Niederlage gegen Aue: SC Paderborn hat viel Ärger im Erzgebirge - Neue Westfälische
Aue-Stürmer Zulechner feiert sein Tor mit der Frau auf der Couch
Der Aufsteiger kassiert eine 1:2-Pleite in Aue und verliert Kapitän Hünemeier durch einen Platzverweis

Aue – Da strahlte einer mit der durch die Wolken schimmernden Sonne um die Wette: Philipp Zulechner kam, sah, traf und siegte mit dem FCE gegen den SC Paderborn 07.

Emotionaler Höhepunkt eines turbulenten Spiels: der Premieren-Treffer von Winter-Neuzugang Philipp Zulechner (28) in der 81. Minute. Nach seinem Tor wurde der Ösi-Stürmer von seinen Teamkollegen umringt, herzlich umarmt und abgeklatscht. Denn alle Auer wussten: Hinter Zulechner liegt eine verdammt lange Leidenszeit. Trainer Daniel Meyer (39): Dass Philipp getroffen hat, ist eine sensationelle Geschichte.Im Januar 2018 war Zulechner plötzlich schwer erkrankt. Ein multiresistenter Keim war über eine offene Wunde in die Blutbahn gelangt und hatte innere Organe befallen. Zulechner konnte seine Beine nicht mehr bewegen. Er musste nach einer erfolgreichen Antibiotika-Behandlung am Rollator wieder das Laufen lernen.

Nach schwerer Erkrankung: Zulechner trifft bei Heim-Debüt

Mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 (81.) hatte er die hart umkämpfte Partie gegen Paderborn entschieden.

Bei Sturm Graz wurde sein Vertrag im Sommer nicht verlängert. Meyer gab dem vereinslosen Profi in der Winterpause eine Chance. Zulechner: Mir hat in den ersten Einheiten die Kraft gefehlt, hinzu kamen ungewohnte technische Mängel. Das ist von den Jungs alles super akzeptiert worden. Nach so einer langen Zeit gleich im ersten Heimspiel zu treffen, ist der perfekte Einstand für mich.

“Einfach riesig. Der perfekte Einstand für mich. Das erste Heimspiel, der erste Treffer, ich bin einfach nur happy. Für mich ist alles top”, lachte der 28-Jährige nach der Partie.

Die Suche nach einem neuen Aue-Stürmer wird konkreter: Ösi-Knipser Philipp Zulechner (28) spielt ab Freitag beim FC Erzgebirge vor.

Er nutzte ein Zuspiel von Emmanuel Iyoha im Strafraum, fackelte nicht lange und donnerte die Kugel aus zehn Metern unters Tordach.

Platz 10 und 32 Punkte nach 25 Spielen: Erzgebirge Aue macht mit dem 2:1 gegen Paderborn den nächsten großen Schritt zur Rettung!

Der Rest war pure Freude. Seine Kollegen stürmten auf ihn ein und herzten ihn. Ein besonderes Gefühl für ihn nach seiner schweren Krankheit.

Tabellenführer 1. FC Köln bleibt in der 2. Fußball-Bundesliga trotz der Führungsquerelen sportlich in der Spur. Die Geißbock-Elf feierte nicht zuletzt dank einer Dreierpacks von Simon Terodde gegen Arminia Bielefeld einen 5:1 (2:0)-Erfolg und damit ihren vierten Sieg in Folge. Der FC hat jetzt wieder vier Punkte Vorsprung auf die schärfsten Verfolger Union Berlin und den Hamburger SV. Dominick Drexler (14.), nach herrlichem Steilpass von Marco Höger in den Strafraum, erzielte das frühe Führungstor für den starken Spitzenreiter. Terodde (21.) erhöhte per Kopf, die Vorarbeit per Eckball leistete Johannes Geis. Nach Alleingang erhöhte der Kolumbianer Jhon Cordoba (48.) mit seinem zwölften Saisontor auf 3:0, ehe erneut Terodde (69., 90.) seine Saisontreffer 25 und 26 folgen ließ. Andreas Voglsammer (71.) gelang das Bielefelder Ehrentor (71.). Am vergangenen Mittwoch hatte Präsident Werner Spinner nach heftigen Dissonanzen mit Sport-Geschäftsführer Armin Veh seinen Rücktritt erklärt. Am Samstag wurden weitere Details bezüglich der Demission bekannt, der Graben in der FC-Führung war tiefer als angenommen. Augenscheinlich hatte sich der Ex-Präsident per Sprachnachricht aus dem Skiurlaub für die Trennung von der Geschäftsführung oder von Trainer Markus Anfang ausgesprochen. Die anderen Vorstandsmitglieder Toni Schumacher und Markus Ritterbach leisteten dem Spinner-Wunsch allerdings nicht Folge.

Besonders freute sich Trainer Daniel Meyer: “Philipp ist schon eine sensationelle Geschichte. Es ist einfach nur Bombe, was er da gemacht hat. Jetzt beginnt unser Plan richtig zu greifen”, sagte der Trainer.

Erzgebirge Aue kann allmählich für die nächste Saison planen. Die Mannschaft von Trainer Daniel Meyer besiegte den SC Paderborn mit 2:1 (1:0) und dürfte mit 32 Punkten mit dem Kampf um den Klassenerhalt nichts mehr zu tun haben. Paderborn muss nach seinem dritten Spiel in Folge ohne Sieg und seiner zweiten Niederlage seinen vagen Aufstiegsträume begraben. Emmanuel Iyoha (11.) und Philipp Zulechner (82.) gelangen die entscheidenden Treffer für die Veilchen. Nach einer Notbremse am Torschützen sah SCP-Kapitän Uwe Hünemeier in der 45. Minute die Rote Karte. Das Anschlusstor für den SCP ging auf das Konto von Christopher Antwi-Adjei (87.). 6500 Zuschauer erlebten eine muntere Begegnung mit Chancen auf beiden Seiten. In der sechsten Minute verpasste Aues Torjäger Pascal Testroet die Führung für Erzgebirge. Sekunden später verhinderte der starke Martin Männel im Aue-Tor gegen Sven Michel einen möglichen Rückstand seiner Mannschaft. Iyoha nutzte dann auf Vorarbeit von Testroet die zweite gute Gelegenheit der Sachsen zum 1:0. Paderborn fiel nach der Pause in Unterzahl gegen die gut gestaffelte Abwehr von Aue nicht mehr viel ein. Erzgebirge verlegte sich mit einen Mann mehr auf Konter und hätte durch Testroet (56.) frühzeitig alles klar machen müssen.

“Nach seiner Leidensgeschichte so zurückzukommen, ist ergreifend. Viele haben an ihm gezweifelt, dass er es noch einmal schaffen wird, dass er bei uns Fuß fasst. Nun hat er gezeigt was er kann, einfach nur toll”, geriet Meyer ins Schwärmen.

Die Erfolgsserie von Jahn Regensburg wurde gestoppt. Die Oberpfälzer kamen nach zwei Siegen gegen den abstiegsbedrohten MSV Duisburg über ein 1:1 (1:0) nicht hinaus. Die Zebras sind jetzt seit drei Spielen ungeschlagen und holten dabei fünf Punkte. Al Ghaddioui (39.) schoss das Führungstor für die Oberpfälzer, vorausgegangen war ein Stellungsfehler von Duisburgs Enis Hajri. Kevin Wolze (67., Foulelfmeter) erzielte den verdienten Ausgleich für Duisburg, das eine wesentlich stärkere zweite Halbzeit bot. Der SSV Jahn bleibt zu Hause ein Tor-Minimalist. In zwölf Saisonheimpartien erzielten die Süddeutschen nur 13 Tore. Die Meidericher holten aus den vergangenen fünf Partien in der Fremde nur zwei Zähler. Die Gastgeber taten sich allerdings lange Zeit recht schwer. Der MSV machte die Räume eng, war giftig im Zweikampf und ließ das Jahn-Angriffsspiel nicht auf Touren kommen. Allerdings hatten die Duisburger ihrerseits ebenfalls Probleme, gefährlich vor das Tor der Regensburger zu kommen. Zu Beginn der zweiten Hälfte machten die Duisburger mehr Druck, aber die Abwehr der Regensburger bewahrte lange Zeit die Übersicht, ehe Torwart Philipp Pentke John Verhoek im Strafraum foulte.

Zulechner verdiente sich nach der Partie den Applaus der Fans, wollte seinen Treffer ab nicht groß feiern. “Meine Frau kommt heute Abend. Das werde ich genießen. Ich mache mir eine Cola auf, setze mich aufs Sofa und lasse den Tag gemütlich ausklingen.”