrachte
Mit einem Sieg in Dresden kann der SCP aus eigener Kraft den direkten Aufstieg unter Dach und Fach bringen

Der SC Paderborn steht nach dem 4:1-Erfolg über den Hamburger SV mit einem Bein in der Fußball-Bundesliga. Unter Trainer Steffen Baumgart wandeln die Ostwestfalen wieder auf dem Pfad des Glücks, nachdem sie zuvor ein Tal der Tränen durchschritten hatten. Ein möglicher Bundesliga-Aufstieg wäre eine Sensation, aber sicher kein Glück! 

Die 150.000-Einwohnerstadt erlebt ihr erstes Fußballmärchen 2014, als der Klub unter Andre Breitenreiter erstmals den Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs schafft. Nach furiosem Beginn, mit zwischenzeitlicher Tabellenführung, war das Abenteuer dann aber doch nach nur einer Saison wieder beendet. Danach erlebten die Ostwestfalen eine steile Talfahrt. Nach dem Bundesliga-Abstieg 2015 und dem Verlust von Aufstiegstrainer Breitenreiter (zu Schalke 04) wurde der SCP in die dritte Liga durchgereicht.

Das zwischenzeitliche Intermezzo mit Stefan Effenberg in der Zweiten Liga bringt zwar viel mediale Aufmerksamkeit, jedoch keinerlei sportliche Stabilität in den Klub. Im Gegenteil: Am Ende der Saison 2015/16 hat der SCP nur magere sechs Siege auf dem Konto und steigt mit 28 Punkten als Tabellenletzter in die Dritte Liga ab. Doch auch in der Drittklassigkeit bekommen die Ostwestfalen keinen Fuß in die Tür: Drei Trainer können den taumelnden SCP während der Saison nicht stabilisieren, bis am 16. April 2017 Steffen Baumgart im Saison-Endspurt als neuer Trainer verpflichtet wird.

Der gebürtige Rostocker, der zuvor als Trainer in der Regionalliga beim Berliner AK arbeitete, erweist sich schnell als Glücksgriff: Er schafft es auf Anhieb, die Mannschaft zu stabilisieren und bleibt ungeschlagen. In den restlichen fünf Liga-Spielen holt Baumgart drei Siege und zwei Remis! Doch der Aufschwung durch Baumgarts Arbeit scheint zu spät zu kommen – nach 38 Spieltagen ist der SCP auf Platz 18 sportlich abgestiegen. Der Gang in die Regionalliga wird dem Klub durch das finanzielle Debakel der Münchner Löwen erspart. Da 1860 München die Lizenzbedingungen für die darauffolgende Drittliga-Saison nicht erfüllen kann, bleibt der SC Paderborn dann doch noch drittklassig.

Und startet unter Steffen Baumgart voll durch! Mit 90 Toren stellt Paderborn 2017/18 die beste Offensive der Liga und steigt hinter dem FC Magdeburg wieder in die Zweite Liga auf. Und auch im Unterhaus zeigen die Ostwestfalen in der laufenden Saison attraktiven Offensiv-Fußball. Mit 75 Toren in bislang 33 Spielen hat Baumgart die "Torfabrik Paderborn" auch in der Zweiten Liga ordentlich befeuert. Nur Zweitliga-Meister Köln traf häufiger.

Baumgarts Spieler haben seinen Offensivfußball im 4-4-2 System mit einer Doppel-Sechs verinnerlicht. Hinzu kommt, dass die Torgefahr in Paderborn breit gefächert ist: Mit Philipp Klement, Christopher Antwi-Adjei, Sven Michel und Bernard Tekpetey hat der SCP gleich vier Spieler in seinen Reihen, die in der laufenden Saison bereits zweistellig getroffen haben. "Eine stabile Defensive ist wichtig. Das bedeutet aber nicht, tief zu stehen. Es ist entscheidend, hinten kontrolliert herauszuspielen. Lange Bälle zu vermeiden und wirklich Fußball zu spielen. Aber: Als Erstes geht es um Mentalität. Laufbereitschaft und Leidenschaft. In diesen Momenten ist Fußball gewissermaßen eine Kampfsportart", sagt Baumgart einmal im "11 Freunde"-Interview.

Eine Einstellung, die der Ex-Profi mit vollem Körpereinsatz von Spieltag zu Spieltag am Spielfeldrand selbst vorlebt wie kaum ein anderer. Er rennt durch seine Coaching-Zone wie ein Panther durch seinen Käfig, gestikuliert, schreit und korrigiert. Am Ende ist Baumgart mindestens genauso nassgeschwitzt und ausgelaugt wie seine Jungs auf dem Rasen. Der für ihn vorgesehene Platz auf der Trainerbank kommt eigentlich nie zum Einsatz.

Das Motto des Fußballlehrers lautet "Erfolg ist kein Glück!". Er trägt diesen Spruch auf einem Armband und lebt ihn in der täglichen Arbeit mit seiner Mannschaft auch vor. Und die Fans? Die tragen ihren Coach auf Händen. "Dass ich offensiv spielen will, kann jeder sehen. Ich halte nicht viel von diesem Philosophie-Gerede, ich beweise die Dinge lieber auf dem Rasen", so der Paderborn-Coach weiter.

Ein Beleg dafür war das Spiel gegen den Hamburger SV, in dem die mit deutlich schmalerem finanziellen Budget ausgestatteten Paderborner die Aufstiegsambitionen des HSV jäh beendeten und sich stattdessen selbst in die Pole Position um den zweiten Aufstiegsplatz brachten. "Es hört sich immer an, als wäre der Trainerjob eine Doktorarbeit. Aber das ist es nicht. Es geht darum, die Jungs ans Laufen zu bringen, Spaß zu vermitteln und den Zuschauern etwas zu bieten", sagt der 47-Jährige.

Genau das gelingt ihm bei seiner ersten Profi-Station als Cheftrainer seit zwei Jahren mit einem überaus starken Punkteschnitt von 2,10 Zählern in bislang 92 Spielen als Trainer mehr als ordentlich. Die Chancen stehen gut, das zu diesen schon bald einige Spiele in der Bundesliga folgen werden.