Hamburger SV: Wie ein Schlauchboot mit geöffnetem Ventil - SPIEGEL ONLINE
Hamburger SV: Aaron Hunt nagelt gegen Aufstiegs-Versager
Der Hamburger SV verpasst den Wiederaufstieg in die Bundesliga, weil es dem Team an der nötigen Widerstandkraft fehlt. Nach dem 1:4-Debakel in Paderborn steht Trainer Hannes Wolf wohl vor dem Aus.

Das Heimspiel gegen Duisburg nächste Woche Sonntag ist seit Wochen ausverkauft. Eigentlich sollte dann vor eigenem Publikum der Aufstieg gefeiert werden. Denn nichts anderes als der sofortige Wiederaufstieg war das Saisonziel des ehemaligen Dauer-Bundesligisten. Doch den hat die Mannschaft vergeigt. Gegen Duisburg geht es sportlich um nichts mehr, selbst der Relegationsrang ist nicht mehr zu erreichen.

Der Hamburger SV hat am 33. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga den Aufstieg so gut wie verspielt. Die Norddeutschen verloren mit 1:4 beim SC Paderborn und haben nun drei Punkte Rückstand auf den Tabellendritten Union Berlin, der sein Spiel gegen Magdeburg mit 3:0 gewann. Dazu ist das Torverhältnis des HSV um ein Vielfaches schlechter als das der Hauptstädter, sodass die Rothosen ein historisches Wunder bräuchten, um den Aufstieg noch zu schaffen.

Das 1:4 in Paderborn, das die Defizite dieser Hamburger Mannschaft gnadenlos offenlegte, ist dabei nur der peinliche Höhepunkt einer Rückrunde, in der der HSV alles tat, um nachzuweisen, dass er nichts in der Bundesliga verloren hat. Noch deprimierender: Er hat auch nicht verstanden, was in der Zweiten Liga gefordert ist.

Während der HSV im nächsten Jahr in der zweiten Liga spielen wird, müssen der MSV Duisburg und der 1. FC Magdeburg den Gang in die dritte Liga antreten. Weil der FC Ingolstadt auf Platz 16 sein Spiel gegen den SV Darmstadt mit 3:0 gewann, sind die Schanzer nun uneinholbar. Duisburg (3:4 gegen Heidenheim) und Magdeburg (0:3 in Berlin) verloren ihre Partien und steigen ab.  

2. Bundesliga: Blamage in Paderborn – HSV kann Aufstiegstraum begraben

Der HSV führte in Paderborn unzählige Zweikämpfe mit grenzwertiger Härte und sah dafür merkwürdigerweise nur drei Gelbe Karten. Doch in überharter Zweikampfführung erschöpfte sich die Widerständigkeit des HSV. Als die quietschfidelen Paderborner den ersten Treffer schossen (25. Minute) war es vorbei mit dem HSV. Der präsentierte sich nun wie ein Schlauchboot mit geöffnetem Ventil. Man trudelte in gemächlichem Tempo dem Untergang entgegen.

SC Paderborn 4:1 Hamburger SV1. FC Köln 3:5 SSV Jahn RegensburgUnion Berlin 3:0 1. FC MagdeburgFC Ingolstadt 3:0 SV Darmstadt 98MSV Duisburg 3:4 1. FC HeidenheimErzgebirge Aue 1:1 SpVgg Greuther FürthFC St. Pauli 0:0 VfL BochumHolstein Kiel 3:0 Dynamo DresdenSV Sandhausen 0:3 Arminia Bielefeld

Allein zwischen der 64. und der 67. Minute hätte Paderborn noch drei Tore mehr schießen müssen, während der HSV tat, was er in dieser Rückrunde immer tut, wenn die Ventile offen sind. Man gönnte sich Passfehler und andere Unkonzentriertheiten und ließ freundlicherweise den Gegner kombinieren.

Tor-Spektakel in Köln:Duisburg und Magdeburg steigen ab

Seltsamerweise schien das Elend auch die Hamburger Fankurve zu infizieren. Die stellte die Unterstützung fast völlig ein und ließ die Schmähgesänge der Paderborner über sich ergehen. Es schien, als hätten selbst die Fans angesichts der Wiederkehr des Immergleichen resigniert. “Das Spiel war ein Spiegelbild der letzten Wochen”, gab dann irgendwann auch Trainer Hannes Wolf zu, der vor Beginn der Pressekonferenz lange einen imaginären Flecken auf dem Linoleumboden fixierte.

Torwart Tom Mickel (30): Mickel: Mein traurigstes Spiel als Profi. Wir haben alle unsere Ziele verpasst. Wir haben in zahlreichen Spielen nicht die richtige Mentalität gehabt. Wir müssen uns hinterfragen, ob wir immer alles gegeben haben. Wer für diesen Verein spielt, der muss Herz, Liebe und Leidenschaft zeigen. Das ist nicht immer passiert.”

Seit dem vielumjubelten 4:0-Derbysieg gegen St. Pauli – zur Erinnerung: Die Rede ist von einem Ereignis, das am 10. März stattfand – kassierte der HSV sechs Niederlagen und gewann nicht eines der seither angesetzten acht Ligaspiele. Und immer wieder war das gleiche Muster zu beobachten: Man fing meist einigermaßen passabel an, nur um sich nach dem ersten Nackenschlag seinem Schicksal zu ergeben.

“Jeder muss sich fragen, ob er in der Rückrunde alles getan hat, um den Aufstieg zu schaffen”, sagte Torwart Tom Mickel, der doch tatsächlich “Mentalitätsprobleme” bei seinem Team ausgemacht hat. Genau die meinte wohl auch Wolf, als er gleich zweimal betonte, man habe in den vergangenen Wochen “gegen diese Entwicklung angekämpft.”

Top-Stürmer: Nach Andersson-Flanke vollendet Polter mit links zum 2:0 (31.). Polter, der aktuell im Trennungszoff mit Ehefrau Denise steckt, küsst wie immer beide Unterarme, auf denen er die Namen seiner Kinder Lenox (4) und Sophie (6) eintätowiert trägt. Polter macht in der Nachspielzeit noch das 3:0.

Doch mit dieser Aussage tat sich Wolf eigentlich keinen Gefallen. Tatsächlich hat der 38-Jährige ja sowohl taktisch als auch in der Mannschaftsführung nichts unversucht gelassen, um das Team in den Griff zu bekommen. Doch es nützte alles nichts. Nach dem 0:2 bei Union Berlin kam das 0:3 gegen Ingolstadt vor einer Woche und nun das 1:4 in Paderborn. Jedes Mal war von “Tiefpunkten” die Rede, doch der nächste folgte prompt.

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Als von Becker irgendwann vehement ein Statement zum Trainer eingefordert wurde, betonte er, es gebe “keine neuen Erkenntnisse, das wird jetzt alles in Ruhe besprochen” werden. “20 Minuten nach Schlusspfiff werde ich mich dazu nicht äußern.”

Holstein Kiel hat kurz vor dem Saisonende in die Erfolgsspur zurückgefunden. Die Störche, die lange Zeit im Aufstiegsrennen mitgemischt hatten, gewannen ihr Heimspiel am 33. Spieltag gegen Dynamo Dresden 3:0 (1:0) und beendeten damit ihre Negativserie von drei Niederlagen in Folge. Für Dresden hat die Pleite keine unmittelbaren Folgen. Die Mannschaft von Trainer Cristian Fiel muss nicht mehr zittern, nachdem sie sich am vergangenen Spieltag den lange Zeit gefährdeten Klassenerhalt gesichert hatte. Lee Jae-Sung (19.), Jonas Meffert (69.) und Hauke Wahl (77.) erzielten die Tore der Gastgeber, deren Trainer Tim Walter hochgehandelter Kandidat beim abstiegsbedrohten Bundesligisten VfB Stuttgart ist.

Treuebekenntnisse, die über den Tag der jüngsten Niederlage hinausgehen, unterließ er. Das alles klang sehr danach, als würde das Spiel gegen Duisburg in der kommenden Woche nicht nur für die HSV-Fans eine Farce, sondern auch Wolfs letztes Spiel als Hamburger Coach.

Der MSV Duisburg ist zum vierten Mal nach 1986, 2013 und 2016 abgestiegen. Am Sonntag unterlag die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht unter anderem durch ein kurioses Eigentor von Dustin Bomheuer mit 3:4 (1:2) gegen den 1. FC Heidenheim und verspielte ihre letzte Chance auf den Klassenverbleib. Durch die 17. Saisonniederlage am 33. Spieltag kann der Traditionsclub auf dem letzten Tabellenrang bereits vor dem abschließenden Spieltag nicht mehr Relegationsplatz 16 erreichen. Heidenheim reichte der Sieg nicht, um die zuvor geringen Chancen zum Aufstieg zu wahren.

Die Hanseaten verbringen nach der 1:4-Pleite in Paderborn auch die kommende Saison in der 2. Liga. Vor allem Kapitän Aaron Hunt (32) war nach dem verpatzen Wiederaufstieg richtig sauer, sagte am Sky-Mikro: Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden. Ich muss aufpassen, was ich sage. Ein paar Sachen sollte ich und muss ich intern machen. Fakt ist, wir haben hier hochverdient verloren, weil wir uns einfach verpisst haben – alle auf dem Platz.

Der FC St. Pauli hat am Sonntag einen erfolgreichen Saisonabschluss vor eigenem Publikum verpasst. Im letzten Heimspiel der Spielzeit gegen den VfL Bochum mussten sich die stark ersatzgeschwächten Kiezkicker mit einem torlosen Unentschieden gegen den VfL Bochum begnügen und rutschten in der Tabelle auf Rang sieben ab. Vor 29 546 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion hatte St. Pauli zwar ein Plus an Torchancen, konnte aber den fünften Sieg in Serie gegen seinen Lieblingsgegner aus dem Ruhrrevier nicht einfahren.

Für den Mittelfeldspieler war der Auftritt der Rothosen in Paderborn unbegreiflich: Das Ergebnis sagt alles aus über das ganze Spiel und die ganzen Wochen.

Die SpVgg Greuther Fürth kann für eine weitere Saison in der 2. Fußball-Bundesliga planen. Am Sonntag kamen die Franken zu einem 1:1 (1:1)-Unentschieden beim FC Erzgebirge Aue und sicherten mit nunmehr 39 Zählern einen Spieltag vor Saisonende den Klassenerhalt. Im Erzgebirgsstadion hatte Julian Green die Gäste in der 16. Minute in Führung gebracht. Nur vier Minuten später gelang Jan Hochscheidt der Ausgleich für die Hausherren, die bereits am vorherigen Spieltag den Klassenerhalt gesichert hatten.

Der Sport-Tag:Zweitliga-Schock für den HSV: Paderborn führt, Union auch

Der HSV verpatzt den Aufstieg. Nach der Pleite in Paderborn wird es ein weiteres Jahr 2. Liga geben. Union Berlin träumt weiter.

Es hat nicht gereicht für die Zebras. Bestand nach dem 2:0-Sieg in Kiel wieder leise Hoffnung auf den Klassenerhalt, steht nun fest: Nach dem 3:4 gegen den FCH steigt Duisburg nach zwei Jahren im Bundesliga-Unterhaus wieder in die Drittklassigkeit ab. Auch Lieberknecht konnte den Traditionsverein – in der Saison 2017/18 als Neuling noch starker Siebter – nicht retten. Im Oktober für Ilia Gruev gekommen, gelangen ihm mit dem MSV nur sechs Siege. Nach dem Abstieg mit Eintracht Braunschweig konnte der 45-Jährige sein Team somit abermals nicht zum Ligaverbleib führen.

Der Coach: Es ist immer schwierig mit den Motiven der Spieler, wir haben definitiv das, was uns ausgemacht hat, die Stabilität, nicht mehr auf den Platz bekommen. Irgendwann wars dann auch egal, wen du aufstellst, wie du einstellst.

Auch Liga-Neuling Magdeburg muss den direkten Abstieg in die Drittklassigkeit verkraften. Durch das 0:3 bei Union Berlin und Ingolstadts Sieg gegen Darmstadt ist der Klassenerhalt nicht mehr möglich. Die Sachsen-Anhalter, die im vergangenen Jahr als Meister der 3. Liga den vielumjubelten Aufstieg in die Zweitklassigkeit gefeiert hatten, hatten in dieser Spielzeit von Beginn an Probleme und bekamen trotz eines Zwischenhochs nach dem Trainerwechsel von Jens Härtel zu Michael Oenning bis zum Schluss nicht wirklich die Kurve.

“Warum wurde Titz entlassen?” – Netz-Reaktionen der HSV-Fans

Neben Wolf und Hunt zeigten sich auch weitere Spieler enttäuscht über die Pleite und den verpassten Aufstieg. Innenverteidiger Rick van Drongelen (20) erklärte: Wir haben uns die Saison anders vorgestellt. In der Winterpause hat es ganz anders ausgesehen. Es ist sehr, sehr traurig.

Nach dem 33. Spieltag stehen in der 2. Bundesliga die ersten zwei Absteiger fest. Der MSV Duisburg (3:4 gegen Heidenheim) und der 1. FC Magdeburg (0:3 in Berlin) müssen den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten.

Torhüter Tom Mickel (30), der statt Stammkeeper Julian Pollersbeck (24, grippaler Infekt) das HSV-Tor in Paderborn hütete, sagte: Ich bin sehr enttäuscht. Mein traurigstes Spiel als Profi. Wir haben alle unsere Ziele verpasst. Wir haben in zahlreichen Spielen nicht die richtige Mentalität gehabt. Wir müssen uns hinterfragen, ob wir immer alles gegeben haben. Wer für diesen Verein spielt, der muss Herz, Liebe und Leidenschaft zeigen. Das ist nicht immer passiert.

Der MSV Duisburg war 2013 aus finanziellen Gründen in die 3. Liga versetzt worden. Es folgte ein Wechselbad der Gefühle mit Aufstiegen in den Jahren 2015 und 2017 – und nun einem neuerlichen Abstieg.

HSV: Bei Kapitän Hunt reicht es wohl nur für die Bank

Sportvorstand Ralf Becker (48) fand deutliche Worte zur HSV-Saison: Unsere Fans sind bundesligareif, die Mannschaft leider nicht. Zur Zukunft von Trainer Wolf sagte er bei Sky, es gehe darum, das Beste für den HSV zu entscheiden.

Berlin (dpa) – Mit einem Sieg gegen den Hamburger SV kann der SC Paderborn am Sonntag (15.30 Uhr) den zweiten Erstligaaufstieg perfekt machen, der 1. FC Magdeburg und der MSV Duisburg hingegen stehen vor dem vorzeitigen Abstieg in die 3. Liga. Die Ostwestfalen haben 54 Zähler und müssen auf eine gleichzeitige Niederlage von Union Berlin hoffen, das als Dritter 53 Punkte hat und den Abstiegskandidaten aus Magdeburg empfängt. Zwei Runden vor Saisonschluss ist nur der 1. FC Köln als erster Aufsteiger schon durch. Für den Traditionsclub HSV – nach sieben Punktspielen ohne Sieg derzeit mit 53 Punkten Vierter hinter Union Berlin – geht es in Paderborn schon um alles.

Der MSV Duisburg verabschiedet sich mit einer kuriosen Szene aus der 2. Liga! Mit 3:4 verlieren die Zebras zuhause gegen Heidenheim.

SC Paderborn gegen Hamburger SV live und im Online-Stream schauen

Trotz Katastrophen-Rückrunde (nur vier Siege) und verpatztem Aufstieg nahm einer den Trainer in Schutz. Aaron Hunt erklärte: Man kann in Hamburg nicht alle sechs Monate den Trainer wechseln. Das funktioniert so nicht. Wir Spieler haben es über die Saison aufgrund der Rückrunde nicht gebacken bekommen aufzusteigen und letztlich auch nicht verdient, wenn man so eine katastrophale Rückrunde spielt.