Oldenburger Schlachthof verliert Abnehmer
Standard-Fleisch In Oldenburg: Händler stoppen Zusammenarbeit mit Schlachthof
Nach dem Verdacht von Tierschutzvergehen gegen einen Schlachthof in Oldenburg haben erste Kunden des Betriebes Konsequenzen gezogen. “Über die Vorgänge bei dem Schlachthofbetreiber Standard-Fleisch GmbH & Co. sind wir entsetzt und halten diese für völlig inakzeptabel”, hieß es am Donnerstag in einer Stellungnahme der Bünting Gruppe, zu der auch die Supermarktkette Familia gehört.

Das Handelsunternehmen aus Nortmoor (Niedersachsen) stellte “bis zur vollständigen Klärung und Sicherstellung der tierschutzrechtlichen Vorgaben die Zusammenarbeit mit dem Schlachthofbetrieb in Oldenburg mit sofortiger Wirkung ein”.

Unterdessen ist die Stadt Oldenburg in Erklärungsnot: Laut dem NOZ-Bericht konnte die Verwaltung zunächst nicht mitteilen, wie viele Tierschutzverstöße die Veterinärbehörde der Stadt in den vergangenen Jahren in dem Schlachthof festgestellt hat. Die Auswertung dauere noch an. Auch der Landesregierung ist der Schlachthof offenbar länger bekannt: Laut Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast (CDU) wurden in den vergangenen drei Jahren fast 30 Strafanzeigen gegen das Unternehmen gestellt. Warum in Oldenburg trotzdem weiter geschlachtet werden durfte, will sie nun prüfen lassen. Eine Sprecherin des wirtschaftseigenen Kontrollsystems “QS” teilte außerdem mit, in den vergangenen Jahren hätten mehrere Kontrollen stattgefunden, dabei seien Abweichungen festgestellt worden. Diese stünden aber nicht im Zusammenhang mit den von Tierrechtlern angeprangerten mutmaßlichen Missständen.

Auch das Unternehmen Frosta reagierte und beendete die Zusammenarbeit. Allerdings sei hier mit der “Steakhaus-Pfanne” nur ein Produkt betroffen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Erste wirtschaftliche Konsequenzen für den in die Kritik geratenen Oldenburger Rinderschlachthof: Nach den heimlich gedrehten mutmaßlichen Tierschutzverstößen kauft die Bünting-Gruppe aus Leer vorerst kein Fleisch mehr beim Schlachthof GK Oldenburg ein. Eine Sprecherin der Gruppe, zu der unter anderem die Supermarktketten Combi und Famila gehören, sagte der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ), man sei über die Vorgänge in dem Schlachthof entsetzt gewesen und halte diese für völlig inakzeptabel. “Aus diesem Grund haben wir bis zur vollständigen Klärung und Sicherstellung der tierschutzrechtlichen Vorgaben die Zusammenarbeit mit dem Schlachthofbetrieb in Oldenburg mit sofortiger Wirkung eingestellt.” Laut dem Deutschen Tierschutzbüro hat auch der Tiefkühlkost-Hersteller Frosta die Zusammenarbeit mit dem Schlachthof vorerst eingestellt.

Am Dienstag hatte der Verein “Tierschutzbüro” heimlich gedrehte Aufnahmen aus dem Betrieb veröffentlicht. Das Videomaterial zeigte zahlreiche Tierquälereien an Rindern. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Ermittlungen aufgenommen und der Skandal zieht weitere Kreise.

Das Tierschutzbüro und das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium haben inzwischen Strafanzeige gegen das Unternehmen erstattet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt bereits. Außerdem lässt die Stadt Oldenburg unter anderem sämtliche Schlachtungen durch einen Veterinär überwachen. Deren Einsatz ist allerdings umstritten, weil auf den Videoaufnahmen auch Amtsveterinäre zu sehen sein sollen, die bei den Quälereien weggeschaut beziehungsweise in einigen Fällen sogar mitgemacht haben sollen. Die Behörde will das nun intern untersuchen.

Das Personal müsse besser ausgebildet und intensiver kontrolliert werden, meint der Professor und Veterinär Jörg Hartung. Nur so könne man den Tierschutz in Schlachthöfen verbessern. “Wir haben die Tierschutz-Schlachtverordnung, in der alles steht, was befolgt werden muss. Man muss sie nur umsetzen”, sagte er der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”.

Die Stadt Oldenburg konnte auf Presse-Anfrage zunächst nicht mitteilen, wie viele Tierschutzverstöße die Veterinärbehörde der Stadt in den vergangenen Jahren in dem Betrieb festgestellt hat. Eine entsprechende Auswertung dauere an.

Am Dienstag hatte der Verein “Tierschutzbüro” heimlich gedrehte Aufnahmen aus dem Betrieb veröffentlicht. Eigenen Angaben zufolge bewiesen mehr als 600 Stunden Videomaterial aus dem Schlachthof, dass viele Tiere “unzureichend und nicht fachgerecht betäubt” und bei vollem Bewusstsein mit einem Stich in den Leib ausgeblutet wurden. “Wir zweifeln weder die Authentizität der Bilder an noch möchten wir die Vorfälle kleinreden”, hieß es daraufhin in einer Mitteilung von GK Oldenburg.

Kontrolleure, die unabhängig sind, wären Hartung zufolge wichtig. “Sie müssen ja nicht jeden Tag kommen, aber die Schlachthöfe dürfen nicht wissen, wann sie kommen.” Moderne Technik sei beim Schlachten ebenfalls hilfreich.

Die Gesellschaft sollte sich aus Sicht des Veterinärs bewusster sein, dass Fleisch Tierleben kostet. Der Fleischverbrauch sei zu hoch.

Im Schlachthof GK Oldenburg sollen Rinder unnötig gequält worden seinDie Staatsanwaltschaft Oldenburg ermitteltLandwirtschaftsministerin Otte-Kinast (CDU) fordert Kameras in allen SchlachthöfenErste Handelsketten kündigen vorerst Zusammenarbeit mit GK Oldenburg

Die Aufnahmen aus einem Schlachthof in Oldenburg haben für Entsetzen in der Region gesorgt – auch bei Kunden des umstrittenen Betriebes. Nun ziehen zwei Unternehmen Konsequenzen.

Tierquälerei in Schlachthöfen in Niedersachsen: Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast will Kameras verpflichtend machen. Dafür müsste aber das Bundesdatenschutzgesetz geändert werden. (07.11.2018) mehr

Oldenburg Nach dem Verdacht von Tierschutzvergehen gegen einen Schlachthof in Oldenburg haben erste Kunden des Betriebes Konsequenzen gezogen. Über die Vorgänge bei dem Schlachthofbetreiber Standard-Fleisch GmbH & Co. sind wir entsetzt und halten diese für völlig inakzeptabel, hieß es am Donnerstag in einer Stellungnahme der Bünting Gruppe, zu der auch die Supermarktkette Famila gehört.

Landwirte fürchten illegale Aufnahmen in ihren Ställen. Die FDP möchte solche Aktionen künftig bestrafen. Tierärzte sehen die Aktionen als Hilfe bei der Aufdeckung von Missständen. Video (01:16 min)

Das Handelsunternehmen aus Nortmoor (Kreis Leer) stellte bis zur vollständigen Klärung und Sicherstellung der tierschutzrechtlichen Vorgaben die Zusammenarbeit mit dem Schlachthofbetrieb in Oldenburg mit sofortiger Wirkung ein. Zunächst hatte die Neue Osnabrücker Zeitung darüber berichtet. Auch das Unternehmen Frosta reagierte und beendete die Zusammenarbeit. Allerdings sei lediglich ein Produkt – die Steakhouse-Pfanne – betroffen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Wiederholte Elektroschocks, Ausbluten ohne ausreichende Betäubung – die Vorwürfe gegen einen Schlachthof in Oldenburg wiegen schwer. Der Betrieb hat sie im Grundsatz bestätigt. (05.11.2018) mehr

Der Verein Deutsches Tierschutzbüro hatte mit versteckter Kamera aufgenommene Videos aus dem Schlachthof gezeigt und dem Betrieb vorgeworfen, Rinder unzureichend und nicht fachgerecht betäubt und bei Bewusstsein getötet zu haben.

Heimlich gedrehtes Videomaterial des Deutschen Tierschutzbüros zeigt offenbar, wie in einem Oldenburger Schlachthof Tiere gequält und nur unzureichend betäubt getötet werden. Video (03:09 min)

Wir freuen uns natürlich darüber, dass Frosta und die Bünting-Gruppe die Zusammenarbeit sofort beendet haben und ihrer Verantwortung gerecht worden sind, das gleiche erwarten wir jetzt auch von Goldschmaus-Gruppe, so Tierschutzbüro-Chef Jan Peifer. Die Goldschmaus-Gruppe ist an dem Schlachthofbetreiber GK Oldenburg beteiligt. Gegen den Betrieb laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.