Warum Paderborn im Bundesliga-Rennen gute Chancen hat - liga2-online.de
Paderborner Durchmarsch? Es ist noch ein weiter Weg
Sekunden nach dem Ausgleich: Kai Pröger bejubelt seinen Treffer mit einem Überschlag. Später gewann der SC Paderborn in Kiel sogar noch mit 2:1. Foto: dpa

Kiel (WB). Normalerweise ist Steffen Baumgart nicht der Typ, der Trainerkollegen widerspricht. Am Samstag, nach dem 2:1 (0:0)-Sieg des SC Paderborn bei Holstein Kiel, war das aber ganz anders.

Ich habe da eine völlig andere Wahrnehmung. Was haben wir denn alles verballert? Meine Jungs haben das heute sehr, sehr gut gemacht und dafür mehr Respekt verdient, sagte Baumgart mit einem Seitenhieb in Richtung Tim Walter. Kiels Coach hatte in der Pressekonferenz zuvor erklärt: Wir haben ein sehr gutes Spiel mit einem glücklichen Sieger gesehen. Hätten wir unsere Chancen genutzt, hätten wir den Platz als Sieger verlassen.

Diese Ansicht hatte er exklusiv. Dass die knapp 14.000 Zuschauer aber bei der Premiere der neuen Osttribüne im Holsteinstadion ein hochklassiges Zweitligaspiel gesehen hatten, darin waren sich alle einig. Beide Mannschaften haben ihre Ideen umgesetzt, ohne Rücksicht auf Verluste, sagte Baumgart. Manager Markus Krösche sah gar ein herausragendes Spiel beider Mannschaften, vom SCP eine nahezu perfekte Leistung und das Beste, was ich seit vielen Jahren von einer Paderborner Mannschaft gesehen habe. Für diese Leistung muss man ihr ein großes Lob zollen.

Und der reife Auftritt an der Ostsee blieb nicht ohne Belohnung. Der Aufsteiger sprang auf Platz drei und hat den Durchmarsch jetzt in eigener Hand. Vier Siege in den verbleibenden vier Partien und Paderborn ist mindestens Zweiter – die Worte 1. Bundesliga und Aufstieg meiden die Offiziellen aber weiterhin. Nächste Woche haben wir wieder ein Spiel, und das wird genauso intensiv. Mehr nicht. Wir sollten den Sieg hier und das, was die Mannschaft gezeigt hat, einfach mal ein bisschen genießen,

sagte Baumgart. Auch von Krösche gibt es weiterhin keine Kampfansage: Wir werden unsere Ziele nicht verändern. Wir haben das erste von fünf Endspielen gewonnen und jetzt kommt Heidenheim. Auf die Frage, was passiert, wenn der SCP noch viermal so spielt wie in Kiel, sagte er: Dann werden wir noch oft gewinnen.

Nein, die SCP-Verantwortlichen lassen sich nicht locken und geben ihre Einstellung auch an das kickende Personal weiter. Wir halten den Ball flach und schauen von Woche zu Woche. Wenn wir Heidenheim besiegt haben, sehen wir weiter. Bis dahin gibt es von mir dazu keinen Kommentar, sagte Christopher Antwi-Adjei. Nur einer hielt sich diesmal nicht an die Vorgaben. Jetzt sind wir ganz tief drin im Aufstiegskampf und wollen uns da oben festsetzen, erklärte Kai Pröger. Wenn das mal keinen Ärger gibt.

Eben Pröger und Antwi-Adjei waren es, die die Paderborner Aufstiegsträume am Karsamstag mit ihren Toren massiv beschleunigten. Nach torloser erster Hälfte glich Pröger den Rückstand durch Masaya Okugawa (47.) zehn Minuten später per Volleyabnahme aus. Vorausgegangen war eine Ecke von Philipp Klement, der das dritte Saisontor des Winterzugangs vorher angekündigt hatte. Philipp hat mir prophezeit, dass ich heute treffe und es mir unter den Schuh geschrieben, verriet Pröger. Als Antwi-Adjei acht Minuten vor dem Ende mit dem Siegtreffer nachlegte, war die Partie endgültig gedreht. Wir hatten auch das nötige Quäntchen Glück, als Okugawa gleich am Anfang Leo Zingerle aus kurzer Distanz anschießt. Wir haben beide Hälften im Schlafwagenmodus begonnen, doch dann waren wir richtig stark, lautete Baumgarts Fazit.

Dass seine Mannschaft der verdiente Gewinner war, daran gab es eigentlich keinen Zweifel – außer bei Tim Walter. Wie tief Baumgart von der eingangs erwähnten Analyse seines Gegenüber getroffen war, zeigt dieser Satz: Wir müssen uns immer fragen, wo wir herkommen, aber mit der Erfahrung von zwei weiteren Jahren geht dieses Spiel nicht nur 2:1 für uns aus. Aber auch ohne diese Erfahrung ist Paderborn mehr denn je ein heißer Anwärter auf die 1. Liga.

Schwarze Hose, schwarze Stutzen, rotes Trikot: So war der SC Paderborn noch nie aufgelaufen und diese Farbkombination wählten die Gäste auch nicht freiwillig. Wir wollten in Schwarz spielen, doch das hat der DFB nicht erlaubt, weil Kiel blaue Trikots hat und in unseren Hemden ein kleiner Blauanteil enthalten ist. Rot ging auch nicht, weil Holstein rote Socken trägt, klärte Paderborns Teammanager Ole Siegel nach Abpfiff auf. So kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination, die Glück brachte. Vielleicht spielen wir den Rest der Saison jetzt so durch, sagte Siegel mit einem Grinsen.

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Der SC Paderborn ist der große Gewinner des Spieltags. Die Ostwestfalen schoben sich auf Rang drei vor und haben jetzt sogar den direkten Aufstieg in der eigenen Hand.

Nach dem 2:1-Sieg im Verfolgerduell gegen Holstein Kiel stehen die Paderborner (51 Punkte) erstmals in dieser Serie auf dem Relegationsplatz und liegen nur noch zwei Punkte hinter dem Hamburger SV.

Spannender könnte das Aufstiegsrennen nicht sein, schließlich mischen auch Union Berlin (50) und der 1. FC Heidenheim (49) noch mit. Das Quartett ist am 31. Spieltag unter sich: Union empfängt am Sonntag den HSV, Paderborn tritt parallel gegen Heidenheim an.

Interessant wird es außerdem am vorletzten Spieltag, wenn der SCP den aktuellen Tabellenzweiten HSV zu Gast hat. Dann hat der Aufsteiger sogar den direkten Aufstieg in der eigenen Hand.

An den möglichen Durchmarsch aber verschwenden die Paderborner aktuell keinen Gedanken. “Es ist noch ein weiter Weg”, sagt Trainer Steffen Baumgart. Eigengewächs Sebastian Schonlau gibt für die kommenden Tage die Richtung vor: “Wir tun gut daran, uns ganz auf die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Heidenheim zu konzentrieren. Das ist alles, was zählt.”

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