Finke-Besitzer suchen zusätzliche Fahrer für Logistik in Paderborn
Traditionsunternehmen schließt Standort, 340 Menschen werden auf einen Schlag arbeitslos
Die 160 Beschäftigten des Möbelhauses Finke in Fuldabrück blicken sorgenvoll in die Zukunft, nachdem der Paderborner Einrichtungsfilialist an den Branchenriesen Höffner verkauft worden ist.

Aktualisiert am 8. November, 9.58 Uhr -Zwar hatten die neuen Eigentümer im Zuge der Übernahme mitgeteilt, dass die Kasseler Filiale in Fuldabrück-Bergshausen zu den Standorten gehöre, die erhalten werden sollten. Bei einer Mitarbeiterversammlung vor ein paar Tagen klang das aber keineswegs so sicher.

Vertreter der Höffner-Gruppe hätten dabei signalisiert, dass man zunächst die kommenden Geschäftsmonate beobachten wolle, bevor endgültig über einen Weiterbetrieb auf Dauer entschieden werde, teilte die Gewerkschaft Verdi gegenüber der HNA mit. Ein Berater der Höffner-Inhaberfamilie Krieger wollte dazu auf HNA-Anfrage nicht Stellung nehmen. Er verwies auf die genannte Pressemitteilung vom Montag: „Darüber hinaus gibt es momentan nichts zu sagen.“

Verdi-Sekretär Manuel Sauer äußerte die Befürchtung, die unklare Lage bei Finke könne von den neuen Eigentümern genutzt werden, um Einzelgespräche mit den Beschäftigten über Gehaltseinbußen zu führen. Schon heute werde bei Finke unter Tarif bezahlt, sagte Sauer; dabei sei das Fuldabrücker Möbelhaus eine der ertragreichsten Finke-Filialen. „Daher erwarten wir von der Höffner-Gruppe, dass alle Kasseler Mitarbeiter zu den bisherigen Konditionen auf Dauer weiterbeschäftigt werden.“

Höffner-Inhaber Kurt Krieger hat bereits klargemacht, dass es bei Finke zu harten Einschnitten kommen werde. Fehler der bisherigen Konzernleitung hätten das Möbelunternehmen zum Sanierungsfall gemacht. Die Schließung des Paderborner Haupthauses Mitte 2019 ist bereits ausgemacht, auch die Filialen in Erfurt und Jena stehen zur Disposition. Bei dem 1995 eröffneten Finke-Haus in Fuldabrück mit gut 30 000 Quadratmetern Fläche gibt es gebäudetechnisch einen erheblichen Investitionsstau. Weitere Finke-Standorte gibt es noch in Hamm und in Münster.

Im Industriepark Kassel-Waldau gehört auch die Filiale des Möbeldiscounters „Preisrebell“ zur Finke-Gruppe und somit zum Verkaufspaket. 50 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Zur Zukunft der fünf Preisrebell-Häuser – weitere gibt es in Paderborn, Erfurt, Beckum und Münster – haben sich die neuen Eigentümer um den Berliner Möbel-Milliardär Krieger bislang nicht geäußert. Nach Angaben von Gewerkschafter Sauer wird im Unternehmen aber bereits kommuniziert, dass die Preisrebell-Häuser mit dem Wohndiscounter Sconto vereinigt werden sollten, der zu Kriegers Höffner-Konzern gehört.

Für die bisher zur Finke-Gruppe gehörenden Einrichtungshäuser gibt es laut Verdi inzwischen keinen Gesamtbetriebsrat mehr, der die anstehende Sanierung auf Arbeitnehmerseite begleiten könnte. Alle Filialen seien in separate Firmen übertragen worden, für die jeweils nur noch ein Standort-Betriebsrat die Belange der Beschäftigten vertritt.

Unterdessen hat die expandierende Kasseler Traditionsfirma Möbel Schaumann mitgeteilt, sie wolle wechselwillige Finke-Mitarbeiter gern übernehmen.

Nach der Übernahme der Möbelhaus-Gruppe Finke durch Höffner soll das Stammhaus in Paderborn Mitte 2019 geschlossen werden. Die riesige Verkaufsfläche von 42.000 Quadratmetern wird dann endgültig verschwinden: Das Möbelhaus wird abgerissen. Ein halbes Jahr später wird auch die Verwaltung in Paderborn aufgelöst. Betroffen sind 340 der insgesamt 1600 Mitarbeiter der Gruppe.

Zugleich erklärte das Unternehmen zu den übrigen drei Standorten: „Die Filialen in Münster, Hamm und Kassel sowie die Logistik in Paderborn sollen erhalten und künftig aus der Zentral-Verwaltung in Berlin geführt werden“, teilte Höffner-Inhaber Kurt Krieger mit. Gemeint ist die Finke-Filiale in Fuldabrück bei Kassel. Das heißt also: Finke im Landkreis Kassel bleibt erst einmal so erhalten, wie es die Kunden kennen. Zur „Preisrebell“-Filiale in Kassel machte das Unternehmen auf Nachfrage bisher keine Angaben.

"Vor wenigen Jahren noch unter den Top-10 der deutschen Möbelhändler hat es die Paderborner Finke-Gruppe jetzt endgültig erwischt: Nach der Übernahme durch Konkurrent Höffner kommt die Sanierung mit der Abrissbirne. Riesige 42.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, das größte Möbelhaus in OWL, verschwinden nächstes Jahr im Nichts. Unglaublich, zumal für Paderborn, wo Finke noch immer die Marke für Möbel ist. Mag sein, dass die finanziellen Probleme bei Finke hausgemacht sind. Mag auch sein, dass andere rentabler wirtschaften. Dennoch schrieb Finke, der vor genau 50 Jahren in die Firma seines Vaters eintrat, über Jahrzehnte eine beachtliche Erfolgsstory …."

Auch an den übrigen Standorten seien „umfangreiche Maßnahmen“ nötig, meldet das Unternehmen: „Finke hat deutlich zu hohe Kosten und ist auch deshalb nicht wettbewerbsfähig“, so das harte Urteil Kriegers. Deshalb werden in den verbleibenden Häusern ähnlich wie in Paderborn Sozialpläne für die „nötigen Anpassungen“ erarbeitet. Genaueres teilte das Unternehmen nicht mit. Gewerkschaft und Betriebsrat zeigten sich überrascht. "Davon hat bei der Übernahme keiner gesprochen", sagte eine Verdi-Sprecherin und nannte das Vorgehen "mies".

Ziel, so heißt es in der Erklärung, sei es, Finke dauerhaft aus der Verlustzone zu holen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Alternativen zu seinem Kurs sieht Krieger nicht: „Finke verliert jeden Tag Geld. Und der Wettbewerb wird immer härter. Schon lange macht das Unternehmen operative Verluste, die seinen Bestand ernsthaft gefährden. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit und sind nicht mehr zu ändern.“ Dennoch versicherte Krieger, dass er das Unternehmen retten wolle. Nach eigenen Angaben erwirtschaftete Finke zuletzt rund 300 Millionen Euro Umsatz.

Höffner beschäftigt 6000 Mitarbeiter, der Umsatz des Unternehmens beträgt über zwei Milliarden Euro. Mit 19 Einrichtungszentren und sechs Zentrallagern gehört Höffner zu den Großen der Branche. Es ist Teil der Kurt Kriegers KHG Gruppe in Berlin. 

Finke und Höffner waren bisher Kooperationspartner gewesen und pflegten eine Einkaufspartnerschaft. Mit der Übernahme will Höffner die eigene Gruppe stärken. 

Finke beschäftigt insgesamt 1600 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei rund 300 Millionen Euro. Gegründet wurde das Unternehmen 1959 in Paderborn von Franz Finke, dem Vater des jetzigen Besitzers Wilfried Finke, der die Geschäftsleitung 1978 übernahm. 

Das zweite Finke-Möbelhaus wurde 1993 in Erfurt eröffnet. 1995 entstand ein drittes in Kassel. Mittlerweile gehören zu Finke sieben Einrichtungshäuser, sieben Wohndiscounter sowie ein Küchenfachmarkt. 

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Paderborn – Am Montag wurde bekannt, dass der Standort Paderborn der Finke-Einrichtungshäuser geschlossen wird. Hunderte Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Am Montagmorgen erhielten rund 340 Mitarbeiter des Finke-Standortes in Paderborn die Nachricht, dass das Möbelhaus geschlossen wird. Bereits am 30. Juni 2019 soll Schluss sein bei dem Traditionsunternehmen.

Finke ist ein Sanierungsfall. Schon lange macht das Unternehmen operative Verluste, die seinen Bestand ernsthaft gefährden. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit, sind vielfältig und nicht mehr zu ändern. Klar ist aber, wir wollen das Unternehmen retten. Dazu sind auch schmerzhafte Einschnitte unausweichlich”, rechtfertigte Kurt Krieger, Inhaber der Krieger Handel SE, die Entscheidung des Eigentümerunternehmens.

Das Möbelhaus soll Mitte des kommenden Jahres geschlossen und abgerissen werden. Die Verwaltung soll bis zum Ende nächsten Jahres ebenfalls schließen, berichtete die Neue Westfälische.

Der Betriebsrat des Möbelhauses soll einen Sozialplan und einen Interessenausgleich für die zahlreichen Mitarbeiter, die zeitnah ihren Job verlieren werden, schaffen. Die Logistik des Paderborner Standortes soll dabei jedoch behalten werden. Auch die Filialen in Münster, Hamm und Kassel werden erhalten. Die Plätze werden von der Zentral-Verwaltung in Berlin aus geleitet.

Doch auch diese Standorte werden umstrukturiert: Auch in diesen Filialen sind umfangreiche Maßnahmen notwendig. Finke hat deutlich zu hohe Kosten und ist auch deshalb nicht wettbewerbsfähig. Gemeinsam mit dem Betriebsrat werden wir auch hier Sozialpläne erarbeiten und die nötigen Anpassungen so sozial verträglich wie möglich gestalten. Finke verliert jeden Tag Geld. Und der Wettbewerb wird immer härter. Wir müssen uns neu aufstellen, nur dann haben wir auch eine Zukunft”, erläuterte Krieger.

In Paderborn sind 340 Mitarbeiter betroffen. Zur Unternehmensgruppe zählen rund 1.600 Mitarbeiter. Es soll bereits Kontakt zwischen Betriebsrat, Arbeitsagenturen und einem Fachanwalt für Arbeitsrecht aufgenommen worden sein. Der Betriebsrat und auch der Bürgermeister von Paderborn zeigten sich überrascht über das plötzliche Aus: Das war so nicht absehbar, deshalb bin ich tief geschockt und sehr überrascht”, kommentierte Bürgermeister Michael Dreier die Entscheidung.

Die Stadt hat nach wie vor ein sehr großes Interesse, Paderborn als bedeutenden Standort für den Möbelhandel zu erhalten. Deshalb werde ich mich klar für einen Wiederaufbau des Möbelhauses einsetzen. Dabei bekommt die Krieger-Gruppe jede mögliche Unterstützung seitens der Stadt Paderborn”, versuchte Dreier der Schließung entgegenzuwirken.

Die Mitarbeiter des Möbelhauses zeigten sich fassungslos über die plötzliche Schließung, war Wochen zuvor doch noch gesagt worden der Standort bleibe bestehen, berichtete die Neue Westfälische. “Es ist, als ob man sein Zuhause verliert”, sagte eine Mitarbeiterin. Viele der Arbeitnehmer arbeiten bei dem Möbelhaus seit Jahren, für viele Familien hat die Schließung schwerwiegende Folgen.

Auch die Angst vor der Zukunft spielt von nun an eine große Rolle im Leben der Finke-Mitarbeiter. Hoffnungen werden jetzt auf den Betriebsrat gesetzt, der schon in Kontakt mit den Arbeitsagenturen stehe. “Die Lage für Berufe im Einzelhandel ist gut. Arbeitgeber suchen nach Fachkräften. Da sind Mitarbeiter mit langjähriger Berufserfahrung besonders wertvoll geworden”, bestätigte Matthias Dainat, Sprecher der Arbeitsagentur Ostwestfalen-Lippe.

In der kommenden Woche soll es weitere Mitarbeitergespräche, auch mit den Arbeitsagenturen, geben, es werde um Arbeitslosengelder und Weiterbildungsmöglichkeiten gehen. “Die Mitarbeiter können uns dann alles fragen, was ihnen zum Thema Jobverlust unter den Nägeln brennt”, so Dainat. Die Arbeitssuche für die Finke-Mitarbeiter soll schon nächste Woche an den Start gehen.