Pleite in Paderborn - Der HSV bleibt Zweitligist - NDR.de
Hamburger SV: Aaron Hunt nagelt gegen Aufstiegs-Versager
Aus und vorbei, nichts geht mehr beim HSV. Der Traditionsclub von der Elbe hat den anvisierten, oftmals als alternativlos titulierten, Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst – außer Fußball-Deutschland wird am letzten Zweitliga-Spieltag Zeuge eines Wunders. Auch im “Alles-oder-nichts”-Spiel beim direkten Konkurrenten SC Paderborn präsentierte sich der Tabellenvierte aus Hamburg desolat und verlor am Ende verdient mit 1:4 (0:1). Da der Dritte Union Berlin gleichzeitig gegen Magdeburg gewann und die um 21 Treffer bessere Tordifferenz als der HSV aufweist, ist ein Sprung der “Rothosen” auf den Relegationsrang nur noch theoretisch möglich.

Der HSV steht am Ende der ersten Zweitliga-Saison mit leeren Händen da. Am vorletzten Spieltag kassierten die Hanseaten im “Alles-oder-nichts”-Spiel eine deftige 1:4-Niederlage beim SC Paderborn. Die letzte Aufstiegschance ist nur noch theoretischer Natur. Wieder einmal präsentierten sich zu viele Spieler des ehemaligen Bundesliga-Dinos nicht reif für den Aufstieg. Die Einzelkritik zum Tiefschlag:

Torhüter Tom Mickel (30), der statt Stammkeeper Julian Pollersbeck (24, grippaler Infekt) das HSV-Tor in Paderborn hütete, sagte: Ich bin sehr enttäuscht. Mein traurigstes Spiel als Profi. Wir haben alle unsere Ziele verpasst. Wir haben in zahlreichen Spielen nicht die richtige Mentalität gehabt. Wir müssen uns hinterfragen, ob wir immer alles gegeben haben. Wer für diesen Verein spielt, der muss Herz, Liebe und Leidenschaft zeigen. Das ist nicht immer passiert.

Paderborn zerlegt den Hamburger SV

Durch den kurzfristigen Ausfall von Julian Pollersbeck kam Tom Mickel (r.) zu seinem zweiten Saison-Einsatz. Dem 30-Jährigen war die fehlende Spielpraxis deutlich anzumerken. Hatte der Ersatzkeeper erst Glück, dass ihm Kai Pröger den Ball auf den Pelz brannte (11.), sah er beim zweiten Torschuss noch schlechter aus. Er ließ Prögers Schuss genau vor die Füße von Sebastian Vasiliadis prallen – 0:1 (25.). Beim zweiten Treffer (46.) war Mickel genauso chancenlos wie beim dritten (81.) und vierten (86.). Immerhin: Zuvor hatte der Keeper den HSV mit vier Paraden im Spiel gehalten (53./54./zweimal 67.).

David Bates (l.) kam offenbar mit dem Druck nicht zurecht. Erst schoss er sich bei einem Klärungsversuch selbst an, wenig später köpfte er eine Ecke nur halbherzig aus dem Strafraum und hätte so um ein Haar das 0:1 verschuldet (11.). Doch das war nur aufgeschoben, vier Minuten später ermöglichte sein Ballverlust den Konter zur Paderborner Führung. Die Auswechslung des 22-jährigen Schotten zur Pause kam nicht überraschend.

Pleite gegen Paderborn: Aufstiegs-K.o.für den HSV

Leo Lacroix war als Abwehrchef sehr präsent – positiv wie negativ: Zunächst überzeugte der Schweizer mit konsequenten Zweikämpfen und hätte fast das 1:0 gemacht – Paderborns Klaus Gjasula klärte vor der Linie (15.). Gegen die flinken Hausherren stieß der 1,97-Meter-Mann aber einige Male an seine Grenzen. Bei einem Konter sah der 27-Jährige nach einem Foul Gelb (44.). Mit seinem Black-out Sekunden nach Wiederanpfiff, Vasiliadis traf zum 2:0, besiegelte Lacroix fast schon die Niederlage. Bei mehreren Zweikämpfen wandelte er zudem in der Folge an der Grenze zur Gelb-Roten Karte.

Neben Wolf und Hunt zeigten sich auch weitere Spieler enttäuscht über die Pleite und den verpassten Aufstieg. Innenverteidiger Rick van Drongelen (20) erklärte: Wir haben uns die Saison anders vorgestellt. In der Winterpause hat es ganz anders ausgesehen. Es ist sehr, sehr traurig.

Rick van Drongelen (r.) hatte sich offenbar vor dem Spiel richtig heiß gemacht. Der Niederländer warf sich in jeden Zweikampf und schonte dabei weder sich noch den Gegner. Bei einer der vielen Ecken kam auch er zum Abschluss, scheiterte jedoch an Torhüter Leopold Zingerle (19.). Es konnte aber eigentlich nur der 20-Jährige sein, der den Anschlusstreffer erzielte. Sein Kopfball-Tor war eines des Willens (71.). Doch es war auch van Drongelen, der den Ball vor dem 3:1 unhaltbar abfälschte (81.).

Khaled Narey versuchte über seine rechte Seite viel, einzig er konnte sich nicht durchsetzen. In der 31. Minute bekam der Offensivmann die Ausgleichschance auf dem Silbertablett serviert, scheiterte aber an Torhüter Leopold Zingerle. Und defensiv zeigte der 24-Jährige Schwächen. Sowohl beim dritten als auch beim vierten Gegentor kam er nicht mal in den Zweikampf.

Der Coach: Es ist immer schwierig mit den Motiven der Spieler, wir haben definitiv das, was uns ausgemacht hat, die Stabilität, nicht mehr auf den Platz bekommen. Irgendwann wars dann auch egal, wen du aufstellst, wie du einstellst.

Gideon Jung sollte im defensiven Mittelfeld das Loch stopfen, das das Saison-Aus von Orel Mangala gerissen hatte. Doch der U21-Europameister offenbarte nach seiner langen Verletzungspause einmal mehr Defizite. Dem 24-Jährigen ging es oft zu schnell. So auch nach Lacroixs Ballverlust vor dem 3:1, als Jung nicht mehr eingriff. In der 71. Minute wurde er folgerichtig ausgewechselt.

Für den Mittelfeldspieler war der Auftritt der Rothosen in Paderborn unbegreiflich: Das Ergebnis sagt alles aus über das ganze Spiel und die ganzen Wochen.

Paderborn siegt mit 4:1 – der Relegationsrang ist sicher

Auch Vasilije Janjicic (l.) bekam im Zentrum keinen Zugriff auf das Paderborner Spiel. Der Schweizer, der bisher besonders in den Topspielen durch seine Aggressivität gepunktet hatte, wirkte zaghaft. Auch seinem Abschluss fehlte der letzte Wille (14.). Das einzige Mal, dass der 20-Jährige in der Folge noch mal ernsthaft in Erscheinung trat, war bei seinem taktischen Foul in der 77. Minute, für das er Gelb sah.

Der SCP feiert einen 4:1-Heimsieg und zerstört zugleich die letzten HSV-Hoffnungen auf den Aufstieg

Gotoku Sakai tauchte in Paderborn ab. Beim 0:1 über seine Seite war der Deutsch-Japaner genauso wenig zu sehen wie bei Hamburger Angriffen. Mit dem jungen Paderborner Rechtsverteidiger Mohamed Dräger hatte der 28-Jährige alle Hände voll zu tun. Überfordert war Sakai in der 74. Minute, als er als letzter Mann gegen Bernard Tekpetey den Ball verspielte. Er klärte dann zwar noch kurz vor dem Sechzehner, hatte aber Glück, dass ein Handspiel ungeahndet blieb. In den Schlussminuten ging der Kapitän mit seinen Defensivkollegen unter.

Der Hamburger SV hat am 33. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga den Aufstieg so gut wie verspielt. Die Norddeutschen verloren mit 1:4 beim SC Paderborn und haben nun drei Punkte Rückstand auf den Tabellendritten Union Berlin, der sein Spiel gegen Magdeburg mit 3:0 gewann. Dazu ist das Torverhältnis des HSV um ein Vielfaches schlechter als das der Hauptstädter, sodass die Rothosen ein historisches Wunder bräuchten, um den Aufstieg noch zu schaffen.

Douglas Santos (l.) zeichnete verantwortlich für den Druck, den der HSV in der Anfangsphase erzeugte. Der Brasilianer, diesmal als Spielmacher aufgeboten, gab schon in der ersten Minute den ersten Torschuss ab. In der Folge waren es seine Freistöße und Ecken, die immer wieder für mächtig Unruhe im Paderborner Strafraum sorgten. Dem 25-Jährigen, der auch in der 28. Minute noch mal zum Abschluss kam, gelang aber auch nicht alles. Zu oft war der Olympiasieger auf sich allein gestellt. Zwar legte er das 1:2 per Ecke auf, doch insgesamt kam für einen Mann seiner Klasse zu wenig.

Während der HSV im nächsten Jahr in der zweiten Liga spielen wird, müssen der MSV Duisburg und der 1. FC Magdeburg den Gang in die dritte Liga antreten. Weil der FC Ingolstadt auf Platz 16 sein Spiel gegen den SV Darmstadt mit 3:0 gewann, sind die Schanzer nun uneinholbar. Duisburg (3:4 gegen Heidenheim) und Magdeburg (0:3 in Berlin) verloren ihre Partien und steigen ab.  

SC Paderborn – HSV im Liveticker: Mickel vertritt Pollersbeck im Tor

Bakery Jatta agierte in Paderborn als zweite Spitze. Seine Mitspieler versuchten oft, die Schnelligkeit des Gambiers in Szene zu setzen. Doch der Gegner hatte sich gut auf den Sprinter eingestellt und beraubte den HSV so einer seiner an diesem Tag sehr wenigen Waffen. Nahezu wirkungslos war für Jatta in der 56. Minute Schluss.

SC Paderborn 4:1 Hamburger SV1. FC Köln 3:5 SSV Jahn RegensburgUnion Berlin 3:0 1. FC MagdeburgFC Ingolstadt 3:0 SV Darmstadt 98MSV Duisburg 3:4 1. FC HeidenheimErzgebirge Aue 1:1 SpVgg Greuther FürthFC St. Pauli 0:0 VfL BochumHolstein Kiel 3:0 Dynamo DresdenSV Sandhausen 0:3 Arminia Bielefeld

Aufstieg: SC Paderborn will die Negativserie gegen den HSV heute beenden

Die Hoffnungen des HSV ruhten auf den Torjäger-Qualitäten von Pierre-Michel Lasogga (r.). Doch der bullige Stürmer kam in der ganzen Partie nicht einmal wirklich zum Abschluss. Dafür glänzte der 27-Jährige als Vorbereiter, als er den Ball von mehreren Gegenspielern bedrängt geschickt behauptete und auf Narey ablegte. Der wusste mit der Großchance allerdings nichts anzufangen. In der zweiten Hälfte war von Lasogga dann gar nichts mehr zu sehen.

Aaron Hunt (r.) sollte zur zweiten Hälfte für neuen Schwung sorgen. Doch nur 19 Sekunden nach seiner Einwechslung stand es bereits 0:2. Der 32-Jährige war bemüht, aber auch ihm gelang wenig. Seine beste und eigentlich einzige Szene hatte der Offensivmann im eigenen Strafraum, als er einen Angriff mit einem Befreiungsschlag klärte (60.).

Ebenfalls offen ist noch, wer den Relegationsplatz 16 einnimmt. Sowohl den SV Sandhausen (37 Punkte) als auch den FC Ingolstadt (35) könnte es erwischen. Sandhausen spielt nächsten Sonntag in Regensburg, Ingolstadt in Heidenheim.  

Besser machte es ab der 56. Minute Fiete Arp (l.). Auch der 19-Jährige klärte zunächst einmal hinten (68.), kam dann aber noch zu zwei eigenen Chancen. In der 77. Minute hatte das Sturmtalent die einzige Ausgleichsmöglichkeit auf dem Fuß, doch auch er fand seinen Meister im starken Zingerle.

   Für ein echtes Tor-Spektakel sorgten der 1. FC Köln und der SSV Jahn Regensburg. Die Geißböcke verloren das letzte Heimspiel der Saison mit 3:5. Köln-Torjäger Jhon Cordoba sah zudem die Rote Karte (45.+3). 

Manuel Wintzheimer (l.) sollte der letzte Trumpf beim HSV sein. Doch anders als in Köln, konnte der 20-Jährige diesmal nach seiner Einwechslung (71.) nicht mehr die Kohlen aus dem Feuer holen.

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Hannes Wolf setzte im “Alles-oder-nichts-Spiel” auf eine Dreierkette und ließ seine Mannschaft zu Beginn weit vorne angreifen. Doch die Druckphase brachte nichts ein und das 0:1 sein Team vollkommen aus der Bahn. Pech hatte der Trainer, dass seine Mannschaft nach der Pause so früh das 0:2 kassierte. So verpuffte die Hereinnahme Hunts genauso wie die weiteren Offensivwechsel völlig.

“Mir tut das extrem leid für die Fans und Mitarbeiter. Wir haben seit Wochen eine Entwicklung in die falsche Richtung”, sagte Trainer Hannes Wolf, der sich ratlos zeigte: “Irgendwann war es egal, wie du aufstellst. Wir sind dagegen nicht angekommen. Führungsspieler waren entweder nicht da oder nicht in der Verfassung.” Der HSV-Coach nahm sich bei seiner Kritik allerdings nicht aus: “Ich kann jetzt nicht sagen: Ich kann nix dafür. Ich bin ein Teil davon.” Ob er in der nächsten Saison noch Trainer in Hamburg sein werde, vermochte er nicht einzuschätzen. “Wie das jetzt weitergeht, kann ich in diesem Moment nicht sagen”, meinte der 38-Jährige.

“Wenn du Vorstand Sport beim HSV bist in der Zweiten Liga, dann gibt es nur eine Zielsetzung: den Aufstieg. Dass das nächstes Jahr eine Herausforderung ist, ist allen klar, aber wir werden alles dafür tun. Das hat dieser Verein und haben unsere erstligareifen Fans verdient. Das wird immer der Auftrag sein.” HSV-Sportchef Ralf Becker

Top-Stürmer: Nach Andersson-Flanke vollendet Polter mit links zum 2:0 (31.). Polter, der aktuell im Trennungszoff mit Ehefrau Denise steckt, küsst wie immer beide Unterarme, auf denen er die Namen seiner Kinder Lenox (4) und Sophie (6) eintätowiert trägt. Polter macht in der Nachspielzeit noch das 3:0.

Das ließ auch Ralf Becker offen. “Jetzt verdauen wir erst mal das Spiel, dann werden wir das eine oder andere besprechen, und dann planen wir die Zukunft”, antwortete der Sportvorstand auf die Frage nach Wolf. Gleichzeitig stellte er klar, dass in der nächsten Saison beim HSV einiges anders laufen muss: “Es ist wichtig, dass wir das klar analysieren und abstellen, was wir abstellen können. Denn nächstes Jahr können wir uns so eine Phase nicht mehr erlauben.”

Trainer Steffen Baumgart (47) vorm Aufstieg-Kracher: Offenes Visier, voll nach vorne, mit Spaß am Fußball. Butter bei die Fische – wir wollen aufsteigen, das ist einfach so. Sonntag soll in Dresden der zweite Bundesliga-Aufstieg nach 2014 perfekt gemacht werden.

Torwart Tom Mickel, der den kranken Stammkeeper Julian Pollersbeck in Paderborn vertrat, konnte direkt nach dem Spiel noch nicht so weit vorausblicken: “Ich bin einfach leer. Wir haben das ganze Jahr auf den Wiederaufstieg hingearbeitet. Es tut sehr, sehr weh, dass es jetzt nicht klappt. Man weiß, was noch ein Jahr Zweite Liga für den HSV bedeutet. Da hängen auch viele Jobs dran.” Der erst zur zweiten Hälfte eingewechselte HSV-Kapitän Aaron Hunt ging derweil mit seinem Team hart ins Gericht: “Heute war eine Mannschaft auf dem Platz, die Angst hatte. Wir haben es einfach nicht verdient aufzusteigen. Es ist einfach katastrophal. In den entscheidenden Spielen haben wir uns mehr verpisst als gestellt.”

Keiner rechnet mehr mit uns. Das heißt, wir können jetzt ganz, ganz viel gewinnen. Darin steckt eine Chance, rechnete Noch-Trainer Hannes Wolf (38) vergeblich. Trotz Vertrags bis 2020 dürfte Wolfs Zeit in Hamburg bereits wieder abgelaufen sein.

Tore: 1:0 Vasiliadis (25.) 2:0 Vasiliadis (46.) 2:1 van Drongelen (71.) 3:1 Antwi-Adjej (81.) 4:1 Antwi-Adjej (86.) SC Paderborn: Zingerle – Dräger, Schonlau, Hünemeier, Collins – Gjasula, Klement – Pröger (70. Tekpetey), Vasiliadis (84. Gueye), Antwi-Adjej – S. Michel (89. Zolinski) Hamburger SV: Mickel – Bates (46. Hunt), Lacroix, van Drongelen – G. Sakai, G. Jung (71. Wintzheimer), Janjicic, Douglas Santos – Narey, Lasogga, Jatta (56. Arp) Zuschauer: 15000 (ausverkauft) Weitere Daten zum Spiel

Trainer Urs Fischer (53) setzt im Vergleich zum 1:2 in Darmstadt mit Hübner, Mees und Polter auf drei Neue. Top-Start: Union nutzt seine erste Torchance, Prömel (8.) staubt per Kopf zum 1:0 ab.

Jetzt geht es nur noch um den letzten Schritt

Dabei sah es in Paderborn zu Beginn nicht schlecht aus für den HSV. Die Gäste drängten auf das 1:0 und hatten nach einer Viertelstunde Pech. Klaus Gjasula klärte den Kopfball von Leo Lacroix vor der Torlinie. SCP-Keeper Leopold Zingerle wäre geschlagen gewesen. Doch dann brach die 25. Minute an und der HSV verfiel defensiv in eine Art Kollektivschlaf: Paderborns Kai Pröger hatte an der Strafraumgrenze alle Zeit der Welt, HSV-Schlussmann Mickel wehrte den Schuss sträflich nach vorne ab, wo sich wiederum niemand für Sebastian Vasiliadis zuständig fühlte – 1:0 für Paderborn. Khaled Narey hätte den Hamburgern wieder Hoffnung geben können, doch der Flügelstürmer scheiterte frei von halbrechts mit einem schwachen Abschluss an Zingerle (31.).

Die zweite Hälfte war gerade einmal 19 Sekunden alt, da kassierte der HSV den nächsten Nackenschlag. Lacroix stellte sich im Zweikampf gegen Vasiliadis derart hemdsärmelig an, dass der Paderborner keine Mühe hatte, in den Strafraum einzudringen und das 2:0 für die Gastgeber zu markieren. Die Hanseaten mussten nun aufmachen. Paderborn hatte viel Platz, verpasste aber mehrfach die Vorentscheidung und ließ die “Rothosen” wieder ins Spiel kommen: Rick van Drongelen verkürzte in der 71. Minute nach einer Ecke per Kopf auf 1:2.

Holstein Kiel hat kurz vor dem Saisonende in die Erfolgsspur zurückgefunden. Die Störche, die lange Zeit im Aufstiegsrennen mitgemischt hatten, gewannen ihr Heimspiel am 33. Spieltag gegen Dynamo Dresden 3:0 (1:0) und beendeten damit ihre Negativserie von drei Niederlagen in Folge. Für Dresden hat die Pleite keine unmittelbaren Folgen. Die Mannschaft von Trainer Cristian Fiel muss nicht mehr zittern, nachdem sie sich am vergangenen Spieltag den lange Zeit gefährdeten Klassenerhalt gesichert hatte. Lee Jae-Sung (19.), Jonas Meffert (69.) und Hauke Wahl (77.) erzielten die Tore der Gastgeber, deren Trainer Tim Walter hochgehandelter Kandidat beim abstiegsbedrohten Bundesligisten VfB Stuttgart ist.

Die Hoffnungen der Hamburger währten allerdings nicht lange. Christopher Antwi-Adjej schoss in der 81. und 86. Minute den 4:1-Sieg für Paderborn heraus. “Zweite Liga, Hamburg ist dabei”, skandierten die Fans der Gastgeber. Dem war nichts mehr hinzuzufügen.

Der MSV Duisburg ist zum vierten Mal nach 1986, 2013 und 2016 abgestiegen. Am Sonntag unterlag die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht unter anderem durch ein kurioses Eigentor von Dustin Bomheuer mit 3:4 (1:2) gegen den 1. FC Heidenheim und verspielte ihre letzte Chance auf den Klassenverbleib. Durch die 17. Saisonniederlage am 33. Spieltag kann der Traditionsclub auf dem letzten Tabellenrang bereits vor dem abschließenden Spieltag nicht mehr Relegationsplatz 16 erreichen. Heidenheim reichte der Sieg nicht, um die zuvor geringen Chancen zum Aufstieg zu wahren.

Das erste Zweitligaspiel der Vereinsgeschichte gerät für den HSV zum Desaster. Der Traditionsclub kassiert im Volksparkstadion eine 0:3-Pleite gegen Holstein Kiel. “Es ist desaströs, und es tut mir für jeden Einzelnen leid hier. Es war das erste Saisonspiel, wir haben auf die Fresse bekommen und müssen es jetzt besser machen – denn so geht es nicht”, sagt Lewis Holtby danach.

Der FC St. Pauli hat am Sonntag einen erfolgreichen Saisonabschluss vor eigenem Publikum verpasst. Im letzten Heimspiel der Spielzeit gegen den VfL Bochum mussten sich die stark ersatzgeschwächten Kiezkicker mit einem torlosen Unentschieden gegen den VfL Bochum begnügen und rutschten in der Tabelle auf Rang sieben ab. Vor 29 546 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion hatte St. Pauli zwar ein Plus an Torchancen, konnte aber den fünften Sieg in Serie gegen seinen Lieblingsgegner aus dem Ruhrrevier nicht einfahren.

SC Paderborn gegen Hamburger SV live und im Online-Stream schauen

Und der HSV macht es besser: Am zweiten Spieltag gewinnt der Aufstiegsaspirant beim SV Sandhausen mit 3:0.

Die SpVgg Greuther Fürth kann für eine weitere Saison in der 2. Fußball-Bundesliga planen. Am Sonntag kamen die Franken zu einem 1:1 (1:1)-Unentschieden beim FC Erzgebirge Aue und sicherten mit nunmehr 39 Zählern einen Spieltag vor Saisonende den Klassenerhalt. Im Erzgebirgsstadion hatte Julian Green die Gäste in der 16. Minute in Führung gebracht. Nur vier Minuten später gelang Jan Hochscheidt der Ausgleich für die Hausherren, die bereits am vorherigen Spieltag den Klassenerhalt gesichert hatten.

Jetzt läuft es bei den Hanseaten. Das 1:0 im Nachholspiel in Dresden ist der vierte Sieg in Folge. Der Bundesliga-Absteiger übernimmt Mitte September 2018 die Tabellenspitze. Die Mission Wiederaufstieg läuft scheinbar reibungslos.

Abseits des Rasens werden wichtige Personalentscheidungen getroffen: Der Aufsichtsrat stattet Bernd Hoffmann, bislang nur kommissarischer Vorstandsvorsitzender, mit einem Vertrag bis 2021 als AG-Boss aus. Gleichzeitig legt Hoffmann sein Amt als e.V.-Präsident nieder.

Es herrscht im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren fast Harmonie in Hamburg, die am 23. September mit dem Heimspiel gegen Regensburg endet. Der HSV kassiert eine 0:5-Packung.

Der vom Verletzungspech gebeutelte Kiezclub musste nach dem kurzfristigen Ausfall von Jeremy Dudziak (Sprunggelenk) und Marvin Knoll (muskuläre Probleme) auf insgesamt zehn Akteure verzichten. Dennoch kamen die Gastgeber besser in die Partie und hätten schon nach 44 Sekunden in Führung gehen können, doch Sami Allagui traf nur den Pfosten. Letztlich hatte es der VfL seinem starken Torwart Manuel Riemann zu verdanken, dass die Gäste einen Punkt mitnehmen konnten.

Es folgt ein 0:0 in Fürth, ehe das erste Hamburger Stadtderby seit 2011 und das erste in der Zweiten Liga ansteht. Der FC St. Pauli kommt ins Volksparkstadion. Auch hier sehen die Zuschauer eine müde Nullnummer.

Paderborn. Mit einem deutlichen 4:1-Sieg setzt sich der SCP gegen den Hamburger SV durch. Mit dem Heimsieg, gegen den direkten Konkurrenten im Kampf um die Aufstiegsplätze, ist dem SCP der Relegationsrang nicht mehr zu nehmen. Vor 15 000 Zuschauern in der ausverkauften Benteler Arena erzielten Sebastian Vasiliadis (25./46. Minute) und Christopher Antwi-Adjej (81./86.) die Treffer für Paderborn. Rick van Drongelen traf für die Hamburger (71.). Mit dem Sieg bleibt der SCP weiterhin auf Rang zwei und einen Punkt vor Union Berlin. Die Eisernen siegten im Ostduell mit 3:0 gegen Magdeburg. Damit entscheidet sich erst am letzten Spieltag, ob der SCP direkt aufsteigt oder gegen den VfB Stuttgart in die Relegation muss. Für den HSV dagegen ist jeglicher Traum vom Aufstieg dahin. Selbst ein Sieg im letzten Spiel wird nicht ausreichen, um das Torverhältnis gegenüber Berlin aufzuholen. Das Spiel jetzt live im NW-Ticker:

Trainer Christian Titz steht nach drei Spielen in Folge ohne Sieg in der Kritik, sein Team in der Tabelle nur noch auf Rang vier. Der 2:1-Sieg in Darmstadt am neunten Spieltag lässt Titz etwas durchatmen.

Es hat nicht gereicht für die Zebras. Bestand nach dem 2:0-Sieg in Kiel wieder leise Hoffnung auf den Klassenerhalt, steht nun fest: Nach dem 3:4 gegen den FCH steigt Duisburg nach zwei Jahren im Bundesliga-Unterhaus wieder in die Drittklassigkeit ab. Auch Lieberknecht konnte den Traditionsverein – in der Saison 2017/18 als Neuling noch starker Siebter – nicht retten. Im Oktober für Ilia Gruev gekommen, gelangen ihm mit dem MSV nur sechs Siege. Nach dem Abstieg mit Eintracht Braunschweig konnte der 45-Jährige sein Team somit abermals nicht zum Ligaverbleib führen.

Doch nach der Länderspielpause liefert die Titz-Elf die nächste ganz schwache Heimpartie ab, kommt gegen Bochum nicht über ein 0:0 hinaus.

Auch Liga-Neuling Magdeburg muss den direkten Abstieg in die Drittklassigkeit verkraften. Durch das 0:3 bei Union Berlin und Ingolstadts Sieg gegen Darmstadt ist der Klassenerhalt nicht mehr möglich. Die Sachsen-Anhalter, die im vergangenen Jahr als Meister der 3. Liga den vielumjubelten Aufstieg in die Zweitklassigkeit gefeiert hatten, hatten in dieser Spielzeit von Beginn an Probleme und bekamen trotz eines Zwischenhochs nach dem Trainerwechsel von Jens Härtel zu Michael Oenning bis zum Schluss nicht wirklich die Kurve.

HSV übt nach verpasstem Aufstieg harsche Selbstkritik: “Wir haben uns alle verpisst”

Zwei Tage später folgt der Paukenschlag: Trainer Titz wird am 23. Oktober freigestellt. “Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir leider nicht die angestrebte Entwicklung genommen haben und ein erhöhtes Risiko sehen, dass wir unser Saisonziel verfehlen werden”, sagt Sportvorstand Ralf Becker.

SC Paderborn schockt HSV kurz nach der Halbzeit – Aufstieg rückt in weite Ferne

Noch am selben Tag stellt der HSV seinen neuen Coach vor: Hannes Wolf. “Er weiß, wie man aufsteigt”, begründet Becker die Entscheidung für Wolf, der den VfB Stuttgart 2017 zurück in die Bundesliga geführt hatte. Der Trainer feiert mit dem 1:0-Sieg in Magdeburg nur drei Tage später einen Einstand nach Maß.

Der MSV Duisburg war 2013 aus finanziellen Gründen in die 3. Liga versetzt worden. Es folgte ein Wechselbad der Gefühle mit Aufstiegen in den Jahren 2015 und 2017 – und nun einem neuerlichen Abstieg.

Dank Torschütze Pierre-Michel Lasogga gewinnt der HSV auch das Spitzenspiel zu Hause gegen den 1. FC Köln und erobert die Tabellenführung zurück.

Vordergründig scheint die HSV-Welt wieder in Ordnung zu sein. Wären da nur nicht die Finanzen. Ende November muss der Rautenclub ein Minus von 5,8 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2017/2018 verkünden – das achte Minus in Folge.

2. Bundesliga: HSV verpasst Wiederaufstieg – Paderborn träumt vom Durchmarsch | shz.de

Sportlich läuft es allerdings: Mit dem 2:1-Erfolg in Duisburg holt der HSV nach 17 Spielen die Herbstmeisterschaft. Es ist die siebte Partie in Folge ohne Niederlage seit der Amtsübernahme von Wolf.

Nur einen Gegner kann der HSV offenbar nicht: Kiel. Im Rückspiel einen Tag vor Weihnachten verlieren die Hamburger an der Förde mit 1:3, überwintern aber trotzdem auf Platz eins.

HSV verpasst Bundesliga-Aufstieg – Zukunft von Hannes Wolf offen

In die Winterpause fällt die Wahl des neuen e.V.-Präsidenten. Die Mitglieder geben am 19. Januar dem 33 Jahre alten Ex-Profi Marcell Jansen die meisten Stimmen.

HSV-Kapitän Aaron Hunt – der Tausendsassa des HSV

Kurz vor dem Start der Restrunde rückt noch einmal das Thema Finanzen in den Mittelpunkt. Der HSV legt eine neue Fan-Anleihe auf, um die im Herbst 2019 fällige aus dem Jahr 2012 in Höhe von 17,5 Millionen Euro abzulösen. Sie hat ebenfalls eine Laufzeit von sieben Jahren (bis 2026) und verschafft dem angeschlagenen Club frisches Geld – und vor allem Zeit.

Für viel Wirbel sorgt zudem die Bekanntgabe, dass der Wechsel von Eigenwächs Fiete Arp zu den Bayern längst beschlossen ist – entweder nach dieser oder der kommenden Saison. Noch im Sommer 2018 hatte der HSV eine Vertragsverlängerung mit dem Stürmer verkündet: eine glatte Falschinformation, wie nun klar wird.

Sportlich gesehen ist das Frühjahr 2019 für den HSV ein Wechselbad der Gefühle: Auftaktsieg gegen Sandhausen, Niederlage in Bielefeld, Sieg gegen Dresden, Remis in Heidenheim, Pleite in Regensburg, aber drei Punkte zu Hause gegen Fürth. Vor dem Derby beim FC St. Pauli haben die Hanseaten ihre Linie verloren.

Doch das Derby am 10. März am Millerntor wird zu einem sportlichen Triumph für den HSV, der den Nachbarn mit 4:0 besiegt und seinen höchsten Saisonsieg feiert.

Unschön sind indes die Begleitumstände. Beide Fanlager sorgen mit dem Abbrennen von Pyrotechnik für mehrere Unterbrechungen. Der HSV wird später deshalb vom DFB zu einer Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro verurteilt.

Der HSV scheint gegen Darmstadt den Derby-Schwung mitzunehmen und geht früh mit 2:0 in Führung. Doch dann dreht sich die Partie und damit auch die Saison für die Norddeutschen zum Schlechten: Darmstadt gleicht aus und schießt in letzter Minute das 3:2-Siegtor.

2. Bundesliga – HSV am Boden: “Wir haben jedes Mal versagt”

Im Pokal raffen sich die Hamburger aber noch einmal zu einer guten Leistung auf: Pierre-Michel Lasogga (r.) sorgt mit einem Doppelpack für den 2:0-Erfolg im Viertelfinale beim SC Paderborn.

Doch anschließend folgt in der Liga die nächste Enttäuschung: Der HSV ist im Volksparkstadion Magdeburg deutlich unterlegen und verliert – wie schon gegen Darmstadt – durch einen Treffer der Gäste in letzter Minute.

Der Frust wächst, aber noch bleibt der HSV auf Rang zwei, weil auch die Konkurrenz regelmäßig patzt.

Eine gute Nachricht gibt es am 23. April: Die Hamburger erhalten von der DFL die Lizenz für die Bundesliga und Zweite Liga ohne Auflagen.

Entscheidender Mann für die Sicherung der Lizenz ist wieder einmal Klaus-Michael Kühne: Er kauft unter anderem für ein weiteres Jahr die Namensrechte am Stadion. Darüber hinaus geben weitere finanzielle Vereinbarungen zwischen dem Investor und dem Zweitligisten dem finanziell angeschlagenen Club ein wenig Luft zum Atmen.

Am selben Abend steht das Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig auf dem Programm: Die Mannschaft von Trainer Wolf hält eine Hälfte lang gut mit. Am Ende siegt der Favorit aber souverän mit 3:1. Der HSV-Traum vom Finale ist geplatzt.

In der Liga wird es immer ungemütlicher für den HSV. Die Hamburger verlieren fünf Tage später mit 0:2 bei Union Berlin und rutschen erstmals seit dem elften Spieltag aus den Aufstiegsrängen heraus.

Kann es noch schlimmer werden? Ja, deutlich. Das folgende 0:3 gegen Ingolstadt im Volkspark ist ein Offenbarungseid. Die Fans pfeifen ihr Team aus, das vollkommen neben der Spur ist. Trainer Wolf ist schwer angeschlagen, sogar seine Entlassung steht im Raum. Doch er bleibt im Amt.

Doch der HSV kann den Negativtrend nicht mehr stoppen. Am vorletzten Spieltag verlieren die Hamburger mit 1:4 in Paderborn und müssen die Wiederaufstiegshoffnungen begraben. Lediglich ein Fußball-Wunder könnte den Traditionsclub am letzten Spieltag noch auf den Relegationsrang bringen.

55 Jahre war der HSV erstklassig, bevor er abstieg. Nun werden die Hamburger mindestens eine weitere Saison in Liga zwei spielen. Ein Rückblick auf bewegte Zeiten in der Beletage des deutschen Fußballs. mehr

Der HSV hat den Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst. Lars Pegelow im Gespräch mit Torwart Tom Mickel nach dem 1:4 beim SC Paderborn: Audio (01:37 min)