VfL Osnabrück: Bereit für die Zweite Liga? - NDR.de
Uerdingen – Schiri-Ausraster in der Halbzeit
Der VfL Osnabrück steht kurz vor dem Aufstieg in die zweite Fußball-Bundesliga. Vom Fast-Absteiger zum Tabellenführer binnen einer Saison – die sportliche Entwicklung ist rasant bei den Niedersachsen. Ist der VfL Osnabrück auch bereit für die Zweite Liga?

Die Fans des VfL Osnabrück stimmen bereits bei jeder Gelegenheit – zuletzt beim 3:1-Sieg beim KFC Uerdingen – den Klassiker “Nie mehr Dritte Liga!” an: Für sie steht fest, dass die Niedersachsen ihren Zwölf-Punkte-Vorsprung ins Ziel bringen werden. “Noch ist ein kleiner Schritt zu gehen”, sagte VfL-Sportchef Benjamin Schmedes am Sonntag im NDR Sportclub: “Aber die Tabellensituation ist komfortabel.” Kaum jemand hätte den Niedersachsen diesen rasanten Aufschwung zugetraut. Doch ist Osnabrück bereit für die Zweite Liga?

Dreimal aus der Distanz: VfL weiter auf Kurs

Der VfL Osnabrück steht vor der Rückkehr in die Zweite Liga – dank Benjamin Schmedes. Im Sportclub sprach der Sportdirektor über den möglichen Aufstieg und sein Erfolgsrezept.

Video: 3. Liga: Osnabrück besiegt auch Uerdingen und ist steht kurz vor dem Aufstieg | Sportschau

Der Aufstieg ist für den VfL eine sehr große Herausforderung. “Der Club ist zurzeit personell, finanziell und infrastrukturell nicht mehr als ein durchschnittlicher Drittligist”, so Geschäftsführer Jürgen Wehlend im Sportclub. Um die Auflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) zu erfüllen, muss beispielsweise das Stadion an der Bremer Brücke modernisiert und letztlich komplett überdacht werden. “Es läuft auf einen Umbau des Stadions hinaus”, betonte Wehlend.

Auch Trainingsgelände und Nachwuchsleistungszentrum sind nicht mehr zeitgemäß. Es fehlen Kunstrasenplätze, Flutlichtanlagen und Funktionsgebäude. Doch das Geld ist seit Jahren knapp beim VfL. Daran würde auch der Aufstieg nichts ändern.

Schmedes weiß um die Problematik: “Letztlich gibt es im Profisport immer eine Korrelation zwischen dem Geld, das man investieren kann und dem sportlichen Erfolg.” Der VfL ist seit 2011 drittklassig. “Dass man da keine Strukturen aufbauen kann, die zweitligareif sind, ist klar”, beschrieb der 34-Jährige die Voraussetzungen in Osnabrück. “Wir dürfen uns nichts vormachen, wenn wir diesen Schritt gehen, eine Liga höher, dann sind wir unter den Top 36 Vereinen dieses Landes. Aber in der Nahrungskette ganz unten.” So werde es beispielsweise acht Millionen Euro aus dem TV-Topf geben – Top-Vereine wie der Hamburger SV kassieren aber fast das Dreifache. Das bedeutet: Um in der Zweiten Liga zu bestehen, ist der VfL auf weitere Sponsoren und Geldgeber angewiesen.

Perfekt ist der Zweitliga-Aufstieg noch nicht, aber der VfL Osnabrück hat einen weiteren großen Schritt gemacht. Und die Fans gaben beim souveränen Sieg beim KFC Uerdingen die Zurückhaltung auf. mehr

Obwohl Schmedes betont, “dass wir es geschafft haben, mit sehr bescheidenen Mitteln einen wettbewerbsfähigen Kader zusammenzustellen”, weiß er auch: Für die kommende Saison ist erneut Kreativität gefragt, denn zahlreiche Arbeitspapiere (Marcos Alvarez, Tim Danneberg, Alexander Dercho, Kamer Krasniqi, Tim Möller, Luca Pfeiffer) laufen im Sommer aus, zudem enden die Ausleihen von Torwart Nils Körber und Stürmer Benjamin Girth. Bei Letzterem gibt es eine Kaufoption.

Welche Anforderungen Schmedes und Trainer Daniel Thioune an potenzielle Neuzugänge haben, erläuterte der Sportchef noch einmal im Sportclub: “Wir definieren uns über ein paar Grundwerte: 100 Prozent Intensität und Schärfe – in jedem Spiel und Training. Das gehört zur DNA an der Bremer Brücke.” Erfolg sei allerdings nicht planbar, so Schmedes. “Aber wir können Wahrscheinlichkeiten erhöhen, indem wir mehr gute Entscheidungen treffen als schlechte.” Das ist den Osnabrückern für diese Saison gelungen: Die Verantwortlichen stellten jene Mannschaft zusammen, die nun souverän Tabellenführer ist und vielleicht schon am kommenden Sonnabend gegen den VfR Aalen (live im NDR Fernsehen und im Livestream bei NDR.de) den Aufstieg perfekt machen kann.

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Der VfL Osnabrück hat beim KFC Uerdingen den fünften Sieg in Folge eingefahren und damit einen neuen vereinsinternen Drittligarekord aufgestellt. Die Niedersachsen gewannen beim KFC mit 3:1 und haben damit einen weiteren großen Schritt in Richtung Zweitligaaufstieg gemacht. Unterdessen muss Uerdingen mit sieben Zählern Vorsprung bei fünf noch ausstehenden Partien die Abstiegsränge auch weiterhin im Blick halten.

Nach dem 3:1 in Lotte musste Uerdingens Trainer Frank Heinemann zwei Wechsel vornehmen: Erb hatte gegen Lotte die fünfte Gelbe gesehen und fehlte gesperrt, Matuschyk zog sich einen Syndesmoseriss zu. Es begannen Maroh und Pflücke.

Zwei Wechsel nahm auch VfL-Coach Daniel Thioune nach dem 1:0 gegen Braunschweig vor: Konrad und Girth rotierten auf die Bank, Trapp und Pfeiffer liefen von Beginn an auf.

Nach dem späten Osnabrücker Sieg im Hinspiel hatte Uerdingens suspendierter Schorch zu Protokoll gegeben, dass es im Rückspiel “richtig knallen” würde. Dieser Knall blieb – aus Sicht des KFC – allerdings aus. Denn nachdem Pflücke nach schnellem Antritt am Abschluss gescheitert war (4.) brachte Alvarez die Gäste in Front, indem er einen Freistoß über die Mauer und ins Tor zirkelte (6.).

Zwar zeigte sich Uerdingen von dem frühen Rückstand wenig beeindruckt, blieb im Abschluss aber zu unpräzise. So produzierte Dorda eine Bogenlampe (15.) und Aigner schob in der besten Szene ein Zuspiel von Maroh am Tor vorbei (16.). In der Folge fand die Partie hauptsächlich im Mittelfeld statt – beide Teams begegneten sich auf Augenhöhe. Die Hausherren ließen beim letzten Zuspiel in die Spitze die nötige Präzision vermissen, um den Spitzenreiter vor Probleme zu stellen.

Im zweiten Durchgang konnte sich Osnabrück bei Körber bedanken, der zunächst ein Pflücke-Zuspiel vor Beister wegspitzelte (51.) und dann einen Schuss von Pflücke parierte (53.). Wenig später entschied Osnabrück die Partie dann in kürzester Zeit: Ouahim ergrätschte sich den Ball und schlenzte das Leder ins Tor (55.), ehe Blacha nur vier Minuten später per Distanzschuss auf 3:0 stellte (59.).

Erst in der Schlussphase erhielt Uerdingen noch einmal Oberwasser: Nachdem Aigner von Ajdini per Bodycheck gestoppt worden war, verkürzte Beister per Foulelfmeter auf 1:3 (78.). Anschließend musste Engel, nachdem er sich bei einem Duell mit Beister verhakt hatte, mit Rot vom Platz (80.). Doch trotz Überzahl und der Hereinnahme von Osawe für Maroh (84.) gelang Uerdingen der Anschlusstreffer nicht mehr, denn Körber klärte vor Lukimya (90.) und Aigners Schuss aus zweiter Reihe geriet zu hoch (90.+3). Und so kann der VfL mit dem fünften Drittligasieg in Folge nicht nur einen neuen Vereinsrekord feiern, sondern es rücken auch die Aufstiegsfeierlichkeiten in immer greifbarere Nähe.

Uerdingen empfängt am Montag (19 Uhr) Braunschweig. Für Osnabrück geht es bereits am Samstag (14 Uhr) gegen Aalen weiter.

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